Die Askanier
Die Askanier
"Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser."
Sokrates
Die Askanier
von Dr. Lutz Partenheimer
Sie sind eine uralte Dynastie – wie die Hohenzollern, Habsburger, Wettiner, Wittelsbacher, Welfen, Schwarzburger, Niklotiden oder die Häuser Baden, Hessen, Württemberg, Oldenburg, Reuß und andere. Bei einigen dieser Familien können wir ihre regierenden Mitglieder bis in die Zeit um 1000 zurückverfolgen, manchmal sogar lückenlos. Männer aus diesen Geschlechtern beherrschten als Kaiser, Könige, Großherzöge, Herzöge, Fürsten, Mark- oder Landgrafen die deutschen Territorien bis zum Ende aller Monarchien im November 1918. Die Welfen benannte man nach einem Leitnamen, weil mehrere Angehörige des Geschlechts im Mittelalter „Welf“ hießen. Ähnliches gilt für die Reußen. Alle männlichen Mitglieder dieses Hauses führten den Namen „Heinrich Reuß“. Die von einem slawischen Fürstengeschlecht abstammenden Niklotiden sind die Nachkommen Niklots, eines sogenannten Spitzenahns. Bezeichnungen anderer Dynastien gehen auf „Stammburgen“ der Familie zurück.
Die seit fast 1000 Jahren bekannten Askanier haben eine sehr interessante Geschichte. Sie erlebten vom 11. bis zum Ende des 13. Jh. einen rasanten Aufstieg. Verschiedene Linien der Dynastie beherrschten über Jahrhunderte mehrere Fürstentümer des deutschen Reiches. Aber bis auf eine starben zwischen 1315 und 1863 alle aus. Deren Territorien konnten die verbleibenden Zweige trotz mancher Anstrengungen nicht übernehmen. Die letzte Linie, die Herzöge von Anhalt, regierte bis 1918, als die Novemberrevolution die Abdankung aller deutschen Monarchen erzwang. Angehörige dieser Familie leben noch heute, während viele andere unserer Fürsten- und Adelsgeschlechter längst ausgestorben sind. Der Name geht auf die Burg Askania zurück, deren Reste auf dem Wolfsberg westlich von Aschersleben liegen. Dort entstand in einer großen, durch mächtige Wälle geschützten älteren Anlage wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 12. Jh. ein als Ruine erhaltener Turm. Die Burg war einer der drei Stammsitze des Fürstenhauses, das spätestens 1131 vom König die Grafschaft Aschersleben erhalten hatte.
Den höchsten Rang erreichte eine Frau aus dem Geschlecht, Kaiserin Katharina die Große von Russland (1762-1796), die als Prinzessin Sophie von Anhalt (Zerbst) das Licht der Welt erblickte. Auch der „Alte Dessauer“, Fürst Leopold I. von Anhalt (Dessau) (1693-1747), Generalfeldmarschall dreier preußischer Könige, war ein Askanier. Sein Sieg bei Kesselsdorf über Sachsen und Österreicher am 15.12.1745 beendete den Zweiten Schlesischen Krieg. Drei Söhne Leopolds ernannte Friedrich der Große ebenfalls zu Generalfeldmarschällen. Ein Enkel des „Alten Dessauers“, Fürst (seit 1807 Herzog) Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt (Dessau) (1751-1817), genannt „Vater Franz“, ließ den Wörlitzer Park anlegen.
Die Anfänge der Askanier
von Dr. Lutz Partenheimer
Wir können sie bis zum Jahre 1036 zurückverfolgen. Bei der Dynastie der Hohenzollern geht das nur bis 1061. Angehörige dieser Familie, deren Bezeichnung von der Burg Hohenzollern bei Hechingen abgeleitet ist, regierten die von den Askaniern gegründete Markgrafschaft Brandenburg von 1415 bis 1918. 1701 nahmen sie den Titel „König in Preußen“, 1772 „König von Preußen“ und 1871 „Deutscher Kaiser“ an. Doch sind bei diesem Geschlecht die Namen einiger früher Mitglieder nicht überliefert, während wir alle ab ihrer ersten schriftlichen Erwähnung regierenden Askanier kennen. Deren lückenlose Liste beginnt mit jenem Grafen Esico, der in einer Urkunde erscheint, die Kaiser Konrad II. am 26.10.1036 ausstellen ließ. Das geschah auf der Königspfalz Tilleda, zu deren Schutz im 11. Jh. die 1118 erstmals erwähnte große Reichsburg Kyffhausen auf dem Kyffhäuser entstand. Der Urkundentext sagt über den ältesten namentlich bekannten Askanier lediglich, dass das Dorf Cölbigk (westlich von Bernburg) in seiner Grafschaft lag. Mit Bezug auf Esicos Eltern ist nur überliefert, dass die Mutter einen Bruder Siegfried hatte, dessen Vater Markgraf Hodo (von der sächsischen Ostmark – heute ungefähr die Niederlausitz) war. Diese beiden Angaben verdanken wir der um 1150 entstandenen Reichschronik des Annalista Saxo, eines Geistlichen, der anscheinend im Osten des damaligen Sachsens lebte.
Das erstreckte sich etwa vom Niederrhein über Westfalen und Niedersachsen, umfasste auch Teile Schleswig-Holsteins sowie die Altmark und den Harz. Das Gebiet gliederte Karl der Große kurz vor 800 in das Reich ein, das die Franken 300 Jahre früher auf den Resten des Weströmischen Staates in Nordgallien errichtet hatten. Die Sachsen waren ein germanisches Volk wie die Franken. Diese erweiterten ihr Reich ständig. Sie hatten vor den Sachsen seit etwa 500 schon andere germanische Völker, darunter Alemannen (Schwaben), Bayern, Thüringer, Friesen und Hessen unterworfen. Unter Karl dem Großen erhielt das Frankenreich seine größte Ausdehnung. Im Jahre 800 nahm er den Titel des Kaisers der Römer an, der im Westen des letztmals 395 geteilten Römischen Reiches 476 erloschen war.
843 bildeten seine Enkel drei fränkische Staaten. Während sich der westliche zu Frankreich entwickelte, ging aus dem östlichen bis zum 11. Jh. Deutschland hervor. Die genannten germanischen Völker wurden zu dessen Stämmen. „Deutsch“ bedeutet „volksgemäß“ bzw. „nach Art des Volkes“. Das bezog sich seit der Zeit Karls des Großen in der Form theodiscus auf die Dialekte der Germanen, im 9. Jh. als Teutisci auf die Menschen, die so sprachen und seit 843 im Ostfrankenreich lebten. Zum Adjektiv theodiscus gab es im 4. Jh. bei den Goten, einem anderen germanischen Stamm, das Wort thiuda für Volk. Im 11. Jh. begann man, auch den ostfränkischen König und dessen Reich als „deutsch“ (erstmals 1020 rex Teutonicorum - König der „Deutschen“) zu bezeichnen. Inzwischen hatte teutonicus, abgeleitet vom germanischen Stamm der um 100 v. Chr. belegten Teutonen, das Wort theodiscus verdrängt. Im Mittelhochdeutschen hieß Deutschland um 1080 Diutschiu lant.
Bei den Sachsen entwickelte sich im 9./10. Jh. ein Herzogtum, das bis 1180 bestand.
Markgraf Hodo, der Vater der Mutter Esicos – des ersten namentlich bekannten Askaniers – starb 993 und fand seine letzte Ruhe im Kloster Nienburg bei Bernburg. Auch deshalb gehörte er anscheinend zur Familie des Markgrafen Christian (+ um 950), der mit einer Schwester des in Gernrode bestatteten Markgrafen Gero (+ 965) vermählt war. Die Quellen nennen Hodo einen mächtigen Mann, und daher dürfte dessen Schwiegersohn, Esicos Vater, kein unbedeutender Adliger gewesen sein. Grafen waren die regionalen Vertreter des Königs, Markgrafen versahen dieses Amt in den Grenzgebieten des Reiches. Christians Söhne gründeten 970 bei Mägdesprung im Harz ein Kloster, das Kaiser Otto II. fünf Jahre später nach Nienburg verlegte. Ob die Grafen Ezico und Siegfried, die zu dem Heer gehörten, das Kaiser Heinrich II. 1017 in Leitzkau (bei Zerbst) gegen Polen sammelte, der älteste namentlich bekannte Askanier und dessen Onkel waren, ist offen.
Für die Herkunft der Vorfahren Esicos ziehen wir den Sachsenspiegel heran, den der Ritter Eike von Repgow (Reppichau nordöstlich von Köthen) zwischen 1220 und 1235 verfasste, um die bisher nur mündlich weitergegebenen sächsischen Rechtsgewohnheiten aufzuzeichnen. Das Werk besitzt ein Vorwort mit dem Titel „Von der Herren Geburt“, das allerdings wohl erst rund 40 Jahre später entstand. Dort heißt es bezüglich der askanischen Linien der Grafen von Anhalt, der Markgrafen von Brandenburg und der Grafen von Weimar-Orlamünde: „disse vorsten sint alle Swavee“ (diese Fürsten sind alle Schwaben). Damit war als ursprüngliche Heimat der Askanier wohl der im 10. und 11. Jh. erwähnte „Schwabengau“ südwestlich von Magdeburg, zwischen Harz, Bode und Saale, gemeint. Der Name konnte bisher nicht schlüssig erklärt werden.
Auch eine Herkunft der Vorfahren Esicos aus dem eigentlichen Schwaben ist möglich: Dessen Herzog Liudolf erhielt 951 von seinem Vater, dem ostfränkischen König Otto I., den slawischen Gau Serimunt. Dort, und zwar in Hohenköthen, einem heute verschwundenen Dorf südwestlich der Köthener Altstadt, lag zu Beginn des 11. Jh. evtl. der Sitz der Vorfahren Esicos. Sie könnten auf schwäbische Adlige zurückgehen, die Liudolf zu Errichtung seiner Herrschaft nach Serimunt geschickt hatte.
Dazu passt auch Esicos Ehe mit Mathilde, der Tochter Herzog Hermanns II. von Schwaben. Deren Schwester Gisela heiratete Kaiser Konrad II. Mathilde vermittelte den Askaniern das Blut der Karolinger, Ottonen und Welfen. Ihre Mutter Gerberga war die Tochter König Konrads I. von Burgund, eines Welfen, und seiner Gemahlin Mathilde. Diese entstammte der Ehe zwischen König Ludwig IV. vom Westfrankenreich (einem Ur-Ur-Urenkel Karls des Großen) und Gerberga. Deren Vater war der ostfränkische König Heinrich I.
Den Grafentitel Esicos und seines Sohnes Adalbert verbinden die zeitgenössischen Quellen nie mit einem Ort. Wir kennen nur gräfliche Befugnisse, die Esico in der Umgebung Ascherslebens und Bernburgs besaß. Offenbar um 1043 gründete er auf dem Ballenstedter Schlossberg ein Kollegiatstift für Geistliche, die keine Mönche waren, aber ähnlich lebten. Das geschah wohl nicht nur aus Frömmigkeit, sondern der Askanier brachte – im Gegensatz zu dem Bericht einer gleich zu nennenden Quelle aus dem 16. Jh. – so vielleicht auch den Ballenstedter Raum überhaupt erst in seine Gewalt. Auch konnte er (oder der Vater) anscheinend einige Besitzungen der um 1033 ausgestorbenen Nachkommen des oben erwähnten Markgrafen Christian übernehmen.
Über die Entstehung des Kollegiatstiftes erfahren wir etwas mehr in einer allerdings erst viel später verfassten Abhandlung. Danach gründete Esico die geistliche Einrichtung in seiner Burg Ballenstedt. Das berichtet Heinrich Basse in einer Lobschrift auf die Fürsten von Anhalt aus dem Jahre 1519. Er bekleidete das Amt eines Priors des Benediktinerklosters Ballenstedt, das 1123 aus dem Kollegiatstift hervorgegangen war. Zwischen 1106 und ca. 1171 sind drei Askanier als Grafen von Ballenstedt genannt. Es muss dort also eine Burg gegeben haben, von der bis heute allerdings jede Spur fehlt. Sie erscheint auch nie als Ausstellungsort von Urkunden.
Im 11. und 12. Jh. war im Raum Ballenstedt der Schlossberg natürlich der günstigste Platz für eine solche Anlage. Während des Bauernkrieges wurde das Kloster Ballenstedt 1524 oder 1525 geplündert und in diesem Jahre vom letzten Abt dem Fürsten Wolfgang von Anhalt übergeben. Der gehörte zu den ersten deutschen Landesherrn, die Luthers Lehren angenommen hatten, und löste die geistliche Einrichtung auf. Das ehemalige Kloster diente Wolfgang und seinen Nachfolgern nun als Unterkunft, vor allem, wenn sie in Ballenstedt zur Jagd weilten. Dafür wurden mehrfach Umbauten vorgenommen.
Schließlich verschwand auch die Klosterkirche, deren Zustand im Kern noch dem des 12. Jh. entsprach. Seit 1748 sind von ihr lediglich das Westwerk, dessen Sockel als Rest des Kollegiatstiftes aus dem 11. Jh. stammt, und die durch spätere Eingriffe stark beeinträchtigte Krypta erhalten. Das in diesem Jahr errichtete Schloss Ballenstedt diente den Fürsten (ab 1806 Herzögen) von Anhalt (Bernburg) von 1765 bis 1855 vor allem im Sommer als Residenz. Der letzte Regent dieser Linie, Alexander Carl, war psychisch krank. Seit 1855 lebte er deshalb zurückgezogen auf Schloss Hoym (nordöstlich von Ballenstedt), wo er 1863 starb. Seine Witwe Friederike nutzte Schloss Ballenstedt noch bis zu ihrem Tode 1902.
Der dritte Stammsitz der Askanier neben den Burgen Ballenstedt und Askania war die Burg Anhalt, deren Ruine südlich von Ballenstedt über dem Tal des Flüsschens Selke liegt. Sie erscheint erstmals zum Jahre 1140 in Chroniken vom Ende des 12. Jh. und wird dabei als Besitz Albrechts des Bären (eines Urenkels Esicos) bezeichnet. Die erste Anlage entstand offenbar um 1100, doch ist nicht bekannt, wer sie erbauen ließ. Der älteste vorhandene Gebäuderest, der Stumpf eines runden Turmes, gehörte zu einem Bergfried, dessen Errichtung vermutlich zwischen 1150 und 1250 erfolgte. Die erhaltenen Mauern der Keller des Pallas stammen aus dem 13., vielleicht sogar erst aus dem 14. Jh. Es sind sechs Urkunden bekannt, die drei Askanier zwischen 1263 und 1305 auf der Burg Anhalt ausstellen ließen. Nach den schriftlichen Quellen nutzte das Fürstenhaus die Feste mindestens bis 1315. Seit 1413 war sie an die Wettiner verpfändet. Spätestens in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Anlage aufgegeben, wie die archäologischen Funde zeigen. Zwar lösten die Fürsten von Anhalt ihre Stammburg 1498 endlich aus. Doch kurz darauf wurde sie an Bernd von der Asseburg versetzt und von dem 1508 an die Grafen von Stolberg. Als sie 1536 wieder in den Besitz der Fürsten von Anhalt kam, war sie endgültig verfallen, doch verband diese Linie der Askanier ihren Titel weiter mit der Burg.
Graf Esico erscheint wahrscheinlich 1059 letztmals in den Quellen. Dass die Uta, deren bekannte Statue unter den Stifterfiguren im Westchor des Naumburger Domes steht, seine Schwester gewesen sein soll, sagen erst Schriften aus dem 16. Jh. Es ist nach neueren
Forschungen unwahrscheinlich.
Esicos Sohn Adalbert lehnte sich 1069 gegen König Heinrich IV. auf und kam vorübergehend in Haft. Spätestens 1073 war er offenbar auch der für Ballenstedt zuständige Graf, da damals heute verschwundene Dörfer in unmittelbarer Nähe dieses Ortes als Bestandteile seiner Grafschaft genannt werden. Etwa gleichzeitig erhielt Adalbert möglicherweise vom Herrscher die Vogtei des Reichsklosters Nienburg. Diesem unterstellte der Askanier wohl in dem Zusammenhang das von seinem Vater geerbte Kollegiatstift Ballenstedt. Die dortigen Grafenrechte sowie die Vogtei verdankte Adalbert anscheinend der Versöhnung mit dem König. Um 1080 wurde der Askanier erschlagen, vermutlich in einer der damals häufigen Adelsfehden. Sein Sohn Otto ist der älteste Angehörige der Dynastie, deren Grafentitel die Quellen mit einem Ort verbanden: In einer Urkunde von 1106 erscheint er erstmals als Graf von Ballenstedt. Dieses Amt übernahm nach Ottos Tod 1123 sein um 1100 geborener Sohn Adalbert, der als Albrecht der Bär und Gründer der Mark Brandenburg bekannt ist.
Die Herkunft des Fürstenhauses
von Dr. Lutz Partenheimer
In zeitgenössischen Urkunden erscheinen die beiden ältesten überlieferten Mitglieder der Dynastie als Grafen.
Ihren Titel verbinden die Quellen aber nicht mit einem Ort oder einer Burg. Esico († um 1060?), der erste namentlich bekannte Askanier, wird bei seiner frühesten Erwähnung als Graf bezeichnet, zu dessen »Amtsbezirk« Cölbigk (westlich von Bernburg) gehörte.
Das steht in der am 26. Oktober 1036 auf der Königspfalz Tilleda am Kyffhäuser ausgestellten Urkunde Kaiser Konrads II. (* um 990, † 1039). Esicos Vorfahren waren vielleicht im 10. Jahrhundert nach Sachsen gekommen.
Der zwischen 1220 und 1235 durch Eike von Repgow (* zw. 1180 u. 1190, † nach 1233) verfasste Sachsenspiegel besitzt das Vorwort
»Von der Herren Geburt«, das allerdings einem späteren Autor zugeschrieben wird. Es sagt über die von Albrecht dem Bären abstammenden Linien der Fürsten von Anhalt, der Markgrafen von Brandenburg und der Grafen von Weimar-Orlamünde: De van Anehalt, de van Brandeborch, de van Orlemunde […] dis- se vorsten sint alle Swavee. Damit ist möglicherweise die Herkunft der Askanier aus dem von 934 bis wohl 1073 erwähnten Schwabengau südwestlich von Magdeburg (zwischen Eine, Bode und Wipper) gemeint.6 Zur Erklärung des alten Namens dieser Region diente immer wieder eine Erzählung des am Ende des 8. Jahrhunderts schreibenden langobardischen Chronisten Paulus Diaconus. Der berichtet nach dem Werk des kurz vor 600 gestorbenen fränkischen Bischofs Gregor von Tours (* 538, † 594), dass die 568 in Italien einfallenden Langobarden von Sachsen begleitet worden seien. In den von diesen verlassenen Gebieten hätte der fränkische Merowingerkönig Sigibert I. (* 535, † 575) Schwaben angesiedelt.
Das erwies sich inzwischen als Legende. Auch angeblich vorher in der Rhein-Main-Region, in den Niederlanden, in Schleswig-Holstein, im westlichen Mecklenburg oder im Havelraum lebende Völker machte man für die bis heute nicht geklärte Entstehung des Namens »Schwabengau« verantwortlich.
Allerdings könnten Esicos Vorfahren tatsächlich aus Schwaben stammen. Als dessen Herzog hatte der ostfränkische König Otto I. (* 912, † 973) 950 seinen ältesten Sohn Liudolf († 957) eingesetzt. Diesem übertrug der Vater im folgenden Jahr den Gau Serimunt (zwischen Elbe, Mulde, Fuhne und Saale). Dort im Raum Köthen befand sich möglicherweise etwa vom Beginn bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts der Stammsitz der frühen Askanier. Ihre Ahnen könnten also Adlige aus Schwaben gewesen sein, die auf Befehl Liudolfs in die slawische Region Serimunt kamen, um dort mit einem ersten Landesausbau zu beginnen. Dazu passt die Ehe zwischen Esico und der schwäbischen Herzogstochter Mathilde – deren Schwester Gisela die Gemahlin Kaiser Konrads II. war. Auch Esicos Vater wird kein kleiner Adliger gewesen sein, da er mit dem Markgrafen Hodo von der Lausitz († 993) ebenfalls einen mächtigen Schwiegervater besaß.
Burg und Kloster Ballenstedt
von Dr. Lutz Partenheimer
Esicos Grafenamt ist, wie bereits angeführt, für die Umgebung Bernburgs belegt, ihm gehörten u. a. Güter und gräfliche Rechte südlich von Ballenstedt (wohl vom Vater geerbt), bei Eilenburg und vermutlich in der Köthener Gegend. Im Süden bzw. Südwesten des Gaus Serimunt hatte er anscheinend ebenfalls gräfliche Befugnisse. Die dortigen Besitzungen und Rechte könnten entgegen den Annahmen der älteren Forschung schon vor dem Aussterben der Nachkommen (zwischen 1032 und 1034) des im 10. Jahrhundert lebenden Markgrafen Christian in der Hand der Askanier gewesen sein. Die gelangten jedoch an andere Teile der Hinterlassenschaft der erloschenen Familie wohl deutlich später.
So konnte Adalbert († um 1080), dessen Vater Esico war, offenbar erst nach 1070 die Vogtei des Klosters Nienburg übernehmen, das Christians Söhne ursprünglich 970 in Thankmarsfelde bei Mägdesprung (im Selketal) gegründet hatten. Fünf Jahre später beschloss man die Verlegung dieses Benediktinerkonventes an die Saale.
Im engeren Ballenstedter Gebiet verfügten die Askanier wohl zunächst nicht über das Grafenamt. 1019 besaß es anscheinend Thietmar der Jüngere († 1030)17, ein Urenkel Christians, 1071 Markgraf Udo, vermutlich Graf Udo II. von Stade, seit 1057 Markgraf der Nordmark († 1082). Immerhin gründete Esico offenbar auf dem Ballenstedter Schlossberg eine Kollegiatkirche. Das berichtet Heinrich Basse 1519 zum Jahre 943 – was allerdings nicht zur Lebenszeit des Grafen passt.
Der Mönch vermerkt, dass Esico die geistliche Einrichtung in seiner Burg Ballenstedt ansiedelte. Dass die fast 500 Jahre danach geschriebene Angabe (wenigstens im Hinblick auf eine Beziehung des Askaniers zu der Kirche) zu stimmen scheint, stützen zeitgenössische Quellen: 1073 verfügte Graf Adalbert, dessen Vater Esico war, über die Propstei Ballenstedt, da er sie damals dem Kloster Nienburg übertrug. Zudem erklärte er dabei, dass sie ihm im Erbgang zugefallen sei und er sich und seinem Sohn die Vogtei vorbehalte. Das zeigt zumindest, dass die Kirche Esico gehört hatte, denn über die Mutter, eine schwäbische Herzogstochter, gelangte sie kaum an Adalbert. Dessen Aussage zum Empfang der geistlichen Institution als Erbe erweist Esico allerdings nicht als deren Stifter. Dafür bleibt nur die Notiz Heinrich Basses. Am 26. Juli 1073 stellte König Heinrich IV. (* 1050, † 1106) auf der Harzburg eine Urkunde für die zur Abtei Nienburg gehörende Ballenstedter Propstei aus. Darin bestätigte er ihr eine Hufenschenkung seines Vaters. Das Schriftstück enthält die älteste Nennung Ballenstedts sowie der Harzburg – 2023 sind seitdem 950 Jahre vergangen.
Zur Erlangung des Dokumentes hatte man (sicher in Nienburg oder in Ballenstedt) eine angeblich 1053 aufgesetzte Urkunde Heinrichs III. (* 1017, † 1056) angefertigt und dessen Sohn vorgelegt. Darin wird der Vater als König bezeichnet, obwohl er Ende 1046 Kaiser geworden war – was schon 1073 dem Kanzler auffiel. Dennoch scheint dieser das Dokument als echt angesehen zu haben, denn er ließ daran das Siegel seines Herrn anbringen. In der Fälschung heißt es, dass die Weihe des Ballenstedter Klosters – dessen Stifter nicht genannt wird – in Anwesenheit König Heinrichs III. sowie des Erzbischofs Adalbert von Bremen (* um 1000, † 1072) erfolgt sei.
Zur Anfertigung der angeblich 1053 ausgestellten Urkunde nutzte man ein Dokument des Herrschers für das Kloster Nienburg von 1041. Die Fälschung wurde bereits 1780 entlarvt.
1748 riss man das Gotteshaus des 1525 aufgelösten Klosters Ballenstedt ab und errichtete auf dem Ostteil der Fundamente die heutige Schlosskirche.
Dabei ist ein alter Stein mit der Aufschrift HESICO COMITE C(ON- DITUM) – der sog. Esico-Stein – in den südwestlichen Ansatz der Hauptapsis eingefügt worden.
Vielleicht brachte Esico mit der Gründung der Propstei in Ballenstedt diese Gegend in seine Hand, obwohl die Stiftung nach Heinrich Basse in einer dem Askanier gehören- den Burg erfolgte. Denn gräfliche Befugnisse in den Dörfern Asmusstedt und Badeborn unmittelbar nördlich von Ballenstedt – und damit offenbar auch für die spätere Stadt sind erst für Esicos Sohn Adalbert 1073 überliefert. Davor hatten in dem Raum der König und andere Herren Güter und Rechte und – wie er- wähnt – das Grafenamt.
Also siedelte Esico zwar offenbar Kleriker in Ballenstedt an, residierte aber vermutlich noch nicht dort. Denn es ist kaum anzunehmen, dass er unter einem fremden Grafen lebte – während er doch diese Funktion in anderen Gegenden selbst ausübte. Sein Sohn Adalbert machte Ballenstedt dann aber anscheinend zu einem Sitz der frühen Askanier. Deren Grafentitel verbinden die schriftlichen Quellen mit dem Ort sogar noch später. Erst Adalberts Sohn Otto (* um 1070, † 1123) nennt eine Urkunde aus dem Jahre 1106 Graf von Ballenstedt. So sind Esico und Adalbert auch beim Annalista Saxo aufgeführt, was darauf hinweist, dass die frühen Askanier um 1150 im östlichen Sachsen unter dieser Bezeichnung bekannt waren.
Urkundlich erscheinen nach dem 1123 gestorbenen Otto noch dessen Sohn und ein Enkel, Albrecht der Bär (1133/1134) sowie Adalbert (1170), als Grafen von Ballenstedt.
Da sie sicher auf einer dort liegenden Burg saßen, wäre das Verhältnis zwischen ihr und
dem Kloster zu untersuchen. Die Feste dürfte auch weiter als solche genutzt worden sein, als man darin das Kollegiatstift errichtete anscheinend sogar noch, nachdem dies Otto und dessen Sohn Albrecht der Bär 1123 in einen nur dem Papst unterstellten Benediktinerkonvent umgewandelt
und damit aus der Abhängigkeit von Nienburg gelöst hatten. Das betonte bereits Helmut Assing, wobei er auf die eben angeführten Urkunden verwies.36 Erschwerend kommt hinzu, dass die Lage der Burg Ballenstedt völlig ungeklärt ist.
In ihr gründete Esico nach Heinrich Basse eine Propstei, aus der 1123 das bis 1525 existierende Kloster hervor- ging, dessen Reste auf dem Schlossberg zu sehen sind.
Der eignete sich im 11. und 12. Jahrhundert als Standort einer Burg in dem Raum natürlich am besten. Doch bisher fand man von einer solchen Anlage weder dort oben noch in der Stadt irgendwelche Spuren.
Die Vorgeschichte Brandenburgs in slawischer Zeit
von Dr. Lutz Partenheimer
Der junge Graf im östlichen Harzraum interessierte sich auch für andere Gebiete, wobei er offenbar Maßnahmen des Vaters weiterführen wollte. Der hatte anscheinend den askanischen Einfluss 1108 oder davor aus dem Raum zwischen Saale und Mulde über Zerbst und Lindau bis Möckern und in Richtung Görzke ausgedehnt. Ob die Gegend dieses Ortes schon bis 1123 erreicht war, ist allerdings offen. Etwa bei Görzke begann das Hevellerfürstentum, das ungefähr aus dem Havelland und der südlich davon liegenden Zauche bestand. In der Region hatten sich kurz nach 700 Slawen niedergelassen, die dann einen Stamm bildeten, dessen Mitglieder sich Stodoranen nannten. Den Namen überliefern sächsische Chronisten im 10. Jh., die dieses Volk allerdings meist als „Heveller“ (Havelleute) bezeichneten. Ungefähr um 850/870 errichteten die Stodoranen an der Stelle des heutigen Domes in Brandenburg an der Havel die Brandenburg, einen mächtigen Ringwall aus Holz und Erde. Diese fiel beim Ausheben eines vor der Befestigung gelegenen Grabens an, der breit und tief war. Die Anlage wurde der Sitz des Fürsten der Heveller.
Wahrscheinlich im Winter 928/29 eroberte Heinrich I., der König des Ostfrankenreiches, die Brandenburg. Er begnügte sich mit einer lockeren Oberhoheit über die Slawen, doch sein Sohn, Kaiser Otto der Große, wollte sie beherrschen und christianisieren. Dazu bildete er für die durch den Vater unterworfenen Gebiete Markgrafschaften und gründete die Bistümer Brandenburg und Havelberg. Aus dem Amtsbezirk des Markgrafen Gero gingen nach dessen Tod (965) die ungefähr zwischen Wittenberge, Stettin, Guben und Wittenberg gelegene Nordmark, die Mark (Nieder)Lausitz sowie die Mark Meißen hervor – ob gleich oder in einem längeren Prozess ist allerdings unklar.
983 zerstörte der Aufstand eines Verbandes slawischer Stämme, den die sächsischen Quellen Lutizen nennen, die Bischofssitze Havelberg und Brandenburg und beendete die ostfränkische Herrschaft ungefähr im Raum zwischen der Ostsee und dem Fläming. Mehrere Rückeroberungsversuche scheiterten und wurden dann aufgegeben. Im Zusammenhang mit ihnen erscheint erstmals Potsdam 993 in einer Urkunde König Ottos III. Aber das deutsche Reich, das sich bis zum 11. Jh. aus dem ostfränkischen entwickelt hatte, gab den Anspruch auf die slawischen Gebiete bis zur Oder nicht auf. Für sie ernannten die Könige weiterhin Markgrafen und Bischöfe, auch wenn die ihre Amtsbezirke nicht betreten konnten.
1099 eroberte das Heer des ersten Kreuzzuges Jerusalem. Nun erwachte auch in Sachsen wieder stärker das Interesse, die slawischen Gebiete zurückzuerlangen, wie ein entsprechender Aufruf von wahrscheinlich 1108 zeigt. Als Vorbild für einen Slawenkreuzzug werden die Erfolge im Orient genannt, zugleich verweist die Quelle auf die Möglichkeit, bestes Land zum Siedeln zu gewinnen. Der Raum der Elbslawen weckte aber noch aus einem anderen Grund wieder das Interesse deutscher Fürsten – vor allem natürlich im östlichen Teil des Herzogtums Sachsen, der an Gebiete grenzte, deren Bewohner damals als Heiden galten. In der Mitte des 11. Jh. hatte nämlich der sogenannte Landesausbau eingesetzt: Weltliche (Herzöge, Mark-, Pfalz- und Landgrafen) und geistliche (Erzbischöfe, Bischöfe, mächtige Äbte und Äbtissinnen) Fürsten sowie viele Grafen begannen, im Auftrag des Königs verwaltete Territorien als Regionen zu betrachten, die sie aus eigener Machtvollkommenheit regierten. Außerdem wollten sie ihre Gebiete erweitern und die Herrschaft über die darin lebenden Menschen festigen.
Dazu führten die Fürsten Kriege, schlossen politisch vorteilhafte Ehen, erhöhten die Zahl ihrer Vasallen sowie Ritter und bauten Burgen. Außerdem ließen sie Dörfer (meist durch Rodungen), Märkte, seit dem 12. Jh. auch Städte anlegen, errichteten Kirchen und Klöster und förderten Handel sowie Bergbau. Dieser Prozess dauerte sehr lange und führte schließlich zur
Herausbildung einer Vielzahl mehr oder weniger selbständiger weltlicher sowie geistlicher Fürstentümer und Herrschaften, aus denen das Heilige Römische Reich (deutscher Nation) vom 15./16. Jh. bis zu seinem Ende 1806 bestand.
Daher hofften nun besonders ostsächsische Fürsten, sich durch die Wiederbesetzung der an ihre Territorien grenzenden großen Slawengebiete wichtige Vorteile im Ringen mit benachbarten Rivalen zu verschaffen, die ebenfalls mit dem Landesausbau begonnen hatten. Albrecht der Bär versuchte, die vor diesem Hintergrund durch seinen Vater eingeleitete Ausdehnung der askanischen Herrschaft fortzusetzen, indem er um 1125 Kontakte mit Pribislaw/Heinrich aufnahm. Der gehörte zur der slawischen Dynastie, die die Heveller regierte. Er war Christ geworden und wollte anscheinend mit Hilfe des Grafen von Ballenstedt auf den Fürstenthron in der Brandenburg gelangen. Dafür schenkte er Albrechts Sohn Otto als Taufpate die Zauche – deren Grenze die Askanier bis dahin offenbar erreicht hatten – und bestimmte den Vater zum späteren Erben des Stodoranengebietes. Nachdem sein Vorgänger 1127 von unbekannten Tätern ermordet worden war, übernahm Pribislaw/Heinrich die Herrschaft über die Heveller.
1134 ernannte Kaiser Lothar III. Albrecht den Bären zum Markgrafen der Nordmark, zu der auch das Stodoranenfürstentum gehörte. Nachdem Pribislaw/Heinrich 1150 gestorben war, fiel sein Territorium gemäß der Erbvereinbarung an den Askanier. Doch ein Verwandter des letzten Hevellerherrschers entriss Albrecht dem Bären durch Bestechung der markgräflichen Besatzung die Brandenburg vermutlich im Frühjahr 1157. Dieser als Jaxa von Köpenick bekannte Rivale des Askaniers bekleidete in Polen eine fürstliche Stellung. Ihm gehörte auch das slawische Gebiet um die Burg Köpenick, die sich auf der Schlossinsel in Berlin-Köpenick befand.
Die Burg Askania (Aschersleben)
von Dr. Lutz Partenheimer
Nachdem Graf Otto von Ballenstedt 1123 gestorben war, übernahm der um 1100 an einem nicht überlieferten Ort geborene Sohn Adalbert, der seinen Beinamen noch zu Lebzeiten erhielt und heute als Albrecht der Bär bekannt ist, die askanische Herrschaft. Er taucht schon während der letzten Lebensjahre des Vaters in vier Urkunden auf, und zwar seit 1120. Drei – darunter eine Fälschung – bezeichnen ihn als Grafen von Ballenstedt, einmal heißt es Otto comes et filius eius Adelbertus. Zunächst war also im später anhaltischen Raum wohl Ballenstedt (wie unter dem Vater) der Hauptsitz des jungen Askaniers. Denn auf diese Burg – wo sie auch stand – wurde ja der Grafentitel Albrechts des Bären noch zwischen dem Verlust der Lausitz (1131) und der Verleihung der Nordmark (1134) bezogen. Dann schwand allerdings die der enormen Ausweitung der Herrschaft durch den Markgrafen. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts erhielt offenbar Aschersleben immer stärker die Funktion eines Zentrums, während dieser Ort zu Beginn des 11. Jahrhunderts wohl noch nicht askanisch war. Dort empfing nämlich das Bistum Bamberg 1010 Besitz vom König und 1024 verfügte in dem Raum auch das Kloster Nienburg über Güter, die es wahrscheinlich vom Herrscher oder von Nachkommen des erwähnten Christian erhalten hatte.
Die Kirche in Frose bei Aschersleben, die durch Markgraf Gero († 965) dem von ihm um 960 gegründeten Stift Gernrode unterstellt worden war, gehörte zu Beginn des 11. Jahrhunderts ebenfalls noch nicht den Askaniern.
Doch unter Albrecht dem Bären gewann Aschersleben für ihn zunehmend an Bedeutung. 1130 hatten einige seiner Ritter in der Nähe des Ortes den Grafen Udo von Freckleben getötet.
Zwischen 1126 und 1131, außerdem 1147, 1155, 1167 sowie 1169 ist Albrecht als Vorsitzender des Grafengerichts in Aschersleben bezeugt; auch im Grafengericht zu Wörbzig (südwestlich von Köthen), das er 1156 hielt, bezeichnete er sich als Graf von Aschersleben. Mit diesem Titel erscheint der Askanier in den Quellen als erster. Vielleicht folgte er in dem Amt Udo von Freckleben.
Sollte Albrecht der Bär 1131 Graf von Aschersleben geworden sein, war das möglicherweise von König Lothar III. (* 1075, † 1137) als eine gewisse Entschädigung dafür gedacht, dass er dem Ballenstedter damals die von diesem er- strebte Nordmark verweigert und obendrein die Lausitz entzogen hatte. Als einzige Grafschaft zählt der Sachsenspiegel die Ascherslebener zu den sieben sächsischen Fahnenlehen. Wegen ihres recht späten Auftauchens in den schriftlichen Quellen wurde sie für Jörg Meyn nicht von Kaiser Heinrich IV. eingerichtet, sondern durch Kaiser Lothar III. oder König Konrad III. (* 1093, † 1152).
Der scheidet aus, da er den Thron erst nach der ältesten erschlossenen Handlung Albrechts des Bären als Graf von Aschersleben bestieg.
Anscheinend nutzte dieser die gräflichen Befugnisse, die er im Auftrag der Krone im Gericht zu Aschersleben besaß, für den Aufbau seiner eigenen Herrschaft. Der Turmrest in der alten Burg Askania auf dem Wolfsberg westlich von Aschersleben stammte für Reinhard Schmitt 2000 von »einem offensichtlich frühen Bergfried […] aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts«.
Inzwischen datiert er die Entstehung von Turm und Wall in das Ende des 11. oder den Beginn des 12. Jahrhunderts.
Die Burg stand also wohl schon, als Albrecht der Bär Aschersleben zu seinem Herrschaftszentrum machte. Er muss sie auf unbekanntem Wege von einem nicht überlieferten Vorbesitzer übernommen haben.
Die Entstehung der Mark Brandenburg
von Dr. Lutz Partenheimer
Nach einer Belagerung fiel die Brandenburg am 11.6.1157 wieder an Albrecht den Bären zurück, der nun begann, seinen Markgrafentitel auf sie zu beziehen. In einigen Urkunden der Könige war er schon seit etwa 1140 „Markgraf von Brandenburg“ genannt worden. So bezeichnete sich der Askanier nun erstmals selbst in einem von ihm in Werben an der Elbe am 3.10.1157 ausgestellten Dokument. Diese kleine Stadt liegt in der seit dem 14. Jh. „Altmark“ genannten Landschaft, die bis 1815 zur Mark Brandenburg gehörte.
Außerdem änderte Albrecht der Bär mit der Annahme des neuen Titels die Umschrift seines Siegels. Während sie 1155 ADELBERTVS D[E]I GRA[TIA] MARCHIO (Adelbert, durch Gottes Gnade Markgraf) lautete, hieß es spätestens 1159 ADALBERTVS D[E]I GRA[TIA] BRANDENBVRCHGENSIS MARCHIO (Adalbert, durch Gottes Gnade brandenburgischer Markgraf).
Auch die Bischöfe kehrten an ihre Sitze zurück, in Havelberg begann der Dombau um 1150, auf der Brandenburg 1165. In beide Regionen sowie in die Altmark und in seine Stammbesitzungen zwischen Harz und Mulde holte der Markgraf nun Kolonisten, die oft aus Flandern kamen – dessen östlicher Teil damals zum deutschen Königreich gehörte. Die slawischen Gebiete waren relativ dünn besiedelt, aber Albrecht wollte wie die anderen Fürsten möglichst viele Dörfer besitzen, deren Bauern Abgaben leisteten. Darüber hinaus konnte der erste Markgraf von Brandenburg mit den neuen Orten Ritter belehnen und so die Zahl der askanischen Vasallen erhöhen, um seine militärische Macht zu stärken.
Neben dem Dorf Stendal gründete Albrecht der Bär um 1160 einen Markt und verlieh der Siedlung der Kaufleute, die er mit Steuerfreiheit für fünf Jahre dorthin lockte, nach Ablauf der Frist das Stadtrecht von Magdeburg. Anlässlich der Weihe des Havelberger Domes am 16.8.1170 erfahren wir, dass damals in der Region bereits Holländer saßen – so nannten die mittelalterlichen Quellen aber nicht selten auch Flamen.
Die askanischen Linien
Die Brandenburgische Linie
Autor: Willy Hoppe
Die brandenburgischen Askanier, im Sachsenspiegel als schwäbischer Herkunft bezeichnet, gehen auf die zunächst am Ostabhang des Harzes, dann auch jenseits der Saale um Dessau-Köthen begüterten Grafen von Ballenstedt oder Anhalt zurück, deren Besitz in der Grafschaft Ascarien (Aschersleben) dem Geschlecht den Namen gab. Mit Albrecht dem Bären ( 1170), Markgrafen der Nordmark seit 1134, wurde das längst im Wächteramt an der slawischen Grenze erprobte uradlige Haus unter seinem roten Adlerschild in den Osten selbst hineingeführt. Bei seinem Tode hatte es die Havel-Nuthe-Linie erreicht und sich durch friedliche Vereinbarung in den Besitz vor allem des Havellandes gebracht, nach dessen Hauptfeste seit 1140-42 der Titel Markgraf von Brandenburg angenommen wurde. Die neu erworbenen Gebiete galten fortan als der Hauptbesitz des Hauses. Mit ihnen wurde der älteste Sohn Albrechts, →Otto I. ( 1184), ausgestattet. Als Markgrafen von Brandenburg haben die Askanier denn auch ihre stärkste historische Wirkung ausgeübt, während die von Albrechts jüngstem Sohn Bernhard ausgehenden Linien von Anhalt, Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg zurücktraten. Das gilt auch für die Reichspolitik, an der die Brandenburger, obendrein Erzkämmerer (mindestens seit Otto I.) und Kurfürsten (erstmalig 1252) fast durchweg regen Anteil genommen haben. Selbst die Krone schien dem von hohem Selbstbewußtsein beseelten Geschlecht nicht unerreichbar (1256, 1318). In insgesamt 6 Generationen haben die Askanier gewirkt. Mit Albrechts Urenkeln Johann I. ( 1266) und Otto III. ( 1267) spalteten sie sich in 2 Linien: die johanneische (Stendaler) und die 1317 ausgestorbene ottonische (Salzwedeler), die beide trotz der Gebietsteilung von 1258 in nahezu stetigem Einvernehmen die Geschicke der Mark Brandenburg lenkten. Das Schwergewicht lag bei der älteren Linie. In ihr ragen der Sohn Johanns I., Otto IV. mit dem →Pfeil ( 1308), und dessen Neffe →Woldemar ( 1319) hervor. Mit ihm, der den Besitz beider Linien noch einmal in einer Hand vereinigte, endeten die Askanier als Markgrafen von Brandenburg. Mittels kriegerischer Handlungen und diplomatischer Künste, auch durch Kauf hatten sie die von Albrecht begonnene territoriale Konsolidierung zwischen Elbe und Oder erfolgreich fortgesetzt, während sie sich mit der Lehenshoheit über Pommern begnügen mußten und somit die Ostseeküste nicht erreichten. Sie gliederten Prignitz, Ruppin, Uckermark ihren alten Gebieten an, schoben sich durch Gewinnung der Landschaften Teltow, Barnim und Lebus bis zur Oder und darüber hinaus vor und stießen durch Erwerb der Neumark einen gewaltigen Keil in den Osten hinein. Hatte sich die Politik im Norden gegen Pommern und damit anfangs gegen dessen Helfer Dänemark gerichtet und im Osten gegen die polnischen und schlesischen Piasten, so fand man im Süden die Gegnerschaft der Wettiner. Doch konnte auch hier territorialer Gewinn gebucht werden, die Lausitzen. Das Werk wurde durch zahlreiche Eheverbindungen, nicht zuletzt mit slawischen Fürstenhäusern, gesichert. Indem die Gebiete im Zusammenhang mit den allgemeinen kolonisatorischen Bestrebungen der Zeit durch Anlage vieler Dörfer und Gründung von Städten (u. a. Berlin um 1230, Frankfurt/Oder 1253) kulturell dem Deutschtum gewonnen wurden, legten die Askanier den festen Grund zu einem staatlichen Bollwerk gegen den slawischen Osten, besonders gegen Polen. Damit erfüllten sie die Vorbedingung für einen Teil der historischen Aufgabe der Zollern.
Literatur
H. Krabbo u. G. Winter, Regg. d. Markgrafen v. Brandenburg aus askan. Hause, 1910–33;
R. Koser, Gesch. d. brandenburg.-preuß. Politik I, 1913;
A. Hofmeister, Die Ahnentafeln d. Markgrafen v. Brandenburg als Gesch. Qu., in: FBPG, Bd. 33, 1921;
A. Diederichs, Erbe u. Erben Albrechts d. Bären, in: Vergangenheit u. Gegenwart, Bd. 28, 1938.
Anhaltinische Linie
Autor: Berent Schwineköper
Einziger noch blühender Zweig der A., der seinen Ausgang von Heinrich I. (1212–44), dem älteren Sohn Herzog Bernhards von Sachsen und Enkel Albrechts des Bären, nahm. 1212 hatte dieser die eigentlichen askanischen Hausgüter zwischen Unterharz und unterer Mulde geerbt. Er nannte sich nach der Burg (jetzt Ruine) Anhalt im Selketal. Seine Nachfolger haben diese Grundlage ihres Besitzes nur abrunden und geringfügig erweitern können, da ihrem Machtstreben nach allen Seiten durch mächtigere Nachbarn Grenzen gezogen waren und ihre Kräfte zudem durch dauernde Teilungen, Fehden und Anhäufung von Schulden geschwächt wurden. – Bereits 1272 hatten die Söhne Heinrichs I. das Land in die älteren Teilfürstentümer Aschersleben, Bernburg und Köthen (Zerbst) geteilt. Nach dem Aussterben der Aschersleber (1325) und der Bernburger (1468) Linie zersplitterte die allein weiterblühende Köthen-Zerbster Linie ihren Besitz alsbald von neuem. Der Reformation gegenüber verhielten sich die anhaltischen Fürsten zumeist abwartend oder vermittelnd und erkannten sie erst Mitte des 16. Jahrhunderts an. Nur der Bernburger Fürst Wolfgang setzte sich früh für den neuen Glauben ein. 1570 vereinigte Fürst →Joachim Ernst wieder das gesamte Land, das aber bereits 1603-06 unter seinen Söhnen für über 200|Jahre in die vier jüngeren Hauptlinien Bernburg, Köthen, Dessau und Zerbst zerfiel. Der älteste Fürst des Hauses übernahm aber jetzt auf Grund einer Senioratsverfassung die Vertretung Gesamt-Anhalts nach außen. Aus der jüngeren Zerbster Linie stammte die Prinzessin →Sophie Auguste (1729–96), die den späteren Zaren Peter III. von Rußland heiratete und als Katharina II. dessen Nachfolgerin auf dem Throne wurde. Nachdem noch 1793 das Gebiet der ausgestorbenen Zerbster Linie an die drei anderen Fürstentümer verteilt worden war, fiel Köthen 1847 und Bernburg 1863 nach dem Verlöschen der dortigen Linien an Anhalt-Dessau, dessen Herrscher nun den Titel „Herzog von Anhalt“ annahm. 1918 verzichtete das Haus auf den Thron.
Literatur
H. Wäschke, Die Askanier in Anhalt, 1904;
ders., Gesch. Anhalts, 1912 ff. (ältere L);
R. Specht, Bibliogr. z. Gesch. v. Anhalt, 1930.
Sachsen Wittenbergische Linie
Autor: Willy Hoppe
Von dem Hause der anhaltischen Askanier spaltete sich mit dem Enkel Albrechts des Bären ( 1170), Albrecht I. ( 1260), ein Zweig ab, der als Träger des sächsischen Herzogtums Besitz rechts der unteren Elbe um Lauenburg und auf beiden Ufern der mittleren Elbe um Wittenberg hatte. Während der ältere Sohn Albrechts Johann I. ( 1285) die askanische Linie von Sachsen-Lauenburg begründete, ging von dem jüngeren,Albrecht II. ( 1298), die ebenfalls mit der herzoglichen Würde bedachte Linie von Sachsen-Wittenberg aus. Ihr Territorium umfaßte außer dem genannten Bezirk um die Residenz Wittenberg das im Norden angrenzende Gebiet um Belzig. An diesen Kern fügten die Herzöge in der Hauptsache die ehedem wettinische Grafschaft Brehna, östlich Halle, mit Bitterfeld und einzelne mit der Burggrafenschaft von Magdeburg zusammenhängende Lehen. Die Linie hat nur 4 Generationen bestanden und ist 1422 ausgestorben. Sie hat die Lauenburger Vettern in ihrer Wirksamkeit überflügelt und ist schon wegen ihrer bedeutsamen geographischen Lage an einem wichtigen mitteldeutschen Elbübergang politisch höher einzuschätzen. Dazu setzte die Ehe Albrechts II. mit einer Tochter König Rudolfs I. die Familie in enge Beziehungen zu den Habsburgern und führte sie tief in das politische Getriebe des 14. Jahrhunderts hinein. Die selbstverständliche Einstellung gegen Ludwig den Bayern und die Wittelsbacher vereitelte die Erfüllung der Ansprüche auf die benachbarte Mark Brandenburg nach dem Aussterben ihrer dortigen Vettern (1319), dafür sicherte die antiwittelsbachische Haltung dem Sohn Albrechts II., Rudolf I. ( 1356), die Gunst Karls IV. Die Goldene Bulle von 1356 sprach dem Herzog die von Sachsen-Lauenburg bestrittene Kurwürde zu. Hoffnungen auf das Herzogtum Lüneburg mußte Rudolfs Sohn Wenzel ( 1388), der übrigens die Kurschwerter des Erzmarschalls in das sächsische Wappen einführte, aufgeben. Die um Lüneburgs Willen gemachten kriegerischen Anstrengungen, dazu eine gewisse Prachtliebe zerrütteten die wirtschaftliche Grundlage des an sich nicht wohlhabenden Hauses. Mit Wenzels stark verschuldeten Söhnen Rudolf III. ( 1419) und Albrecht III. ( 1422) starben die Wittenberger A. aus. Ihr Erbe traten nicht die lauenburgischen oder anhaltischen Vettern an, ebensowenig die brandenburgischen Zollern. Mit der von Kaiser Siegmund vielmehr vollzogenen Übergabe an die Markgrafen von Meißen wanderte der Name Sachsen in die Elbgebiete oberhalb Wittenberg.
Literatur
Die Gesch. d. Linie ist ungewöhnlich vernachlässigt u. nur nebenher behandelt worden; C. W. Böttiger, Gesch. v. Sachsen, 2. Aufl. bearb. v. Th. Flathe I, 1867;
E. Jacobs, Gesch. d. in d. preuß. Prov. Sachsen vereinigten Gebiete, 1883.
Sachsen Lauenburgische Linie
Autor: Willy Hoppe
Von dem Hause der anhaltischen Askanier spaltete sich mit dem Enkel Albrechts des Bären ( 1170), Albrecht I. ( 1260), ein Zweig ab, der als Träger des sächsischen Herzogtums Besitz rechts der unteren Elbe um Lauenburg und auf beiden Ufern der mittleren Elbe um Wittenberg hatte. Während der ältere Sohn Albrechts Johann I. ( 1285) die askanische Linie von Sachsen-Lauenburg begründete, ging von dem jüngeren,Albrecht II. ( 1298), die ebenfalls mit der herzoglichen Würde bedachte Linie von Sachsen-Wittenberg aus. Ihr Territorium umfaßte außer dem genannten Bezirk um die Residenz Wittenberg das im Norden angrenzende Gebiet um Belzig. An diesen Kern fügten die Herzöge in der Hauptsache die ehedem wettinische Grafschaft Brehna, östlich Halle, mit Bitterfeld und einzelne mit der Burggrafenschaft von Magdeburg zusammenhängende Lehen. Die Linie hat nur 4 Generationen bestanden und ist 1422 ausgestorben. Sie hat die Lauenburger Vettern in ihrer Wirksamkeit überflügelt und ist schon wegen ihrer bedeutsamen geographischen Lage an einem wichtigen mitteldeutschen Elbübergang politisch höher einzuschätzen. Dazu setzte die Ehe Albrechts II. mit einer Tochter König Rudolfs I. die Familie in enge Beziehungen zu den Habsburgern und führte sie tief in das politische Getriebe des 14. Jahrhunderts hinein. Die selbstverständliche Einstellung gegen Ludwig den Bayern und die Wittelsbacher vereitelte die Erfüllung der Ansprüche auf die benachbarte Mark Brandenburg nach dem Aussterben ihrer dortigen Vettern (1319), dafür sicherte die antiwittelsbachische Haltung dem Sohn Albrechts II., Rudolf I. ( 1356), die Gunst Karls IV. Die Goldene Bulle von 1356 sprach dem Herzog die von Sachsen-Lauenburg bestrittene Kurwürde zu. Hoffnungen auf das Herzogtum Lüneburg mußte Rudolfs Sohn Wenzel ( 1388), der übrigens die Kurschwerter des Erzmarschalls in das sächsische Wappen einführte, aufgeben. Die um Lüneburgs Willen gemachten kriegerischen Anstrengungen, dazu eine gewisse Prachtliebe zerrütteten die wirtschaftliche Grundlage des an sich nicht wohlhabenden Hauses. Mit Wenzels stark verschuldeten Söhnen Rudolf III. ( 1419) und Albrecht III. ( 1422) starben die Wittenberger A. aus. Ihr Erbe traten nicht die lauenburgischen oder anhaltischen Vettern an, ebensowenig die brandenburgischen Zollern. Mit der von Kaiser Siegmund vielmehr vollzogenen Übergabe an die Markgrafen von Meißen wanderte der Name Sachsen in die Elbgebiete oberhalb Wittenberg.
Literatur
Die Gesch. d. Linie ist ungewöhnlich vernachlässigt u. nur nebenher behandelt worden; C. W. Böttiger, Gesch. v. Sachsen, 2. Aufl. bearb. v. Th. Flathe I, 1867;
E. Jacobs, Gesch. d. in d. preuß. Prov. Sachsen vereinigten Gebiete, 1883.
Die Stammtafel der askanischen Markgrafen in Brandenburg
von Frank Mrazek
Die Stammtafel der askanischen Markgrafen in Brandenburg zeigt die dynastische Linie des Hauses Askanien, das im 12. und 13. Jahrhundert die Mark Brandenburg regierte. Sie beginnt mit Albrecht dem Bären, der als erster Markgraf von Brandenburg gilt. Die Tafel dokumentiert die Nachfolge der askanischen Herrscher bis zum Aussterben der Linie im Jahr 1320.
1150 - 1170 Albrecht I. (auch: Albrecht der Bär)
1170 - 1184 Otto I.
1184 - 1205 Otto II. (auch: Otto der Freigiebige)
1205 - 1220 Albrecht II.
1222 - 1266 Johann I.
1220 - 1267 Otto III. (auch: Otto der Fromme)
1266 - 1308 Otto IV. (auch: Otto mit dem Pfeil)
1308 - 1319 Waldemar (auch: Waldemar der Große)
1319 - 1320 Heinrich II. (auch: Heinrich der Jüngere)
Die Bedeutung der Burgen Ballenstedt, Askania (Aschersleben)
und Anhalt für die frühen Askanier sowie Albrecht den Bären
von Dr. Lutz Partenheimer
Die genannten Festen sind auf vielfache Weise mit den ältesten nachweisbaren Angehörigen des deutschen Fürstenhauses verbunden, das seit dem 16. Jahrhundert »Askanier« heißt. Der berühmteste Mann aus dieser Dynastie, Alb- recht der Bär (* um 1100, † 1170), ist vor allem als Gründer der Mark Brandenburg bekannt. In das Jahr 2020 fallen sowohl das 900. Jubiläum seiner frühesten schriftlichen Erwähnung als auch der 850. Todestag. Die Nachkommen des ersten Markgrafen von Brandenburg be- herrschten, meist in mehrere Linien (z. B. um 1310 zehn) aufgespalten, über Jahrhunderte Gebiete, die heute in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern (Franken) und Polen (Neumark) liegen. Die älteste urkundliche Erwähnung eines Askaniers erfolgte 1036, also vor fast 1.000 Jahren. Alle Regenten sind den Historikern bekannt, was selbst bei den frühen Angehörigen der obendrein »erst« zu 1061 in der Chronik des Reichenauer Mönchs Berthold († 1088) genannten Hohenzollern nicht der Fall ist.Albrecht der Bär bildet mit einer Schwester die vierte belegte Generation der Askanier.
Auf drei seiner Söhne gehen alle Zweige des Geschlechts zurück:
die Markgrafen von Brandenburg (†† 1320, 2020 700 Jahre her)
auf Otto (den ältesten, * um 1123/25, † 1184),
die Grafen von Weimar-Orlamünde (†† nach 1486) auf Hermann (* um 1130?, † 1176),
die Herzöge von Sachsen (Wittenberg) (†† 1422),
die Herzöge von Sachsen (Lauenburg) (†† 1689),
schließlich die Grafen, Fürsten und Herzöge von Anhalt auf den jüngsten, Bernhard (* 1140?, † 1212).
Diese Linie regierte bis 1918 und existiert mit dem Sohn Joachim Ernsts, des letzten Herzogs von Anhalt (11.01.1901– 18.02.1947), dem Prinzen Eduard von Anhalt, sowie dessen Töchtern und Enkeln bis heute. Die Bauten der drei Stammsitze der Askanier sind entweder ganz oder fast verschwunden, und die schriftlichen Quellen bieten nur wenige Informationen.
Im Falle der Burg Ballenstedt ist sogar die Lage unbekannt, von der namen- gebenden Burg Askania westlich der Stadt Aschersleben zeugen der Rest eines Bergfrieds und Spuren von Wällen. Die Ruine der Burg
Anhalt südlich von Ballenstedt besteht aus einem Turmstumpf sowie Grundmauern. Aber gerade dieser unbefriedigende Zustand weckt immer wieder den Wunsch, doch noch mehr über diese alten Festen und die frühen Askanier in Erfahrung zu bringen.
Die brandenburgischen Askanier
von Dr. Lutz Partenheimer
Nach dem Tod Albrechts des Bären am 18.11.1170 trat die neue Mark Brandenburg noch deutlicher hervor, da nur sie nun vom ältesten Sohn, Otto I., regiert wurde. Die anderen askanischen Gebiete gelangten an dessen Brüder, darunter auch das Kloster Ballenstedt. Wahrscheinlich dort hatte sich Albrecht der Bär beisetzen lassen. Otto gründete 1180 in Lehnin in der Zauche das erste Kloster der Mark Brandenburg, 1183 in Arendsee in der Altmark ein zweites. Er und seine Nachkommen setzten die Ansiedlungspolitik erfolgreich fort und erweiterten das Fürstentum immer wieder, indem sie ihren Rivalen durch Kriege und Gebietskäufe Territorien abnahmen, vor allem den Mecklenburgern, Pommern, Polen, den Markgrafen von Meißen und der Lausitz aus dem Hause Wettin sowie den Erzbischöfen von Magdeburg. Besonders erfolgreich dabei waren Albrechts Urenkel, die bis zur Landesteilung von 1258 gemeinsam regierenden Brüder Johann I. und Otto III. U. a. erlangten sie von Pommern um 1230 die südliche, 1250 die nördliche Uckermark sowie 1236 das Land Stargard. Dort gründeten die Markgrafen 1248 Neubrandenburg. Leider gab einer ihrer Nachfolger das Land Stargard um 1300 an Mecklenburg. Auch die meisten der anderen brandenburgischen Städte legten Johann I. und Otto III. an.
Unter ihrer Herrschaft erscheinen Berlin und Cölln erstmals. Eine Urkunde Bischof Ekkehards von Merseburg vom 28.2.1238 gibt den Kompromiss wieder, der am 28.10.1237 in Brandenburg an der Havel einen Streit um Einkünfte zwischen den Markgrafen und den Bischöfen von Brandenburg beilegte. Ekkehard war einer der vom Papst eingesetzten Schlichter. In dem Vertrag überließen die Markgrafen den Bischöfen u. a. die Brandenburg ganz, bezogen ihren Titel aber weiter auf sie. Häufig residierten die Landesherren auf den Burgen Spandau und Tangermünde. Die Urkunde des Merseburger Bischofs von 1238 berichtet, dass den Vertragsabschluss im Vorjahr u. a. der Pfarrer Symeon de Colonia (von Cölln) bezeugte. Wahrscheinlich dieser ist es auch, den eine Urkunde der Markgrafen vom 26.1.1244 als Propst de Berlin erwähnt. Beide Städte gehörten spätestens zu dieser Zeit zur Mark Brandenburg.
Sie entstanden nach den Ergebnissen der Archäologie bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jh. Allerdings ist wegen des Fehlens schriftlicher Quellen immer noch unklar, wer sie anlegen ließ. Hierfür kommen die Markgrafen von Brandenburg, die Erzbischöfe von Magdeburg, die Herzöge von Pommern, die Wettiner, Jaxa von Köpenick oder eine selbständige Ansiedlung von Kaufleuten in Betracht. Cölln entwickelte sich zur ständigen Residenz der Landesherrn, nachdem Kurfürst Friedrich II. Eisenzahn dort in der Mitte des 15. Jh. die Burg errichtet hatte, aus der später das Berliner Schloss hervorging. 1710 erfolgte die Vereinigung mit Berlin.
Im Zusammenhang mit der erwähnten Herrschaftsteilung entstand 1258 das Kloster Mariensee, das man bis 1273 in das einige Kilometer entfernte Chorin verlegte. Kurz zuvor, um 1250, hatten die Askanier die Oder erreicht und 1253 Frankfurt (Oder) gegründet. Dann dehnten sie ihre Herrschaft auch in östlich des Flusses gelegene Gebiete aus, in die Neumark. Wahrscheinlich wegen dieses enormen Aufstiegs kamen die Markgrafen von Brandenburg in der zweiten Hälfte des 13. Jh. in das Kollegium der sieben Kurfürsten, das sich aus noch nicht endgültig geklärten Ursachen zwischen 1198 und 1298 bildete. Nur noch dessen Mitglieder durften den deutschen König wählen, was die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. 1356 bestätigte.
Die zunehmende Macht der Markgrafen von Brandenburg rief immer mehr Rivalen auf den Plan. Wachsende Ausgaben für Kriege und Repräsentation überstiegen die herkömmlichen Einkünfte der Askanier, z. B. aus Grundzinsen, Geldstrafen u. ä. Um schnell an zusätzliche große Finanzmittel zu kommen, begannen die Fürsten, Besitzungen, z. B. landesherrliche Burgen, Gerichtsrechte usw. an wirtschaftlich starke Adlige und Städte zu verpfänden und zu verkaufen. Da die Askanier die ihnen geliehenen Summen häufig nicht zurückzahlen konnten, gingen solche Güter dann oft ganz in das Eigentum der bisherigen Pfandinhaber über. Um 1280 hatten sich auch die Stände – Ritterschaft, Geistlichkeit, Städte – herausgebildet, die vor allem Mitspracherechte bei der Steuererhebung forderten. Ihre Vertreter trafen sich deshalb damals mit den Markgrafen in Berlin. Dass der Ort die vielen Teilnehmer dieser Verhandlungen beherbergen konnte, deutet darauf hin, dass er spätestens um 1280 die größte Stadt der Mark Brandenburg war.
1320 starben die das Land beherrschenden Askanier aus. Die Mark Brandenburg verlieh König Ludwig IV., ein Herzog von Bayern aus dem Hause der Wittelsbacher, 1323 seinem ältesten Sohn.
Die weiteren askanischen Linien
Weimar-Orlamünde
Länger existierten die anderen durch Albrecht den Bären begründeten Zweige des Hauses. Die Grafschaft Weimar-Orlamünde, die ihm nach dem Tode eines Vetters zugefallen war, übertrug er seinem zweiten Sohn, Hermann. Dessen Nachkommen bildeten 1264/65 die Linien Weimar und Orlamünde. Die Weimarer musste nach einem verlorenen Krieg 1346 die Lehnshoheit des Landgrafen von Thüringen anerkennen, der die Grafschaft 1372 ganz übernahm. Die Orlamünder hatte den Kern ihres Territoriums 1344 an den Landgrafen verkauft und veräußerte die restlichen Gebiete bis 1432. Sie erlosch mit dem besitzlosen Grafen Friedrich VI. von Orlamünde, der letztmals 1486 in den schriftlichen Quellen auftaucht, und zwar als Rat des Kurfürsten von Brandenburg in Cölln.
Sachsen (Wittenberg) und Sachsen (Lauenburg)
Bernhard, der jüngste Sohn Albrechts des Bären, war Graf von Aschersleben und Anhalt. Er wurde 1180 im Zusammenhang mit der Absetzung Heinrichs des Löwen durch Kaiser Friedrich Barbarossa zum Herzog von Sachsen erhoben. Allerdings konnte er diese Stellung außerhalb seiner Stammbesitzungen kaum zur Geltung bringen. Nach Bernhards Tod 1212 teilten die beiden Söhne; der jüngere, Albrecht, wurde Herzog von Sachsen. Ihm fiel durch eine Niederlage des Königs von Dänemark 1227 auch das Gebiet um Lauenburg (bei Hamburg) zu. Seine Nachkommen bildeten 1295/96 die Linien Sachsen (Wittenberg) und Sachsen (Lauenburg). Wie den Markgrafen von Brandenburg gelang auch den Herzögen von Sachsen (Wittenberg) der Aufstieg in das Kurfürstenkollegium. Nach ihrem Aussterben 1422 ernannte König Sigismund im nächsten Jahr den Markgrafen von Meißen aus dem Hause Wettin zum Kurfürsten und Herzog von Sachsen (Wittenberg). Da beide Titel höher waren als der eines Markgrafen, dehnte sich die Bezeichnung „Sachsen“ nun auch auf die alte Mark Meißen aus und wurde 1547 auch für die wettinischen Gebiete in Thüringen eingeführt. Die Herzöge von Sachsen (Lauenburg) starben 1689 aus; ihr Territorium fiel an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, die Nachkommen Heinrichs des Löwen aus dem Hause der Welfen.
Wer war Albrecht der Bär?
von Dr. Lutz Partenheimer
Albrecht I., genannt der Bär, der sich ab 1157 Markgraf von Brandenburg nannte. Er war es, der die Mark durch friedliche Mittel, aber auch durch Waffengewalt im 12. Jahrhundert wieder dem deutschen Königreich eingliederte, nachdem sie im 10. Jahrhundert dem Reich durch einen Slawenaufstand verloren ging.
Albrecht I. entstammt einem Adelsgeschlecht, dessen Ersterwähnung 1036 erfolgte. Der Urgroßvater Albrechts des Bären, ein Graf Esico, wird zu dieser Zeit in einer Urkunde des Kaisers Konrad II. erwähnt. Dieses Grafengeschlecht residierte in Ballenstedt. Der Name des Fürstengeschlechts der Askanier entwickelte sich über mehrere Stufen. Die Basis des Namens war das Grafengericht Aschersleben, das nach der Ortschaft mit dem selben Namen benannt war. Erstmals wurde im Jahre 1147 Albrecht der Bär in einer Urkunde als Graf von Aschersleben genannt. Sein Enkel Heinrich nannte sich dann „comes Ascharie“. Wahrscheinlich änderte sich der Name von Ascharie in Aschkania im 15. Jahrhundert, als Historiker zum Ruhme des Fürstengeschlechts dessen Abstammung bis auf den Sohn des trojanischen Helden Aeneas Ascanius bzw. auf Aschkenas, dem Urenkel Noahs zurückführten. Die Vorfahren Albrechts des Bären nahmen in der Adelshierarchie des Deutschen Reiches eine mittlere Position ein. Zum Hochadel gehörten die Herzöge, die Pfalz- und Markgrafen sowie die Erzbischöfe und Bischöfe. Die letzteren waren aber nicht nur geistliche Würdenträger, sondern besaßen Grundeigentum und staatliche Rechtstitel.
Die Grafenrechte der Askanier erstreckten sich wahrscheinlich beiderseits der unteren Saale, während andere Grundbesitzungen weit verstreut lagen bis hin nach Eilenburg in Sachsen. So unbedeutend war das Geschlecht der Askanier also nicht und sie hatten vor, vorrangig durch Heirat, in den Hochadel aufzusteigen. Das geschah auch durch Eheschließungen mit Töchtern von Pfalz- und Markgrafen. Ein Askanier heiratete sogar die Schwester oder Halbschwester der Gemahlin Kaiser Konrad II.
Für das Havelland sind Albrecht der Bär und seine Nachfahren von Bedeutung. Albrechts hauptsächliche historische Bedeutung begann mit der Nachfolge im Fürstentum der Heveller. Durch freundschaftliche Beziehungen zu dem auf der Feste Brandenburg residierenden Hevellerfürsten Pribislaw und dessen Gemahlin Petrussa, die beide zum christlichen Glauben übergetreten waren, wurde er von ihnen zum Erben und Nachfolger eingesetzt. 1150 trat der Erbfall ein. Albrecht legte sofort eine deutsch-slawische Besatzung in die Brandenburg, auf die aber auch Jaxa von Köpenick, der auf Münzen als christlicher Fürst aus Polen bezeichnet wurde, Anspruch erhob. Er setzte den auch militärisch bis 1157 durch. Im selben Jahr gelang es Albrecht dem Bären, im Bündnis mit dem Erzbischof von Magdeburg die Brandenburg zurück zu erobern und seitdem fest in der Hand zu behalten.
Die Landnahme der Askanier und der ihnen folgenden Ritter, Mönche und Bauern gleicht einer Überlagerung des Wendentums durch die deutschen Kolonisten. Die größte Rolle spielte dabei die Christianisierung der Slawen. Durch den neuen Glauben wurden die Heveller stärker an die kirchlichen und weltlichen Herren gebunden als durch reine weltliche Unterdrückung. Damit das unwirtliche Land wirtschaftlich gestärkt werden sollte und damit größere Einnahmen für den Markgrafen bringen konnte, wurden Siedler aus den Gebieten westlich der Elbe und vom Rhein sowie aus dem Nordwesten des Deutschen Reiches angesiedelt. Ihnen wurde vorgegaukelt, in ein Land zu kommen, wo Milch und Honig fließen. Die Wirklichkeit sah anders aus.
Aus dem niederen Adel waren die Familien von Bredow und von Knoblauch im Havelland ansässig. Andere Familien saßen in der Prignitz sowie in der Uckermark. Sie bestimmten über Jahrhunderte das Leben in diesen Landstrichen. Bekannt ist von den hier ausgewählten Dörfern des Havellandes, dass Tremmen schon 1161 in einer Urkunde des Bischofs Wilmar genannt wurde als dieser das Domkapitel Brandenburg gründete. 1173 wird Etzin zum ersten Mal in einer Urkunde des Bischofs Siegfried, eines Sohnes Albrechts des Bären, genannt.
Das Leben Albrechts des Bären – soweit bekannt – im Überblick
Das Leben Albrechts des Bären – soweit bekannt – im Überblick
von Dr. Lutz Partenheimer
um 1095: Graf Otto der Reiche von Ballenstedt heiratet Eilica. Otto gehörte dem deutschen
Fürstenhaus an, das spätestens seit dem 16. Jahrhundert nach der Burg Askania bei
Aschersleben „Askanier“ genannt wird. Eilicas Vater war Magnus (+ 1106), der letzte Herzog
von Sachsen aus dem Geschlecht der Billunger. Dieses ursprüngliche Sachsen lag zwischen
der Eider, dem unteren Rhein sowie der unteren Elbe und reichte im Süden bis zu den
Gebieten der Hessen und Thüringer.
um 1100: Eilica bringt ihren Sohn Adalbert zur Welt. Noch zu Lebzeiten erhält er den
Beinamen „der Bär“ und wird seit dem 19. Jh. „Albrecht der Bär“ genannt.
1120: Der junge Askanier erscheint erstmals in den schriftlichen Quellen.
1123: Graf Otto der Reiche und sein Sohn Albrecht wandeln das Kollegiatstift in Ballenstedt
in ein Benediktinerkloster um. Das Stift hatte Ottos Großvater gegründet –
ein Graf Esico, der schriftlich erstmals 1036 genannte älteste namentlich bekannte Askanier. Nach dem Tod
seines Vaters wird Albrecht Graf von Ballenstedt und tritt in der Folgezeit in Kontakt zu
Pribislaw (getauft als Heinrich), einem Angehörigen der auf der Brandenburg im heutigen
Brandenburg an der Havel residierenden Fürstenfamilie des slawischen Stammes der
Heveller.
Herzog Lothar von Sachsen ernennt Albrecht 1123 gegen den Willen Kaiser Heinrichs V. zum Markgrafen der Lausitz bzw. sächsischen Ostmark (Niederlausitz).
1128: Der Markgraf der Nordmark stirbt, ohne Söhne zu hinterlassen. Er hatte die Schwester Albrechts
geheiratet, der nun das Amt erstrebt. Die Nordmark war wie die Mark Lausitz und
die Mark Meißen im 10. Jahrhundert vom Kaiser gebildet worden.
Sie ersteckte sich ungefähr von der östlichen Altmark bis zur Oder sowie von der Elde und der Peene bis zum Fläming.
Im Slawenaufstand von 983 war dort die ostfränkische Herrschaft zusammengebrochen, das
deutsche Königreich, das sich aus dem ostfränkischen Staat entwickelt hatte, beanspruchte die Nordmark aber weiter.
1130: Einige Ritter Albrechts des Bären erschlagen bei Aschersleben den Grafen Udo von Freckleben, der auch die Nordmark haben wollte.
1131: Deswegen entzieht Herzog Lothar von Sachsen, seit 1125 deutscher König, dem Askanier die Mark Lausitz.1132/33:
Der Graf von Ballenstedt beteiligt sich am ersten Italienzug König Lothars und gewinnt dabei wieder die Gunst des Herrschers, der 1133 in Rom zum Kaiser gekrönt wird.
1134: Kaiser Lothar III. belehnt Albrecht den Bären mit der Nordmark.
1138: Der Askanier überfällt Quedlinburg, um die Abhaltung eines Fürstentages zu verhindern, den Lothars Witwe einberufen hatte. Diese wollte damit die Wahl ihres Schwiegersohnes, Herzog Heinrichs des Stolzen von Bayern aus dem Hause der Welfen, der auch Sachsen beanspruchte, zum deutschen König vorbereiten. Statt seiner wird der Staufer Konrad III. König, der Sachsen nicht Heinrich dem Stolzen, sondern dessen Vetter Albrecht dem Bären verleiht. Die Mütter des Welfen und des Askaniers waren Schwestern.
Mehrere sächsische Fürsten sind mit der Entscheidung des Herrschers unzufrieden und beginnen einen Krieg gegen Herzog Albrecht von Sachsen. Dabei werden 1138 Bernburg, wo die Mutter des Askaniers residierte, und 1140 dessen Burg Anhalt (südlich von Ballenstedt) zerstört.
Diese hatte ein nicht überlieferter Bauherr um 1100 errichten lassen.
1140: Graf Wilhelm von Weimar und Orlamünde stirbt ohne Söhne, sein Vetter Albrecht der Bär (die Väter waren Brüder) kann später das Erbe antreten. Der Askanier übernimmt die Vogtei (Richteramt und Schutzherrschaft) für das um 1140 gegründete Prämonstratenserstift Leitzkau (bei Zerbst), das zum provisorischen Domkapitel des noch nicht wieder errichteten
Bistums Brandenburg wird.
1142: Albrecht der Bär muss auf Sachsen verzichten,
zu dessen Herzog König Konrad III.
Heinrich den Löwen erhebt, den Sohn Heinrichs des Stolzen, der 1139 gestorben war. Der Askanier bleibt Markgraf der Nordmark.
1144: Albrecht der Bär wird Vogt des in diesem Jahre gegründeten Prämonstratenserstifts Jerichow (bei Tangermünde), das als provisorisches Domkapitel des noch nicht wieder errichteten Bistums Havelberg dient.
1147: Er führt mit anderen Fürsten eines der beiden Heere im Wendenkreuzzug. Dabei kommt spätestens jetzt der bisher slawische Raum um Havelberg wieder unter die Herrschaft des Markgrafen der Nordmark. In der Folgezeit beginnt unter Albrechts Schutz der Bau des Havelberger Domes, wo der Bischof des im Wendenaufstand von 983 zerstörten Bistums Havelberg wieder seinen Sitz nimmt.
1150: Der letzte Hevellerfürst Pribislaw/Heinrich stirbt. Wie von ihm rund 25 Jahre früher verfügt, übernimmt Albrecht der Bär im Erbgang die Brandenburg mit dem umliegenden Slawengebiet (vor allem das Havelland und die Zauche).
1152: Der Askanier erhält von König Friedrich Barbarossa die Grafschaft Plötzkau, deren Inhaber 1147 ausgestorben waren.
1155: Der Markgraf nimmt mit seiner Familie an der Weihe der Kirche des unter seiner Vogtei stehenden Prämonstratenserstifts Leitzkau teil.
1157: Wahrscheinlich im Frühjahr dieses Jahres besetzt Jaxa von Köpenick mit polnischen Kriegern die Brandenburg, nachdem er die dort von Albrecht dem Bären stationierte Mannschaft bestochen hatte. Jaxa war ein Verwandter Pribislaw/Heinrichs und bekleidete eine fürstliche Stellung in Polen. Albrecht der Bär zwingt Jaxas Besatzung durch eine Belagerung am 11.6. zur Kapitulation und gewinnt die Brandenburg endgültig. Am 3.10. lässt der Askanier in Werben (Elbe) erstmals eine Urkunde aufsetzen, in der er sich „Markgraf von Brandenburg“ nennt.
1158: Albrecht der Bär tritt eine Reise nach Jerusalem an.
1159/60: Seit dieser Zeit lässt der neue Markgraf von Brandenburg Kolonisten aus Holland, Flandern (die damals zu großen Teilen zum deutschen Königreich gehörten), vom Niederrhein, aber auch aus den askanischen Stammlanden zwischen Harz und Mulde in die östliche Altmark und die von den Slawen dünn besiedelten Gebiete um Havelberg und Brandenburg holen. 1159 lebten Flamen nachweislich auch im späteren Dessauer Raum unter der Herrschaft Albrechts des Bären.
1160: Wahrscheinlich in diesem Jahr gründet der Markgraf neben seinem Dorf Stendal in der seit dem 14. Jahrhundert „Altmark“ genannten Landschaft einen Markt und verleiht der sich entwickelnden Siedlung später das Magdeburger Stadtrecht. Auch in dieser Gegend lassen sich Flamen nieder, die zudem mit der Entwässerung der altmärkischen Wische beginnen.
1160 schenkte Albrecht der Bär die Kirche von Werben (Elbe) den Johannitern in Jerusalem, einem der Ritterorden, die nach dem ersten Kreuzzug im Heiligen Land gegründet worden waren. In Werben entstand daraufhin seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts die größte Johanniterkomturei im Nordosten des deutschen Königreiches.
1165: Auf der Brandenburg beginnt unter dem Schutz des Markgrafen der Bau des Domes, der wieder zum Sitz des Bischofs von Brandenburg wird, dessen Bistum ebenfalls im Wendenaufstand von 983 zerstört worden war.
1166-1170: Albrecht kämpft mit anderen sächsischen Fürsten mehrmals erfolglos gegen Heinrich den Löwen, der immer wieder von Kaiser Friedrich Barbarossa Unterstützung erhält.1180 wird der Herrscher den Welfen allerdings als Herzog von Bayern und von Sachsen absetzen und Albrechts jüngsten Sohn Bernhard zum Herzog von Sachsen erheben.
1170: Albrecht der Bär nimmt am 16.8. in Havelberg an der Weihe des dortigen Domes teil. Dabei wird erwähnt, dass sich damals in dem Raum bereits Holländer angesiedelt hatten. Am 18.11. stirbt der erste Markgraf von Brandenburg. Er fand sein Grab wahrscheinlich in der 1938 umgestalteten Nikolaikapelle im erhaltenen Westwerk der 1748 abgetragenen Ballenstedter Klosterkirche. Neben ihm ruht seine 1160 verstorbene Gemahlin Sophie, die vermutlich aus dem Hause der Grafen von Winzenburg stammte.
Albrecht der Bär, erster Markgraf von Brandenburg (um 1100 – 18.11.1170)
von Dr. Lutz Partenheimer
Der Gründer der Mark Brandenburg entstammte dem Haus der mit seinem Urgroßvater Esico 1036 erstmals erwähnten Askanier oder Anhaltiner, die nach Aschersleben bzw. der Burg Anhalt im Harz benannt sind. Der zeitgenössische Beiname sollte ihn wohl als Rivalen Heinrichs des Löwen kennzeichnen. Durch den Tod seines Vaters Otto wurde Adalbert – wie er eigentlich hieß – 1123 Graf von Ballenstedt (am Harz), doch stieg er gleich darauf mit Hilfe Herzog Lothars von Sachsen gegen den Willen des Kaisers zum Markgrafen der (Nieder-)Lausitz auf. Sachsen umfasste damals das heutige Niedersachsen, Westfalen, Schleswig-Holstein, die Altmark, den Harz und Thüringen. Albrechts Mutter war Eilika, eine Tochter des letzten sächsischen Herzogs aus der Familie der Billunger.
Wohl in den Jahren 1123-1125 ließ sich der Askanier von Pribislaw/Heinrich, einem zum Christentum übergetretenen Angehörigen des Herrscherhauses der Heveller, die Nachfolge im Fürstentum dieses slawischen Stammes zusichern. Dessen Zentrum war die Brandenburg an der Stelle des heutigen Brandenburger Domes. Die ab 928/29 von den ostfränkisch-deutschen Königen unterworfenen Slawen zwischen Elbe und Oder hatten im Wendenaufstand von 983 ihre Unabhängigkeit zunächst wiedererlangt. Das deutsche Reich beanspruchte dieses Gebiet aber weiterhin. Bereits Graf Otto von Ballenstedt hatte seinen Einfluss vermutlich bis zum Fläming ausgedehnt.
Pribislaw/Heinrich suchte wohl Albrechts Unterstützung, um den Brandenburger Fürstenthron besteigen zu können, was 1127 gelang. Das Hevellergebiet gehörte zur – gleichzeitig mit den Marken Lausitz und Meißen – von Kaiser Otto I. 965 gebildeten Nordmark zwischen Elbe, Elde, Peene, Oder und Fläming. 1128 starb ihr mit Albrechts Schwester vermählter Markgraf ohne männliche Nachkommen. Nun beanspruchte sein Schwager die Nordmark mit Gewalt, wurde aber deshalb vom Sachsenherzog Lothar, der seit 1125 deutscher König war, übergangen und verlor 1131 auch die Lausitz.
1134 ernannte der Herrscher Albrecht doch noch zum Markgrafen der Nordmark. Nach Lothars Tod (1137) wollte der Askanier sogar Herzog von Sachsen werden, was ihm mit Hilfe des nächsten Königs, Konrads III., 1138 auch gelang. Doch mehrere sächsische Fürsten widersetzten sich, zerstörten 1140 Albrechts Burg Anhalt und zwangen ihn zur Flucht. Er musste auf das Herzogtum verzichten, mit dem 1142 Lothars Enkel Heinrich der Löwe belehnt wurde.
Der Askanier erhielt seine verwüsteten Stammlande und die Nordmark zurück. Ab etwa 1140 nannte ihn die königliche Kanzlei in einigen Urkunden bereits „Markgraf von Brandenburg“, obwohl dort noch Pribislaw/Heinrich herrschte. Albrecht übernahm nun die Vogtei der neuen Prämonstratenserstifte Leitzkau und Jerichow und führte 1147 das Hauptheer im Wendenkreuzzug. Dabei verschonte er das von ihm als Erbe beanspruchte Hevellergebiet und stieß von Magdeburg über Havelberg, Malchow und Demmin bis in den nordöstlichsten Winkel seiner Nordmark, Demmin und Stettin, vor.
1150 starb Pribislaw/Heinrich, und der Askanier übernahm nach rund 25jährigem Warten der alten Abmachung gemäß die Brandenburg. Doch wahrscheinlich im Frühjahr 1157 besetzte ein gewisser Jaxa eines Nachts mit polnischen Scharen die Havelfeste, nachdem er Albrechts Besatzung bestochen hatte. Er war mit Pribislaw/Heinrich verwandt, bekleidete in Polen eine fürstliche Stellung und saß anscheinend auf der Burg Köpenick, der Fürstenresidenz der slawischen Spreewanen. Nun belagerte Albrecht der Bär die Brandenburg bis zu ihrer Kapitulation und zog am 11. Juni 1157 feierlich wieder dort ein. Nach diesem Sieg – erstmals am 3. Oktober 1157 – nannte er sich in seinen Urkunden selbst immer öfter „Markgraf von Brandenburg“, während die Nordmark aus den Quellen verschwand. Deshalb gilt der 11. Juni 1157 als Geburtstag der Mark Brandenburg.
Danach holte der Askanier Siedler in die Gebiete um Havelberg und Brandenburg, die vor allem aus seinen Besitzungen in der Altmark, aus den Stammlanden zwischen Harz und Mulde und sogar aus den damals zum deutschen Reich gehörenden Regionen Holland und Flandern kamen. Zudem förderte er die Wirtschaft mit einer Marktgründung in Stendal um 1160. In dem Jahr schenkte er den Johannitern die Kirche von Werben an der Elbe, wo nach 1200 die erste Komturei dieses Ritterordens in der Mark Brandenburg entstand. Am 18. November 1170 starb Albrecht und wurde wahrscheinlich im Kloster Ballenstedt neben seiner Gemahlin Sophia beigesetzt, die vermutlich dem Hause der Grafen von Winzenburg (bei Hildesheim) entstammte und 1160 gestorben war.
Otto, der älteste der sieben Söhne, übernahm die Mark Brandenburg. Dort gründete er 1180 mit Lehnin das erste Kloster, und zwar in der ihm einst von seinem Taufpaten Pribislaw/Heinrich geschenkten Zauche. Ottos jüngstem Bruder Bernhard fielen die askanischen Stammbesitzungen zu. Auf ihn gehen die Familienzweige der Herzöge von Sachsen-Wittenberg und Sachsen-Lauenburg sowie der Fürsten – später Herzöge – von Anhalt zurück.
Die Ereignisse vom 11. Juni 1157 im Kontext der territorialen Entstehung der Mark Brandenburg
von Dr. Lutz Partenheimer
Die Rückeroberung der Brandenburg durch Albrecht den Bären am 11. Juni des Jahres 1157 gilt landläufig als Gründungsdatum der Mark Brandenburg.
Seit dem 19. Jahrhundert, verstärkt im Kontext der preußischen Geschichtspolitik, wurde dieses Datum als symbolischer Geburtstag jenes Territoriums gefeiert, das als Mark Brandenburg bekannt wurde.
Dabei liegt diesem Datum kein konstituierender Staatsakt zugrunde, sondern vielmehr ein rückblickend aufgeladener Erinnerungstag, der tatsächlich auf eine längere Entwicklung zurückschaut, in der sich die Brandenburg an der Havel als Zentrum dynastischer Herrschaft allmählich zum Kern eines neuen Fürstentums formte.
Zunächst ist festzuhalten, dass die Burg Brandenburg als zentraler Ort der Heveller bereits seit dem 10. Jahrhundert eine bedeutende Rolle spielte.
Die slawische Burganlage am Zusammenfluss von Havel und Beetzsee wird unter anderem jnder der “Vita sancti Udonis” (entstanden um 1068) erwähnt. Auch die Chronik des Thietmar von Merseburg († 1018) berichtet bereits von Brandenburg (Brennaburg) als heidnischem Bollwerk.
Die Eroberung durch Heinrich I. in seinem Winterfeldzug gegen die Slawen rechts der Elbe 928/929, ihre Rückeroberung durch die Slawen 983 im großen Liutizenaufstand und ihre spätere Christianisierung zeigen, dass die Burganlage Brandenburg und das von hier aus kontrollierte Havelland bis zur Höhe von Spandau lange vor 1157 ein etabliertes Herrschaftszentrum war – jedoch nicht im Sinne eines deutschen Fürstentums, sondern als slawisches Machtzentrum mit wechselnden kulturellen Bindungen.
Die eigentliche Etablierung einer deutschen Landesherrschaft, unter den Askaniern, begann somit nicht mit einem einzelnen Akt, sondern mit einer Reihe von Entwicklungen, in die auch der 11. Juni 1157 eingebettet ist.
Bereits um 1134 wurde Albrecht der Bär von Kaiser Lothar III. mit der Nordmark belehnt – ein Lehen, das in seiner ursprünglichen Form unter den Ottonen links und rechts der Elbe lag aber durch den bereits genannten Slawenaufstand 983 den rechtselbischen Teil faktisch verlorenen hatte, wobei der Titel eines Markgrafen der Nordmark weiterexistierte.
Als Pribislaw-Heinrich, der letzte christliche Hevellerfürst, 1150 ohne leibliche Erben verstarb, trat Albrecht aufgrund eines existierenden Erbbündnisses dessen Rechtsnachfolge an – darunter insbesondere die Burg Brandenburg. Doch Albrechts Besitznahme blieb nicht unumstritten. Bereits 1153 wurde die Burg Brandenburg durch Jaxa von Köpenick, einem heidnisch gebliebenen slawischen Adligen und Rivalen Albrechts, im Handstreich besetzt. Erst im Jahr 1157 gelang es Albrecht, die Burg militärisch zurückzuerobern. Dieser Akt wird rückblickend als entscheidender und wohl auch größtenteils abschließender Sieg über die slawische Eigenmacht betrachtet, doch ist er nicht als formelle Gründung eines neuen Fürstentums zu deuten. Er markiert das Ende eines militärischen Intermezzos, nicht aber bereits den institutionellen Beginn der Mark Brandenburg.
Die erste Nennung Albrechts als „Markgraf in Brandenburg“ erfolgte in einer Urkunde vom 3. Oktober 1157.
Auch diese Titulatur beweist nicht die Gründung eines neuen politischen Organismus, sondern nur, dass Albrecht nun eine Markgrafenwürde mit Bezug zur Brandenburg beanspruchte – eine Ausweitung seines ohnehin komplexen Titulargefüges. Erst mit der Askanischen Erbteilung von 1170, bei der Brandenburg als eigenständiger Teil dem Sohn Otto I. zufiel, während andere askanische Gebiete an die jüngeren Brüder gingen, beginnt sich eine territorial abgrenzbare aber lange nicht konsolidierte Mark Brandenburg im politischen Sinne zu formieren.
Der Rote Adler tauchte erstmals auf. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass 1157 ein symbolträchtiges Jahr,
der 11. Juni ein wichtiges Datum, aber keine Gründungsstunde im staatsrechtlichen Sinn war. Die „Mark Brandenburg“ entstand nicht schlagartig, sondern durch einen langwierigen Prozess aus dynastischer Nachfolge, militärischer Sicherung, Siedlungsausbau und institutioneller Verdichtung.
Der Rückgriff auf den 11. Juni als Gründungsdatum ist eine historiografische Konstruktion, keine juristische oder administrative Realität des 12. Jahrhunderts. Brandenburg war bereits ein altes Zentrum slawischer Herrschaft – und wurde erst langsam in ein Fürstentum unter der Kontrolle der Askanier transformiert.
Literaturhinweise:
• Lutz Partenheimer: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt,
Köln/Weimar/Wien 2001.
• Joachim Herrmann (Hrsg.): Die Slawen in Deutschland. Geschichte und Kultur der slawischen Stämme westlich von Oder und Neiße vom 6. bis 12. Jahrhundert, Berlin 1985.
• Wolfgang Fritze: Zur Frühgeschichte der Mark Brandenburg, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Bd. 7, 1958.
• Thietmar von Merseburg: Chronik (Edition und Übersetzung von Werner Trillmich), Darmstadt 1957. • Vita sancti Udonis, MGH SS 11.
PS: Es würde uns freuen, wenn sie den heutigen Beitrag zu einem sehr wichtigen Jahrestag der brandenburgischen Geschichte wohlwollend und vermehrt teilen würden, immerhin stellt er einen ganz wesentlichen Meilenstein dar.
Anhalt und das Aufkommen des Namens „Askanier“
von Dr. Lutz Partenheimer
Bernhards älterer Sohn Heinrich nannte sich seit 1212 Graf und 1215 Fürst von Anhalt. Seine Söhne bildeten um 1250 die Linien Aschersleben, Bernburg und Köthen. Die Grafen und Fürsten von Anhalt (Aschersleben) erloschen 1315. Einen Teil ihres Gebietes schnappte dem Fürsten von Anhalt (Bernburg) dessen Bruder, der Bischof von Halberstadt, vor der Nase weg. Die Stadt Aschersleben kam zum Bistum und fiel mit diesem 1648 an Brandenburg. 1468 starben die Bernburger aus, ihr Besitz gelangte an die Köthener Linie, die 1307 Zerbst erworben hatte.
Spätestens im 16. Jh. wurde der Name Askanier für die Angehörigen der damals noch existierenden Linien Anhalt und Sachsen (Lauenburg), dann auch für die Mitglieder der ausgestorbenen Zweige der Familie üblich. Die Hofgelehrten der Fürsten von Anhalt erneuerten damit deren Anspruch auf Aschersleben und wollten die Ebenbürtigkeit ihrer Herren mit Hohenzollern und Wettinern unterstreichen. Dazu führten sie den Stammbaum der Askanier lückenlos auf den trojanischen Helden Ascanius, schließlich sogar auf Aschkenas, einen Urenkel Noahs, zurück. Nach erneuten Teilungen am Ende des 15. und zu
Beginn des 16. Jh. und einer Vereinigung aller anhaltinischen Lande (1570) erfolgte 1603/06
eine weitere Spaltung: Die das Fürstentum damals bisher gemeinschaftlich regierenden Brüder gründeten fünf Linien, deren erste bereits 1665 erlosch. 1793 starben die Fürsten von Anhalt (Zerbst) aus, 1847 die von Anhalt (Köthen) und 1863 die von Anhalt (Bernburg). Die Bernburger Linie führte seit 1806 statt des Fürstentitels mit Genehmigung Kaiser Franz’ II. die Herzogswürde. Dem Köthener und dem ebenfalls 1603/06 entstandenen Zweig Anhalt (Dessau) gestattete Napoleon das 1807. Von 1863 bis 1918 regierten die Askanier der Dessauer
Linie den durch das Erlöschen der anderen Äste wiedervereinigten Staat als Herzogtum Anhalt. Heute leben aus diesem alten deutschen Fürstenhaus noch der Sohn des letzten Herzogs von Anhalt, Prinz Eduard von Anhalt, dessen Schwester Edda und seine Töchter sowie Enkel.
askanische Äbtissinnen
Stift Gernrode
1044–1046 Hazecha von Ballenstedt
1221–1244 Sophia von Anhalt
1267–1296 Mathilde I. von Braunschweig
1348–1374 Adelheid III. von Anhalt
1445–1463 Mechthild II. von Anhalt
1469–1504 Scholastica von Anhalt
1565–1569 Elisabeth III. von Anhalt
1570–1577 Anna Maria von Anhalt
1578–1581 Agnes Hedwig von Anhalt
1586–1593 Dorothea Maria von Anhalt
1593–1610 Sophia Elisabeth von Anhalt
Stift Gandersheim
1485–1504 Agnes III. von Anhalt
