Das Jahr 1600 - 1699
alle hier zu sehenden Siegelabdrücke sind in meinem Besitz
Matthias von Habsburg
1614
Ferdinand II. von Habsburg 1625
Ferdinand III. von Habsburg 1634



Titel Kaiser
Name Matthias von Habsburg
1612 – 1619
Legende
geboren 24. Februar 1557 Wien
gestorben 20. März 1619
Grabstätte Wien, Kapuziener Gruft
Typ Abguss
Datierung 1614
Gewicht
Durchmesser 103 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel Kaiser
Name Ferdinand II. von Habsburg
1619 -1637
Legende
geboren 09.Juli 1578 in Graz
gestorben 15.02.1637 in Wien
Grabstätte Graz Mausoleum
Typ mittleres Kaisersiegel
Datierung 1625
Gewicht
Durchmesser 118 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel König
Name Ferdinand III. von Habsburg 1637-1657
Legende
geboren 13. Juni 1608 Graz
gestorben 2. April 1657 Wien
Grabstätte Wien, Kaisergruft
Typ Böhmisches Königssiegel,
Abguss vom Originalsiegel
Datierung 1634
Gewicht
Durchmesser 105 mm
Stärke
Form rund
Material
Siegelbild
Zwei Greifen mit ausgebreiteten Flügeln, auf den Königskronen der seitlichen Wappen sitzend, halten einen Schild, darauf der Doppeladler mit Heiligenschein, bedeckt von der Kaiserkrone, die fliegende Bänder entlässt, der Herzschild gespalten in Österreich und Burgund, um das ganze die Ordenskette vom Goldenen Vlies; daneben beidseits ein quadrierter, mit einer Königskrone bedeckter Schild, rechts Ungarn und Böhmen, links Kastilien und Leon: darunter stützen zwei Löwen ihre Vorderpranken auf einen weiteren quadrierten, mit Krone bedeckten Schild von Alt- und Neuösterreich; darum jeweils noch einmal die Kette vom Goldenen Vlies, um das ganze ein Laubkranz.
Zusatzinfo
1618 kam es infolge der Konflikte zwischen böhmischen Katholiken und Protestanten zum Prager Fenstersturz. Zwei kaiserliche Statthalter wurden von Abgeordneten des böhmischen Protestantentags aus den Fenstern des Hradschin in den Burggraben geworfen.
Darauf brach in Böhmen, wo die Rechtslage zwischen Herrscher und Ständen ebenSO wie zwischen den Konfessionen seit langem ungeklärt und der Landesadel im Gegensatz zu Habsburg vorwiegend evangelisch war, ein Aufstand los, der den Auftakt zum Dreissigjährigen Krieg gab.
Als nun ein knappes Jahr später Kaiser Matthias kinderlos starb und der 31jährige Ferdinand aus der innerösterreichischen Linie, ein Enkel Ferdinands I., die Nachfolge antrat, verweigerten ihm die böhmischen Stände die Huldigung. Stattdessen wählten sie den evangelischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, den sogenannten Winterkönig.
In der Schlacht am Weissen Berg erstickte zwar der böhmische Aufstand, aber über das mittlerweile in die Auseinandersetzungen verwickelte Reich und Spanien wurde Europa in einen Krieg gezogen, der eine ganze Generation andauern sollte.
Mit Ferdinand II. und seinem gleichnamigen Sohn und Nachfolger traten Habsburger die Herrschaft an, die anders als Rudolf und Matthias vor allem im Innern ihrer Erblande eine konsequente, geradlinige Politik betrieben.
Mit ihnen setzt der Zerfall des Reichs und die Herausbildung der österreichischen Monarchie ein, weshalb die „beiden Ferdinande“ für den Anbruch eines neuen Zeitalters deutscher Geschichte stehen. In engem Zusammenhang mit der Gegenreformation entwickelte sich der katholische Absolutismus Österreichs mit straffer fürstlicher Zentralverwaltung, die habsburgischen Länder wurden zur unteilbaren, erblichen Gesamtmonarchie nach dem Recht der Erstgeburt vereinigt.
Die Figur des Kaisers Ferdinand Il. ging mit der seines aus Gründen der Staatsräson ermordeten Feldherrn Wallenstein in die Literatur ein, zwar nicht in Schillers Drama, doch in Döblins Wallensteinroman. Für das Siegelwesen ist wichtig, dass unter Ferdinand II. eine selbständige österreichische Hofkanzlei aus der Reichshofkanzlei ausgegliedert wurde, die auch die Geschäfte Böhmens und Ungarns zum Teil mitbesorgte. Die neuzeitlichen Habsburger Kaiser führten eine Reihe verschiedener Typare, die von den jeweiligen Kanzleien oder bestimmten Behörden, wie vom Hofgericht, gebraucht wurden. Durch die Gestaltung von Bild und Umschrift konnte auf die Funktion des jeweiligen Stempels besonders hingewiesen werden.
Auch beim vorliegenden Stück handelt es sich um ein Typar mit einer Spezialfunktion, nämlich um den Stempel des Kaisers, der in der für die zentralen Erblande zuständigen Kanzlei gebraucht worden ist. Darauf verweist augenfällig der unterste, mittels der Löwen deutlich in den Vorder- grund gerückte Wappenschild Alt- und Neuösterreichs. Seit Maximilian II. (1564 – 1576), der erstmals derart gestaltete Wappensiegel für Württemberg, Niederösterreich und Tirol schneiden ließ, haben die Habsburger eine Vielzahl solcher Spezialsiegel geführt, was unter anderem zur Folge hatte, dass die Typare oft mit geringfügigen Veränderungen vom Vater auf den Sohn oder vom Vorgänger auf den Nachfolger übergingen, zum Beispiel entsprechende Stempel Ferdinands II. auf Ferdinand III.
Siegelbild
Aufgelegt auf einem mit der Krone des Reiches bedeckten Doppeladler ein Wappenschild, umgeben von der Ordenskette des Ordens zum Goldenen Vliess und bedeckt von der Königskrone. Der quadrierte Schild besteht aus den Wappen von Ungarn, Böhmen, Kastilien und Leon, in der Mitte der Bindenschild von Österreich.
Zusatzinfo
Unter der Regierung von Matthias gab der Prager Fenstersturz 1618 den Auftakt zum Dreißigjährigen Krieg einer Katastrophe von europäischem Ausmaß und leidvoller Höhepunkt einer Epoche, die man das konfessionelle Zeitalter oder die Zeit der Glaubenskämpfe zu nennen pflegt. Sein Ende mit dem Westfälischen Frieden 1648 bezeichnet eine Epochengrenze in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches, das in der Folge nicht mehr ein Ganzes bildete, sondern in absolutistisch regierte Territorien zerfiel.
Das Papsttum hatte in der Politik ausgespielt, das europäische Staatensystem emanzipierte sich von der überstaatlichen Autorität der Kirche.
Als einer der jüngeren Söhne Maximilians I. verbrachte Matthias seine Jugend nicht in Spanien sondern empfing seine Erziehung am konfessionell offeneren Wiener Hof.
Beim Tod seines Vaters war er einerseits noch nicht versorgt, andererseits blieb Matthias nur wenig Hoffnung auf die Thronfolge, da Maximilian den älteren, entschieden katholischen Sohn Rudolf II. zum Alleinerben bestimmt und die übrigen Erzherzöge mit bescheidenen Jahresgeldern abgefunden hatte.
Jugendlicher Ehrgeiz verleitete Matthias in den Tagen des Regierungswechsels 1576 zu einem Abenteuer als Generalstatthalter in den konfessionell zerissenen Niederlanden, das noch vor der Unabhängigkeitserklärung 1581 kläglich scheiterte. 1593 ernannte ihn Kaiser Rudolf, dessen Unwillen er sich durch die niederländische Episode zugezogen hatte, zum Statthalter von Österreich, des Erzherzogtums ob und unter der Enns.
Hier drohte immer noch die Türkengefahr, die Matthias mit wechselndem Erfolg be- kämpfte bis 1604 im besonders heimgesuchten Ungarn ein Aufstand unter dem calvinistischen siebenbürgischen Adligen Stefan Bocskay losbrach, der das Erreichte mit einem Schlag zunichte machte.
Kaiser Rudolfs geistiger Verfall und sein Starrsinn torpedierten indessen Matthias‘ Friedensverhandlungen und drohten die Durchführung der Friedensschlüsse von 1606 zu verhindern.
Daher betrieb der jüngere Bruder nun mit Unterstützung der anderen Großherzöge, die ihn 1606 als neues Haupt des Hauses anerkannten, die Entmachtung des Kaisers.
Als sich der ungarische Reichstag 1608 hinter Matthias stellte, kam es zum offenen Krieg zwischen den Brüdern, der im Vertrag von Lieben mit dem Gewinn der ungarischen Krone, Österreichs und Mährens endete.
Allein Böhmen verblieb in der Hand des auf dem Prager Hradschin residierenden Kaisers, doch hier kapitulierte er 1609 vor den Protestanten, die sich bald mit Matthias verbündeten.
Nach Rudolfs II. Tod errang der 55 jährige Matthias 1612 in Frankfurt die Kaiserkrone, aber sein kurzes Imperium war von erlahmender Kraft und Mißerfolgen gezeichnet. Die Regierungsgeschäfte gerieten mehr und mehr in die Hände des Wiener Kardinalerzbischofs Khlesl, eines erzkatholischen Konvertiten, der dem Habsburger schon seit 1599 als Berater diente.
Während außenpolitisch wenigstens das Erreichte gesichert blieb, kam es im Innern angesichts der Kinderlosigkeit des Kaisers seit 1617 zu ähnlichen Nachfolgekämpfen wie zwischen Matthias und Rudolf, und der böhmische Aufstand 1618 zog mit der Entmachtung Khlesls die des Kaisers nach sich.
Sein Tod im März 1619 ersparte ihm den europäischen Krieg, den er zeitlebens zu verhindern getrachtet hatte. Das Siegel des Kaisers stellt ein aus- gesprochenes Wappensiegel dar, sogar der doppelköpfige Adler ist Wappentier.
Es entspricht den im ganzen recht gleichförmigen Siegeln dieser Zeit, deren Charakter aus dem Bestreben resultiert, mangelnder Macht kompensierend zumindest mit deutlichsten Mitteln Ausdruck zu verleihen.
Umschrift
*MATTHIAS DEI GRATIA ELECTUS ROMANORUM IMPERATOR SEMPER AVGUSTUS GERMANIAE HVNGARIAE BOHEMIAE REX ARCHIDUX AVSTRIAE DVX BVRGUNDIAE (ET)C(ETERA) COMES TYROLISET C(ETERA)*
Übersetzung
*Matthias, von Gottes Gnaden gewählter römischer Kaiser, allzeit Mehrer des Reiches. König von Deutschland, Ungarn, Böhmen u.s.w., Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Graf von Tirol u.s.w.*
Umschrift
*FERDINANDVS II DEI GRATI ELECTVS ROMANORVM IMPERATO SEMPER AVGVSTVS GERMANIAE HVNGARIAE BOHEMIAE REX ARCHIDVX AVSTRIAE DVX BVRGVNDIAE ETc(etera) COMES TYROLIS ETc(etera)*
Übersetzung
*Ferdinand II. von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Graf von Tirol, erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches, König von Deutschland, Ungarn und Böhmen*
Siegelbild
Unter der von geflügelten Putten gehaltenen Königskrone der quadrierte Hauptschild;
er trägt je zweimal die Wappen Ungarns und Böhmens, der aufgelegte, quadrierte Mittelschild in gespaltenem Feld Österreich und Burgund, in quadriertem Feld jeweils doppelt Kastilien und Leon, wiederum gespalten Aragon und Sizilien, schliesslich Neuburgund und Brabant, in der Spitze Granada, auf dem gespaltenen Herzschild Habsburg und Tirol; um den Hauptschild der Orden vom Goldenen Vlies; fliegende Putten halten sechs weitere mit Herzogs- und Grafenhüten bedeckte Schilde, darauf die Wappen von Mähren, Luxemburg, Oberlausitz, des Fürstentums Görlitz,
von Niederlausitz und Schlesien; um das ganze ein Laubkranz.
Zusatzinfo
Mit den beiden Ferdinanden“ dem Vater Ferdinand II. (1619-1637) und dem Sohn Ferdinand III., gelangte nach Ausbruch des Dreißig jährigen Krieges die innerösterreichische Linie des Hauses Habsburg in den Besitz der Krone. Nach den Regierungen des Sonderlings Rudolf und des Kaisers Matthias die von äusserer Bedrängung und im Innern vom Bruderzwist gezeichnet waren, nach dem grossen Türkenkrieg und der habsburgischen Staatskrise brach nun eine neue Epoche in der deutschen Geschichte an.
Stärker als zuvor richtete sich die Politik der Ferdinande auf die Festigung der Herrschaft in den eigenen Ländern, allmählich entwickelte sich aus dem Schutt des grossen europäischen Krieges eine entschieden katholische, absolutistische Habsburgermonarchie, während gleichzeitig der Zerfall des Heiligen Römischen Reiches einsetzte. Von Jesuiten erzogen, wurde Ferdinand III. bereits 1625 zum König von Ungarn und zwei Jahre später mit der Prager Wenzelskrone gekrönt.
Seine erste verantwortungsvolle politische Aufgabe erhielt der dritte Sohn des gleichnamigen Vaters,
Thronfolger aufgrund des frühen Todes zweier älterer Brüder, nach der Ermordung des Feldherrn Wallenstein,
als er zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen berufen wurde.
Unter seinem Kommando erfocht das österreichische Heer in der Schlacht von Nördlingen 1634 den entscheidenden Sieg über Schweden und Franzosen, der dem Prager Frieden 1635 den Boden bereitete.
Damit war zwar der grosse Krieg nicht zu Ende, doch die Verhandlungen öffneten den Habsburgern Süddeutschland, führten Kaiser und Reichsstände wieder näher zusammen und stärkten die Position Ferdinands II. Nach der Verständigung mit Kursachsen konnte Ferdinand III. auf dem Regensburger Reichstag 1636, wenige Wochen vor dem Tod des Vaters, zum römischen König gewählt werden, die Thronfolge Habsburgs im Reich war gesichert.
Als Ferdinand III. seine eigenständige Regierung antrat, läutete der Kriegseintritt Frankreichs die heftige Endphase des Dreißigjährigen Krieges ein. König Ludwigs XIII. grosser Staatsmann, Kardinal Richelieu, stellte die französische Politik unter den Leitgedanken, das Haus Habsburg niederzuzwingen.
Er suchte die Kräfte im Reich gegeneinander auszuspielen, um auf diese Weise dem bourbonischen Frankreich eine hegemoniale Stellung in Europa zu verschaffen. Aufgrund der militärischen Erfolge der Franzosen hatten Kaiser und Reich im Westfälischen Frieden 1648 die Buße an Frankreich zu zahlen. Habsburg verlor sämtliche Besizzungen im Elsaß, die Festung Breisach wurde französisch, neben der Schweiz und Holland schieden die lothringischen Bistümer Metz, Toul und Verdun aus dem Reich aus. Infolge der Veränderung des politischen Gewichts zwischen Kaisertum und Reichsständen durch den Friedensvertrag zerfiel dieses endgültig in eine Vielzahl partikularer Staaten. Von den 35 Typaren Ferdinands III. stammt eine große Zahl vom gleichnamigen Vater, wobei man sich mit geringfügigen Änderungen der Umschrift begnügen konnte. Anders verhält es sich mit dem vorliegenden böhmischen Königssiegel. Der erhaltene silberne Stempel trägt auf der Rückseite das Datum (seiner Anfertigung) 1634, im Jahr der Schlacht von Nördlingen, und ist eigens für Ferdinand gearbeitet worden.
Umschrift
*FERDINANDVS II DEI GRATIA HVNGARIAE BOHEMIAEQUE REX ARCHIDVX AVSTRIAE DVX BVRGVNDIAE MARCHIO MORAVIAE LVCEMBVRGI AC SILESLAE DVX MARCHIO LVSATIAE ET C(ETERA)*
Übersetzung *
Ferdinand III., von Gottes Gnaden König von Ungarn und Böhmen, Erzherzog von Osterreich, Herzog von Burgund, Markgraf von Mähren, Herzog von Luxemburg, Schlesien, Markgraf der Lausitz usw.*
Leopold I. von Habsburg
1660

Titel Kaiser
Name Leopold I. von Habsburg
1658-1705
Legende geboren 9. April 1640 Wien
gestorben. 5. Mai 1705. Wien
Grabstätte Wien, Kaisergruft
Typ Grosses Kaisersiegel (Reichshofkanzlei)
Datierung 1660
Gewicht
Durchmesser 120 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Siegelbild
Zwei Greifen halten den mit der Kaiserkrone bedeckten Schild, darauf der Doppeladler mit Heiligenschein und auf dessen Brust im gespaltenen Schild die Wappen Österreichs tind Kastiliens; um den großen Schild die Kette des Ordens vom Goldenen Vlies und elf gekrönte Wappenschilde, von oben rechts: Altungarn, Böhmen, Kroatien, Österreich, Steiermark, Tirol, Krain, Altburgund, Slawonien, Dalmatien, Neuungarn.
Umschrift
*LEOPOLDVS DEI GRATIA ELECTVS ROMANORVM IMPERATOR SEMPER AVGVSTVS GERMANIAE HVNGARIAE BOHEMIAE DALMATIAE CORATIAE SCHLAVONIAE ETC(ETERA) REX ARCHIDVX AVSTRIAE DVX BVRGUNDIAE STIRIAE CARINTHIAE CARINIOLAE ET WIRTEMBERGAE ETC(ETERA) COMES TYROLIS ETC(ETERA)*
Übersetzung
*Leopold, von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches, König von Deutschland, Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Slawonien undsoweiter, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, der Steiermark, von Kärnten, Krain und Württemberg usw, Graf von Tirol usw*
Zusatzinfo
Als jüngerer Sohn Kaiser Ferdinands III. war Leopold eigentlich zum geistlichen Amt bestimmt worden, doch der frühe Tod seines Bruders König Ferdinands IV. 1654 versetzte ihn im Alter von 14 Jahren unerwartet in Lage des habsburgischen Hauserben.
1658 in Frankfurt zum Kaiser gekrönt, regierte er bis 1705 und durfte im Alter auf eine der längsten Regierungsperioden zurückblicken, die ein römisch-deutscher Herrscher je zu verbuchen hatte, fast so lange wie sein Vorfahr Friedrich III. (1440- 93).
Dies bedeutete Stabilität zu einer Zeit, da sich Europa vom Schrecken und vom Chaos der Glaubenskriege zu erholen hatte. Zunächst legte der junge Kaiser die Regierung In die Hände der Fürsten von Auersperg und Lobkowicz, aber noch bevor Leopold 1679 die Leitung selbst übernahm, sah er sich mit einer gefährlichen Krise in den Erblanden konfrontiert.
Die Stände im protestantischen Ungarn lehnten sich auf gegen den katholischen Absolutismus der Habsburger, und schließlich gaben die Erfolge der ungarischen Opposition der latenten Bedrohung aus dem Osten neuen Auftrieb.
Es kam zu einer türkischen Offensive unter dem Großwesir Kara Mustafa, welche die Scharen der Osmanen im Sommer 1683 gar vor die Tore Wiens führte.
Doch dem mit dem Hof nach Linz geflohenen Kaiser gelang die Aktivierung des Reichs in dieser Angelegenheit; nach dem Entsatz der belagerten Hauptstadt wurde in den folgenden Jahrzehnten nicht nur Ungarn zurückerobert, sondern der Sultan unter dem Kommando des legendären Feldherrn Prinz Eugen weit zurückgeschlagen.
Mit der Unterwerfung Siebenbürgens und Slawoniens war die Donaumonarchie geboren. Konnte Leopold im Osten auf der ganzen Linie Erfolge verbuchen, so war es um die Westpolitik des Kaisers schlechter bestellt.
In Spanien drohten die Habsburger auszusterben, und seit langem hatte Frankreich den Blick auf das Land gerichtet. Während sich hier nun der Spanische Erbfolgekrieg entwickelte, dessen Ende Leopold nicht mehr erleben sollte, waren der französischen Expansionspolitik Ludwigs XIV. gegenüber dem Reich nachhaltige Gewinne beschieden; begünstigt durch die Bindung starker Kräfte in den Türkenkriegen fiel die Pfalz der Zerstörung anheim, Ludwig XIV. konnte fast ungehindert seine Politik der „Réunions“ und die Annexion Straßburgs betreiben.
Unter anderem die außerordentlich lange, 47jährige Regierung vermag die Bedeutung zu erklären, die dem Kaiser in der deutschen und mehr noch in der Geschichte Habsburgs und Österreichs zukommt.
Von Statur klein und häßlich, mit ausgeprägter Habsburger Unterlippe, entschieden katholisch-gegenreformatorisch eingestellt, als Mensch bescheiden, war Leopold ein kluger und realistischer Herrscher, dem es mit beharrlicher und über lange Zeit hinweg stetiger Politik der kleinen Schritte gelang, dem Kaisertum nach der Tragödie des Dreißigjährigen Krieges im Reich wieder Geltung und Ansehen zu verschaffen.
Unter seiner Ägide konnte die Türkengefahr gebannt werden, in der inneren Politik bediente er sich des Reichstags, der zu seiner Zeit eine ständige Einrichtung wurde.
Seinem Haus gewann er mit der zweiten Gemahlin Claudia das Land Tirol, und im Zeichen der französischen Expansion, des sich ankündigenden spanischen Erbfolgekriegs und des Aufstiegs Brandenburg-Preussens zur norddeutschen Vormacht legte Leopold I. die Fundamente der modernen Donaumonarchie und der österreichischen Grossmachtstellung in Europa.