Das Jahr 740 - 999
alle hier zu sehenden Siegelabdrücke sind in meinem Besitz
Karl der Große
807
Ludwig I. der Fromme
833
Pippin
740



Titel
Siegelführer Pippin „der Kurze“ 751–768
Legende
Typ Erstes Siegel (Hausmeier) Datierung 741
Gewicht
Durchmesser 20 x 17
Stärke
Form hochoval
Material Wachs
Titel. König
Siegelführer Karl der Große
Legende
geboren 2. April 742
gestorben 28. Januar 814
Grabstätte Aachen, Aachener Münster
Typ Gemmensiegel
Datierung 807
Gewicht
Durchmesser 48 x 47 mm
Stärke
Form hochoval
Material Wachs
Titel
Siegelführer Ludwig I. der Fromme 814-840
Legende
geboren 778 Chasseneuil bei Poitiers
gestorben 20. Juni 840 bei Ingelheim
Grabstätte Metz
Typ
Datierung 833
Gewicht
Durchmesser 37 x 33 mm
Stärke
Form hochoval
Material Wachs
Siegelbild
Büste Pippins im Profil nach links
Zusatzinfo
Der Vater Karls des Grossen wird gewöhnlich durch den erstmals im 11. Jahrhundert bezeugten Beinamen „der Kurze“ von seinen Vorfahren gleichen Namens unterschieden.
Nachdem die fränkische Königsdynastie der Merowinger zu einem Schattenkönigtum herabgesunken war, lies der seit 747 allein als Hausmeier fungierende Pippin durch Abt Fulrad von Saint-Denis und Bischof Burkhard von Würzburg dem von den Langobarden bedrängten Papst in Rom die berühmte Frage vorlegen ,wegen der Könige in Francien, die damals keine königliche Macht besaßen: ob das gut sei oder nicht“.
Gestützt auf die Antwort des Papstes Zacharias, „es sei besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht habe, statt den, der ohne königliche Macht sei“, konnte Pippin sich im November 751 von den in Soissons versammelten fränkischen Magnaten zum König erheben lassen.
Er setzte damit den Anfang der karolingischen Herrschaft über Mitteleuropa, die gut eineinhalb Jahrhunderte, in der Francia sogar bis kurz vor die Jahrtausendwende dauern sollte eine Epoche, in der die Grundlagen unserer heutigen Staatenwelt wurzeln.
Der Siegelabdruck des fränkischen Hausmeiers und späteren Königs Pippin von ca. 741 steht in seiner Zeit neben den merowingischen Königssiegeln allein;
ein Vergleich mit anderen Siegeln jener Epoche ist daher kaum möglich. Man kann lediglich auf eine Reihe von vielleicht auch zum Siegeln gebraucht Ringen fränkischer und langobardischer Magnaten hinweisen, die Namen und Bild vermutlich des Besitzers tragen meist allerdings wie auf vielen frühmittelalterlichen Münzen nicht im Profil, sondern frontal.
Insofern kommt unserem vorliegenden Abdruck, der allerdings historisch nur fragmentarisch erhalten ist, grosse Bedeutung zu.
Wir finden hier deutliche Anzeichen für eine bewusstere, sozusagen historische Rückwendung zur Antike, und wir dürfen mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass damals wie auf den Münzen auch auf den Siegeln der Magnaten häufig das Bild des Siegelführers wiedergegeben wurde. Die geringe Grösse des Stücks könnte darauf hinweisen,
dass Pippin den Stempel tatsächlich an einem Ring getragen hat und es sich somit um ein Ringsiegel handelt, während die grösseren Typare seiner Nachfolger auch schon in karolingischer Zeit meist an Ket- ten verwahrt wurden. Das bezeugen jedenfalls Abdrücke von Kettengliedern an den Wachsschüsseln zahlreicher frühmittelalterlicher Siegel.
Verglichen werden kann der vorliegende Siegelabdruck des Hausmeiers Pippin mit dem Stempel aus Pippins Regierungszeit als König.
Bei letzterem handelt es sich um eine antike Gemme mit Bacchantendarstellung, ein Typar also, bei welchem es ganz offensichtlich nicht auf die Abbildung des Besitzers ankam.
So zeigen die beiden in Abdrücken erhaltenen Stempel Pippins Stationen in der Geschichte des mittelalterlichen Königssiegels auf.
Da in der spätmerowingisch-frühkarolingischen Zeit die Könige und Fürsten des Lesens und des Schreibens nicht mehr oder nur noch selten kundig waren, musste damals das Siegel die Unterschrift als Mittel der Beglaubigung von Urkunden ersetzen, während es ursprünglich zur Sicherung von Briefen und als Erkennungszeichen gedient hatte. Die Entwicklung von unverkennbar königlichen und seit Karl dem Grossen dann auch kaiserlichen Siegeln ging überein mit der Erneuerung und Festigung des Frankenreiches unter den zur Königssippe aufgestiegenen Pippiniden oder Karolingern.
Sie war deswegen eine notwendige Entwicklung, weil das Führen von Siegeln zu jener Zeit in antiker Tradition nicht den Herrschern vorbehalten, sondern mindestens auch in den Oberschichten weit verbreitet war, von denen sich die Könige abheben wollten. Während also Pippin als Hausmeier ein Typar gebrauchte, auf dem er selbst dargestellt war, verwendete er als König kein Portraitsiegel mehr, sondern begründete – soweit wir sehen eine überaus folgenreiche Sitte: Für ein rundes Jahrhundet sollten nun die karolingischen Herrscher antike Gemmen als Stempel für ihre Wachssiegel auf den Urkunden benutzen; Pippin selbst führte einen Stein mit der Darstellung eines Bacchanten. Andere Mitglieder der Königsfamilie, wie beispielsweise Pippins Bruder Karlmann, bedienten sich sogar antiker Edelsteine mit weiblichen Darstellungen.
Zusatzinfo
Ludwig war der dritte Sohn Karls des Grossen und eigentlich nicht zu dessen direkter Nachfolge vorgesehen.
Da aber die früher geborenen Söhne Pippin und Karl bereits vor Karls des Grossen Tode verstorben waren, musste die Wahl auf ihn fallen.
Die Thronfolge bestimmte sich in alter Weise nach Sippenrecht.
Es regierte nicht der einzelne König, sondern die Sippe der Karolinger.
Die Bestimmung des konkreten Thronfolgers geschah innerhalb des königlichen Hauses; die Hausgewalt enthielt zugleich die Verfügung über die Reichsgewalt.
Die Reichseinheit war somit trotz Erbteilung gewahrt.
Karl der Grosse selbst hatte in seinem politischen Testament von 806 ein divisio regnorum (Teilung der Königreiche) unter seine Söhne angeordnet, die aber, solange die Einheit des corpus fratrum (Körperschaft der Brüder Sippenzusammenhalt) erhalten geblieben wäre, die Reichseinheit nicht gefährdet hätte.
Ludwig hatte schon als Kleinkind die Krone von Aquitanien erhalten.
dort wurde er unter anderem erzogen von Benedikt von Aniane,
dem späteren Abt des neugegründeten benediktinischen Musterklosters Kornelimünster bei Aachen, fern vom Elternhaus.
Möglicherweise ist dies der Grund für die Verwendung einer Gemme von Viktorinus im Siegel, der von 268 bis 270 Augustus des gallischen Sondereiches mit den Hauptstädten Köln und Trier und dem teritorialen Umfang von Britannien, Spanien und Gallien war. Das Kaisertum Karls des Grossen stand zu Beginn in einem rechtlich nicht abgesicherten Raum. Karl selbst sah sich zunächst wohl eher als Gegenkaiser gegen die byzantinische Kaiserin Irene, die sich den Titel zu unrecht angeeignet hatte.
Es schien ihm ein persönlicher Titel zu sein. Auch Viktorinus hatte als Gegenkaiser seinerseits ein ähnlich grosses Imperium. Erst im Jahre 812 erkannte Byzanz auch formell dem fränkischen Herrscher den Titel zu. Schon im darauffolgenden Jahr dann befahl Karl seinem Sohne Ludwig, sich selbst die Kaiserkrone aufs Haupt zu setzen. Der Papst sollte von der Krönung ausge- schaltet bleiben. Doch Ludwig machte diesen Plan zunichte, indem er sich 816 ein zweites Mal vom Papst krönen liess.Mit diesem Akt schon kündigte sich zwischen König und Papst der Streit um die Vorherrschaft an.
Bei Antritt seiner Regierung versuchte Ludwig mit Hilfe seines Ratgebers Benedikt von Aniane den augustinischen Gottesstaat Zu errichten. Im ganzen Frankreich wurde die strenge Benediktinerregel für die geistlichen Orden als verbindlich eingeführt.
Wie bei seiner eigenen Bestimmung zum König wollte Ludwig schon 817 in einem Reichsplan, der ordinatio imperii, durch frühzeitige Festlegung der Herrschaftsbereiche seiner Söhne die Reichseinheit garantieren. Ludwig der Deutsche erhielt Bayern und die östlichen Gebiete, Pippin Aquitanien und Lothar den Rest und die Mitkaiserschaft.
Doch Ludwig selbst verstieß gegen die Ordnung der Dinge, als er für Karl den Kahlen, den Sohn seiner zweiten Frau, im Westen ein neues Teilreich schuf, das in letzter Konsequenz schliesslich zur Trennung des Reiches in Frankreich und Deutschland führte.
Diese Entscheidung führte zu einem mit wechselnden Ergebnissen geführten erbitterten Kampf zwischen Vater und Söhnen und den Söhnen untereinander, der noch weit über das Ende Ludwigs des Frommen zum Schaden der Reichseinheit und der karolingischen Herrschaft fortgeführt wurde.
Bis Lothar II. haben alle Karolinger mit echten antiken Gemmen gesiegelt, gewiss nicht nur deshalb, weil die Kunstfertigkeit fränkischer Stempelschneider nicht so gross war,
sondern in erster Linie doch wohl, um die Kontinuität ihrer Herrschaft und derern Ursprung aus dem römichen Kaisertum zu untersteichen.
Als Vorbilder wurden Kaiser, die wie Antonius Pius das Gesamtreich repräsentierten oder wie Viktorinus als Gegenkaiser mit grundsätzlichem Anspruch auf das Gesamtreich auftraten, gewählt.
Umschrift
*CHRISTE PROTEGE HLVDOVVICVM IMPERATOREM*
Übersetzung
*Christus beschütze den Kaiser Ludwig*
Siegelbild
Umschrift um eine Gemme (antik oder einer antiken Gemme nachgeschnitten) des Kaisers Viktorinus (oder wie andere annehmen, des Kaisers Antoninus Pius).
Es ist zu sehen die nach rechts gerichtete drapierte Büste mit Lorbeerkranz
Siegelbild
Abdruck einer antiken Gemme (25 x 20 mm) mit der barhäuptigen drapierten Büste wahrscheinlich des römischen Kaisers Antoninus Pius nach rechts.
Umschrift
Übersetzung
Zusatzinfo
Mit der Absetzung König Childerichs III. durch den Hausmeier Pippin III. im Jahre 751 endete die Herrschaft des Merowingergeschlechtes im Frankenreich.
Zum König ließ sich Pippin durch den Papst krönen und salben, um eine das fehlende Geblütsrecht ersetzende Legitimation seiner Herrschaft zu erlangen.
Nach Karl, Pippins Sohn, ihrem bedeutendsten Vertreter nannte man das aus dem Gebiet zwischen Maas und Mosel stammende Geschlecht das der Karolinger.
Als Pippin 768 starb, teilte sich Karl die Regierung zunächst mit seinem Bruder Karlmann, übte sie aber nach dessen frühem Tode 771 schon alleine aus.
In einer ununterbrochenen Reihe von Kämpfen dehnte Karl das fränkische Reich schliesslich über den grössten Teil des Abendlandes aus.
Zunächst besiegte er seinen eigenen Schwiegervater Desiderius, den König der Langobarden in Oberitalien. Mit der Ernennung seines Sohnes Pippin zum nahm er Unterkönig über die Regierung des Langobardenreiches.
Auch das Herzogtum Benevent musste sich seiner Oberhoheit beugen.
769 folgte die Unterwerfung Aquitaniens im Südwesten des Franken- reiches und der Ausbau der spanischen Mark bis zum Ebro.
Durch die in langen blutigen Kämpfen erreichte Niederwerfung der Sachsen unter Widukind und den folgenden Ausbau der Reichs- und Kirchenorganisation vollzog sich die in der Folgezeit bedeutsame Verschiebung des Schwer- punkts des Reiches nach Osten.
Dies und die endgültige Ausgliederung Bayerns nach der 788 erfolgten Absetzung Herzog Tassilos III. brachte das fränkische Reich in die direkte Nachbarschaft zu den Awaren im pannonischen Raum und den slawischen Völkerschaften des Ostens. Mit der Unterwerfung der Awa- ren, Böhmen, Sorben und Liutizen im Osten und Bündnissen mit den
Abodriten und Dänen im Norden sicherte Karl schließlich in den ersten Jahren des 9. Jahrhunderts sein Reich nach allen Seiten ab. Schon 787 nahm Karl auf der Basis der politischen Gleichrangigkeit diplomati- sche Beziehungen zum Kalifen von Baghdad auf, zu dem allgemein aus den Märchen von Tausendundeine Nacht bekannten Harun al Raschid (786- 809). Karl, den schon seine Zeitgenossen „den Großen" nannten, wurde im Jahre 800 zum römischen Kaiser gekrönt.
Nachdem der Erbe des oströmischen Reiches, der byzantinische Kaiser ihm lange Jahre die Anerkennung der Gleichberechtigung versagt hatte, konnte er auch diese schließlich 812 durchsetzen.
Im Inneren ordnete Karl der Große Reichsverwaltung, Rechtspflege, Münz- und Heerwesen neu. Seine Reformen verwandelten die mittelalterliche Welt. Wenn es im alten Reich auch keine Hauptstadt im eigentlichen Sinn gab, hielt doch Kaiser Karl seit seiner Kaiser krönung mit Vorliebe Hof in Aachen. Eine besondere Anziehungskraft schienen für die karolingischen Könige die Werke der antiken Glyptik zu besitzen. Bis zum Jahre 831 fanden so ausschließlich antike Gemen ihre Verwendung als Hauptsiegel der Könige.
In der Regel setzte man dabei wohl einen Metallrahmen mit der jeweiligen Umschrift um die Gemmen. Während oft die zum Siegeln benutzten antiken Intaglien recht willkürlich gewählt wurden (so gab es durchaus auch Geistliche, die mit Gemmen siegelten, auf denen recht deutlich heidnische Götter abgebildet waren), SO scheint Karl doch mit der Wahl von Antoninus Pius so etwas wie ein politisches Pro- gramm oder eine politische Aussage beabsichtigt zu haben. Denn mindestens dem Gebildeten oder dem der römischen Tradition Verpflichteten muß bekannt gewesen sein, was Appian so begeistert über die Regierung des Antoninus Pius schrieb: „Die Weisheit führte das Zepter, und dreiundzwanzig Jahre lang wurde die Welt wie von einem Vater regiert." Das Zeitalter der Antoniniane (Antoninus Pius 138 -161,
Marc Aurel (161 - 180) wurde zum Inbegriff von glück, frieden und Wohlstand des römischen Reiches.
UMSCHRIFT
*CHRISTE PROTEGE CAROLVM REGEM FRANCORVM*
Übersetzung
*Christus beschütze Karl, den König der Franken*
Lothar I.
843
Lothar II.
856
Ludwig der Deutsche
865



Titel Kaiser
Siegelführer Lothar I. 840–855
Legende
geboren 795
gestorben 29. August 855
Kloster Prüm/Eifel
Grabstätte Prüm/Eifel, Abteikirche
Typ
Datierung 843
Gewicht
Durchmesser 38 x 32
Stärke
Form hochoval
Material Wachs
Titel König
Siegelführer Lothar II. 855–869
Legende
geboren 835 in Italien
gestorben 08. August 869 in Piacena
Grabstätte Piacena, SanT´ Antonino
Typ Abguss Königssiegel
Datierung 856
Gewicht
Durchmesser 38 x 30 mm
Stärke
Form hochoval
Material Wachs
Titel fränkischer König
Siegelführer Ludwig II. (der Deutsche) 840-876
Legende
geboren 805/806 – 876 wohl in Aqitaninen
gestorben 28.August 876 Frankfurt am Main Grabstätte Lorch, Abteikirche
Typ Gemmensiegel
Datierung 864
Gewicht
Durchmesser 46 x 41 mm
Stärke
Form hochoval
Material Wachs
Siegelbild
Antike Gemme wahrscheinlich mit dem Bild des römischen Kaisers Alexander Severus 222-235), vielleicht auch wie sonst vermutet worden ist von dessen Vorgänger Caracalla oder des Gordian III.
(238-244); der Kaiser im Profil nach links, um das Haupt ein Kranz, der hinten in Schleifen endet.
Siegelbild
Antike Gemme des Kaisers Caracalla oder Alexander Severus, Brustbild nach links, um das kurzgeschnittene Haar ein Kranz mit Bändern.
Umschrift
*CHRISTE ADIVVA HLOTHARIVM AVGVSTVM*
Übersetzung
*Christus hilf dem Kaiser Lothar*
Zusatzinfo
Als ältester Sohn Ludwigs des Frommen wurde Lothar I. im Alter von wenig mehr als 20 Jahren 817 Kaiser und Mitregent des Vaters.
In jenem Jahr hatte der seit 814 selbständig regierende Nachfolger Karls des Grossen eine Ordinatio Imperii (= Ordnung des Reichs) verfügt, welche die Nachfolge der Söhne Lothar (I.), Pippin (von Aquitanien) und Ludwig (der Deutsche) und die Aufteilung der Herrschaft unter diesen regeln und festschreiben sollte.
Aber der Erlass sollte nicht lange Bestand haben, denn wenig später ging Ludwig der Fromme eine neue Ehe ein. Seine dritte Gemahlin, die Welfin Judith, schenkte ihm den vierten legitimen Sohn Karl (den Kahlen), dem nun ebenfalls ein Teil des Reiches, das ja 817 bereits aufgeteilt worden war, zustand.
Insbesondere deshalb war das letzte Jahrzehnt Ludwigs des Frommen in besonderem Maße von den sogenannten Bruderkriegen bestimmt.
Nach dem Tod des alten Kaisers versuchte Lothar, seinen Anspruch auf die Oberherrschaft im Reich gegenüber seinen Brüdern durchzusetzen, wurde aber in Fontenay geschlagen und konnte 843 bei dem Treffen von Verdun nur seinen Reichsteil, das Mittelreich eben, und die Kaiserwürde behaupten.
Auch Lothar teilte sein Reich wiederum unter den Söhnen auf, während die Kaiserwürde bald auf an der Zweige des Karolingerhauses übergehen sollte.
855 suchte Lothar das Kloster Prüm in der Eifel.
Er soll dort Mönch geworden sein, verstarb jedenfalls dort und liegt in der Abtei begraben.
Lothar I. hat zum Siegeln in Wachs nur ein einziges Typar benutzt, von dem auch unser Abdruck stammt und das nach dem Tod des Kaisers wahrscheinlich auf den gleichnamigen zweiten Sohn übergegangen ist.
Für Lothar II., der die Kaiserwürde nicht erlangte (denn sie war mit dem italienischen Teilreich an den ältesten Sohn Ludwig II. gefallen), passte indessen die Kaisertitulatur der Umschrift nicht, und wenn die Vermutung über den Erbgang des Stempels zutrifft, muss dieser folglich um 855 geändert oder die Gemme neu gefasst worden sein.
In der Wahl römischer Kaiserbildnisse oder jedenfalls antiker Gemmen, die man für solche hieltdurch die ersten nachantiken Kaiser des Abendlandes (Karl der Grosse vielleicht Antoninus Pius, Ludwig der Fromme ebenso,
Lothar I. wahrscheinlich Alexander Severus, schliesslich König Ludwig der Deutsche die schöne, vermutlich aus dem Schatze Ludwigs des Frommen stammende Hadriansgemme) kommt das Selbstverständnis der Karolinger deutlich zum Ausdruck. Ebenso wie bei den Münzbildern, etwa den bekannten Pfennigen Karls des Grossen aus Dorestat, Quentovic usw., wird auf den Siegelstempeln nicht der Herrscher persönlich abgebildet, sondern es ist das quasi ,überpersönliche“ Bild des antiken Imperators mit dem Lorbeerkranz, das angestrebt wurde und dazu diente, kaiserliche Macht und Herrschaft sozusagen in der Verlängerung der Antike und in deren Sprache darzustellen. Lediglich auf die Gestaltung der Metallsiegel, der Bullen mit ihren frontalen Herrscherbildern wirkten andere Vorbilder ein. Diese weisen nach Byzanz und dürfen als Ausdruck des durch Karl den Grossen neuerworbenen Kaisertums in Konkurrenz zu den Herrschern des Ostreichs gelten. Eine interessante, heute noch kaum beantwortete Frage in diesem Zusammenhang ist, woher die verwendeten Kleinodien stammen und auf welchen Wegen sie in den königlichen Schatz gelangten.
Dass sie in beträchtlicher Anzahl verfügbar waren, dafür sprechen neben den erwähnten Typaren die auch noch bei den späteren Karolingern gelegentlich begegnenden Gemmensiegel. Und das Lotharkreuz im Aachener Domschatz mit seinem berühmten Augustus-Cameo und dem (offenbar nie zum Siegeln verwendeten) Bergkristall Lothars II. sei als Beispiel für die Verwendung solcher edlen Stücke auch als Schmuck liturgischer Geräte am karolingischen Hof genannt
Umschrift
*XPE CHRISTE ADIVVA HLOTHARIVM REGEM*
Übersetzung
*O Christus stehe dem König Lothar bei*
Umschrift
*CHRISTE+ PROTEGE HLVDOVICS REGEM*
Übersetzung
*Christus+ Beschütze den König Ludwig*
Zusatzinfo
In der Erbteilung nach dem Tode Kaiser Lothars I. 855 erhielt dessen gleichnamiger Sohn den nördlichen Teil des lotharischen Mittelreichsy wie es seit dem Vertrag von Verdun 843 bestand. Im ostfränkischen Reich Ludwigs des Deutschen und im Beisein des Onkels wurde Lothar Ende 855 zum König seines Teilreichs, das sich von den Alpen bis zur Nordsee erstreckte, ausgerufen und anschliessend wohl in Aachen gesalbt und gekrönt. In enger Verbindung mit Lothars II. politischem Schicksal und seiner Sorge um einen Erben für das ihm zugefallene lothringische Teilreich stand der überaus langwierige Ehestreit des Königs.
Bereits vor der Thronbesteigung war er eine nicht vollgültige, sogenannte Friedelehe mit Waldrada eingegangen, der ein Sohn mit dem Namen Hugo entspross. 855 schloss Lothar offensichtlich aus politischen Gründen eine vollgültige, standesgemässe Ehe mit Theutberga, deren Bruder Hukbert, Laienabt von Saint-Maurice im Wallis, gleichzeitig zum Amtsherzog in Nordburgund (heute: Westschweiz) bestellt wurde.
Da Theutberga dem König offenkundig nicht den gewünschten Stammhalter schenken konnte, versuchte der Karolinger zunächst, Hukberts Schwester zu verstossen und seine Friedelehe mit Waldrada, von der er ja einen Sohn hatte, zu legalisieren. Als dies ebenso wie die versuchte militärische Ausschaltung Hukberts an Widerständen im eigenen Reich scheiterte, musste Lothar seine Gattin 958 als solche wieder anerkennen. Wenige Jahre später brachte er die Angelegenheit in Aachen vor eine Reichsversammlung und eine Synode ,seiner“ Bischöfe. Theutberga gestand Ehebruch und wurde in Klosterhaft verbracht, aus der ihr jedoch bald die Flucht glückte. Nun wandte sie sich an Papst Nikolaus und bezeichnete ihr Geständnis als erzwungen. Der Konflikt eskalierte weiter, bis eine weitere Aachener Synode die Ehe mit Theutberga 862 für ungültig erklärte. Lothar ließ daraufhin Waldrada krönen und vermählte sich feierlich mit ihr. Inzwischen war aber auch Papst Nikolaus tätig geworden und entsandte Legaten zur gerichtlichen Untersuchung der Ehefrage Lothars II. auf eine Synode zu Metz, wo freilich die gleiche Sache von den gleichen Bischöfen in gleicher Weise wie zuvor in Aachen entschieden wurde. Doch als die Erzbischöfe Gunthar von Köln, Lothars Erzkapellan, und Theutgaud von Trier das Metzer Urteil im Frühjahr 863 in Rom bestätigen lassen wollten, wurden sie exkommuniziert und für abgesetzt erklärt. Nikolaus berief nochmals eine Synode ein, an welcher jedoch die Bischöfe der fränkischen Reiche nicht teilnahmen. Schliesslich erging an Lothar der päpstliche Befehl, Theutberga wieder aufzunehmen und sich von Waldrada zu trennen. Dies tat Lothar aber nur solange, als der mit der Durchführung dieser Angelegenheiten beauftragte Legat aus Rom in Sicht war. Waldrada sollte von diesem nach Rom geführt werden, entfloh jedoch auf der Reise und kehrte heim. Mit allen Mitteln versuchte Lothar nun, den Papst zu einem Sinneswandel zu bewegen doch vergeblich.
Papst Nikolaus blieb hartnäckig und verstarb über diesen Dingen im Jahre 867.
Endgültig über die Angelegenheit befinden sollte eine von dessen Nachfolger Hadrian auf das Frühjahr 870 anberaumte Synode zu Rom, aber Dan dieser kam Lothars Tod zuvor.
Lothars Ehestreit lässt bereits alle Zeichen des sich auflösenden Karolingerreiches erkennen, eines Prozesses, dem die einzelnen Könige mit dem Streben nach dynastischer Herrschaftsbildung zu steuern versuchten.
Lothar ist es nicht gelungen, seinem Friedelsohn Hugo, den er als Amtsherzog im Elsaß eingesetzt hat, die Nachfolge im Königtum zu sichern. Obwohl sein Teil des Mittelreichs schon bald im ost- fränkischen-deutschen Reich aufgehen sollte, hat es den Namen des Karolingers bewahrt.
Noch heute heissen die Kernlandschaften Lothars II. nach diesem König Lothringen (= Lotharingien). Der Vater Lothars II.,
Kaiser Lothar I. (817-855), hat wahrscheinlich nur ein einziges Typar als Siegelstempel verwendet.
Dabei handelte es sich um die vorliegende Gemme des römischen Imperators Caracalla oder Alexander Severus, die 855 offenbar auf den Sohn überging und auch als dessen einziges Wachssiegeltypar fungierte. Eine gute Vorstellung von den kostbaren antiken Kleinodien, welche die früheren Karolinger zum Siegeln verwendeten, be- vor in wenig späterer Zeit Eigenschöpfungen, geschaffen von Siegelschneidern der Zeit aufkamen, vermittelt die mit der üblichen Umschrift als Typar Lothars II. zurechtgemachte, indessen nie als Siegel verwendete Bergkristallgemme am Aachener „Lotharkreuz“.
Zusatzinfo
Im Verlauf des 9. Jahrhunderts zerfiel das von der Adria bis an die Nordsee, vom Atlantik bis an den Karpatenbogen gespannte Reich Karls des Grossen. Nun begannen sich die Völker Europas zu Nationen zu formieren, und es bildeten sich feudal organisierte „Staaten“ heraus, darunter das deutsche Reich. In die Regierungszeit Ludwigs II., der in seinen Urkunden bis 833 den Titel „rex Baioariorum (König der Bayern)“ führt und schon von den zeitgenössischen Historiographen gelegentlich „rex Germanus/Germanicus (deutscher König)“ genannt worden ist, fallen wichtige Stationen auf diesem Weg, und so hat die spätere Geschichtsschreibung Ludwig das Attribut „,der Deutsche“ beigelegt, freilich nicht zuletzt auch deswegen, weil mehrere karolingische Herrscher unterschieden werden mussten, die diesen altehrwürdigen Namen des ersten Merowingerkönigs (Chlodowech I., 482- 511) trugen.
Als Ludwig der Fromme das Frankenreich durch die Reichsordnung oder Ordinatio Imperi unter seinen Söhnen aufteilte, erhielt sein dritter Sohn Ludwig Bayern, wo er zu Lebzeiten des Vaters die Königsherrschaft ausübte.
Wenige Jahre nach dem Tod des Kaisers 840 trafen die hinterbliebenen Söhne Lothar, Ludwig und Karl zusammen und verständigten sich auf eine erneute Verteilung des Frankenreiches, die 843 im Vertrag von Verdun niedergelegt wurde und von grosser historischer Tragweite sein sollte.
Karl der Kahle erhielt die westlichen Gebiete, für Lothar schuf man ein Mittelreich, nach dem Herrscher Lotharingien/ Lothringen genannt, das sowohl die Pfalz Karls des Grossen in Aachen als auch das hinsichtlich der Kaiserwürde unabdingbare Regnum Italiae mit einschloss, und Ludwig schliesslich wurde das Land östlich von Rhein und Aare, jedoch mit der zentralen Königslandschaft am Mittel- rhein, mit Mainz, Worms und Speyer, zugesprochen.
Infolge des Todes Lothars II., Kaiser Lothars Sohn, und der Verteilung des Mittelreichs kamen später durch den Vertrag von Meersen die linksrheinischen Gebiete bis zur Saône, Maas und Mosel hinzu. Das so geformte Ostfrankenreich Ludwigs des Deutschen umfasste in der Tat im wesentlichen die Landschaften deutscher Zunge des ehemaligen grossfränkischen Reichs und konnte SO zum Ausgangspunkt und zur Grundlage des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation werden, obgleich Ludwig und den nachfolgenden ostfränkischen Karolingern die Kaiserwürde zunächst versagt blieb und an dessen Halbbruder Karl den Kahlen überging.
Ludwig führte während seines langen Königtums in Bayern seit 826 und in Ostfranken 833-876 – drei Stempel, zwei Schöpfungen seiner Zeit und das vorliegende, antike Gemmensiegel.
Was die Häufigkeit und den Zeitraum der Verwendung betrifft,
treten die anderen Typare ganz hinter dem prächtigen Hadrian zurück (gebraucht 833-875), der sich mit den Siegelgemmen Karls des Grossen und Ludwigs des Frommen, aber auch Kaiser Lothars durchaus messen kann und dem noch eine längere Geschichte beschieden sein sollte:
Sowohl Ludwigs des Deutschen gleichnamiger zweiter Sohn (III., der Jüngere, 876-882) und Nachfolger im Ostfrankenreich wie auch sein Urenkel Ludwig (TV., das Kind, 900- 911), der letzte ostfränkische Karolinger, bedienten sich unter anderem dieses Stempels ein interessantes Beispiel für die Vererbung von Siegeln und ein Hinweis auf die Weitergabe des Königsschatzes im Karolingerhaus.
Ähnliches geschah mit dem Gemmensiegel Kaiser Lothars, das allerdings mit veränderter Umschrift auf dessen gleichnamigen Sohn kam. Aber schon zu Lebzeiten Ludwigs des Deutschen, der den kostbaren Stein aus dem Schatz des Vaters erhalten haben dürfte, hatte die Hadriansgemme ein interessantes Schicksal.
An den zahlreichen Siegelabdrücken, über ein halbes Hundert an der Zahl, lässt sich ablesen, Wie der anfangs unversehrte Stein plötzlich einen feinen Sprung vom unteren Rand über Backe und Haarwirbel aufweist, dann einen weiteren am Hals unter dem Haaransatz, schliesslich sprangen sogar Stücke heraus oder sanken in die Fassung hinein. 865/66 war das Stück offenbar nicht mehr zu gebrauchen und musste gründlich repariert werden, um im Sommer 867 mit neuer Fassung ohne Öse erneut in Gebrauch zu kommen.
Siegelbild
Eine antike Gemme mit dem Bildnis des Kaisers Hadrian im Profil nach rechts, mit kurzem, lockigem Haar und Bart, über der Stirn vielleicht ein Lorbeerkranz, die Schulter vom Gewand bedeckt, im Stein ein Sprung von sphragistisch rechts unten nach links oben; die Fassung der Gemme mit Umschrift und Perlenkranz,
oben der Abdruck einer Öse oder eines Kettengliedes.
Karlmann
876
Karl III. der Dicke
882
Arnulf von Kärnten
893



Titel König
Siegelführer Karlmann
Legende
geboren ca.830
gestorben 22. September 880 Alt-Öttingen
Grabstätte Alt-Öttingen, Stiftskirche
Typ
Datierung 876
Gewicht
Durchmesser 38 x 35
Stärke
Form hochoval
Material Wachs
Titel Kaiser
Siegelführer Karl III. der Dicke 876-887
Legende
geboren 839
gestorben 13. Januar 888 Neudingen/Donau
Grabstätte Reichenau/Bodensee, Münster
Typ drittes kaisersiegel
Datierung 882
Gewicht
Durchmesser 37 x 33 mm
Stärke
Form queroval
Material Wachs
Titel König
Siegelführer Arnulf von Kärnten
Legende
geboren* 850
gestorben 8.12.899 vermutlich in Regensburg
Grabstätte Abteikirche St. Emmeram
Typ Königssiegel
Datierung 893
Gewicht
Durchmesser 45 x 42 mm
Stärke
Form oval
Material Wachs
Siegelbild
Der Kaiser im Brustbild nach links, bartlos, das Gewand über der rechten Schulter geknüpft,
am Hinterkopf Bänder einer Schleife, die zu einem Kranz gehört; von der Brust des Herrschers ein kleiner Schild, hinter diesem senkrecht die Fahnenlanze; oben am Stempel der Abdruck von Kettengliedern, an welchen das Siegel offenbar befestigt war.
Zusatzinfo
Mit Arnulf, einem illegitimen Sohn König Karlmanns, kam Ende des Jahres 887 nochmals ein Karolinger auf den ostfränkischen Thron - freilich auf dem Wege eines aufsehenerregenden Coup d'état: Während eines Reichstages, der in Frankfurt zusammengetreten war, verließen die Großen und sogar die engsten Getreuen den durch eine Erbkrankheit mittlerweile fast regierungsunfähigen Karl III., den Onkel Arnulfs, der zuletzt wieder fast das gesamte Reich Karls des Großen in seiner Hand vereinigt hatte, und liefen zu dem Neffen über. Dazu mögen sie das Siechtum des Herrschers und die Skandale an seinem Hof, vor allem aber sein Versagen gegenüber den seit Jahren immer wieder ins Frankenreich einfallenden Normannen bewogen haben. Dem neuen König jedenfalls war in dieser bedrückenden Angelegenheit mehr Erfolg beschieden.
892 konnte er die normannischen Scharen bei Löwen im heutigen Belgien entscheidend schlagen und nach England abdrängen. Den Aufstieg von nicht im engeren Sinne dem Karolingerhaus entstammenden Königen in den anderen Teilreichen hat Arnulf nicht verhindern können, doch suchten manche dieser Könige bei ihm, dem Karolinger, Anerkennung und Legitimierung, so daß man von einer hegemonialen Stellung Arnulfs gesprochen hat.
Die Kaiserkrone, die bis 887 im Besitz von Arnulfs Onkel gewesen war, hatte der Papst aufgrund der Machtverhältnisse in Italien nach Karls des Dicken Tod dem Herzog Wido von Spoleto und dessen Sohn Lambert aufs Haupt gesetzt.
Da die Widonen nach Kaiser Widos Tod gegen Benevent vorgingen und das unteritalienische Herzogtum den Byzantinern tatsächlich entreißen konnten, rief Papst Formosus (891- 896) angesichts der bedrohlichen Umklammerung Roms König Arnulf zu Hilfe und eröffnete damit dem Karolinger die Aussicht auf imperiale Herrschaft.
Ein erster Italienzug und die Einnahme Bergamos 894 mit Hilfe des Widonengegners Berengar von Friaul sicherte Arnulf zunächst für kurze Zeit die Anerkennung als König auch im Regnum Italiae, der Zug nach Rom 896 die Kaiserkrone, die er freilich nur gegen den Widerstand der stadtrömischen Partei der Widonen von Papst Formosus erlangte. Als sich Arnulf daraufhin anschickte, seinen Spoletiner Kontrahenten Lambert zu bekriegen, um den Forderungen des Papstes zu entsprechen und seinem Kaisertum Geltung zu verschaffen, traf ihn ein Schlaganfall, der ihn zum Rückzug über die Alpen zwang. Während der Karolinger noch drei Jahre in Bayern dahinsiechte, bevor er 899 starb, kam es in Rom zu einem schauerlichen Nachspiel der Kaiserkrönung von 896. Die Gegner des Formosus rissen den toten Papst aus seinem Grab und hielten Gericht über die Leiche, die sie auf den Papstthron setzten und schließlich in ungeweihter Erde verscharrten. Vor uns haben wir ein Königssiegel, das sich in mancher Hinsicht von denen der Vorgänger Arnulfs unterscheidet. Das gilt für die Umschrift ebenso wie für das Bild. Während es schwerfällt, die Bedeutung des allein auf diesem Siegel erscheinenden
Attributs PIVS (fromm, treu) zu deuten, können wir die Gestaltung des Bildes von den kaiserlichen Bullen herleiten. Als erster abendländischer Herrscher verwendete
Karl der Große Metallsiegel. Das geschah infolge seiner Kaiserkrönung zu Rom im Jahr 800 und zwar offenbar unter anderem nach dem Vorbild und in Konkurrenz zu den byzantinischen Kaisern. Im Verlauf der Karolingerzeit gehen sozusagen imperiale Elemente von den Bullen auf die häufiger verwendeten Wachssiegel über, so vor allem Schild und Lanze, welche schon auf den Bullen Karls des Großen begegnen. Zur Zeit Arnulfs ist dieser Prozeß, der unter Ludwig dem Deutschen einsetzte, insofern abgeschlossen, als Arnulf nun ganz überwiegend Siegel dieses Typs führt und nicht mehr daneben ein antikes Gemmensiegel wie seine Vorgänger. Außerdem tragen die freilich immer noch nach dem Vorbild von Gemmen gearbeiteten Stempel nun schon deutlich ein eigenständiges, karolingisches Gepräge, besonders das hier nicht wiedergegebene Kaisersiegel Arnulfs. Lediglich sein erstes provisorisches Siegel von 887/88 war eine Gemme mit
Bacchantinnenkopf, die aber nicht mit den ähnlichen Siegeln seines Vaters Karlmann identisch ist.
Siegelbild
Antike Gemme einer Bacchantin, deren Haar im Nacken zu einem Knoten geschlungenen ist.
Umschrift
*KAROLVS IMPERATOR*
Übersetzung
*Karl, Kaiser*
Siegelbild
Der König im Brustbild nach links, bartlos und mit kurzem Haar, das Haupt mit einem Lorbeerkranz umwunden, der hinten Schleifen entläßt, das Gewand über der rechten Schulter geknüpft, vor der Brust ein kleiner runder Schild und eine senkrecht emporsteigende Lanze.
Umschrift
*CARLOMANNVS GRATIA DIE REX*
Übersetzung
*Karlmann von Gottes Gnaden König*
Zusatzinfo
Als ältester Sohn des ostfränkischen Königs Ludwig trug Karlmann einen traditionsreichen Karolingernamen, der sowohl an einen Sohn des fränkischen Hausmeiers Karl Martell (+741) wie auch an einen Bruder Karls des Großen erinnert. Die wichtigsten Stationen im politischen Leben des Königs spielten sich bereits vor seiner kurzen eigenständigen Herrschaft nach dem To- de des Vaters 876 ab. Seit 856 hatte er die Regierung, oder besser gesagt, den Oberbefehl in der bayerischen Ostmark inne. Im Zeichen von Auseinandersetzungen mit Ludwig dem Deutschen standen die frühen 60er Jahre, als Karlmann sich einen eigenen Herrschaftsbereich im bayerischen Osten zu erobern suchte.
Dies geschah zeitweise im Bündnis mit dem Mährerfürsten Rastislaw, und hier liegen die Wurzeln jener für das ostfränkische Königtum im späteren 9. Jahrhundert so charakteristischen Verbindung mit den Slawen, deren Stämme sich nun dem Christentum zu- zuwenden und zu Völkern zu formieren begannen.
In einer Phase besonders freundschaftlicher Beziehungen zu Svatopluk-Zwentibold, dem Neffen Rastislaws, der jenen entmachtet hatte und ihm nachgefolgt war, hob Karlmann sogar einen königlichen Enkel mit dem Namen des Slawenfürsten aus der Taufe. Dieser Zwentibold wurde später von Arnulf als König in Lothringen eingesetzt. In der Frage des Kaisertums hatte Ludwig der Deutsche mit dem söhnelosen Ludwig II. in Italien verhandelt.
Er erreichte die Designation Karlmanns zum Nachfolger im Königreich Italien und damit dessen Anwartschaft auf die Kaiserwürde. Obwohl nach dem Tode Ludwigs von Italien 875 zunächst der Westfrankenkönig Karl der Kahle durch Verhandlungen mit dem Papst seine Krönung in Rom durchsetzen konnte, waren damit die Weichen für den Verbleib des Kaisertums, oder doch des Anspruchs darauf, beim Ostfrankenreich gestellt. Als Ludwig der Deutsche 876 starb, traten Karmann und seine Brüder Ludwig und Karl III. die Nachfolge als Herrscher im Ostfrankenreich an. Bei einer Zusammenkunft im Nördlinger Ries beschworen sie durch einen in deutscher Sprache aufgezeichneten Eid, sich an die bereits vom Vater verfügte Teilung zu halten, der Karlmann Bayern sowie Pannonien und Kärnten, schliesslich eine Art Oberhohheit über die unfriedlichen slawischen Gebiete Böhmen und Mähren zugewiesen hatte.
Karlmann trat nun mit seinem zweiten Italienzug auch die Herrschaft südlich der Alpen an, wie das Ludwig der Deutsche mit Ludwig von Italien ausgehandelt hatte, sah sich jedoch wegen einer Erkrankung bald gezwungen, eilends nach Bayern zurückzukehren. Offenbar war er ebenfalls von der rätselhaften Erbkrankheit der späteren Karolinger betroffen, jedenfalls erlitt er im Winter 878/79 einen Schlaganfall, der ihn regierungsunfähig machte und trat seine Anrechte auf Italien an den jüngeren Bruder Karl III., den sogenannten Dicken, ab.
Wenig später ist Karlmann gestorben. Wie tragfähig die Grundlagen waren, die Ludwig der Deutsche und Karlmann für die Fortexistenz des Ostfrankenreiches und die Behauptung des Kaisertums gelegt hatten, ist vor allem an den Erfolgen der Nachfolger zu bemessen. Der Bruder Karlmanns, Karl III., vereinigte bekanntlich sowohl das Kaisertum als auch noch einmal fast das gesamte Reich Karls des Grossen in seiner Hand. Und Karlmanns Sohn Arnulf schliesslich errang 896 ebenfalls das Kaisertum, bevor die Ost Fränkischen Karolinger gut eineinhalb Jahrzehnte später endgültig ausstarben. Bei Karlmanns erstem Königssiegel handelt es sich angesichts der antiken Gemme mit der Darstellung einer Bacchantin und der nur einmal bezeugten Verwendung zu Beginn der selbstständigen Regierung des Königs wohl um ein provisorisches Siegel. Da es üblich war, mit antiken Gemmen zu siegeln, hat Karlmann dem königlichen Schatz zunächst dieses Stück entnommen, bis sein richtiges Typar in Auftrag gegeben und gefertigt war, das wahrscheinlich die zweite Bulle Ludwigs II. zum Vorbild hatte. Karlmann hatte ja dessen Erbe beansprucht und anzutreten versucht. Neben unserem König Karlmann verwendeten noch dessen Namensvetter, der Bruder Karls des Grossen, sowie Arnulf von Kärnten zeitweise antike Gemmen mit weiblichen Darstellungen als Siegelstempel.
Umschrift
+ARNOLFVS PIVS REX+
Übersetzung
*Arnulf, frommer König*
Zusatzinfo
Nachdem das Reich Karls des Großen unter seinen zahlreichen Nachkommen immer kleinräumiger aufgeteilt worden war, trat zur Zeit Karls III. wiederum eine neue Wendung ein. Nun verloren die Erben des großen Kaisers ihr Vorrecht auf das Königtum im zerfallenden Frankenreich. Regionale Machthaber, in deren Adern freilich manchmal auch Karolingerblut rollte, warfen sich angesichts der inneren Probleme und der Einfälle fremder Völker wie der Sarazenen, Normannen und Ungarn zu Königen auf und traten mehr oder minder erfolgreich in Konkurrenz mit den Sprossen des Karolingerhauses.
Der jüngste Sohn Ludwigs des Deutschen erhielt durch die Erbteilung 865 Alemannien mit Rätien und sicherte sich nach dem Tod des Vaters 876 die Krone, 879 auch im Regnum Italien.
Als erster ostfränkischer Karolinger gewann er 881 die Kaiserkrone. Der Tod seiner Brüder, Karlmanns und Ludwigs III. des Jüngeren 880/882 machte ihn zum Alleinherrscher im östlichen Frankenreich. Als im Dezember 884 schließlich atch der westfränkische Thron vakant wurde und die dortige Linie der Karolinger nicht über einen geeigneten Kandidaten verfügte, rief man Karl herbei, der im Juni 885 in der Pfalz Ponthion die Huldigung der fränkischen Großen entgegennahm. So fand durch einen Zufall der Geschichte das in den Jahrzehnten zuvor vielfach aufgeteilte Reich Karls des Großen unter der schwachen Herrschaft seines gleichnamigen Urenkels noch einmal zusammen, freilich nur für kurze Zeit und ohne wirkliche Perspektive. Die Bedeutung Karls III. liegt denn auch weniger in der Persönlichkeit und Regierung des Kaisers oder in der kurzfristigen Wiedervereinigung des Karlsreiches.
Von gewisser Tragweite für die deutsche Geschichte sollte vielmehr sein, daß Karl durch den frühzeitigen Tod seiner Brüder die Erbmasse des ostfränkischen Reiches insgesamt zufiel und daß er für dieses die Kaiserkrone erlangte nach seinem westfränkischen Onkel Karl dem Kahlen, den gekrönt hatte.
der Papst 875 Am stärksten verankert war Karls Herrschaft in Alemannien. Über den Breisgau übte er das Rektorat, eine Art gräflicher Herrschaft aus, und am Kaiserstuhl schenkte ihm Ludwig umfangreiche Güter als Morgengabe für seine Gemahlin Richardis, deren Name sich mit den Klöstern Zurzach und Andlau verbindet.
Aus den großen Bodenseeabteien Reichenau und St. Gallen, die er reich beschenkte, nahm Karl seine Hofbeamten; die literarische Produktion der Mönche, beispielsweise die Empfangsgedichte und Notkers des Stammlers Karlsbuch, eine Art Fürstenspiegel, das Karl seinen gleichnamigen Urgroßvater in den leuchtendsten Farben vor Augen führt und als Vorbild anempfiehlt, spiegelt deren enge Verbindungen zum Herrscher und seine Besuche am See. Karl III. nahm ein tragisches Ende.
Wie eine Reihe seiner Verwandten litt er an der Erbkrankheit der Karolinger, einer Art Epilepsie, die dem Kaiser das Reisen und das Regieren beschwerlich machte. Zuletzt konnte er nur noch zu Schiff befördert werden. Mehrmals versuchten die Ärzte, ihm durch Schadeltrepanationen Linderung zu verschaffen. So sah Arnulf, ein anderer Karolingersproß, 887 seine Stunde gekommen. Er vermochte viele Große des Reiches in sein Lager zu ziehen und setzte den Kaiser einer spektakulären Aktion ab. Wenig später ist Karl dann gestorben und wurde in der Abtei Reichenau beigesetzt.
Mit dem unglücklichen Ende des Herrschers verbanden schon die Zeitgenossen übernatürliche Erscheinungen, und Sagen rankten sich um Karl, dessen Beiname „der Dicke“ vielleicht als Pendant zu seinem Onkel Karl „dem Kahlen“, sicher aber erst im 12. Jahrhundert aufkam. Das dritte Kaisersiegel Karls III. ist gearbeitet in Anlehnung an jene Siegel Ludwigs d. Dt., welche das traditionelle Profilbild antiker Münzen verbanden mit Schild und Lanze der Kaiserbullen, die seit Karl dem Großen neben den Wachsstempeln verwendet wurden. Während sich aber Karls des Dicken Vater Ludwig nach dem Vorbild der älteren Karolinger häufig einer antiken Gemme mit dem Bildnis Kaiser Hadrians bediente, benutzte Karl ausschließlich Stempel, die eigens für ihn geschnitten worden sind. Für den Porträtwert der Wachssiegel Kaiser Karls III. ist im Unterschied zu seinen Bullen bezeichnend, daß die Köpfe der verschiedenen Stempel untereinander keine Ähnlichkeit zeigen.
Zwentibold
898
Konrad I.
912
Heinrich I.
925



Titel König
Siegelführer Zwentibold von Lothringen
895–900
Legende
Typ Königssiegel
Datierung 898
Gewicht
Durchmesser 43 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel König
Siegelführer Konrad I.
Legende
geboren 911
gestorben 23. Dezember 918
Grabstätte Fulda, Abteikirche
Typ Siegel vom Portrait
Datierung 912
Gewicht
Durchmesser 42 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel König
Siegelführer Heinrich I. 919-936
Legende
geboren um 876
gestorben 2. Juli 936 in Memleben
Grabstätte Quedlinburg, St. Servatius
Typ Königssiegel
Datierung 925
Gewicht
Durchmesser 49 x 45 mm
Stärke
Form oval
Material Wachs
Umschrift
*CONRADVS REX*
Übersetzung
*Konrad, König*
Umschrift
*HENRICUS REX*
Übersetzung
*Heinrich, König*
Siegelbild
Der König im Brustbild nach links, auf dem gewellten Haar eine Krone mit aufgesteckten Perlen
Siegelbild
Halbfigur des Königs nach rechts, bartlos, mit Diadem und über der rechten Schulter geknüpftem Gewand, dem Schild in der linken und der Lanze mit Fahnentuch in der rechten Hand.
Siegelbild
Nach rechts schauend im Bild drapierte Büste Diadem. Der König ist bartlos und trägt über dem Haupthaar eine Stirnbinde.
Umschrift
*ZVENTEBOLDVS REX*
Übersetzung
*Zwentibold König*
Zusatzinfo
Gemeinsam mit seinem Bruder Ratold zählt Zwentibold zu den älteren Söhnen Kaiser Arnulfs von Kärnten, denen der Mangel einer Geburt aus illegitimer Verbindung anhaftete. Unter dem Regiment des kaiserlichen Onkels Karl III. hatte Arnulf die ihm als Erbteil zugefallenen Ostmarken, von denen sein Beiname herrührt, verwaltet und war in enge Verbindungen mit den slawischen Fürsten dieser Grenzlande getreten.
Der damals mächtigste unter jenen, der Mährerhäuptling Svatopluk oder „eingedeutscht“ Zwentibold, hob denn auch einen der Söhne Arnulfs aus der Taufe und lieh ihm seinen Namen.
Nachdem Arnulf im Spätjahr 887 dem der Herrschaft nicht mehr fähigen Kaiser Karl III. im gesamten Ostfrankenreich nachgefolgt war, verfügte er noch nicht über einen männlichen Erben aus vollgültiger Ehe und bewegte deshalb seine Magnaten und Anhänger, einer Erbfolge der Bastarde Zwentibold und Ratold zuzustimmen –
unter der Bedingung freilich, aus seiner legitimen Ehe mit Liutswind würde nicht doch noch ein männlicher Spross hervorgehen. Dies jedoch geschah 893, als dem Königspaar Ludwig (das Kind) geboren wurde. Zwentibold, dem die Tochter eines einflußreichen ostfränkischen Magnaten, des Sachsenherzogs Otto (des Erlauchten) Vater auch des späteren Königs Heinrich I. – zur Frau gegeben worden war, ist zwar vom Vater zu jener Zeit mehrfach in schwierigen Missionen unter anderem nach Italien abgeordnet worden, konnte nun aber nicht mehr mit der Nachfolge in der das gesamte Ostreich umfassenden Herrschaft des Vaters rechnen, Im Jahre 895 wurde er deshalb mit Lothringen, einem westlichen Reichsteil, dem ohnehin nicht die gesteigerte Aufmerksamkeit Arnulfs galt, entschädigt, wo ihn Arnulf nach der Sitte der westfränkischen Karolinger salben liess.
So kam es zu der überaus merkwürdigen Tatsache, dass ein illegitimer Karolinger aus dem Ostreich mit dem Namen eines Slawenfürsten das Königtum im ehemaligen Mittelreich der Linie Kaiser Lothars I. erlangte. In Lothringen hat Zwentibold indessen nur schwer Fuss fassen können. Die kurze Spanne seiner Regierung kennzeichnen Auseinandersetzungen mit den mehr in Richtung des Westfrankenreichs orientierten lothringischen Magnaten; und auch auf dieser Seite bestanden Ambitionen in Richtung des ehemaligen Mittelreichs. Nur durch die Eingriffe des Vaters, der inzwischen die Kaiserkrone errungen hatte, konnte sich Zwentibold in seinem Reichsteil zeitweilig einigermassen behaupten, bevor er im Kampf gegen Aufständische im Jahre 900 an der Maas fiel. Zwentibold hat in den fünf Jahren seiner Herrschaft als lothringischer König offenkundig nur diesen einen Stempel verwendet. Die kreis- runde statt der bei den Gemmensiegeln üblichen hochovalen Form verdankt das Typar, das wohl als Schöpfung der Karolingerzeit zu betrachten ist, Vorbildern aus dem Bereich der Bullen (Metallsiegel) und der herrscherlichen Münzbilder. Gerade Zwentibolds Grossonkel Karl III., dessen Bulle unserem Siegel sehr nahekommt, hat mit dem eigentlich für Metall gedachten Typar auch in Wachs gesiegelt. Pate mögen ferner die Siegel des Vaters gestanden haben, die freilich mehr vom Leib des Kaisers zeigen und diesem nach antiken Vorbildern auch die bei unserem Stück völlig fehlenden Waffen beilegen. Zwentibolds Siegel ist also entschieden nicht vom sogenannten „Kriegertyp“. Bemerkenswert scheint ferner zu sein, dass der König ein Diadem mit auf Stielen sitzenden Perlen trägt. Dies weist in die Zukunft, denn gewöhnlich trugen die auf den antiken Gemmen dargestellten Personen wie die der älteren originären karolingischen Schöpfungen (Lorbeer-)Kränze auf dem Haupt, die mit am Hinterkopf zu Schleifen geknüpften Bändern gehalten wurden. Insofern darf Zwentibolds Typar einen respektablen Platz in der Geschichte der deutschen Königssiegel beanspruchen.
Zusatzinfo
Als der letzte ostfränkische Karolinger Ludwig das Kind in jugendlichem Alter starb, erhoben die Vertreter der Franken, der Sachsen, der Bayern und der Alemannen im November 911 Herzog Konrad von Franken zum König.
Die Wahl von Forchheim, bei der Konrads adelige Kollegen einen aus ihrer Mitte zum Herrscher bestimmten, läßt ein über die Karolinger hinausführendes, in die Zukunft weisendes ostfränkisches Bewußtsein erkennen.
Sicher spielte bei der Wahl auch Konrads Verankerung in der zentralen Königslandschaft an Rhein und Main eine Rolle, und in der nun erstmals bezeugten Königssalbung kommt zudem das Mitwirken der Kirche zum Ausdruck.
Die Königsnähe der Konradiner in den Urkunden Ludwigs des Kindes kündigte Konrads Aufstieg an, nachdem es seiner Familie mithilfe des Königs und des Mainzer Erzbischofs gelungen war, mächtige Konkurrenten um die Herzogswürde in Franken im Verlauf der sogenannten Babenberger Fehde 906/907 aus dem Feld zu schlagen.
König Konrads erste Aktivitäten richteten sich auf Lotharingien, denn dort war auf die Nachricht von Ludwigs Tod dessen westfränkischer Verwandter Karl der Einfältige eingerückt und nannte sich daraufhin „König der Franken“. mußte sich Konrad Schon bald mußte jedoch damit abfinden, daß sämtliche Feldzüge nach Lotharingien in den Jahren 912/13 erfolglos blieben. Währenddessen erwuchsen Konrad mächtige Rivalen in Sachsen, Bayern und in Schwaben. Nach dem Tod Ottos des Erlauchten wählten die Sachsen dessen Sohn Heinrich, den späteren König, zum Herzog. Heinrich aber attackierte sofort die königlichen und die Mainzer Positionen in Weserland. Dagegen konnte Konrad, nachdem der tatkräftige Erzbischof Hatto von Mainz 913 verstorben war, zunächst nichts unternehmen; zwei Jahre später handelte sich Konrads Bruder Eberhard eine Niederlage in Sachsen ein mit dem Erfolg, daß Heinrich nun nach Franken zog und Konrad sich 915 schließlich zum Vergleich mit dem Sachsenherzog gezwungen sah.
Nachdem Konrads Politik im Norden seines Reichs mit diesem Stillhalteabkommen im Grunde gescheitert war, standen mittlerweile auch im Süden die Zeichen aut Sturm. Hier hatte Konrad Schwester des 913 die zur Gemahlin Pfalzgrafen Eberhard genommen Dame, die zuvor eine dem bayerischen Großen Liutpold ehelich verbunden und daher die Mutter des (späteren) Bayernherzogs Arnulf war. Ein glänzender Sieg Erchangers und Arnulfs gegen die Ungarn im gleichen Jahr führte freilich jedermann vor Augen, daß der König den von außen drohenden Gefahren machtlos gegenüberstand. 912, 913, 915 und 917 suchten die Ungarn das Reich heim, doch Konrad blieb in diesen Dingen untätig.
Er war in der Folgezeit vollauf damit beschäftigt, sich die Sieger von 913 zu unterwerfen.
Zwar gelang es ihm, Erchanger und Berthold, die durch die Gefangennahme seines Kanzlers, Bischof Salomos III. von Konstanz, die offene Auseinandersetzung mit dem König heraufbeschworen, auf der Hohenaltheimer Synode auszuschalten und Arnulf,
der sich in Bayern zunehmend durchsetzte, in Schach zu halten. Aber in Alemannien stand nach dem Tod Erchangers in Burkhard schon ein anderer, kaum weniger potenter Herzog bereit, gegen den Konrad nichts mehr auszurichten vermochte.
So scheiterte er im Süden seines Reiches ebenso wie im Norden, tnd von einem letzten vergeblichen Zug nach Bayern, wo sein in Arnulfs Hauptstadt Regensburg als Statthalter eingesetzter Bruder vertrieben worden war, trug er die Wunde davon, an der er Weihnachten 918 starb. Wenn Konrad ein schwacher und glückloser König war, So schreibt ihm doch Widukind von Corvey, der berühmte ottonische Chronist, entscheidende Weichenstellungen für das weitere Schicksal des Reiches zu. Auf dem Totenbett habe er seinen Bruder zum Verzicht auf die Krone bewogen und in weiser Sicht der Dinge seinen mächtigsten Rivalen, den Sachsenherzog Heinrich, zum Nachfolger designiert.
Die Siegel Konrads stehen, in der Tradition seiner karolingischen Vorgänger.
Freilich sind es keine antiken Gemmensiegel mehr, sondern haben als einzige Bildnisse des Königs aus seiner Zeit einen erheblichen historischen Wert.
Zusatzinfo
Um die Gestalt Heinrichs rankten sich lange nach seinem Tod und bis zum heutigen Tage viele Legenden. hre Ursachen hatten und haben sie darin, dass man in dem Sachsen den Begründer des deutschen Volksgefühls sah.Im Jahre 918 ging mit dem Tode des letzten Karolingers auf dem ostfränkischen Thron die von Karl dem Grossen begründete Aera zu Ende. Der von ihm im dreissigjährigen Ringen bezwungene ehemalige Feind übernahm die Insignien der Macht aus der Hand Konrads I., bzw. seiner Getreuen. Der stärkste Mann des Reiches kam an die Macht, anders, als es später üblich war, als man einen wählte, der möglichst die Fürstenmacht nicht angreifen konnte.
Es gab Bestrebungen der Bayern und Schwaben gegen ihn; sie stellten einen Gegenkönig. Aber mit Waffengewalt gelang es dem sächsischen Herrscher, die beiden Herzogtümer seiner Herrschaft zu unterwerfen.
Heinrich sah seine Macht direkt von Gott verliehen: er weigerte sich, sich von Bischöfen weihen und salben zu lassen.
Die Kirche hat in seinem Machtstreben nur eine untergeordnete Rolle gespielt.
Als Heinrich sich mit Hatheburg, Gräfin von Merseburg, vermählte, die aber dem Dienst an der Kirche versprochen war, störte es ihn zunächst wenig, daß die Kirche diese Ehe nicht als rechtsgültig anerkennen wollte, er war insbesondere an der Mitgift interessiert.
Als sich aber die Gelegenheit bot, mit Mathilde aus dem Hause Widukinds, des sächsischen Gegenspielers Karls des Grossen, eine schöne und mit reicher Mitgift im Westfälischen versehene Frau zu erringen, scheute er sich nicht, sich nun den Spruch der Kirche zunutze zu machen und seine erste Ehefrau und ihr Kind Thankmar als nicht rechtsmässig zu verstossen, um für die neue Verbindung frei zu sein. Diese Aktion zeigt, dass Heinrich keineswegs der über alle Zweifel erhabene Mann war, als der er noch erscheint in Wagners Lohengrin.
Die grösste Gefahr für sein Reich, das seit 919 erstmals das Reich der Deutschen genannt wurde, lag nicht beim innenpolitischen Gegner, sondern beim mächtigen äusseren Feind, den wilden Reiterscharen aus Ungarn, deren kompromisslosem Kampfgeist die deutschen und slawischen Stämme nichts gleichwertiges entgegenzusetzen hatten. In dieser klaren Erkenntnis bot Heinrich den Ungarn eine neunjährige Waffenruhe an, bei gleichzeitiger umfangreicher Tributzahlung. Diese Kampfpause nutzte er, starke Grenzbefestigungen anzulegen und ein schlagkräftiges Heer aus allen Volksstämmen aufzubauen, wobei das Schwergewicht auf den stark gepanzerten Reitern lag, in denen Heinrich die beste Chance gegen die Leichtreiter der Ungarn sah.
Gegen die Slawen im Osten bestanden diese Ritter ihre Bewährungsprobe.
Im Jahre 932 kündigte Heinrich im Gefühl der gewachsenen Macht den Waffenstillstandsvertrag mit den Ungarn. 933 kam es zur Schlacht bei Riade. Die vereinigten deutschen Stämme schlugen die Ungarn entscheidend. Zwar konnten sich die Ungarn in der folgenden Zeit noch einmal erheben und wurden erst endgültig von Heinrichs Sohn Otto dem Grossen auf dem Lechfeld geschlagen, aber eines hatte sich im Bewusstsein der Stämme bis in die heutige Zeit festgesetzt: Das erste gemeinsame Vorgehen der deutschen Stämme war der Beginn des deutschen Nationalbewusstseins im weitesten Sinne.
Die einmütige Wahl Ottos nach seinem Tode durchalle Stammesfürsten war die nur folgerichtige Konsequenz.
Das Siegel hat kaum Besonderheiten. es ist nicht mehr das karolingische Gemmensiegel und noch nicht das majestätische Thronsiegel späterer Herrscher.
Das Heil lag in der Person und musste nicht durch Äusserlichkeiten hervorgehoben werden. Nicht durch Gottes Gnaden war Heinrich König, sondern durch Geblüt und die Wahl der Fürsten.
Otto I. der Große
940
Otto II. der Rote
973
Otto III.
994



Titel. König
Siegelführer Otto I. der Große
Legende
geboren 23.November 912
gestorben Mai 973 Memleben
Grabstätte Magedeburg Dom
Typ Majestätssiegel
Datierung 940
Gewicht
Durchmesser 54 mm
Stärke
Form rund
Material. Wachs
Titel König
Siegelführer Otto II. der Rote
Legende
geboren *955
gestorben 7.Dezember 983
Grabstätte Vatikan, St. Peter
Typ Drittes Kaisersiegel
Datierung 973
Gewicht
Durchmesser 67 mm
Stärke
Form
Material Wachs
Titel König
Siegelführer Otto III. 938-1002
Legende
geboren Juli 980
gestorben 23. Januar 1002 Paterno bei Viterbo
Grabstätte Aachen, Aachener Münster
Typ zweites Königsiegel
Datierung 994
Gewicht
Durchmesser 67 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Umschrift
*OTTO IMP(ERATOR) AVG(VSTVS)*
Übersetzung
*Otto, erhabener Kaiser*
Umschrift
*OTTO DIE GRACIA REX*
Übersetzung
*Otto von Gottes Gnaden König*
Siegelbild
Die Halbfigur des Kaisers steht mit Schild und Lanze rechts
Siegelbild
Brustbild Kaiser Ottos des Großen en face, das Haupt langbärtig mit giebelförmiger Krone, das Gewand, über der rechten Schulter geknüpft, fällt in kräftig gebildeten Falten
herab, in der ausgestreckten und abgewinkelten Rechten hält der
Herrscher einen senkrecht aufsteigenden Stab mit Knopf, in der Linken eine Kugel mit aufgestecktem Kreuz.
Siegelbild
Brustbild des Königs en face, bartlos, mit giebelförmiger Krone, das Gewand über der rechten Schulter geknüpft; in der Linken hält der König eine Kugel, in der Rechten einen Stab mit verziertem Knopf.
Umschrift
*OTTO DIE GRATIA REX*
Übersetzung
*Otto von gottes gnaden König*
Zusatzinfo
Otto I., den schon seine Zeitgenossen den Grossen nannten, wurde auf Betreiben seines Vaters Heinrich I. einstimmig von den Grossen des Reiches und durch Akklamation vom Volk im Jahre 936 in der Karlstadt Aachen zum König der Deutschen gewählt. Mit ihm bestieg der Grösste der sächsischen Herrscher, ein Nachfahr des von Karl dem Grossen geschlagenen Widukind, den Thron. Das am Vorbild Karls des Grossen orientierte und seinerseits traditionsbildende Wahlzeremoniell markierte den Abschluss des Übergangs vom ostfränkischen zum nicht mehr weiter teilbaren Deutschen Reich, in dem Königtum, Adel und insbesondere die Kirche als bestimmende Kräfte zusammenwirkten.
Nach der Niederwerfung einiger seiner Familienmitglieder gegen seine Herrschaft vermochte er es, mit kluger Heiratspolitik die Stammesherzöge an das Reich zu binden.
Er verpflichtete für sich König Ludwig IV.
den König der Westfranken und Gemahl seiner Schwester Gerbera, indem er ihn militärisch im Kampf gegen die Robertiner unterstützte.
In Italien wandte er sich gegen den Usurpartor Berengar II. der die italienische Königinwitwe Adelheid gefangenhielt.
Nach seinem Sieg vermählte sich Otto, inzwischen selbst verwitwet, mit Adelheid und setzte sich selbst die langobardische Krone auf. Aus der Ehe mit der schönen Adelheid entsproß ein Sohn, der spätere Kaiser Otto II., und die Toch- ter Mathilde, spätere Äbtissin von Quedlinburg. Dies hatte jedoch zur Folge, daß sich Ottos Sohn aus erster Ehe, Ludolf, um sein mögliches Thronerbe betrogen fühlte. Er rebellierte gegen seinen Vater und brachte ihn in der Folgezeit sehr in Bedrängnis. Erst eine außenpolitische Katastrophe änderte die Lage schlagartig. Seit kurzem stürmten die aus Asien gekommenen Ungarn auf die europäischen Völker ein. Nach grandiosem Siegeszug standen sie nun vor den Grenzen des deutschen Reiches. Otto der Große brachte es in dieser Notsituation, zugleich bedrängt von seinen innenpolitischen Feinden und dem äußeren Gegner, fertig, alle Deutschen unter seinem Kommando zu einen. Als sich seine inneren Feinde zudem noch mit den heidnischen Ungarn verbündeten, liefen ihnen die Gefolgsleute in Scharen weg. Notgedrungen mußten diese sich Otto wieder unterwerfen und kämpften seither in vorderster Front an der Seite ihres früheren Gegners. Auf dem Lechfeld bei Augsburg kam es im Jahre 955 zu der welthistorischen Schlacht des vereintendeutschen Reichsheeres gegen die Ungarn, die hier eine vernichtende Niederlage einstecken mußten. Seit dieser Zeit siedeln die asiatischen Ungarn im Donauknie, dem heutigen ungarischen Staatsgebiet. Eroberungszüge gab es von ihrer Seite nicht mehr. Auf einem zweiten Italienfeldzug gegen Berengar II. ließ sich Otto im Jahre 962 zum Kaiser krönen und erneuerte die kaiserliche Schutzhoheit über Rom. In die Streitigkeiten um den Papstthron der folgenden Jahre mischte sich Otto mit der Ernennung von zwei aufeinanderfolgenden Päpsten ein und dokumentierte damit unmißverständlich die Dominanz des Kaisertums über das Papsttum.
Mit der Wahl seines Sohnes Otto II. zum Kaiser 96 und dessen Heirat mit der byzantinischen Prinzessin Theophano (die Urkunde dieser Heirat befindet sich im Staatsarchiv von Wolfenbüttel), erreichte Otto der Große auch die staatspolitische Anerkennung des byzantinischen Kaiserreiches. Otto war nun der absolut dominierende Herrscher der europäischen Welt.
Sein Reich hatte mit Ausnahme des Frankenreiches im Westen nahezu den Umfang erreicht, den es als gesamtfränkisches Reich unter Karl dem Großen besaß. Im Jahre 973 starb er an den Folgen eines Schlaganfalls. Von Ludwig dem Deutschen bis zur Kaiserkrönung Ottos I. zeigten die karolingischen und auch die von den deutschen Königen geführten Siegel ein einheitliches Bild:
ein nach rechts (bzw. heraldisch nach links) gewandtes Brustbild, meist mit Schild und Speer.
Seit 962 indessen beginnt in der kaiserlichen Kanzlei ein neuer Siegeltypus:
das Bildnis von vorne mit Zepter und Reichsapfel.
Offensichtlich waren die langobardischen Herzogssiegel Ottos die Vorbilder.
Der Durchmesser der Kaisersiegel vergrößerte sich unter Otto von anfangs 46 mm auf schließlich 70 mm. Dieser Siegeltyp wiederholt sich nahezu unverändert auf allen Siegeln der Ottonen.
Zusatzinfo
Dem 955, im Jahr der historisch so bedeutsamen Ungarnschlacht auf dem Augsburger Lechfeld, geborenen Sohn Ottos des Großen und seiner zweiten Gemahlin Adelheid war die Nachfolge in der Königsherrschaft nicht von vornherein sicher. Erst als 957 Ottos des Großen älterer Sohn Liudolf, der sich nicht zuletzt angesichts des nachgeborenen brüderlichen Konkurrenten gegen den Vater empört hatte, im italienischen Exil verstarb, öffnete sich für den kleinen Otto der Weg auf den Thron. Die Wahl des sechsjährigen Knaben zum König in Worms und seine Krönung in Aachen am 26. Mai 961 gehörten zu den Vorkehrungen, die Otto der Große für seinen Romzug 962 traf, denn vor der gefahrvollen Reise ins Ungewisse wollte der Herrscher sein Haus geordnet und die Nachfolge geregelt wissen. Es entsprach ganz der Politik des sächsischen Herrschers, den bereits seine Zeitgenossen „den Großen" nannten, das er seinen Sohn wenige Jahre später, an Weihnachten 967, von Papst Johannes XIII. in der Peterskirche zu Rom zum Mitkaiser krönen ließ, und als Otto II. kurz vor dem Tod des Vaters die byzantinische Prinzessin Theophanu heimführte und ihr an Ostern 972 wiederum durch die Hand des Papstes in der römischen Peterskirche feierlich vermählt wurde, da hatte die Macht und Herrlichkeit der ottonischen Dynastie und des wiederaufgerichteten abendländischen Kaisertums einen kaum noch zu überbietenden Höhepunkt erreicht. Doch der junge Kaiser konnte nicht lange in Italien verweilen. Nur ein gutes Jahrzehnt währte die Regierung Ottos, und sie war zunächst sieben Jahre lang bestimmt von politischen Schwierigkeiten nördlich der Alpen. Dort musste er sich gegen seinen Vetter, den Bayernherzog Heinrich den Zänker behaupten, und im Verlauf der Auseinandersetzungen um das Herzogtum Lothringen kam es zu einem Vergeltungsfeldzug, der Otto bis vor die Tore von Paris führte, nachdem der französische König den ahnungslosen Kaiser in der Pfalz zu Aachen überfallen hatte. Erst 980, als ihn ein Hilferuf des Papstes erreichte, rüstete der Kaiser zum Zug über die Alpen, von dem er nicht mehr zu- rückkehren sollte. Zuerst schien es, als stünden die Zeichen gut. Mit der Wiedereinsetzung des Papstes in Rom schuf Otto die Voraussetzungen für seinen Plan, die Sarazenen zu vertreiben und die byzantinischen Restgebiete in Unteritalien zu erobern, aber schon bald nach dem Desaster von Cotrone 982 und der Königswahl seines Sohnes auf dem Reichstag von Verona 983 starb er an den Folgen der Malaria.
Hatte Otto der Große infolge der Kaiserkrönung 962 sein Siegel gründlich umgestalten lassen, statt der immer noch an antike Gemmen angelehnten Halbprofilbüste des Königstypars griff er auf das Frontalbild der karolingischen oder letztendlich der byzantinischen Kaiserbullen zurück, gab ihm Krone und Bart ebenso wie Zepter und Kugel anstatt Speer und Schild
so verwendete Otto II. zunächst ein Königssiegel des Vaters, seit 967 eigene Kaisersiegel und schließlich seit dem Tod Ottos des Großen 973 das vorliegende Stück, einen prachtvollen Stempel vom vergrößerten und im Bild verfeinerten Typ, der Otto dem Großen während der späteren Jahre seines Kaisertums gedient hatte. Neben der sich hierin - wie in den Münzen - besonders deutlich spiegelnden Bezugnahme des jungen Otto II. auf die imperiale Herrschaft und die politischen Konzeptionen des Vaters ist für den Zeugniswert dieses Stempels
bezeichnend, daß die Quellen tatsächlich von einer entsprechenden Barttracht Ottos des Großen berichten. Wir dürfen deshalb mit Percy Ernst Schramm resümieren:
Die Gelegenheit der Kaiserkrönung Ottos des Großen „ist dazu benutzt, Herrschaftszeichen und Gesicht wieder nach der Wirklichkeit zu gestalten. So kommt es zu dem ersten
Siegelbild, bei dem die Antike nicht mehr hemmend einwirkt." Das rückt den Stempel in die Nähe der berühmten Herrscherminiaturen der späteren Ottonenzeit, obwohl es sich noch nicht um ein Siegelbild vom Thronbildtypus handelt. Erst Otto III. hat diesen Typ 997 in seiner Kanzlei eingeführt, der sich bald durchsetzen und zum Inbegriff des hochmittelalterlichen Herrschersiegels werden sollte.
Zusatzinfo
Der dritte und letzte Kaiser des nach dem man die Dynastie und die Epoche an der Schwelle des hohen Mittelalters „ottonisch“ zu nennen pflegt, wurde nach seiner Wahl zum König in Verona als dreieinhalbjähriges Kind am Weihnachtsfest 983 in der Aachener Pfalz Kapelle gekrönt,
wenige Tage nachdem sein Vater Otto II. in Rom überraschend verstorben war.
Ottos eigenständige Regierung begann daher erst nach elfjähriger Regentschaft seiner Mutter, der byzantinischen Kaisertochter Theophanu, und seiner Grossmutter Adelheid.
Die Beilegung anfänglicher Auseinandersetzungen mit dem ehemaligen Bayernherzog Heinrich dem Zänker, der als Verwandter des Königshauses ebenfalls Ansprüche auf die Krone erhoben und den kleinen Otto in seine Gewalt gebracht hatte, feierte man 986 mit einem glänzenden Hoffest zu Quedlinburg,
wo Otto zum zweiten Mal feierlich gekrönt wurde; beim Festmahl dienten dem jungen König vier Herzöge in den Hofämtern des Truchsessen, des Kämmerers, des
Mundschenks und des Marschalls.
Obgleich Theophanu die Verluste, die das Reich seit Ottos II. letztem Italienzug erlitten hatte, nicht rückgängig machen konnte, erwies sich die Königsmutter doch als fähige Regentin und wachsame Vertreterin der Ansprüche Ottos.
So gelang es ihr, das durch den Wechsel von der karolingischen zur kapetingischen Dynastie in Franzien gefährdete Lothringen vorerst zu sichern.
Durch einen Italienzug brachte sie Ottos Königtum auch in seinem zweiten Regnum zur Geltung und bereitete die Kaiserkrönung ihres Sohnes vor.
Als Theophanu 991 starb, übernahm Ottos Großmutter, Kaiserin Adelheid, die Vormund- und Regentschaft, bis Otto auf dem Reichstag in Sohlingen/Solling 994 selbst als mündig erklärt wurde.
Dort fiel auch die Entscheidung für den ersten Romzug, der den König in den Besitz der Kaiserkrone bringen sollte.
Seine Herrschaft war indessen kurz bemessen, sieben Jahre, ein atemberaubender Traum, der Otto den Ruf der Genialität und sogar den Vergleich mit Karl dem Großen eintrug.
Im Sinne seines Gedankens einer Erneuerung des römischen Reiches führte Otto das kaiserlich-päpstliche Verhältnis in neue Bahnen, indem er massgeblichen Einfluß auf die Besetzung des Heiligen Stuhles nahm, zuerst 996,
als er seinen Vetter Brun als Gregor V. zum Papst erheben ließ,
dann 999 Gerbert/Silvester. Auf dem Palatin erbaute er inmitten antiker Ruinen einen Palast, denn die ewige Stadt hatte Otto zu seiner eigentlichen Residenz erkoren, während er in Deutschland vornehmlich in Aachen, der Pfalz seines Vorbilds Karl, zu weilen pflegte.
Sogar das Grab des großen Karolingers ließ er heimlich öffnen, um den toten Kaiser zu schauen und sich von ihm inspirieren zu lassen.
Die wahrhaft imperiale Politik Ottos, zu deren Programm auch die Heimführung einer byzantinischen Prinzessin zählte, konnte sich freilich nicht voll entfalten. Das verhinderte neben mannigfaltigen Widerständen in der Heimat und auch in Rom, wo der Kaiser mitsamt seinen Päpsten an den mächtigen Adelsfamilien scheiterte, der Tod Ottos III.im jugendlichen Alter von 22 Jahren. Im Kastell Paterno, gleichsam vor den Toren Roms, erlag er im Januar 1002 wie sein Vater der Malaria, die Leiche wurde gemäSS seinem Wunsch nach Aachen überführt,
wo Otto bei Karl dem Großen die letzte Ruhe fand.
Bereits auf den Königssiegeln hält Otto die Weltkugel in der Linken, welche bis dahin dem Kaiser vorbehalten war.
Nach der Kaiserkrönung zeigen die Siegel den Herrscher zunächst stehend, seit 997 aber sitzend auf einem Thron, wie die Miniaturen der kostbaren liturgischen Bücher.
Damit war ein Bildtypus geprägt, der sich fürderhin als sogenannte Majestätssiegel der mittelalterlichen Könige Europas durchsetzen sollte.
Seit 998 verwendete Otto III. jedoch keine Wachssiegel mehr, sondern nach dem Vorbild der byzantinischen Kaiser ausschließlich Bleibullen, wie das die Karolinger und Otto der Große schon gelegentlich getan hatten.
Das Bild Karls des Großen und eine gewappnete Figur der Roma mit der Umschrift „Renovatio imperii Romanorum“ auf seiner ersten Bulle verkünden Ottos Programm: die Wiederaufrichtung des Römischen Reiches mit der Hauptstadt Rom.