Das Jahr 1400 - 1499
alle hier zu sehenden Siegelabdrücke sind in meinem Besitz
Ruprecht von der Pfalz
1401
Jobst von Mähren
1410
Sigismund von Luxemburg
1435



Titel König Siegelträger Ruprecht von der Pfalz 1400 – 1410
Legende
geboren 5. Juni 1352 Amberg/Oberpfalz gestorben 18. Mai.1410 auf Burg Landskron Grabstätte Heiliggeistkirche Heidelberg
Typ Königssiegel
Datierung 1401
Gewicht
Durchmesser 105 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel König
Siegelträger Jobst von Mähren 1410-1411
Legende
geboren 1354
gestorben 18. Januar 1411 in Brno
Grabstätte Brno, Thomaskirche
Typ Königssiegel
Datierung 1410/1411
Gewicht
Durchmesser 37 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel Kaiser
Name Sigismund von Luxemburg 1411-1437
Legende
geboren 15. Februar 1368 Nürnberg
gestorben 9. Dezember 1437 in Znaim
Grabstätte Großwardein /Ungarn, Dom
Typ Hofgerichtssiegel
Datierung 1435
Gewicht
Durchmesser 93 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Zusatzinfo
Ruprechts Königtum stand im Zeichen des grossen kirchlichen Schismas, das unter ihm auf Deutschland übergriff. Zwei und schliesslich gar drei Päpste erhoben nun den Anspruch, bei der Königswahl mitzureden; eine in päpstliche Anhängerschaften, sogenannte Obödienzen gespaltene Kirche gewann zunehmend Einfluss auf die Politik.
Die Kurfürsten und die Reichsstände nahmen mittlerweile nicht nur Einfluss auf die Wahl des deutschen Königs, sondern leiteten aus ihren traditionellen Rechten obendrein Ansprüche auf Teilhabe an der Herrschaft und vor allem das Recht zur Absetzung des Herrschers.
In Italien liessen mächtige Partikulargewalten, die konkurrierenden Städte vor allem, eine Königspolitik alten Stiles nicht mehr zu. Der Sohn des wittelsbachischen Pfalzgrafen Ruprecht II. gelangte auf den deutschen Thron, als die vier rheinischen kurfürsten 1399 in oberlahnstein den regierenden Luxemburger Wenzel wegen Unfä- higkeit absetzten und an seiner statt den Pfälzer wählten.
Dies war die Folge einer schon Jahre zuvor getroffenen Vereinbarung zwischen den durch die Luxemburger vom Thron verdrängten, untereinander versippten Wittelsbacher und Nassauer, welche die Wiedergewinnung des Königtums zum Ziel hatte. Wenngleich Ruprecht ein gestandener Landesfürst war, der von der Wiederherstellung des alten Reiches träumte, So erwiesen sich die Grundlagen seiner Königsherrschaft bald als zu schwach, um solche hochfliegenden Pläne in die Tat umzusetzen. Gelang ihm erst nach monatelangem Königslager vor Frankfurt der Einzug 1n die Wahlstadt, so blieb ihm Aachen zunächst ganz verschlossen und er musste mit einer Krönung in Köln vorlieb nehmen.
Ausserdem liess die Approbation des Papstes auf sich warten, und gleich das erste grosse Unternehmen des Königs, ein Romzug 1401/2, brachte weder die Wiederherstellung des italienischen Reichs noch die erhoffte Kaiserkrone, sondern blieb schon in der Lombardei stecken.
Nachdem die meisten Anhänger des Königs das Heer verlassen hatten und dann auch noch die florentinischen Hilfsgelder versiegten, sah sich Ruprecht gezwungen, nach der Überwinterung 11 Padua einen kläglichen Rückzug nach München anzutreten. In der Heimat war derweil immer noch der gestürzte König Wenzel aktiv, der seinerseits auf eine günstige Gelegenheit für einen Italienzug wartete. Doch wendete sich die Lage überraschend, als Wenzel mit seinem em Bruder Siegmund, dem späteren König, übers Kreuz geriet und fürs erste ausgeschaltet wurde.
1403 erlangte Ruprecht die Approbation des römischen Papstes Bonifaz IX., was ihn auf die römische Obödienz verpflichtete, sah sich jedoch wenig später mit dem Marbacher Bund konfrontiert, den Städte und Dynasten zur Wahrung ihrer Interessen geschlossen hatten gegen einen König, der ihnen im Gegensatz zu Wenzel wiederum mit zu starker Hand zu regieren schien. Als sich Herzog Heinrich von Geldern Ruprecht anschloss, konnte der Pfälzer 1407 endlich den Aachener Thron besteigen. Über das angesichts des Schismas zentrale Feld der Kirchenpolitik verlor Ruprecht während der letzten Jahre seiner Regierung die Kontrolle.
Es waren andere Kräfte, welche das Konzil zu Pisa 1409 zusammenriefen, das den Auftakt zum Zeitalter der Konzilien und zur Überwindung der Kirchenspaltung gab.
Wenn Ruprecht als König sicherlich keine bedeutende Figur war, So konnte er als Landesfürst beachtliche Erfolge verbuchen. Seinem Haus erwarb er unter anderem die Reichslandvogteien Ortenau und Elsaß, eine vorteilhafte Ergänzung zu den Rheinzöllen, die von jeher die wirtschaftliche Grundlage der kurpfälzischen Herrschaft gebildet hatten.
In der pfalzgräflichen Residenzstadt Heidelberg erinnern der Ruprechtsbau des alten Schlosses, die 1386 gegründete Universität und die Heiliggeistkirche mit der prächtigen Grabplatte des Königs und seiner Gemahlin an Ruprechts Wirken.
Siegelbild
Ein nach rechts sehender Adler steht frei im Bildfeld
Siegelbild
Der König sitzt auf einem reich verzierten Thron, den Reichsapfel in der ausgestreckten Linken, das Lilienzepter in der Rechten; die Füße stützt der Herrscher auf einen Schemel, unter welchem ein Hund wacht;
über gegenständigen Löwen zwei Schilde, der rechte mit einköpfigem Adler steht für das Reich, der linke,
quadriert, trägt mit den Pfälzer Löwen und den bayerischen Rauten die Zeichen von Ruprechts Ämtern als Pfalzgraf
bei Rhein und Herzog von Bayern.
Umschrift
*RUPERTUS DIUINA FAUTENTE CLEMENCIA ROMANORUM REX SEMPER AUGUSTUS*
Übersetzung
*Rupert durch die Gnade und Milde Gottes König der Römer Mehrer des Reiches*
Umschrift
SIGILLUM IODOCUS DEI GRACIA ROMANORUM REX SEMPER AVGVSTVS
Übersetzung
*. *
Zusatzinfo
Jobst oder Jodocus, als Sohn des Markgrafen Johann Heinrich von Mähren ein Spross des Hauses Luxemburg und Neffe Kaiser Karls IV., trug gemeinsam mit seinem Bruder Prokop die reiche Markgrafschaft Mähren zu Lehen.
Für die Unterstützung seiner Vettern König Wenzel und des späteren Kaisers Siegmund liess sich der ergeizige Markgraf im Gegenzug von Wenzel das Herzogtum Luxemburg und von Siegmund die Mark Brandenburg verpfänden.
1397 sah sich Wenzel sogar gezwungen, den mährischen Vetter mit der Mark Brandenburg zu belehnen, denn er war durch einen böhmischen Adelsaufstand, an dessen Spitze auch Jobst fungiert hatte, arg in Bedrängnis geraten.
Dadurch gelang Jobst der Eintritt in das Kurkolleg. Am Sturz Wenzels durch die rheinischen Kurfürsten hatte er zwar keinen entscheidenden Anteil, aber er unterstützte dessen Nachfolger Ruprecht von der Pfalz.
Nach dem Tode Ruprechts wurde er am 1. Oktober 1410 mit den fünf Kurstimmen von Köln, Mainz, Sachsen, Brandenburg und Böhmen zum deutschen König gewählt.
Da der reiche Luxemburger bereits im Januar des folgenden Jahres starb, kam es nicht mehr zur Krönung in Aachen.
Der äußerst kurz bemessenen Zeitspanne von vier Monaten, die Jobst von Mähren als erwählter, jedoch noch nicht gekrönter König amtierte, entspricht der geringfügige Bestand überlieferter Siegelabdrücke des Luxemburgers.
Ein königliches Thronsiegel ist nicht darunter. Auch unser Siegel liegt nicht mehr als OriginalAbdruck vor, sondern als nur Gipsabguss unbekannter Provenienz. Es handelt sich um ein sehr kleines Stück, das nach Grösse und Gestaltung nicht das gewöhnliche Königssiegel oder Thronsiegel Jobsts gewesen sein kann.
Es gehört offenbar in eine andere Kategorie mittelalterlicher Siegel: zu den Rück- oder Sekretsiegeln.
Beide Siegelsorten haben miteinander zu tun.
Als nach eng ihrer Herkunft erster deutscher König verwendete Rudolf I. von Habsburg (1273-1291) ein Sigillum secretum auf der Rückseite des königlichen Thronsiegels, während der private Gebrauch von Secreta schon längst gang und gäbe war.
Der Sinn von Rücksiegeln hingegen lag vor allem in der Sicherung der Besiegelung königlicher Diplome vor Entfernung und Missbrauch. Ob das Wachs nun mittels eines kreuzförmigen Einschnitts im Pergament auf der Urkunde angebracht oder mithilfe einer Schnur befestigt war die Einprägung eines weiteren Abdrucks auf der Rückseite erschwerte jedenfalls eine spurenlose Entnahme des Siegels und seine Weiterverwendung, schützte also vor Fälschung und schränkte die vielgeübte Praxis, an einem gefälschten Diplom ein echtes Siegel anzubringen, erheblich ein. Demgegenüber diente das Secretum von Haus aus nicht der zusätzlichen Sicherung und Beglaubigung von Urkunden, sondern – wie schon der lateinische Name sagt zum Verschliessen vertraulicher Schreiben.
Tatsächlich wurde es in der spätmittelalterlichen Königskanzlei wie im privaten Bereich häufig für Kanzleisachen und Briefe verwendet.
Zur Zeit Kaiser Heinrichs VII. (1308-1313) bildete sich infolge der zunehmenden Verwendung des Secretums als selbständiges Geschäftssiegel ein gesondertes königliches Rücksiegel heraus, und das Secretum wurde seither kaum mehr in dieser Funktion gebraucht. Anhand der Inschrift sind die beiden Arten dann meist zu unterscheiden.
Sie lautete beim Rücksiegel, wenn überhaupt vorhanden, etwa: iuste + iudicate + filii + hominum (so ein Rücksiegel Karls IV. von 1371), während beim Secretum wegen des Einsatzes als Geschäftssiegel eine auf Rang und Namen des Siegelführers hinweisende Umschrift erforderlich war.
Eine solche trägt unser Stück. Schon auf dem ältesten erhaltenen Königssekret Rudolfs I. prangte der Adler im Bildfeld, zu deuten wohl als Symbol für das Reich, der geradezu zum Markenzeichen des Königssekrets wurde. Später hat man dieses Siegelbild in vielfältiger Weise, etwa mit Wappenschilden, ausgestaltet, wobei aber der Adler stets das hauptsächliche Sujet blieb. Unser Siegel dürfte wohl als Sekret des erwählten Königs Jobst anzusprechen sein.
Siegelbild
Der König als Halbfigur en face, langbärtig, mit wallendem Haar unter der Laubkrone und im Mantel; in der Linken hält er ein Laubzepter, in der Rechten quer ein Schwert, welches das Siegelfeld durchbricht und in die Umschrift ragt;
das fast vollständig von Sigismund ausgefüllte Siegelfeld ist gegittert und mit Sternen besät.
Umschrift
*Sigillum imperialis iudicii curie Sigismundi diuina fauente clemencia Romanorum Imperatoris semper augusti ac hungarie Bohemie dalmacie croacie etc(etera) Regis*
Übersetzung
*Siegel des kaiserlichen Hofgerichts Sigismunds, durch Gottes Gnade und Milde Kaisers der Römer, allzeit Mehrers des Reiches, und Königs von Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien usw.*
Zusatzinfo
Nach dem Tode Ruprechts von der Pfalz kam es im Spätjahr 1410 zu einer Doppelwahl im Reich. Während der Bruder des 1399 abgesetzten, indessen noch lebenden Königs Wenzel, Sigismund von Ungarn, die Stimmen von Trier und Pfalz auf sich vereinigen konnte, wählten die anderen Kurfürsten mit Wenzels Hilfe einen Vetter der beiden, den Markgrafen Jobst von Mähren. Jobst freilich verstarb ungekrönt im Januar 1411, und damit war die Bahn frei für eine Neuwahl, die Sigismund in den Besitz sämtlicher Kurstimmen und mit ihm den letzten Luxemburger auf den Thron brachte. Schon bald gestattete die politische Konstellation in Italien dem König, energisch auf die Lösung des grossen Schismas hinzuwirken. Er überliess es nicht den Kardinälen und den Anhängern von mittlerweile drei Päpsten, nach dem Scheitern der Kirchenversammlung von Pisa 1409 erneut ein Konzil einzuberufen, sondern nahm sich selbst mit grosser Tatkraft dieser Angelegenheit an. Im Bündnis mit dem römischen Papst Johannes XXIII., der anderweitig auf Sigismunds Hilfe angewiesen war, setzte der König Konstanz als Ort des Generalkonzils fest, und durch diplomatisches Geschick und zähe Verhandlungen gelang es ihm, in der Reichsstadt am Bodensee unter sei- ner Führung zwei Päpste mit ihren Obödienzen zu versammeln, während die Gefolgschaft des dritten allmählich abzubröckeln begann. Damit war dem Konzil, das im Verlauf der folgenden vier Jahre die Frage der kirchlichen Einheit und Erneuerung sowie des Reformators Hus zu lösen sich vorgenommen hatte, wenigstens allgemeine Geltung beschieden. Während zwar die Kirchenspaltung durch die Absetzung der alten Papste und die unumstrittene Wahl Martins V. vorerst überwunden werden konnte, geriet die Verdammung und Verbrennung des Jan Hus, wenig später auch seines glühendsten Anhängers, des Hieronymus von Prag, zum Fanal, das den Sturm der Hussitenkriege entfesselte. Die angesichts dieser Vorboten der Reformation dringend notwendige Erneuerung der Kirche an Haupt und Gliedern schliesslich wurde gar auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Kriegszüge der Hussiten, der Anhänger des böhmischen Reformators, vor allem in Sigismunds Erblanden banden nun dem König auf Jahre hinaus die Hände, bis er 1431 den schon lange gehegten Plan, die Kaiserkrone zu erwerben, in Angriff nehmen konnte. 1433 erreichte Sigismund seine Krönung in Rom, die erste seit zwei Jahrhunderten, die ein Papst vornahm. In Basel war mittlerweile nochmals ein Generalkonzil in Sachen der inneren Kirchenreform zusammengetreten; auch die Wiedervereingung der römischen mit der orthodoxen Kirche wurde angestrebt. Aber der der unvermittelte Zusammenprall der konziliaren Idee mit dem Amtsverständnis des neuen Papstes Eugen IV. trieb die Versammlung nach jahrelang sich hinschleppen- den Verhandlungen unverrichteter Dinge wieder auseinander und bewirkte eine erneute Spaltung der Kirche. Sigismund hat zwar am Basler Konzil Anteil genommen, es gelang ihm aber nicht, das Scheitern zu verhindern. Begraben sein wollte Sigismund, der zu den schillerndsten Herrschergestalten des späten Mittelalters zählt, bei den alten Ungarnkönigen 10 Großwardein; das Epitaph umreisst in kurzen Worten, was der Kaiser selbst als seine wesentliche Leistung empfand:
Nachdem drei Päpste verworfen wurden, habe ich einen erhoben und die Welt von dem tödlichen Übel des Schismas befreit.
Hofgerichtssiegel begegnen seit 1236. Von den Majestätssiegeln der Herrscher scheidet sie eine besondere Ikonographie, ein eigener Bildtyp.
Als Zeichen seiner Hochgerichtsbarkeit hält der König statt oder neben den anderen Insignien ein Schwert in der Rechten. Dafür ist Sigismunds Hofgerichtssiegel, auf dem der Sohn Kaiser Karls IV. als stattlicher und stolzer Mann erscheint wie sonst in den Bildnissen seiner Zeit, ein schönes Beispiel.
Albrecht II. von Habsburg 1438
Friedrich III. von Habsburg
1442



Titel König
Siegelträger Albrecht II. von Habsburg
Legende
geboren 1397 in Wien
gestorben 27.20.1439 in Neszmély bei Esztergom
Grabstätte Dom zu Székesfehérv
Typ Königssiegel
Datierung 1438
Gewicht
Durchmesser 112 mm
Stärke
Form rund
Material Wachs
Titel Kaiser
Siegelträger Friedrich III. von Habsburg
Legende
geboren 21.September 1415 Innsbruck
gestorben 19.August 1493 Linz
Grabstätte Wien, Stephansdom
Typ großes Thronsiegel
Datierung 1442
Gewicht
Durchmesser
Stärke
Form rund
Material Bronze
Titel
Siegelträger
Legende
Typ
Datierung
Gewicht
Durchmesser
Stärke
Form
Material
Zusatzinfo
Mit Herzog Albrecht V. beginnt die fast ununterbrochene, über dreihundertjährige Reihe deutscher Könige und Kaiser aus dem Hause Habsburg. Kaiser Sigismund von Luxemburg, sein Vorgänger, hatte Albrecht 1422 seine Tochter Elisabeth, die präsumptive Alleinerbin Böhmens und Ungarns, zur Gemahlin gegeben. So war Albrecht nach seiner freilich umstrittenen und auf Opposition gestoßenen Krönung in diesen bei- den Ländern, die er auch aufgrund der alten luxemburgisch-habsburgischen Erbeinigung unter Karl IV. beanspruchte, der Thron im Reich so gut wie sicher. Seine Wahl in Frankfurt Anfang 1438 nahm er erst nach einigem Zögern an, wahrscheinlich unter Ausbedingung einer längeren Frist bis zur Krönung in Aachen. Schwer beurteilbar ist Albrechts II. Regierung vor allem wegen der kurzen Zeit, die ihm bemessen war. Persönlich ist er auf den Reichstagen nie erschienen; dennoch hat er einen neuerlichen Anlauf hinsichtlich der von seinen Vorgängern immer wie- der vertagten Reichsreform unternommen. Die Fürsten andererseits wollten vor allem ein Mitspracherecht bei der königlichen Regierung und die Mediatisierung der reichsunmittelbaren Städte erreichen. Auf zwei Reichstagen legten Fürsten wie König entsprechende Entwürfe vor, die Einigung scheiterte aber an der Furcht der Stände vor einer Kreiseinteilung des Reiches mit Hauptleuten an der Spitze. So verlief Albrechts Vorhaben im Sande und die Reichsreform rückte abermals in weite Ferne. Im Vordergrund stand für den König aber die Erhaltung und Stärkung seiner Hausmacht, denn in den Jahrzehnten vor der Wahl Albrechts II. hatte sich das Haus Habsburg in mehrere Linien aufgespalten, und es war eine entsprechende Teilung der Länder eingetreten. Aber bevor er den Kampf um die Anerkennung sei- nes Königtums in Böhmen für sich entscheiden konnte, rief ihn ein Türkeneinfall nach Siebenbürgen. In der ungarischen Theißniederung erkrankte der König an der Ruhr und fand ein vorzeitiges Ende. Erst nach dem Tod des Gatten brachte Elisabeth einen Sohn, Ladislaus Postumus, zur Welt, mit dem die albertinische Linie bald erlosch. Die Herrschaft im Haus Habsburg und im Reich ging deshalb über an Friedrich III. (1440-1493) aus der leopoldinischen Linie. Albrechts Siegel zählt zu den großen und überreich gestalteten Herrscher- siegeln vom Thronbildtypus, die charakteristisch für die Epoche des ausgehenden Mittelalters sind, schon bald jedoch mehr und mehr von reinen Wappensiegeln verdrängt werden sollten. Während der thronende König Ruprecht (1400-1410) beispielsweise noch in dem von der Umschrift gerahmten Bildfeld verharrt, welches freilich seinerseits völlig ausgefüllt ist, sprengt nun das nahezu vollplastisch gestaltete Throngehäuse deren Grenzen und wächst darüber hinaus. Thron und Baldachin verschmelzen zur Nische, ausgeformt als feingliedrige, spätgotische Architektur, die nicht nur den König aufnimmt, sondern auch zahl- reiche Rahmen zur Anbringung von Wappen und Ordenszeichen bereit- hält. Die Freude am Detail und an der überbordenden Füllung entspricht allgemeinen Tendenzen der spätmittelalterlichen Kunst und dem Zeitgeschmack.
Siegelbild
Der Kaiser thront in einem um die Sitzbank gebauten gotischen Gehäuse.
Die Wappen seiner Herrschaft hängen an verschiedenen Stellen des Gehäuses und daneben.
In Brusthöhe wird er flankiert von den Schilden des Reiches mit dem doppelköpfigen Adler und dem Bindenschild Österreichs. Der König trägt in seiner Rechten das Lilienzepter, in der Linken den Reichsapfel.
Zu seinen Füßen ist eingedruckt der Abdruck eines persönlichen Ringsiegels des Kaisers.
Der Eindruck ist achteckig. Abgebildet sind darauf das gekrönte Wappen des Reiches und die Wappen von Österreich und Steiermark. Um die Wappen herum erscheinen die Buchstaben A BI O U. Oben die Initialen F H.
Siegelbild
Der König sitzt auf einem reichgeschmückten Thron , auf dem Haupt die Bügelkrone, in der rechten das Zepter, in der Linken den Reichsapfel; gekleidet ist er in Tunika und Mantel mit Stola, der vor der Brust durch ein breites besticktes Band mit Spangen zusammengehalten wird; in reichlichem Faltenwurf fällt das Gewand über die Füße, die der König auf ein geschwungenes und ebenfalls architektonisch durchgeformtes Suppedaneum stützt, zur Rechten sucht die Faltenpracht Raum auf der Thronbank; über ihm wölbt sich ein Baldachin auf Stützen, außen unter Filialen zwei Figuren mit unleserlichen Schriftbändern; sechs Löwen -
der Löwe ist ja Wappentier der Habsburger halten die Wappenschilde, oben in den spitzbogigen seitlichen Nischen des Baldachins mittels einer Schnur durchs Maul, sonst in den Pranken: heraldisch rechts des königlichen Hauptes den Reichsadler, links Altungarn, auf den seitlichen Säulenbündeln Böhmen und Dalmatien und in der Rundbogennischen zu Füßen des Königs Altösterreich und Luxemburg; der österreichische Bindenschild ganz unten in der Mitte.
Umschrift
ALBERT(VS) DEI GR(ACI)A ROMANOR(VM) REX SEMP(ER) AVG(VS)T(V)S AC HVNGARIE BOEMIE DALMA- CIE CROACIE RAME SERVIE GALICIE LODOMERIE COMA- NIE BVLGARIE REX AVSTRIE ET LVCEMB(VRG)EN(SIS) DVX
Übersetzung
Albrecht, von Gottes Gnaden König der Römer, allzeit Mehrer des Reiches, und König von Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Rama,
Serbien, Galizien, Lodomerien, Commenien und Bulgarien, Herzog von Österreich und
Luxemburg)
Umschrift
*SIGILLVM MAIESTATIS FRIDERICI DEI GRATIA ROMANORUM REGIS SEMPER AUGUSTI DUCIS AUSTRIE STIRIE KARINTHE ET CARNIOLE COMITISQUE TIROLIS ETC.*
und auf dem Band zu den Füssen des Throns: *QUI NATUS EST IN DE MATHIE AP AN. DNI. MCCCCXV*
Übersetzung
*Das Siegel der Majestät Friedrichs, von Gottes Gnaden des Königs der Römer, allzeit Kaiser, des Herzogs von Österreich, der Steiermark, Kärnthens und Krains und der Grafschaft Tirol etc*
Zusatzinfo
Friedrich III. der 53 Jahre lang regierte, war zweifellos kein sehr energischer Herrscher. Doch trotz seines berüchtigten Phlegmas wurden unter seiner Herrschaft die Grundlagen für vieles gelegt, was noch über die Jahrhunderte die Weltpolitik bestimmte. Weltpolitik bestimmte. In die Kirchen- fragen mischte sich Friedrich schon 1448 entscheidend ein. Seit 1441 tagte das Basler Konzil, das wichtige kirchliche Punkte in oberster Instanz entscheiden wollte. Papst Eugen IV. nannte das Konzil unrechtmäßig, worauf er selbst von den Mitgliedern des Konzils für abgesetzt erklärt und ein Gegenpapst (Felix) gewählt wurde. Friedrich nun stellte sich auf die Seite Eugens. Im Wiener Konkordat von 1448 regelte er zusammen mit den Reichsfürsten die Beziehungen der deutschen Kirche zu Rom, die so bis zum Ende des alten Reiches 1806 Bestand hatten.
Die Streitfrage, ob Konzilien über dem Papst stehen, wurde zugunsten des Papstes entschieden und damit das Ende jeder Kirchenreform aus sich heraus besiegelt. Die Gegenleistung des Papstes war die 1452 erfolgte Kaiserkrönung, die letzte überhaupt in Rom. Militärisch mißriet Friedrich nahezu alles, was er unternahm. 1443 versuchte er mit Hilfe einer berüchtigten französischen Söldnerbande, den sogenannten Armagnacs, den Aargau, das an die schweizerischen Eidgenossen verlorene Habsburger Stammland zurück zugewinnen. Das mißlang, und als Friedrich wegen des Einsatzes der Truppen von den Reichsfürsten 1444 auf dem Reichstag zu Nürnberg gerügt wurde, verließ er gekränkt den Reichstag und betrat bis 1471 nicht mehr deutschen Boden. In anderen Kämpfen ging Böhmen an Georg Podiebrad und Ungarn an Matthias Corvinus verloren.
1486 vertrieb Matthias Corvinus sogar Friedrich III. aus Wien und hielt sich dort bis zu seinem Tode 1490.
Erst dann konnte Friedrich wieder dorthin zurückkehren. Mit zwei Ereignissen aber konnte Friedrich III. noch die Geschicke der Welt entscheidend beeinflussen: Er bestätigte ausdrücklich das sogenannte „privilegiuem maius“,
eine gefälschte Urkunde angeblich von Kaiser Heinrich IV.,
die dem Habsburger geschlecht eine Sonderstellung einräumt,
die Rangerhöhung Erzherzögen zu vorsieht und die Unteilbarkeit des Landes forderte. Zweitens verlobte er seinen Sohn Maximilian mit Maria von Burgund, der Alleinerbin des Burgunderreiches und Tochter Karls des Kühnen. Als dieser 1477 starb, fielen die Niederlande, Luxemburg, Lothringen und Elsaß an Habsburg.
Diese Ehe war der Grundstein zur Habsburg-Österreichischen Weltmacht.
Hier soll der Spruch gefallen sein
„alias bella gerunt et tu, felix Austria, nube!"*
"Andere mögen Kriege führen, Du, glückliches Österreich, heirate!'').
Auch in seinem Siegel ließ Friedrich III. erkennen, wie er seine Weltstellung
einschätzte: Der Siegelring, dessen Eindruck die persönliche Beteiligung des Kaisers an dem Rechtsgeschäft zeigen sollte, trug außer den Initialen F H (Friedrich, Herzog oder Habsburg) die Buchstabenkombination A EIOU, die wohl entweder bedeutet ,,Austriae est imperare orbi universo" oder „Austria erit in orbe ultimo", was beides soviel bedeutet wie ,,Alles Erdreich ist Österreich untertan'.
Mit Friedrich III. endet die Reihe der Siegel vom Throntypus.
Maximilian wird der Mann, der das Portraitsiegel durch das reine Wappensiegel ersetzt.
Frid macht reichtum, reichtum macht hochfart, hochfart macht unainigung, unainigung macht krieg, krieg macht armut, armut macht diemutigkait, diemutigkait macht macht fried
(Aus dem Notizbuch Friedrichs III )
Siegelbild
Umschrift
Übersetzung
Zusatzinfo