Das Jahr 1500 - 1599

alle hier zu sehenden Siegelabdrücke sind in meinem Besitz

Maximilian I. 
1517

Karl V. 
1522

Ferdinand I. 
1556

Titel          König
Name        Maximilian I. der letzte Ritter

 

 

Legende

geboren    22. März 1459 Wiener Neustadt
gestorben   12. Januar 1519 Wels       

Grabstätte Wiener Neustadt    Burgkirche

 

 


Typ                              Wappensiegel
Datierung                 1517
Gewicht
Durchmesser          68 mm
Stärke
Form                            rund
Material                     Wachs 

Titel             Kaiser
Name          Karl V. von Habsburg  1519-1558

 


Legende

geboren     24. Febr. 1500 Gent

gestorben  21. Sept. 1558 San Jernimo de Yuste

Grabstätte   Madrid, Escorial

 

 

 

Typ                            Großes Kaisersiegel
Datierung              1522
Gewicht
Durchmesser      108 mm
Stärke
Form                        rund
Material                 Wachs

Titel                         Kaiser
Name                     Ferdinand I.      1556 – 1564

 


Legende                                                               

geboren   10. März 1503 Alcala bei Madrid
gestorben    25. Juni 1564 Wien                      Grabstätte Prag, St.Veits Dom

 


Typ      Majestätssiegel für Ungarn und Österreich    Doppelsiegel (sigillum duplex)

Datierung                              1556
Gewicht
Durchmesser                        130 mm
Stärke
Form                                       rund
Material                                 Wachs

Siegelbild              

Der Kaiser im Krönungsornat hält ein Schwert in der Rechten, den Reichsapfel in der Linken; 

er thront unter einem reich verzierten Baldachin mit Kuppel bedeckten Säulen; 

hinter Karl hängt ein bekränzter Teppich mit den Ordenszeichen des Goldenen Vlieses herab, zu beiden Seiten des Throns ruht ein Feuerstahl vom Goldenen Vlies auf viereckigem Postament; Engel tragen die von der Ordenskette umgebenen, mit Kronen bedeckten Wappenschilde über abgebrochenen Säulen: heraldisch rechts den Doppeladler ohne Heiligenschein mit der kaiserlichen Bügelkrone, links unter der Königskrone einen quadrierten Schild, dessen Felder wiederum quadriert, gespalten oder geteilt sind, mit den Wappen von Spanien (heraldisch rechts oben), daneben Sizilien, unten Österreich und Burgund. 


 

Zusatzinfo

Karls Weltreich, in dem die Sonne nicht unterging, war ein Produkt der habsburgischen Heiratspolitik. Hatte Kaiser Friedrich III. seinen Sohn Maximilian 1477 mit der reichsten Erbin der Zeit, mit Maria von Burgund, vermählen können, die dem Haus Habsburg Burgund, die Niederlande und, nicht zu vergessen, den Orden des Goldenen Vlieses zubrachte, so führte Maximilians Sohn Philipp der Schöne im Rahmen einer Doppelheirat 1496 Johanna die Wahnsinnige von Kastilien-Aragón heim - Sproß dieser Ehe war Karl V. -, und Philipps Schwester Karl V. von Habsburg 1500-1558 *24. Febr. 1500 Gent †21. Sept. 1558 San Jernimo de Yuste, Grabstätte: Madrid, Escorial

Margarete heiratete im Gegenzug Johannas Bruder, den spanischen Kronprinzen Don Juan. Durch den baldigen Tod der erbberechtigten Glieder des spanischen Königshauses kamen die Königreiche Kastilien, Leon, Aragón und Granada an die Habsburger. 

Ein weiterer politischer Schachzug des alten Maximilian, die Doppelhochzeit seiner Enkel Ferdinand und Maria mit den Kindern des Jagiellonenkönigs Wladislaw 1515, hatte den Anfall Böhmens und Ungarns zur Folge. 

So stieg Habsburg innerhalb zweier Generationen zur mächtigsten europäischen Dynastie auf, deren Ländermasse von der Nordsee bis ans Mittelmeer reichte und die über die spanischen Kolonien sogar in anderen Erdteilen herrschte. 

Freilich fiel nicht die gesamte Ländermasse Karl V. zu, denn während sich in den Ländern Westeuropas längst die Erbfolge des Erstgeborenen, die sogenannte Primogenitur, durchgesetzt hatte, waren im Hause Habsburg noch immer Erbteilungen üblich. 

So wurde Österreich, also die alten Erbländer vom Elsaß bis vor die Tore Ungarns, in den Verträgen von Worms und Brüssel 1521/22 dem jüngerem Bruder Ferdinand zugewiesen. 

Karls Kaiserkrönung 1530 brachte Ferdinand ferner die deutsche Königswürde ein, Karls Abdankung 1556 schließlich die Kaiserkrone. 

Aufgewachsen am niederländischen Hof, trat Karl zuerst in seine ererbten Rechte in den Niederlanden und in Spanien ein, bevor er 1519 Maximilian im Reich nachfolgte. 

Luthers Thesenanschlag und die Ausbreitung der vom Kaiser und seinen Ratgebern unterschätzten Reformation, außen- politisch aber die Konkurrenz Frankreichs sollten das Zeitalter des nicht als Landesherr im Reich verwurzelten Karl pragen. 

Während das Wormser Edikt, mıt dem Karl 1521 Martın Luther in die Reichsacht tat und die Verbreitung seiner Lehre zunächst einzudämmen suchte, und durchsetzbar blieb und zudem die Bauern sich erhoben, wandte sich der Kaiser dem im Hinblick auf die Interessen seines Hauses wichtigeren Krieg mit Frankreich zu. 

Erst mit dem Augsburger Reichstag 1530 und nach der Niederringung seiner äußeren Gegner trat er im Reich wieder auf den Plan. Mittlerweile hatten sich konfessionelle Fronten gebildet, ja, die Kurfürsten schienen sämtlich zur neuen Lehre zu neigen. Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 versuchte Karl die Evangelischen mit Gewalt in die Kirche zurückzuführen, aber bald formierten sich die oppositionelle Kräfte unter der Führung Sachsens, es kam zum Fürstenaufstand 1552 und zum Augsburger Religionsfrieden 1555, der das Nebeneinander des römisch-katholischen und des lutherischen Bekenntnisses im Reich sanktionierte und das Zeitalter der Glaubenskämpfe einläutete. 

War der Urgroßvater Karls V., Kaiser Friedrich III. (1439-1493), 1452 als erster und einziger Habsburger in Rom gekrönt worden, so erhielt Karl als letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches die Krone vom Papst, jedoch nicht in Rom, sondern in Bologna. 

Sein letztendlich gescheitertes Experiment supranationaler Weltherrschaft, eines Dominium mundi" oder der „ Monarchia universalis", dem Rubens in seinem allegorischen Bild Karls V. als Weltherrscher dramatische Gestalt verliehen hat, verdeutlicht wie unser Siegel, daß Karl nicht nur der Herrscher des Aufbruchs in die Neuzeit und der Epoche der Reformation, sondern auch der „letzte Kaiser des Mittelalters" war.

Siegelbild             

Das bekrönte Reichswappen wird von zwei Fabeltieren gehalten. 
Im Feld verteilt die Wappen der österreichischen Erblande. Unten das herabhängende Fell (Vlies) des Ordens vom goldenen Vlies. Das Bild ist umgeben von der doppelreihigen Beschreibung der Habsburger Besitzungen.

Zusatzino

Maximilian I., den viele den letzten Ritter nannten, erweiterte den Herrschaftsbereich eigentlich in der gleichen Weise wie sein Vater, durch dynastische Verbindungen. Nach seiner Heirat mit Maria von Burgund, die er übrigens wirklich liebte, musste er sich immer wieder der Angriffe der Franzosen wehren, die nicht dulden wollten, daß Maximilian neben den Niederlanden und Flandern auch Burgund, Artois und andere Länder in der Hand behielt. 
Nach einem militärischen Sieg Maximilians 1479 über Ludwig XI. konnte er wenigstens die Niederlande und Flandern im Frieden von Arras behaupten.

Umschrift                

*SIGILLUM MAXIMILIANI DEI GRA RO REGIS SEMPER AUGUSTI ARCHIDVCIS AVSTRIE DVCIS BVRG BRABAN STIRIE CARINTHIE KARNIOLE LVXEMB ET GELDRIE COMITIS FLANDRIE TIROLIS PALATINI HANONIE HOLLAN LANTGRAVI ELSACIE SACRI IMPERI MARCHIOIS DOMINQ FRIS*

 

Übersetzung              

*Siegel Maximilians von Gottes Gnaden König, allzeit Augustus, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burg, Brabant Steiermark, Kärnten, Krain, Luxemburg und Geldern, Graf von Flandern, Tirol, der Pfalz und Holland, Landgraf des Elsaß, des Heiligen (röm.) Reiches, Markgraf und Herr von Friesland*

Umschrift                

KAROLVS ROMA- NOR(VM) I(M)PERATOR REX HISPA(NIARVM) VTRIVSQ(VE) CICIL(IE) ARCH(IDVX) A(VSTRIE) DVX BVRG(VNDIE)

 

 

 

Übersetzung

Karl, Kaiser der Römer, König von Spanien und beider Sizilien, Erzherzog von Österreich, 

Herzog von Burgund) 


 

Siegelbild             

Der König sitzt in reich verzierter Greifen-Nische. Über ihn halten im Gesims zwei Greifen das bekrönte Adlerwappen des Reiches. Links oben hält ein Engel den Schild mit den Wappen von Alt- und Neuungarn, rechts oben das von Böhmen. Links unten hält ein Engel das Wappen von Spanien und Sizilien, rechts das von Dalmatien. Unten zu des Kaisers Füßen ist das mit dem Herzogshut bedeckte Wappen von Österreich und Burgund angebracht. Der König sitzt in reich verzierten Gewändern mit Reichsapfel und Zepter und blickt halblinks. 
Die Rückseite zeigt den Adler des Reiches mit den übrigen Länderwappen.

Zusatzinfo

Ferdinand I., Bruder Kals V., unter dessen Regierung Martin Luther seine kirchlichen Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, wurde als Sohn Philipps des Schönen in Madrid geboren.

Nach dem Tode ihres Grossvaters Maximilans I. teilten sich Karl V. und Ferdinand die Herrschaft ihrer Erblande. Ferdinand erhielt die österreichischen Erblande, Elsaß, Tirol und Württemberg.

Nach Karls V. Kaiserkrönung 1531 wurde Ferdinand deutscher König, nach dessen Abdankung 1556 römischer Kaiser. Die von Maximilian I. eingefädelte Doppelhochzeit Ferdinands mit Anna von Böhmen und Ungarn und seiner Schwester Maria mit König Ludwig II. von Ungarn hatte bald welthistorische Konsequenzen. 1526 starb König Ludwig II. bei der Schlacht von Mohács gegen die Türken. Ferdinand nahm als durch die Heirat rechtmäßiger Erbe die Kronen von Böhmen, Ungarn und Dalmatien an. 
Die von Ungarn brachte ihm allerdings zunächst keine Freude. Als Gegenkönig liess sich Johann Zápolya wählen. In der Bedrängnis aber gegen die türkischen Osmanen mussten beide ihre Ansprüche zurückstecken. 1529 erschienen die Türken erstmals vor Wien, und es sollte noch 150 Jahre dauern, bis sie endgültig zurückgeschlagen werden konnten. Folge der neuen Herrschaft war für Ferdinand die Erlassung einer Hofstaatsordnung, die bis 1848 Bestand haben sollte. 
Sie sah vor: die Schaffung des Geheimen Rates für auswärtige Politik, des Hofrates als Justizbehörde, der Hofkammer für die Finanzen, des Hofkriegsrates für die Landesverteidigung und die Errichtung der Hofkanzlei. Als überzeugter Katholik eröffnete Ferdinand in Österreich die Gegenreformation, indem er die Jesuiten ins Land holte. Zugleich aber war er als Vermittler beim Zustandekom- men des Augsburger Religionsfriedens 1555 tätig. 
Seine kirchlichen Reformvorschläge als Kaiser auf dem Tridentinum, dem grossen Konzil von Trient, trafen allerdings auf taube Ohren. 
1562 setzte er die Wahl seines Sohnes Maximilian II. zum römisch- deutschen König durch, nachdem er ihn, der dem Protestantismus zuneigte, auf die alte Lehre ver- pflichtete. 1564 starb Ferdinand, im Schatten Karls V.

Das königliche Majestätssiegel in der Eigenschaft als Siegel auch für Ungarn weist alle Wappen der neuen Doppelmonarchie auf. Es stellt die ausgeprägteste Form vom Thronbildtypus dar.

Umschrift                            

*FERDINANDVS DEI FAVENTE CLEMENTIa ROM(ANORVM) REX SEMPER AVGVSTVS AC GERMANIE HVNGARIE BOEMIE DALMATIEI CROATIE BOSNIET LODOMERIE BVLGARIE SCLAVONIE RAME SERVIEQVE Revers: REX INFANS HISPANIE ARCHIDVX AVSTRIE DVX BVRGVNDIE MARCHIO MORAVI  ETC(ETERA) DVX SILESIE WIRTEMBERGE  E(T C(ETERA) COMES HABSPVRGI FLANDRIE  TIROLIS E(T) C(ETERA*

 

Übersetzung               

*Ferdinand, durch Gottes Gnade und Milde römischer König, Mehrer des Reiches und Germaniens, Ungarns, Böhmens, Dalmatiens, Kroatiens, Bosniens und Lodomeriens, Bulgariens, Slawoniens, Ramas und Serbiens König, Infans von Spanien, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Markgraf von Mähren usw. ,Herzog von Schlesien, Württemberg usw., Graf von Habsburg, Flandern, Tirol usw.*

Maximillian II. von Habsburg 
1564

Rudolf II. von Habsburg 
1578

Maximillian II. von Habsburg 
1564 rotes siegel

Titel              Kaiser
Name           Maximilian II. von Habsburg   1564 – 1576


Legende                                           

geboren   31.Juni 1527 in Wien
gestorben   12.Oktober 1576 in Regensburg

Grabstätte Prag, Veitsdom


Typ     sigillium duplex für Ungarn, Kaiserzeit
Datierung             1564
Gewicht
Durchmesser       130 mm
Stärke
Form                       rund
Material                Wachs

Titel       Kaiser
Name    Rudolf II. von Habsburg      

1576-1612


Legende                             

geboren   18. Juli 1552  Wien
gestorben   20. Januar 1612  Prag 

Grabstätte  Prag, Veitsdom


Typ    Grosses Kaisersiegel (Reichshofkanzlei)
Datierung                           1578
Gewicht
Durchmesser                     112 mm
Stärke
Form                                     rund
Material                               Wachs

Titel            König
Name          Ferdinand III. von Habsburg    1637-1657


Legende

geboren  13. Juni 1608  Graz
gestorben        2. April 1657   Wien

Grabstätte Wien, Kaisergruft


Typ          Böhmisches Königssiegel, 

                   Abguss vom Originalsiegel
Datierung                   1634
Gewicht
Durchmesser            105 mm
Stärke
Form                            rund
Material

Siegelbild             

Zwei Greifen mit ausgestreckten Flügeln halten den mit der Kaiserkrone bedeckten und mit volutenartig aufgerollten Bändern verzierten Schild, darauf der Doppeladler mit Heiligenschein, auf der Brust im gespaltenen Schild die Wappen von Österreich und Kastilien; unter den Flügeln der Greifen umgibt ein Kranz gekrönter Wappen den kaiserlichen Doppeladler, von oben rechts Altungarn, Böhmen, Kroatien, Österreich, Steiermark, Tirol, Krain, Altburgund, Slowenien, Dalmatien und Neuungarn; den Hauptschild umschliessen Engel mit Gewinden von Blumen und Früchten; um das ganze ein Laubkranz. 

Zusatzinfo

Der älteste Sohn Maximilians II. und Marias von Spanien erhielt als Spross einer Ehe zwischen den beiden Habsburger Linien seine Erziehung in Wien und später bei seinem Onkel Philipp II. am spanischen Hof. 
1576 folgte er dem Vater in der Kaiserwürde nach, nachdem er bereits zu dessen Lebzeiten 1572 zum ungarischen, 1575 zum böhmischen und römischen König gekrönt worden war. 
Hauptsächlich 1n Böhmen und Ungarn hat Rudolf II. denn auch politische Aktivitäten entfaltet, Hof und Reichsverwaltung verlegte er von Wien nach Prag, wo er als einziger Habsburger ständig auf dem Hradschin residierte. 
Die übrigen Habsburger Erblande, Steiermark und Tirol, waren nach dem Willen Kaiser Ferdinands I. (1558-1564) an Nebenlinien übergegangen, Österreich stand nacheinander unter der Verwaltung von Rudolfs Brüdern, den Erzherzogen Ernst und Matthias. 
Aufgrund des unbeständigen und wenig kraftvollen Charakters Rudolfs ergaben sich besonders beim Problem der Türkenkriege ständig Differenzen im kaiserlichen Hause, eine sinnvolle Koordination der Kräfte unterblieb wegen der Unfähigkeit des Kaisers zur Kooperation, bis sich die Brüder Rudolf und Matthias völlig entzweiten. 
Matthias hat schließlich die Absetzung des Kaisers betrieben, nachdem sich seit 1600 die gesamte Verwandtschaft gegen den unverheirateten und erbenlosen Herrscher, der sich im übrigen wei- gerte, mit seiner Familie die Frage der Nachfolge zu erörtern, verschworen hatte.
Nachdem ihm sogar „seine Böhmen“ die Gefolgschaft aufgekündigt hatten, starb Rudolf II. entthront und als elender Gefangener 1612 auf der Prager Burg. Der zweifache Urenkel Johannas der Wahnsinnigen war sicherlich der sonderbarste aller Habsburger Herrscher. Während Rudolfs II. politische Fähigkeiten und Errungenschaften keine Bewunderung abnötigen und seine Regierung vom Bruderzwist mit seinem Nachfolger Matthias und überhaupt von inneren Auseinandersetzungen im Hause Habsburg überschattet war, hat er auf dem Feld der Kunst und Kultur ohne Zweifel Hervorragendes geleistet. Sein Prager Hof, an den er zahlreiche Künstler und Gelehrte, namentlich Maler, Dichter, Alchimisten, Mathematiker, Uhrmacher und Erfinder zog, war ein kulturelles Zentrum der Zeit. 
Freilich hatte sich Rudolf neben dem Mäzenatentum und der Sammlerleidenschaft für Gemälde und Naturalien auch der schwarzen Magie verschrieben. Scharen von Alchimisten wollten ihm den Stein der Weisen herstellen, und genauso wie seine Neigung zum Okkultismus gab dies Anlass zur Gerüchte- und Legendenbildung, um diese merkwürdige Herrschergestalt.
Das grosse Kaisersiegel Rudolfs II. entspricht in wesentlichen Zügen den entsprechenden Typaren seines Grossvaters Ferdinand I. und seines Vaters Maximilian II. Die Umschrift ist ohne Abkürzungen kunstvoll auf- so dass immer geteilt, ein Sinnabschnitt im Übereinklang mit der Gliederung des Bildes endet und beginnt.

Siegelbild

Unter einem von tordierten Säulen getragenen Bogen oder Baldachin thront der Kaiser im Ornat, die Krone auf dem Haupt, in der Rechten das Zepter, links den Reichsapfel.
er sitzt auf einem mit Quasten verzierten Kissen und stützt seine Füße auf ein eben solches Suppedaneum, hinter ihm hängt ein reichverzierter Teppich herab. zwei Greifen mit ausgebreiteten Schwingen tragen unter dem Bogen der Thronnische den Doppeladler mit Heiligenschein, bedeckt mit der Kaiserkrone. 
ein Adler mit Heiligenschein hält rechts der Thronnische einen gekrönten Wappenschild von Alt- und Neu- Ungarn, ein anderer links den böhmischen Löwen ebenfalls unter der Königskrone; darunter zu beiden Seiten zwei Löwen, die über die gekrönten Schilde von Spanien/Sizilien, quadriert, und Dalmatien wachen, 
zu Füßen des Kaisers schließlich Putten mit dem vom Herzogshut bedeckten, quadrierten Schild Österreichs und Burgunds, darum die Kette des Ordens vom Goldenen Vlies.
 

Zusatzinfo

Dieser Ritterorden, der den Namen von dem hauptsächlichen Ordenszeichen, einem Widderfell hat, verdankt seine Stiftung Herzog Philipp dem Guten von Burgund.
Als Philipp 1429 zu Brügge seine dritte Ehe mit der Prinzessin Isabell von Portugal einging, rief er den Orden vom Goldenen Vlies zu Ehren der Gottesmutter und des Apostels Andreas ins Leben, nach dessen bald darauf zu Lille ergangenen Statuten stets der Herzog von Burgund als Grossmeister fungieren sollte. Aber auch für den Fall, dass das Haus Burgund in männlicher Linie erlöschen sollte, waren Vorkehrungen getroffen. Gegebenenfalls nämlich war der Gemahl der Tochter des letzten Herzogs und Ordenssouveräns als dessen Nachfolger und Grossmeister der Ritter vorgesehen. 
Infolgedessen ging der Orden durch Maximilians I. Vermählung mit der Erbtochter Karls des Kühnen an das Haus Habsburg über, das sich bald in die spanische und österreichische Linie aufspaltete.
Nachdem die Zahl der Ordensritter durch Philipp den Guten ursprünglich auf 31 festgelegt worden war, erhöhte Maximilian diese mit päpstlicher Zustimmung auf 52, und nun konnte das burgundisch- niederländische Vlies recht eigentlich zum vornehmsten Orden der Habsburger werden. Wie sehr das Vlies den Haus- und Staatsorden der Habsburger verkörperte, dokumentiert die Gepflogenheit, daß der Kronprinz schon kraft Geburt Ritter vom Goldenen Vlies wurde, die Erzherzöge indessen erst bei Erreichen der Volljährigkeit.
Als die spanische Linie des Hauses Habsburg im Jahr 1700 ausstarb, waren Existenz und Ansehen des Ordens ernsthaft gefährdet, denn nun beanspruchte der spanische Bourbone Philipp das ehrwürdige Goldene Vlies. Im Spanischen Erbfolgekrieg spalteten sich die Wege der althergebrachten Rittergesellschaft, und fortan fungierte das Vlies nicht nur als höchste österreichische, sondern nach der gegenseitigen Anerkennung im Wiener Frieden auch als höchste spanische Auszeichung. Während der Orden in Österreich nur an Katholiken verliehen werden konnte, zeichnete die spanische Krone auch Protestanten damit aus. 
Seit dem Anfall Burgunds an Österreich unter Maximilian I. führten die Habsburger die Ordenszeichen vom Goldenen Vlies, das ist ein Widderfell an einer aus funkensprühenden Feuersteinen und Feuerstählen komponierten Kette, in ihren Wappen und Siegeln, wofür unser prächtiges Thronsiegel des zweiten Maximilian ein frühes Beispiel ist. Hier hängt die Ordenskette um den herzoglichen Wappenschild des Hauses Österreich/Burgund, sie kann aber auch als feierlicher Schmuck des zentralen Schildes auf den grossen kaiserlichen Wappensiegeln erscheinen.

UMSCHRIFT 

*MAXIMILIANVS II DEI GRATIA ELECTVS ROMANORVM IMPERATOR SEMPE) AVGVSTVSAC GERMANIE HVNGARIE BOHEMIE DALMATIE CROATIE SCLAVONIE RAME SERVIE GALLITIE BOSNE LODOMERIE CVMANIE BVLGARIEQV REX ETC(ETER*
 


Übersetzung 

*Maximillin II. von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches und König von Deutschland, Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Slowenien, Rama, Serbien, Galizien, Bosnien, Lodomerien, Cumanien und Bulgarien usw*

Umschrift                            

*RVDOLPHVS SECVNDVS DEI GRATIA ELECTVS ROMANORVM IMPERATOR SEMPER AVGVSTVS GERMANIAE HINGARIAE BOHEMIAE DALMATIAE CROATIAE SCLAVONIAE ETC(ETERA) REX ARCHIDVX AVSTRIAE DVX BVRGVNDIAE STIRIAE CARINTHIAE CARNIOLAE ET WIRTEMBERGAE ETC(ETERA) CO- MES TYROLIS etc(etera)*

Übersetzung               

*Rudolf der Zweite, von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, allzeit Mehrer des Reiches, König von Deutschland, Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Slowenien usw., Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Steiermark, Kärnten, Krain und Württemberg usw., Graf von Tirol usw.*

Siegelbild

Unter der von geflügelten Putten gehaltenen Königskrone der quadrierte Hauptschild; 
er trägt je zweimal die Wappen Ungarns und Böhmens, der aufgelegte, quadrierte Mittelschild in gespaltenem Feld Österreich und Burgund, in quadriertem Feld jeweils doppelt Kastilien und Leon, wiederum gespalten Aragon und Sizilien, schliesslich Neuburgund und Brabant, in der Spitze Granada, auf dem gespaltenen Herzschild Habsburg und Tirol; um den Hauptschild der Orden vom Goldenen Vlies; fliegende Putten halten sechs weitere mit Herzogs- und Grafenhüten bedeckte Schilde, darauf die Wappen von Mähren, Luxemburg, Oberlausitz, des Fürstentums Görlitz, 
von Niederlausitz und Schlesien; um das ganze ein Laubkranz.

Zusatzinfo

Mit den beiden Ferdinanden“ dem Vater Ferdinand II.  (1619-1637) und dem Sohn Ferdinand III., gelangte nach Ausbruch des Dreißig jährigen Krieges die innerösterreichische Linie des Hauses Habsburg in den Besitz der Krone. Nach den Regierungen des Sonderlings Rudolf und des Kaisers Matthias die von äusserer Bedrängung und im Innern vom Bruderzwist gezeichnet waren, nach dem grossen Türkenkrieg und der habsburgischen Staatskrise brach nun eine neue Epoche in der deutschen Geschichte an. 
Stärker als zuvor richtete sich die Politik der Ferdinande auf die Festigung der Herrschaft in den eigenen Ländern, allmählich entwickelte sich aus dem Schutt des grossen europäischen Krieges eine entschieden katholische, absolutistische Habsburgermonarchie, während gleichzeitig der Zerfall des Heiligen Römischen Reiches einsetzte. Von Jesuiten erzogen, wurde Ferdinand III. bereits 1625 zum König von Ungarn und zwei Jahre später mit der Prager Wenzelskrone gekrönt.
Seine erste verantwortungsvolle politische Aufgabe erhielt der dritte Sohn des gleichnamigen Vaters, 
Thronfolger aufgrund des frühen Todes zweier älterer Brüder, nach der Ermordung des Feldherrn Wallenstein, 
als er zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen berufen wurde. 
Unter seinem Kommando erfocht das österreichische Heer in der Schlacht von Nördlingen 1634 den entscheidenden Sieg über Schweden und Franzosen, der dem Prager Frieden 1635 den Boden bereitete. 
Damit war zwar der grosse Krieg nicht zu Ende, doch die Verhandlungen öffneten den Habsburgern Süddeutschland, führten Kaiser und Reichsstände wieder näher zusammen und stärkten die Position Ferdinands II. Nach der Verständigung mit Kursachsen konnte Ferdinand III. auf dem Regensburger Reichstag 1636, wenige Wochen vor dem Tod des Vaters, zum römischen König gewählt werden, die Thronfolge Habsburgs im Reich war gesichert.
Als Ferdinand III. seine eigenständige Regierung antrat, läutete der Kriegseintritt Frankreichs die heftige Endphase des Dreißigjährigen Krieges ein. König Ludwigs XIII. grosser Staatsmann, Kardinal Richelieu, stellte die französische Politik unter den Leitgedanken, das Haus Habsburg niederzuzwingen. 
Er suchte die Kräfte im Reich gegeneinander auszuspielen, um auf diese Weise dem bourbonischen Frankreich eine hegemoniale Stellung in Europa zu verschaffen. Aufgrund der militärischen Erfolge der Franzosen hatten Kaiser und Reich im Westfälischen Frieden 1648 die Buße an Frankreich zu zahlen. Habsburg verlor sämtliche Besizzungen im Elsaß, die Festung Breisach wurde französisch, neben der Schweiz und Holland schieden die lothringischen Bistümer Metz, Toul und Verdun aus dem Reich aus. Infolge der Veränderung des politischen Gewichts zwischen Kaisertum und Reichsständen durch den Friedensvertrag zerfiel dieses endgültig in eine Vielzahl partikularer Staaten. Von den 35 Typaren Ferdinands III. stammt eine große Zahl vom gleichnamigen Vater, wobei man sich mit geringfügigen Änderungen der Umschrift begnügen konnte. Anders verhält es sich mit dem vorliegenden böhmischen Königssiegel. Der erhaltene silberne Stempel trägt auf der Rückseite das Datum (seiner Anfertigung) 1634, im Jahr der Schlacht von Nördlingen, und ist eigens für Ferdinand gearbeitet worden.

Umschrift                 

*FERDINANDVS II DEI GRATIA HVNGARIAE BOHEMIAEQUE REX ARCHIDVX AVSTRIAE DVX   BVRGVNDIAE MARCHIO MORAVIAE LVCEMBVRGI AC SILESLAE DVX MARCHIO LVSATIAE ET C(ETERA)*

 

 

 

Übersetzung               *

Ferdinand III., von Gottes Gnaden König von Ungarn und Böhmen, Erzherzog von Osterreich, Herzog von Burgund, Markgraf von Mähren, Herzog von Luxemburg, Schlesien, Markgraf der Lausitz usw.*

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