Das Jahr 1700 - 1799
alle hier zu sehenden Siegelabdrücke sind in meinem Besitz
Josef I. von Habsburg
1708
Karl VI.
1730
Karl VI.
1730



Siegelbild
Über dem Doppeladler mit Heiligenschein die Kaiserkrone, auf der Brust ein mit der Königskrone bedeckter Wappenschild, behängt mit der Ordenskette und umgeben von den Ordenszeiches des Goldenen Vlieses; dem quadrierten Schild ist das Wappen Österreichs als Herzschild aufgelegt; auf dem Hauptschild von oben rechts Ungarn, Böhmen, quadriert Kastilien/Leon, schliesslich gespalten Burgund und der Tiroler Adler, darunter der Habsburger Löwe; um das ganze ein Laubkranz.
Titel Kaiser
Name Karl VI. von Habsburg 1685-1740
Legende
geboren 1.Oktober 1685 Wien
gestorben 20.Oktober 1740 Wien
Grabstätte Wien, Kapziernergruft
Typ Kaisersiegel für die Niederlande
Datierung 1730
Gewicht
Durchmesser 115 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel Kaiser
Name Karl VI. von Habsburg 1711-1740
Legende
geboren 1.Oktober 1685 Wien
gestorben 20.Oktober 1740 Wien
Grabstätte Wien, Kapziernergruft
Typ Kaisersiegel (Reichshofkanzlei) Datierung 1730
Gewicht
Durchmesser 131 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Umschrift
*JOSEPHVS DEI GRATIA ELECTVS ROMANORVM IMPERATOR SEMPER AVGVSTVS GERMANIAE HVNGARIAE BOHEMIAE (ET)- C(ETERA) REX ARCHID(VX) AVST(RIAE) DVX BVR(GVNDIAE) (ET)C(ETERA) COMEs TYROLIS (ET)C(ETERA*
Übersetzung
*Josef, von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches, König von Deutschland, Ungarn, Böhmen undsoweiter, Erzherzog von Osterreich, Herzog von Burgund usw. Graf von Tirol usw*
Zusatzinfo
Als die 47jährige ereignisreiche Regierung Kaiser Leopolds I. in ihrer Endphase Abnützungserscheinungen erkennen ließ und in Erstarrung fiel, bildete sich der sogenannte „junge Hof“ um den Kaisersohn Josef und den Fürsten Salm,
um Männer, welche die angesichts der dramatischen politischen Entwicklung erforderliche energische Politik vertraten. Zu den ungewissen Perspektiven des 1703 ausgebrochenen spanischen Erbfolgekrieges kam die bedrohliche ungarische Erhebung unter Franz II. Ráoczy.
Angesichts dessen setzte man allenthalben grosse Hoffnungen auf den präsumptiven Nachfolger. ger Josef I.,
der den Thron nach dem Tod des alten Kaisers im Jahre 1705 besteigen sollte.
Der dritte Sohn Kaiser Leopolds hatte in seiner Jugend die Belagerung Wiens durch die Türken 1683 und die zeitweilige Flucht des Hofes nach Passau und Linz miterlebt.
Bereits 1687 wurde er im Alter von neun Jahren zum ungarischen, 1690 in Augsburg zum römischen König gekrönt.
Auf seine eigenständige Regierung war der Habsburger bestens vorbereitet, denn bereits vor dem Tod des Vaters war er in den Vorsitz bei den Lagekonferenzen des Hofkriegsrates eingerückt. Sowohl in den habsburgischen Ländern als auch im Reich war Josefs I. Politik von ungestümem Reformwillen bestimmt, aber die Umsetzung der diesbezüglichen Pläne und Bestrebungen des Kaisers wurde durch die Kriegsereignisse und die ungarische Erhebung, die alle Kräfte in Anspruch nahmen, erheblich behindert.
In Schlesien wagte man immerhin einen Anlauf zur Bauernbefreiung auf den königlichen Gütern, und im Reich suchte Josef die habsburgische Position zu verbessern, indem er das Kurkolleg um Kurhannover, woher seine ihm 1699 angetraute Gemahlin Amalie stammte, und um Kurböhmen erweiterte. Ebenso sollte die Stellung des Kaisers im Reich durch Reformen der obersten Reichsgerichte, des Reichshofrats und des Reichskammergerichts verstärkt zur Geltung gebracht werden.
Außenpolitisch kennzeichnen Josefs Regierung neben dem Spanischen Erbfolgekrieg Ausgriffe nach Italien, die auch vor einer militärischen Bedrohung des Papstes nicht halt machten und auf österreichische Erwerbungen südlich der Alpen abzielten.
Das Vakante Herzogtum Mantua beispielsweise zog der Kaiser ein.
Kaum aber hatte Josef I. die Zügel recht in die Hand genommen, starb er 1711 unerwartet an den Blattern.
Nur den ungünstigen Friedensschluß mit Frankreich, nicht aber den Ausgang des Spanischen Erbfolgekrieges konnte er mehr erleben. Wegen seiner kurzen Regierung fällt eine abgewogene Beurteilung seiner Leistungen schwer.
Im Mittleren Kaisersiegel Josefs I. haben wir ein ausgesprochenes Wappensiegel vor uns, dessen Umschrift gegenüber dem Großen Kaisersiegel eine auf das wesentliche beschränkte Aufzählung der Titel und auch nur eine entsprechende Auswahl der Wappen bringt.
Das Stück ist außerdem ein gutes Beispiel für die über mehrere Generationen geübte Vererbung der Siegel im Hause Habsburg. Bereits Ferdinand III. hatte den Stempel in der Mitte des 17. Jahrhunderts anfertigen lassen.
Von diesem Kaiser ging er mit Namensänderung auf Leopold I. und schließlich nach nochmaliger Umgravierung auf Josef I. über.
Auch die Komposition des Bildes und des Wappenschilds hat sich seit Maximilian IT. (1564- 1576) und seinen Nachfolgern, die ein ganz ähnliches Typar verwandten, kaum mehr verändert.
Zusatzinfo
Auf den prunkvollen Thronsiegeln der Habsburger erscheint seit den Tagen Friedrichs III. (1440-1493) gelegentlich der persönliche Wahl- spruch des Siegelführers, so beispielsweise die berühmte Buchstabenkombination
A E I O U. Ähnliches ist auch auf dem Thronsiegel Karls VI. für die Niederlande der Fall. Hier hält die Pranke des rechten niederländischen Löweneinen Schild mit dem Symbolum, einer Art bildlichem Wahlspruch des Kaisers.
Es handelt sich um den Globus im Wolkenkranz, der auf den Krönungs- und Gnadenmedaillen des Herrschers begegnet. Der linke niederländische Löwe hingegen wacht über einen Schild mit zwei aufrechtstehenden Säulen. Darin dürfen wir die bildliche Darstellung les Mottos Karls VI., „Constantia et fortitudine" = „Mit Ausdauer und Kraft“ erblicken.
Siegelbild
Über dem Doppeladler mit Heiligenschein die Kaiserkrone, die fliegende Bänder entläßt; in den Krallen des Adlers rechts Zepter und Schwert, links der Reichsapfel, auf der Brust ein Wappenschild, mit der Königskrone bedeckt und umgeben von der Kette des Goldenen Vlieses; der Schild ist in vier Felder geteilt und bildet unten eine Spitze; das Feld oben rechts, einmal geteilt und dreifach gespalten, führt Österreich im Herzschild auf Alt- und Neuungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien und Bosnien; das Feld oben links ist geviert in Kastilien, Leon, Aragon und Sizilien, auf dem Herzschild der Habsburger Löwe; unten rechts der Herzschild Burgund auf Brabant, Schwaben, Antwerpen und Flandern, unten links Katalonien auf Neapel, Jerusalem, Navarra und Indien; in der Spitze Tirol und Mailand; um das Ganze ein Laubkranz.
Umschrift
*CAROLUS VI. DEI GRATIA ROMANORUM IMPERATOR HISPANIARUM UTRIUSQUE SICILIAE REX ETC(ETERA) ARCHIDUX AUSTRIAE DUX BURGUNDIAE BRABANTi COMES FLANDRIAE ETC(ETERA)*
Übersetzung
*Karl VI., von Gottes Gnaden Kaiser der Römer, König von Spanien, beider Sizilien usw., Erzherzog von österreich, Herzog von Burgund und Brabant, Graf von Flandern usw.*
Titel Kaiser
Name Josef I. von Habsburg 1705-1711
Legende
Typ mittleres Kaisersiegel Datierung. 1708
Gewicht
Durchmesser 103 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Umschrift:
CAROL(US) VI D(EI) G(RATIA) ROM(ANORUM) IMP(ERATOR) S(EMPER) A(UGU- STUS) GER(MANIAE) HISP(A- NIARUM) HUNG(ARIAE) BOH(EMIAE) UTR(IUSQUE) SIC(ILIAE) HYER(OSOLYMAE) ET INDIARU(M) R(E)X ARC(HI)- D(UX) AUS(TRIAE) D(UX) BUR- G(UNDIAE) BRAB(ANTI) MEDIO(LANI) PR(INCEPS) SUE-V(IAE) CATAL(ONIAE) MAR(- CHIO) S(ACRI) R(OMANORUM) I(MPERII) COM(ES) HABS(PURGI) FL(ANDRIAE) TYR(OLIS)
Übersetzung:
Karl VI. von Gottes Gnaden Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches, König von Deutschland, Spanien, Ungarn, Böhmen, beider Sizilien, von Jerusalem und Indien, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Brabant und Mailand, Fürst von Schwaben und Katalonien, Markgraf des Heiligen Römischen Reiches, Graf von Habsburg, Flandern und Tirol
Zusatzinfo
Mit Karl II. „dem Verhexten" erlosch 1700 die spanische Linie der Habsburger, der das Haus Österreich durch Heiraten stets engstens verbunden geblieben war. Daneben erfreute sich aber auch der französische König der nahen Verwandtschaft mit Carlos II. Seit der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. waren zwischen Frankreich und Spanien mehrere Ehen geschlossen worden, und so erklärte Carlos nach einer zunächst anders geplanten Regelung, die sich jedoch zerschlagen hatte, den Bourbonen Philipp von Anjou, den Enkel Ludwigs XIV.,
testamentarisch zum Gesamterben der spanischen Krone. Österreich war indessen nicht gewillt, auf seine Ansprüche zu verzichten und forderte die Sukzession Karls VI. Daraus erwuchs nun der Spanische Erbfolgekrieg, der nach nicht vorhersehbaren Entwicklungen im Reich 1713 mit dem widerwilligen Verzicht Karls VI. auf Spanien gegen eine angemessene Entschädigung endete. Mittlerweile hatte Karl VI. nämlich 1711 die Nachfolge seines überraschend verstorbenen kaiserlichen Bruders Josef antreten müssen - eine Konstellation, die bei den Seemächten die Vision eines Wiederauflebens des Weltreichs Karls V. heraufbeschwor, was sie keinesfalls dulden wollten. Im gleichen Zuge mit dem Verzicht war Karl 1713 einem anderen Hauptproblem des Hauses Habsburg, dem Mangel an 'Söhnen entgegengetreten. Unter dem Eindruck der spanischen Angelegenheiten erließ er ein Staatsgrundgesetz, welches die unteilbare Union sämtlicher habsburgischer Länder und die volle Erbberechtigung der Töchter verkündete, die Pragmatische Sanktion, welche die Nachfolge Maria Theresias vorbereitete. Das Zeitalter Karls VI. war aber nicht nur von der spanischen Frage und den damit verknüpften kriegerischen Auseinandersetzungen im Westen geprägt, sondern auch von den glänzenden Siegen Prinz Eugens über die Türken, die Österreich großen Zugewinn im Osten brachten. Bald nach 1720 erklang zum ersten Mal das berühmte Soldatenlied auf den Prinzen von Savoyen, und schon bevor Karl 1740 unerwartet starb, begann die derbe Barockzeit den Vorboten der Aufklärung zu weichen, voran in der Hauptstadt Wien, die zu jener Zeit ein völlig neues Gesicht gewann: Das Zeitalter Maria Theresias und Friedrichs des Großen kündigte sich an. Die kaiserlichen Wappensiegel der Neuzeit lassen sich zwei hauptsächlichen Typen zuordnen. Einmal kann der Doppeladler als Wappentier auf einem großen Schild erscheinen, der von Greifen gehalten wird. Der Adlerschild nimmt in diesem Fall das Zentrum des Bildes ein und die übrigen Wappen werden um ihn gereiht. Kaisersiegel dieses Typs führten etwa Karls VI. Vater Leopold I. und sein Bruder Josef I. Das Siegel Karls gehört hingegen einem anderen Typus an, der die meist große Zahl der darzustellenden Wappen in einem vielfach unterteilten Schild auf der Brust des Doppeladlers unter- bringt. Obgleich auch Mischformen begegnen, so bei Franz II., sollte letzterem Siegeltyp die Zukunft gehören.
Siegelbild
Der Kaiser thront im Krönungsornat unter einem Baldachin in der Rechten ein Schwert, in der Linken Zepter und Reichsapfel,
über dem gekrönten Haupt schwebt ein Adler, das kaiserliche Haar fällt in Locken aul die Schulter; unter dem reich verzierten Krönungsmantel, der über den Beinen gerafft und über die Knie zurückgeschlagen ist, erscheint Karl VI. in kriegerischem Habit, Brust und Beine sind gepanzert; vor den Postamenten zu Seiten des Thrones blicken gegenständige Löwen auf den Kaiser;
darüber zwei Engel, die Wappenschilde halten: rechts den Doppeladler des Reiches, bedeckt mit der Kaiserkrone und behängt mit der Ordenskette des Goldenen Vlieses, zur Linken einen mehrfach geteilten und gespaltenen Schild, bedeckt mit der Königskrone und ebenfalls behängt mit dem Goldenen Vlies, darauf in der oberen Reihe
1. die Wappen von Kastilien und Leon quadriert,
2. Aragon und Sizilien gespalten, dazwischen eine gefüllte Spitze,
3. unten geteilt Österreich und Burgund,
4. wahrscheinlich Antwerpen und Brabant, darauf als Herzschild wohl Flandern und Tirol; die beiden niederländischen Löwen halten jeweils mit einer Pranke runde Schilde, darauf rechts das Symbolum Karls VI.,
eine Weltkugel im Wolkenkranz,
links der ins Bild übersetzte Wahlspruch des Kaisers (Constantia et fortitudine), das heisst zwei stehende Säulen; die Füsse stützt der Kaiser auf ein dreifach geschwungenes Treppenpodest, der Himmel des Thrones durchbricht
die Umschrift, seine Spitze stösst vor bis an den Laubkranz, der das Siegel rahmt.
Karl VII.
1742
Franz von Lothringen
1746
Josef II. von Habsburg
1765



Siegelbild
Über dem Doppeladler mit Heiligenschein schwebend die Kaiserkrone, die fliegende Bänder entläßt; in den Krallen hält der Adler rechts Zepter und Schwert, links den Reichsapfel; der geschwungene Wappenschild auf der Brust ist bedeckt mit dem Kurhut, das Feld quadriert in zweimal die bayerischen Rauten und den Pfälzer Löwen, auf dem Herzschild der Reichsapfel; an den ausgebreiteten Flügeln des Adlers hängt die Kette vom Goldenen Vlies, um den Schild die Kette des bayerischen Georgsordens.
Titel Kaiser
Name Franz I. von Lothringen 1745 - 1765
Legende
geboren 8.Dezember 1708 Nancy
gestorben 8.August 1765 Innsbruck
Grabstätte Wien, Kapuzienergruft
Typ Grosses Kaisersiegel
Datierung 1746 – 1764
Gewicht
Durchmesser 133 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel
Name Josef II. von Habsburg-Lotbringen
1741-1790
Legende
geboren 13.3.1741 Wien
gestorben † 20.2.1790 Wien
Grabstätte: Wien, Kapuzinergruften
Typ Großes Kaisersiegel
Gewicht
Durchmesser 124 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Umschrift
CAROLUS SEPTIMUS DEI GRATIA ELECTUS ROMA- NORUM IMPERAT(OR) SEMPER AUGUSTUS &C(ETERA)
Übersetzung
Karl der Siebente, von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches und so weiter..
Zusatzinfo
Karl Albrecht von Wittelsbach erblickte das Licht der Welt 1697 in Brüssel, wo der bayerische Kurfürst Max Emanuel spanischer Statthalter war. Seine Jugend prägten die Ereignisse des Spanischen Erbfolgekriegs, durch den der Vater Bayern verlor und der Kurprinz mit seinen drei Brüdern 1706 als Geisel ins österreichische Klagenfurt geriet. Dort ließ ihn Kaiser Josef I. von den Jesuiten als „Graf von Wittelsbach" erziehen. Nach dessen Tod 1711 jedoch wurde Karl Albrecht in ehrenvollere Haft nach Graz geschickt, aus der ihn erst die Friedensschlüsse 1715 erlösten. In Diensten des Prinzen Eugen bewährte sich der Wittelsbacher an der Spitze eines bayerischen Korps in den Türkenkriegen und führte im Rahmen der Aussöhnung Wittelsbachs und Habsburgs 1722 die Kaisertochter Erzherzogin Maria Amalia heim, freilich unter den Bedingungen der Pragmatischen Sanktion, was die Erbfolge Amaliens ausschloß. Gleichwohl hat Bayern die Pragmatische Sanktion nie anerkannt, sondern 1733 gegen ihre Bestätigung durch das Reich protestiert. Karl Albrecht ließ daraufhin sogar eine „Deductio jurium" (Herleitung der Rechtsansprüche) erstellen, um nun das gesamte Habsburger Erbe zu fordern. Und nachdem ein weiteres Eheprojekt, die Vermählung eines Sohnes von Karl Albrecht mit Maria Theresia, gescheitert war, griff er schließlich zu den Waffen, um die bayerischen Ansprüche
durchzusetzen. Eine gute Gelegenheit dazu sollte sich ergeben, als der junge Preußenkönig Friedrich nach dem Tod Kaiser Karls VI. 1740 angesichts der weiblichen Nachfolge im Hause Habsburg ins habsburgische Schlesien einmarschierte und Karl Albrecht in dem nun entfesselten Österreichischen Erbfolgekrieg eine mächtige weitere Stütze seiner Politik in Frankreich fand.
Nachdem der Kurfürst ein entsprechendes Kriegsbündnis mit Spanien, Preußen, Frankreich und später noch Sachsen vereinbart hatte, drang er über Linz nach Prag vor, wo er 1741 die böhmische Krone erlangte. Die Wahl zum Kaiser in Frankfurt, welche bereits in der 1714 geschlossenen und 1727 erneuerten Allianz mit Frankreich vorgesehen war, folgte im Januar 1742. Sie fand statt unter dem unmittelbaren Eindruck der Siege Friedrichs des Großen in Schlesien. Der eigene Feldzug Karl Albrechts hatte indessen zur Folge, daß der bayerische Kurfürst ohne Land auch ein Kaiser ohne Land blieb, denn nun marschierte eine eilends aufgestellte zweite österreichische Armee in München ein. Nur kurzzeitig gelang es dem Kaiser, nochmals in Bayern Fuß zu fassen, das er gerne zum Königreich erhoben gesehen hätte. Alle Pläne, den Wittelsbacher ersatzweise mit einer bescheidenen Hausmacht auf Reichsboden auszustatten, schlugen fehl und nur der frühe Tod im Januar 1745 bewahrte Karl VII. nach vorübergehenden Erfolgen im 2. Schlesischen Krieg vor der erneuten Flucht aus seinem Land, das erst sein Sohn im Frieden von Füssen dem Hause wieder auf Dauer sichern konnte. Die Stempel Karl Albrechts von Bayern und seines Nachfolgers Franz von Lothringen, Maria Theresias Gemahl, unterscheiden sich von den späten Habsburger Kaisersiegeln durch ihre nüchterne und konzise Gestaltung in Bild und Schrift. Erscheinen diese geradezu überladen mit der Vielzahl der Wappen und einer wahrhaft barocken Titelaufzählung der beanspruchten wie tatsächlich beherrschten Fürstentümer, die kaum in zwei umlaufenden Schrift- bändern Platz finden - das beste Beispiel ist das Siegel von Maria Theresias Sohn Josef II.-, so spiegelt sich Karls VII. reale Situation als Kaiser ohne Land in der bloßen Erwähnung des Kaisertitel. Auf sein Erbland Bayern und die Kurwürde nimmt allein das Wappen Bezug.
Zusatzinfo
Franz Stefan, der Enkel des Türkensiegers Karl von Lothringen und der Habsburgerin Eleonore, kam 1723 in früher Jugend an den Wiener Hof Karls VI.,der Zuneigung zu dem „schönen Franzos" faßte und ihm eine gute Erziehung angedeihen ließ. Als Jagdbegleiter des Kaisers und liebster Gefährte der Erbtochter Maria Theresia wuchs er in die kaiserliche Familie hinein, bis er 1729 die Herrschaft seines Vaters im Lothringen übernehmen mußte. Als Herzog gen sammelte Franz erste diplomatische Erfahrungen und knüpfte auf einer großen Reise Kontakte zu den Niederlanden, deren Generalgouverneur er später werden sollte, England und Preußen. Die im Haus Habsburg schon länger bestehenden Pläne, Maria Theresia einem lothringischen Prinzen zu vermählen, nahmen in den 1730er Jahren auf das Drängen Maria Theresias konkretere Gestalt an. Zunächst ernannte der Kaiser den Herzog 1732 zum Statthalter in Ungarn, worauf Franz Stefan wieder in die Nähe des Hofes, nach Preßburg zog, aber erst nach dem seitens Frankreich durch die Besetzung Lothringens erzwungenen Tausch von Franzens Stammland gegen das Großherzogtum Toskana kam es 1736 zur Heirat. Maria Theresia mußte ihr Erbe nach dem unerwarteten Tod Kaiser Karls 1740 wenig vorbereitet im Alter von 23 Jahren antreten und sah sich sogleich den allergrößten Problemen konfrontiert, denn zum einen erhob Karl Albrecht von Bayern aufgrund seiner Abstammung von Kaiser Fer- dinand I. Ansprüche auf Österreich, zum andern aber marschierte Fried-rich von Preußen in Schlesien ein, um diesen Teil des Erbes an sich zu reißen. So lag es nahe, den Prinzge- mahl Franz Stefan zum Mitregenten zu ernennen. In den nachfolgenden Kriegen um Schlesien und die öster- reichische Erbfolge hat jedoch Maria Theresia mit starkem Selbstbewußt- sein die Wiener Politik bestimmt und ihren Gemahl, der zunächst Wittelsbacher Karl dem genannten Albrecht im Rennen um die Kaiser- würde unterlag, dann aber doch nach dessen Tod 1745 in Frankfurt gekrönt wurde, in den Hintergrund gedrängt.
Aber Franzens Ehe mit der ehrgeizigen Habsburgerin war glücklich. Wer kennt nicht die großartigen Bilder des demonstrativ gleichberechtigt thronenden Kaiserpaares inmitten der großen Schar ihrer (insgesamt 16) Kinder? Geschick und wahre Begabung des Kaisers Franz I., der sich gutmütig in seine Machtlosigkeit auf dem Felde der Politik fügte, zeigte sich auf anderen Feldern. Er organisierte mit Sachverstand die Bewirtschaftung seiner und Maria Theresias Güter, schuf Ersatz für die 1745 verlorenen Manufakturen Schlesiens und sanierte nach dem Endes des Siebenährigen Krieges Österreichs zerrüttete Staatsfinanzen. Überaus bedeutsam für das Haus Habsburg sollte der aus dem angehäuften Vermögen des Lotringers erwachsene „Familienversorgungsfonds", das gemeinschaftliche Vermögen der Familie
Habsburg-Lothringen sein, welches bis 1919 Bestand hatte. Die Hauptstadt Wien verdankt Franz I., der vor allem naturwissenschaftlichen Interessen nachging und sogar Erfindungen machte, den Grundstock ihrer musealen Sammlungen, das Schloß Schönbrunn den Park, den botanischen Garten und die Menagerie. Franzens Siegel ist wie die seiner unmittelbaren Vorgänger und Nachfolger ein echtes Wappensiegel mit Beifügung der Ordensabzeichen.
Siegelbild
Über dem Doppeladler mit Heiligenschein schwebt die Kaiserkrone, die fliegende Bänder entläßt; in den Krallen hält der Adler rechts Zepter und Schwert, links den Reichsapfel;
der kräftig geschwungene Schild auf Seiner Brust ist mit einer weiteren Krone bedeckt und quadriert, die vier Felder wiederum gespalten; oben links die Wappen Ungarns und Neapels,
rechts Jerusalem Aragon, unten Anjou Geldern und JülichBarr,
der aufgelegte Herzschild gespalten in Lothringen • Toskana;
darum hängt das Band des MarienTheresienOrdens, von den Flügeln des Adlers die Kette vom Goldenen Vlies, um das ganze ein Laubenkranz.
UMSCHRIFT
*FRANCISCUS DEI GRATIA ELECTUS ROMANORUM IMPERATOR SEMPER AUGUSTUS GERMANIAE HIEROSOLMAE REX LOTHARINGIAE BARRENSIS ET MAGNUS HETRURIAE DUX*
Übersetzung
*Franz, von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reichs, König von Deutschland und Jerusalem, Herzog von Lothringen Bar und Großherzog von Toskana*
Titel
Name Karl VII. Albrecht von Bayern 1697-1745
Legende
geboren 6.8.1697 Brüssel
gestorben 20.1.1745 München
Grabstätte Theatinerkirche; das Herz in Altötting
Typ Großes Kaisersiegel
Datierung 1742
Gewicht
Durchmesser 119 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Umschrift: JOSEPHVS II. D(EI) G(RATIA) ELECT(VS) ROM(A- NORVM) IMP(ERATOR) SEM- P(ER) AVG(VSTVS) GERM(A- NIAE) ET HIEROS(OLYMAE) REX CORREG(ENS) ET HERES REGN(ORUM) HVNG(ARIAE) BOHEM(IAE) ETc(etera) AR- CHID(VX) AVSTR(IAE) D(VX) BVRG(VNDIAE) ET LOTHAR(IN- GIAE) MAGN(VS) DVX HETRV- R(IAE) MAGN(VS) PRINC(EPS) TRANSYLV(ANIAE) MARCH(IO) MOR(AVIAE) DVX MEDIOL(A- NI) MANTVAE ETc(etera) COMES HABSBVRG(I) FLANDRIAE TY- ROL(IS) ET GOR(ITIAE) ETc(etera)
Übersetzung
Josef II., von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches, König von Deutschland und Jerusalem, Mitregent und Erbe der Königreiche Ungarn und Böhmen usw., Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund und Lothringen, Großherzog von Toskana, Großfürst von Transsilvanien, Markgraf von Mähren, Herzog von Mailand, Mantua usw., Graf von Habsburg, Flandern, Tirol, Görz usw.)
Zusatzinfo
Die Geburt des ersten Sohnes unter den 16 Kindern Maria Theresias und Kaiser Franz' I. 1741 stand ganz im Zeichen der Krise, in welche Friedrichs des Großen Einmarsch in Schlesien die Habsburgermonarchie gestürzt hatte. Erst wenige Monate alt, spielte der kleine Josef in dieser schweren Zeit der Kaiserin schon seine erste große Rolle, als ihn Maria Theresia dem ungarischen Landtag in Preßburg als Thronerben präsentieren konnte. Aber es sollte auch das Schicksal Josefs II. sein, jahrzehnte- lang unter der Vormundschaft und im Schatten seiner ehrgeizigen Mutter zu stehen, bis ihm gegen Ende seines Lebens ein Jahrzehnt eigenständiger Regierung vergönnt war. 1764 in Frankfurt zum römisch-deutschen König gekrönt, trat Josef wegen des plötzlichen Todes seines Vaters im folgenden Jahr unerwartet auch die Nachfolge in der Kaiserwürde an. Schon zuvor, in den Jahren zwischen seiner glanzvollen Hochzeit mit der Prinzessin Isabell von Parma 1760, einer am Kabinettstisch ausgehandelten Ehe, die der Staatsräson, der Verständigung Habsburgs mit den Bourbonen dienen sollte, und der Krönung 1765 hatte der Prätendent in einer Denkschrift mit dem Titel „Träumereien" programmatisch seine Ansichten zur Politik niedergelegt. Zu Lebzeiten seiner
ambitionierten Mutter, die die Fäden der Politik fast ganz in Händen hielt, kam es zu Reibereien und Konfrontationen, denen sich Josef öfter durch Reisen zu entziehen wusste.
Die Erfahrungen, die er dabei in zahlreichen Staaten Europas sammelte, und die Kontakte, die er während dieser Zeit zu knüpfen verstand, sollten ihm später von großem politischen Nutzen sein. Das Jahrzehnt seiner Alleinregierung war bestimmt von den bekannten josefinischen Reformen, die den Habsburgerstaat gestrafft und verjüngt in die Zeit der Französischen Revolution führten. Sie waren das Werk eines Monarchen, der sich gemäß den Strömungen seiner Zeit als aufgeklärter absoluter Herrscher verstand. Während auf dem nüchternen und fast bescheiden anmutenden Kaisersiegel Franz' I. von Lothringen sämtliche Wappen in einem großen Schild auf der Brust des Doppeladlers zusammen gefasst erscheinen, entfaltet das erste große Kaisersiegel Josefs wiederum barocke Pracht. Die Vielzahl der darzustellenden Wappen und Ordenszeichen erforderte eine andere Gestaltung als beim Stempel des Vaters, nämlich eine Dreigliederung des Bildfelds in den mit Wappen angefüllten Brustschild des Doppeladlers, den Adlerschild selbst und einen zusätzlichen, um diesen gelegten Wappenkranz.
Siegelbild
Zwei Greifen mit ausgebreiteten Schwingen halten einen großen mit der Kaiserkrone bedeckten Schild, darauf der Doppeladler mit Heiligenschein, der in den Krallen rechts Schwert und Zepter, links den Reichsapfel hält; auf seiner Brust ein in 16 Felder geteilter Wappenschild mit aufgelegtem Herzschild, gespalten in Österreich rechts und Lothringen, darüber der Herzogshut; die Felder zeigen von oben rechts der Reihe nach: Alt- und Neuungarn gespalten und bedeckt von der ersten Königskrone, Kastilien - Leon - Aragon - Sizilien geviert, Jerusalem, Böhmen unter der zweiten Königskrone, Burgund, Toskana, Transsilvanien, Mähren, Brabant, Mailand, Mantua, Parma, Flandern, Jülich, Tirol und Görz. Um den Schild hängt die Kette vom Goldenen Vlies, unten die Kette vom Leopoldorden sowie das Band des Maria-Theresia-Ordens mit den Ordenszeichen. Unter den Flügeln der Greifen zwei gegenständige Reihen Wappenschilde, bedeckt jeweils mit Kronen und Herzogshüten, von oben rechts: Dalmatien, Slowenien, Kärnten, Luxemburg, Schlesien, Schwaben, auf der Mittelachse gespalten Ober- und Niederlausitz, dann Burgau, Barr, Württemberg, Krain, Steiermark und Kroatien. Im Futter der Kaiserkrone unten der Vermerk des Siegelschneiders B. SCHEGA F(ECIT) M.DCC.LXV.
Maria Theresia von Habsburg
1770
Leopold II. von Habsburg-Lothringen 1791
Franz II.
1794



Siegelbild
Die Kaiserwitwe thront unter einem kunstvoll ausgestalteten Baldachin, in der ausgestreckten Rechten das Zepter, in der leicht angewinkelten Linken den Reichsapfel; ihr Gewand ist auf der Brust dicht mit Ordenszeichen besetzt, der Mantel liegt locker über den Schultern und fließt über die Beine; der Baldachin bedeckt mit der
Kaiserkrone, die fliegende Bänder entlässt;
geflügelte Putten raffen die Teppiche vor der Nische, zwei andere schweben über dem Haupt der Herrscherin und halten einen Lorbeerkranz über sie;
zu beiden Seiten des Baldachins, auf dem Sockel der Thronnischenarchitektur, stehen weibliche Gestalten, rechts Iustitia mit einer Waage in der rechten und einem erhobenen Schwert in der linken Hand;
darunter auf einem Wappenschild der Doppeladler, bedeckt mit der Kaiserkrone,
der Herzschild gespalten in Burgund und österreich auf der linken Seite wacht ein gekrönter Löwe vor dem Gegenstück, einem gespaltenen Wappenschild Alt- und Neuungarns; zwei Säulen auf Podestamenten tragen den geschwungenen Baldachin, begleitet von Wappenreihen, die an die Nischenarchitektur geheftet sind: oben rechts und links je zweimal der böhmische Löwe, bedeckt mit der Königskrone, dann rechts darunter, bedeckt mit perlenverzierten Hüten, die Löwen von Flandern und Brabant,
zur Linken jeweils unter ähnlichen Hüten ein gespaltenes und geteiltes Wappen mit vier linksgewandten Löwen (Flandern - Brabant Jülich Habsburg,
schliesslich ein geteiltes Wappen; die Füße stützt die Kaiserwitwe auf ein dreifach geschwungenes Treppenpodest mit Teppich; um das ganze ein kräftiger Laubkranz.
Titel Kaiser
Name Leopold II. von Habsburg-Lothringen 1790-1792
Legende
geboren 5.Mai 1747 Schönbrunn bei Wien
gestorben 1.März 1792 Wien
Grabstätte Wien, Kapuzinergruft
Typ Grosses Kaisersiegel (Reichshofkanzlei)
Datierung 1791
Gewicht
Durchmesser 120 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel Kaiser
Name Franz II. 1792 – 1806
legende
geboren 12. Februar 1768 Florenz
gestorben 2. März 1835 Wien
Grabstätte Wien, Kapuzinergruft
Typ Grosses Kaisersiegel
Datierung 1794
Gewicht
Durchmesser 130 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
UMSCHRIFT
*MARIA THERESIA DEI GRATIA ROMANORVM IMPERATRIX VIDVA REGINA HUNGARIAE BOHEMIAE ETC(ETERA) ARCHIDVXISSA AVSTRIAE DUXISSA BURGUNDIAE BRABANTIAE ETC(ETERA) COMITISSA FLANDRIAE*
Übersetzung
*Maria Theresia von Gottes Gnaden Kaiserin der Römer, Witwe, Königin von Ungarn und Böhmen undsoweiter, Erzherzogin von Österreich, Herzogin von Burgund und Brabant usw, Gräfin von Flandern*
Zusatzinfo
Angesichts des chronischen Mangels an Söhnen im Hause Habsburg während des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts hatte Kaiser Karl VI. 113, vier Jahre vor der Geburt Maria Theresias, die Pragmatische Sanktion erlassen, um die Habsburgermonarchie vor Erbteilungen und dem drohenden Ausfall eines männlichen Thronfolgers zu bewahren. Das Gesetz legte die Unteilbarkeit der habsburgischen Länder und nötigenfalls auch die weibliche Erbfolge im Hause fest. So ebnete der nicht mit einem Sohn gesegnete Kaiser der ältesten Tochter Maria Theresia den Weg auf den Thron, abgesichert durch die Heirat mit dem eng verwandten Franz I. Stefan von Lothringen, der nach dem kurzen Intermezzo Karls VII. Albrecht von Bayern 1745 zum Kaiser gewählt wurde. Maria Theresia hatte ihre politische Feuertaufe bereits im Alter von 23 Jahren zu bestehen, als unmittelbar nach dem Tod des Vaters der preu- Bische König Friedrich in Schlesien einmarschierte. Bereits zu Lebzeiten ihres kaiserlichen Gemahls, vollends aber nach dessen Tod 1765, gelang es der selbstbewußten Habsburgerin, die Wiener Politik mit kraftvoller Hand zu bestimmen, insgesamt über rund vier Jahrzehnte hinweg.
So hat sie einem ganzen Zeitalter ihren Stempel aufgedrückt.
Wie die edlen Herren, so führten auch adelige Damen schon im hohen Mittelalter eigene Siegel.
Von Kunigunde, der Gemahlin Heinrichs II. (1002-1024), stammt das erste Siegel einer Königin, von dem wir sichere Kunde haben.
Es zeigt eine weibliche Büste. Seit dem 12. Jahrhundert begegnen dann Thronsiegel königlicher und kaiserlicher Damen nach dem Vorbild der römisch-deutschen Herrscher, doch findet diese Sitte im Spätmittelalter zugunsten von Wappenstempeln ihr Ende.
Das vorliegende, prunkvolle Exemplar der bereits verwitweten Habsburgerin für die Niederlande gehört zu den wenigen Stempeln dieses Typs, die Maria Theresia neben ihren überaus zahlreichen, mehr als ein halbes Hundert zählenden Wappensiegeln anfertigen ließ und verwendete. Ihr Bildnis auf dem Typar entspricht im großen und ganzen dem, was auch andere zeitgenössische Darstellungen überliefern.
Zusatzinfo
Leopold, der dritte Sohn Maria Theresias und Franz Stephans von Lothringen, folgte seinem älteren Bruder Josef II. 1790
in der Kaiserwürde nach, zu einer Zeit also, da in Frankreich die Revolution tobte. Bereits 1765 hatte Leopold das Regiment seines verstorbenen Vaters im Herzogtum Toskana übernommen, wo er beachtliche Reformen durchführte.
Überhaupt neigte der Kaiser der konstitutionellen Monarchie zu und lehnte den zentralistischen Absolutismus seines Bruders,
den er als, despotisch" bezeichnete, rundweg ab.
1790 in Frankfurt und Preßburg als Kaiser und ungarischer König,
1791 in Prag mit der Wenzelskrone gekrönt, durfte sich der Monarch trotz seiner ungemein kurzen Regierungszeit schon bald allseitiger Beliebtheit erfreuen und wurde gar als „Leopold der Weise" gefeiert.
eine umfassende Korrektur der josefinischen Reformen, die Abwendung des drohenden Konflikts mit Preußen und der endgültige Türkenfrieden von Sistowa 1791 trugen zur Popularität Leopolds bei. Die Dynamik der Französischen Revolution freilich scheint der Bruder der Königin Marie Antoinette, die auf dem Schafott endete, erheblich unterschätzt zu haben.
Nachdem er gegen die vom revolutionáren Frankreich ausgehenden Gefahren immerhin eine Defensivallianz mit Preußen geschlossen hatte, starb Leopold II. unerwartet am 1. März 1792.
Das vorliegende große Kaisersiegel Leopolds II., des letzten Herrschers des alten Reiches, der im Besitz dieser Würde verstarb, bezeichnet auch einen Höhe- und Endpunkt in der Entwicklung des Siegelwesens. Das kaum noch weiter vergrößerbare und ausgestaltungsfähige Typar ist denn auch mit entsprechender Namensänderung von Leopolds Sohn Franz, der 1806 als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation resignierte, übernommen worden.
Siegelbild
Zwei Greifen mit ausgebreiteten Schwingen halten den großen, stark geschwungenen Schild, bedeckt mit der Kaiserkrone, darauf der Doppeladler mit Heiligenschein, Zepter und Schwert in der rechten Kralle, links der Reichsapfel; auf der Brust des Doppeladlers ein vielfach geteilter und gespaltener Wappenschild:
rechts unter der ungarischen Königskrone Altungarn – Dalmatien – Kroatien - Slowenien mit Herzschild Neuungarn, links unter der böhmischen Königskrone Mähren - Schlesien - Ober- und Niederlausnitz mit Herzschild Böhmen;
das Feld dazwischen gespalten in Galizien und Lodomerien;
in der Herzreihe rechts Siebenbürgen/Transsilvanien,
links Württemberg;
in der unteren Reihe rechts Brabant - Limburg - Luxemburg Flandern mit eingepfropfter Spitze Antwerpen Namur, darauf im Herzschild Burgund, bedeckt mit dem Herzogshut; links Anjou - Bar – Geldern - Jülich mit eingepfropfter Spitze Teschen - Falkenstein, auf dem Herzschild Jerusalem, bedeckt mit der Königskrone; das Feld dazwischen teilen sich Mailand und Mantua, in der eingepfropften Spitze Parma; der große Mittelschild von Österreich ist dreimal gespalten und horizontal geteilt in Steiermark Kärnten - Krain, Schwaben - Habsburg, Tirol - Görz- Burgau-Gradiska.
Im Herzschild, den der Erzherzoghut bedeckt, Österreich Lothringen Toskana; um den Hauptschild die Ordenskette vom Goldenen Vlies, darunter die Zeichen des Marien-Theresien- und des ungarischen St.Stephan-Ordens; um das ganze ein Laubkranz.
UMSCHRIFT
*LEOPOLDVS II. DEI GRATIA ELECTVS ROMANORVM IMPERATOR SEMPER AVGVSTVS GERMANIAE HVNGARIAE BOHEMIAE DALMATIAE CROATIAE SLAvONIAE GALICIAE LODOMERIAE HIEROSOLYMAE REX ARCHIDVX AVSTRIAE DVX BVRGVNDIAE LOTHARINGIAE STYRIAE CARINTHIAE CARNIOLIAE MAGNVS DVX HETRVRIAE MAGNVS PRINCEPS TRANSSILVANIAE MARCHIO MORAVIAE DVX BRABANTIAE LIMBVRGI LVCEMBVRGI GELDRIAE WÜRTEMBERGAE SILESIAE MEDIOLANI MANTUAE PARMAE ETC(ETERA) PRINCEPS SVEVIAE COMES HABSBVRGI FLANDRIAE TYROLIS HANNONIAE ETC(ETERA)*
Übersetzung
*Leopold II., von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches, König von Deutschland, Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Slowenien, Galizien, Lodomerien und von Jerusalem, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Lothringen, Steiermark, Kärnten und Krain, Großherzog von Toskana, Großfürst von Transsilvanien, Markgraf von Mähren, Herzog von Brabant, Limburg, Luxemburg, Geldern, Württemberg, Schlesien, Mailand, Mantua, Parma usw., Fürst von Schwaben, Graf von Habsburg, Flandern, Tirol, Hennegau uSW*
Titel Kaiserin
Name Maria Theresia von Habsburg 1740-1780
Legende
geboren 13 juni 1717 in Wien
gestorben 29. November 1780 in Wien Grabstätte Kaisergruft Wien
Typ Thronsiegel der verwitweten Kaiserin
für die Niederlande
Datierung 1765 und 1780
Gewicht
Durchmesser 122 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
UMSCHRIFT
*FRANCISCVS II. D. G. E. ROM. IMP. S. A. GERM. HVNG. BOH. DAL. CRO. SLAV. GAL. LOD. HIER REX ARCH. AVS. DVX BVRG. LOTH. STYR. CAR CARN. M. D. HET. M. TRANS. MARCH. MOR DVX BRAB. LIM. LVC. GEL. WVR. SIL. MED. MAN. PAR ETC. TR. SVEV. COM. HABS. FLAN. TYR. HAN. ETC.*
Übersetzung
*Franz II., von Gottes Gnaden Römischer Kaiser; Mehrer des Reiches, Deutschlands, Ungarns, Böhmens, Dalmatiens, Kroatiens, Sloweniens, Galiziens, Lodomeriens und Jerusalems u.s.w., König, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Lothringen, Steiermark, Kärnten, Krain, Großherzog der Toscana,
Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Mähren, Herzog von Brabant, Limburg, Luxemburg, Geldern, Württemberg, Schlesien, Mailand, Mantua, Parma u.s.w., Fürst von Schwaben, Graf von Habsburg, Flandern, Tirol, Hennegau u.s.w.*
Zusatzinfo
Franz II. folgte 1792 seinem Vater Leopold II. auf den Thron. Als er 16 Jahre alt war, holte ihn sein Onkel, Kaiser Joseph II., der aufgeklärte Monarch auf dem Habsburger Thron, zur Ausbildung für die Nachfolge nach Wien. Doch in nichts konnte Franz diesem großen Mann gleichkommen. Dennoch, nach Antritt der Regierung hatte er stets einen guten Rückhalt im Volk. Man nannte ihn "den guten Franz". Der große Komponist Joseph Haydn schuf die
österreichische Nationalhymne "Gott erhalte Franz, den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz" 1797 zu dessen 29. Geburtstag. Franz II. hatte das Unglück, als Zeitgenosse Napoleons einer welthistorischen Gestalt Paroli bieten zu müssen. An dieser Aufgabe mußte er scheitern, aber mit ihm ging auch das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation", das Reich Karls des Großen, endgültig zugrunde. Franz versuchte, dem Treiben der französischen Revolutionäre, die König Ludwig XVI. und dessen Frau, Marie Antoinette, enge Verwandte des Österreichers, gefangen hielten, Einhalt zu gebieten. Darüber hinaus wollte er mit einem Feldzug auch sein eigenes Gebiet vergrößern. Beide Vorhaben scheiterten. Das französische Königspaar wurde 1793 auf der Guillotine hingerichtet, und Franz verlor nach mehreren Niederlagen das gesamte linke Rheinufer. Am 18. Mai 1804 proklamierte der französische Senat Napoleon zum Kaiser, worauf sich Franz II im Gegenzug zum Kaiser von Österreich ernannte. Als sich 1806 sechzehn deutsche Staaten, darunter Bayern, Württemberg und Hessen- Darmstadt zum sogenannten Rheinbund vereinigten und zugleich ihren Austritt aus dem deutschen Reichsverband beschlossen, legte Franz II. seine deutsche Kaiserkrone nieder und nannte sich von da an Franz I. als Erbkaiser von Österreich. Damit war das deutsche Kaiserreich auch formell erloschen. Die Geschichte Franz I. ist die Geschichte des
österreichischen, nicht mehr des deutschen Kaisers. Als Franz I. nach Zusammenbruch des französichen Reiches auf dem Wiener Kongreß 1814/5 im Konzert der Fürsten von ganz Europa über die Frage mitzuentscheiden hatte, ob man das alte Kaiserreich wiederherstellen sollte, da lehnte er ab. Nach Jahrhunderten war die Herrschaft der Habsburger zu Ende. Als das deutsche Volk sich wieder einen Kaiser wählte, war es der Preuße Wilhelm I., der den Thron erhielt. Franz starb 1835 als erster Kaiser von Österreich. Sein Siegel ist bis auf die Umschrift identisch mit dem seines Vaters Leopold II. Daß Franz sich nur dessen Siegel umschneiden ließ, markiert sein Streben nach Sparsamkeit und spartanischer Lebensweise in Nachahmung der persönlichen und politischen Linie seines Onkels Josef II.
Siegelbild
Der doppelköpfige Reichsadler steht in einem Schild, der von zwei Greifen gehalten wird, und über dem die Habsburger Hauskrone schwebt. Vom Adler sieht man nur den Doppelkopf und die beiden Fänge, die links ein Schwert, rechts den Reichsapfel halten. Sein Körper wird vom österreichischen Schild verdeckt und ist behängt mit den Ordensketten des königlich ungarischen St. Stephansorden, des Maria TheresienOrdens und des Ordens vom Goldenen Vlies. Die Wappen entsprechen den Herrschaften, die in der Umschrift genannt sind, wobei sie ihrer Bedeutung nach und nicht nach der dortigen Reihenfolge angeordnet sind. Im zentralen Herzschild erscheinen Lothringen, Österreich, und Toskana mit Österreich als absolutem Zentrum.