Das Jahr 1300 - 1399

alle hier zu sehenden Siegelabdrücke sind in meinem Besitz

Heinrich VII. von Luxemburg 1310

Friedrich der Schöne
1315

Ludwig IV. der Bayer 
1341

Titel            König
Name        Heinrich VII. von Luxemburg   

1308-1313


Legende                                                         geboren  1274   Valenciennes
gestorben  24. August 1313   Buonconvento bei Siena
Grabstätte   Pisa, Dom


Typ                              Königssiegel
Datierung                  1310
Gewicht
Durchmesser          92 mm
Stärke
Form                            rund 
Material                      Wachs

Titel

Name    Friedrich „der Schöne" von Habsburg 1314-1330)

 

Legende

geboren    * 1289 Wien?

gestorben  † 1330 Gutenstein/Niederösterreich Grabstätte: Kartause Mauerbach bei Wien, 

seit 1789 Wien, St. Stephan, Fürstengruft

 

Typ                          Königssiegel (Thronsiegel)

Datierung             1315

Gewicht

Durchmesser     97 mm

Stärke

Form                       rund

Material

 


 

Titel                   Kaiser
Name                Ludwig IV. der Bayer

 


Legende                                                                geboren        1283    München
gestorben     11.10.1347 

Puch bei Fürstenfeldbruck
Grabstätte, Frauenkirche München


Typ
Datierung               1341
Gewicht
Durchmesser
Stärke
Form                         rund
Material

UMSCHRIFT               

*LVDOVICVSQVAR1 VS DEI GRACIA ROMANORVM IMPERATOR SEMPER AVGVSTVS*
 
Übersetzung               

*Ludwig der Vierte von Gottes Gnaden der Römer Herrscher allzeit Kaiser*

 

Siegelbild                                          

Der Herrscher thront en face auf nicht sichtbarem Stuhl, flankiert von zwei Adlern. Vor seinen Füßen liegen zwei einander zugewandte Löwen. Seine rechte Hand hält ein langes Zepter aufrecht, seine linke den Reichsapfel. Die Umschrift ist mit einfachem Kreis deutlich vom Bildfeld abgesetzt.

 

Umschrift               

*HEINRICVS DEI GRACIA ROMANORVM REX SEMPER AVGVSTVS*

Übersetzung          

*Heinrich, von Gottes Gnaden König der Römer, allzeit Mehrer des Reiches

Zusatzinfo

Heinrich, der Sohn des gleichnamigen Grafen von Lützelburg und Arlon, bestieg den deutschen Thron nach dem Mord von Windisch 1208, als ein unzufriedener Verwandter König Albrecht I. erschlagen hatte. Mit ihm trat das Geschlecht der Luxemburger aus dem territorial zersplitterten und stark an Frankreich gebundenen, äussersten Westen des Reiches in die Reihe der königsfähigen Fürstenhäuser ein Haus, das wie kein anderes dem 14. und früheren 15. Jahrhundert, dem mitteleuropäischen Spätmittelalter, seinen Stempel aufdrücken sollte.

Den Thron verdankte Heinrich, als Sohn der Beatrice von Beaumont französischsprachig und im Geist des romanischen Rittertums aufgewachsen, einer Konstellation, die sich aus der schon traditionellen Orientierung der rheinischen Kurfürsten nach Frankreich und durch das Ein- treten des Lützelburgers in die Vassalität des französischen Königs Philipp IV. ergab.

In dessen Gefolge erlebte Heinrich 1305 die Krönung des Papstes Clemens V. in Lyon, der seinen Bruder Balduin 1308 zum Erzbischof von Trier weihen und ihn selbst die Kaiserkrone aufsetzen lassen sollte.

Philipp IV. von Frankreich hätte 1308 zwar am liebsten seinen Bruder auf dem deutschen Thron gesehen, aber die Kurfürsten, darunter Balduin von Trier, verständigten sich auf Heinrich.

Der Wahl am 27. November 1308 im Dominikanerkloster zu Frankfurt folgte die Krönung am 6. Januar 1309 in Aachen. Durch geschickte Hausmachtpolitik mithilfe der Kurfürsten, denen er ein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen des Königs einräumte, gelang es Heinrich, die Luxembur- ger, die nicht gerade mit Reichtum gesegnet waren, in den Besitz einer Erbmasse zu bringen, auf deren Basis das Haus über ein Jahrhundert im Wechsel mit den Wittelsbachern und den Habsburgern immer wieder die deutsche Krone erringen konnte: Seinen Sohn Johann vermählte er 1310 der Tochter des letzten böhmischen Königs und erwarb so den Luxemburgern nicht nur die premyslidischen Lánder im Osten des Reichs, sondern auch die zweite Kurstimme. Dieser heiratspolitische Erfolg freilich nur deshalb moglich, war Heinrich gleichzeitig weil für die Beschwichtigung Habsburgs Sorge getragen hatte, die seit König Rudolfs Sieg über Ottokar ebenfalls ein Auge auf die Länder der Wenzelskrone geworfen hatten. Heinrich bestätigte den Habsburgern ihre Lehen, den Mörder König Albrechts tat er in die Reichsacht und seine beiden Vorgänger Adolf und Albrecht ließ er zum Leichen der Versöhnung im Kaiserdom zu Speyer bestatten ein Akt, der auf die Wiederbelebung des römischen Kaisertums vorausweist.

In der heiss umkämpften Ewigen Stadt konnte sich Heinrich 1312 als erster deutscher König nach dem Interregnum wieder des Glanzes der Kaiserkrone erfreuen, die ihm drei vom Papst in Avignon beauftragte Kardinäle im Lateran aufs Haupt setzten.

Auch im Siegelwesen spiegelt sich die westliche Herkunft des neuen Königshauses und die Politik des ersten Luxemburgers. Zum einen führte Heinrich VII. das hier beschriebene Königssiegel, das sich stilistisch und ikonographisch an dem schönen Stempel seines zweiten Vorgängers Adolf von Nassau, einer vermutlich niederrheinischen Arbeit, orientiert, doch die Krönung des Luxemburgers zum ersten Kaiser nach dem Interregnum zog die Schaffung eines französischen Vorbildern nachempfundenen, neuartigen Kaisersiegels nach sich, auf dem der Herrscher auf nicht sichtbarem Stuhl, umgeben von Adlern und Löwen, thront. Diesen Brauch übernahmen die nachfolgenden Herrscher, die die Kaiserkrone erwarben, wie Ludwig der Bayer und Karl IV.

Siegelbild 
Der König sitzt auf einer reichverzierten Thronbank mit Lehne, auf dem Haupt eine Krone mit aufgesteckten Lilien, unter der zu beiden Seiten das gelockte Haar herabfällt; in der zum Leib gekehrten Rechten ein Laubzepter, in der erhobenen Linken den Reichsapfel mit Kreuz; des Herrschers Gewand fällt in weiten Falten auf die Bank und ist über dem linken Arm sowie dem linken Bein gerafft; der Sockel des Throns unten geschnitten von der Schriftleiste,
darauf Spitzbogen mit Masswerk, welche die Bank tragen; diese hinten mit gerader, dreiteiliger Lehne, 
die Seitenwangen zeigen je zwei hohe, mit Filialen bekrönte und mit Masswerk verzierte Spitzbogen; 
das Mittelfeld überfängt den König mit einem grossen, mit Masswerk geschmückten Bogen; 
um das ganze ein feiner Perlenkranz, der das Bild von der Schriftleiste trennt.

Zusatzinfo

Ludwig IV., Herzog von Oberbayern, lenkte beim Tode des Kaisers, des Luxemburgers Heinrich VII., die Aufmerksamkeit ganz Deutschlands und vor allem der einen Anwärter für die vakante Königsstelle suchenden Reichsfürsten auf sich, als er bei Gammelsdorf 1313 seinen glänzendsten Sieg errang.
Nach dem Ableben Herzog Ottos MII. von Niederbayern stritten sich Ludwig und die Habsburger Friedrich der Schöne und Leopold um die Vormundschaft über seine minderjährigen Söhne. 
Bei Gammelsdorf nun schlug Ludwig mit zahlenmässig weit unterlegenem Heer das österreichisch-steirische Aufgebot. 
Als Gegenkönig gegen den Habsburger Friedrich den Schönen traute man ihm, der schon einmal siegreich gegen den Habsburger gestanden hatte, mehr zu, als selbst Heinrich VII. Sohn, Johann von Böhmen.
Die Wahl 1314 bedeutete den Auftakt zu heftigen Kämpfen.
Die Entscheidung fiel schliesslich 1322 in der Schlacht bei Mühldorf zugunsten Ludwigs. Trotz dieser eindeutigen Lage gestand Ludwig Philipp dem Schönen 1325 eine Mitregentschaft zu, die allerdings nur von geringer Bedeutung war.

Siegelbild

Der König sitzt auf einer Thronbank, auf dem Haupt eine belaubte Krone, von der das Haar in kräftigen Locken herabfällt; in der angewinkelten Rechten hält er das Lilienzepter, in der ausgestreckten Linken den Reichsapfel mit gedrungenem Kreuz; der Mantel ist locker um die Schultern gelegt, über der Brust geöffnet, über den Knien und rechts auf der Bank gerafft, den Halsausschnitt des anliegenden Untergewands säumt eine gestickte Borte; das rechte Bein leicht erhoben, stützt der König seine Füße auf einen kauernden Löwen; die Thronbank ruht auf einem fast ganz verdeckten Postament, an dessen Ecken Rundstäbe, die Bank mit einem Kissen belegt; die reich mit Spitzbogen verzierte Lehne schließt oben gerade ab, auf den Ecken und den Enden der Seitenwangen sind Filialen aufgesetzt; um das ganze ein Perlenkranz, der die Umschrift vom Bildfeld trennt.


 

Zusatzinfo

Nach dem Intermezzo Adolfs von Nassau bestieg mit Albrecht I., dem Sieger der Schlacht von Göllheim, erneut ein Habsburger den deutschen Königsthron. Albrecht hatte seinen ersten Söhnen beziehungsreiche Namen gegeben, dem Erstgeborenen (1270) den Namen des königlichen Großvaters Rudolf, dem zweiten (1289) den traditionsreichen Namen Friedrich, der auf die vorottokarische Dynastie der Babenberger in den neuerworbenen habsburgischen Ländern zurückweist. Auf seinem ersten Reichshoftag im November 1298 belehnte Albrecht seine Söhne mit Österreich, Steiermark und Krain, und als Rudolf 1306 die böhmische Krone errang, übernahm Friedrich als 17jähriger die Verwaltung der habsburgischen Territorien.

Dann freilich überstürzten sich die Ereignisse. 1307 starb Rudolf, und 1308 ermordete ein mit der Erbregelung im Hause Habsburg unzufriedener Neffe König Albrecht I. in Brugg am Ufer der Reuß. Die deutsche und die böhmische Krone gingen verloren, ein Aufstand in Österreich und die Haltung des neuen deutschen Königs, des Luxemburgers Heinrich, bedrohten gar den Bestand der Erb-länder. Die Niederlage der Habsburger in der Schlacht von Morgarten 1315 läutete zu allem Unglück den Zerfall der habsburgischen Stellung in der Schweiz ein.

Über ein Jahr nach dem Tod Kaiser Heinrichs VII. konnte Friedrich am

19. Oktober 1314 vier Kurstimmen auf sich vereinigen, während die anderen Wähler am darauffolgenden Tag seinen Vetter Ludwig den Bayern erkoren. Beide Herrscher erkannte die avignonesische Kurie nicht an, und selbst als Friedrich bei der Schlacht von Mühldorf 1322 in die Hände Ludwigs fiel, kam es nicht zur Auflösung des Doppelkönigtums, weil Friedrichs tatkräftiger Bruder Leopold den Kampf des Hauses Habsburg um den Thron fortsetzte.

Der Vertrag von München stellte zwar 1325 das Mitkönigtum Friedrichs fest, doch trat dieser bis zu seinem Tod 1330 kaum noch tatsächlich in Erscheinung. Als Gegenkönig billigt die Geschichtsschreibung Friedrich dem Schönen keine Ordnungszahl unter den deutschen Herrschern zu; als Herzog von Osterreich war er der dritte. In der Reihe der deutschen Könige folgt auf Barbarossa und Friedrich Il. erst wieder der Habsburger Friedrich III. (+ 1493).

Friedrichs Typar steht in den Traditionen seines Vaters und zweiten Vorgängers Albrecht I., während es weniger an die Königssiegel seines unmittelbaren Vorgängers, des Luxemburgers Heinrich VII., anknüpft.

Deutliche Unterschiede geben sich nicht nur hinsichtlich des Stils zu er-kennen, sie betreffen auch die Ikonographie der Siegelbilder, beispielsweise Haltung und Ornat des 

Herrschers. 

Ganz unterschiedlich ist ferner die Betonung des Thronenden gelöst. Bildet die um Friedrichs Thronbank umlaufende, oben gerade abgeschlossene Lehne bereits eine Art Sitznische - eine Komposition, die etwa zu den Siegeln Karls IV führt , 

dürfen wir die Gestaltung von Heinrichs VII. Thron eher mit dem Siegelbild Adolfs von Nassau in Verbindung bringen, das eine bogenförmig abschließende Lehne zeigt.

Bei Heinrich VII. übersteigt die dreigliedrige Lehne das gekrönte Haupt und hebt den Sitzplatz des Herrschers mittels eines diesen überfangenden Bogens hervor.

Als Neuerung erscheint im königlichen Siegel Friedrichs ein Tier, der Löwe, zu Füßen des Herrschers, welcher die Funktion des Suppeda-neums erfüllt - ein Element, das wahrscheinlich aus dem Kaisersiegel rührt. Der Luxemburger Heinrich VII. hatte ja als erster deutscher König nach dem Interregnum wieder die Kaiserkrone errungen und hatte daraufhin in Anlehnung an französische Vorbilder 1313 ein Siegel schneiden lassen, auf welchem den Herrscher nicht nur zwei Löwen flankierten, sondern auch ein dritter seine Beine stützt.

Umschrift:

*FRIDERICVS DEI GRACIA ROMANORVM REX SEMPER AVGVSTVS*

 

Übersetzung:

(Friedrich, von Gottes Gnaden König der Römer und allzeit Mehrer des Reiches)


 

Karl IV. 
1350

Kleines Stadtsiegel von Aachen
1351

Karl IV. 
1356

Titel                    Kaiser und König
Name                 Karl IV.    1347 – 1378

 


Legende                     

geboren  14.Mai 1316  in Prag
gestorben   19.November 1378  in Prag
Grabstätte Prag, Veitsdom

 


Typ                              Königssiegel
Datierung                1350
Gewicht
Durchmesser         97 mm
Stärke
Form                          rund
Material                   Wachs

Zusatzinfo

Karl IV., Sohn König Johanns von Böhmen aus dem Hause der Luxemburger, der bei der Heirat Elisabeths Böhmen erwarb, wurde am Hofe König Karls von Frankreich erzogen.
Als Statthalter seines Vaters 1331-1333 in Oberitalien und als Markgraf von Mähren erwarb sich der Anwärter auf den Thron reiche politische Erfahrung.
Am Hofe des Franzosenkönigs war Roger de Beaufort, der spätere Papst Clemens Vl. sein Erzieher und vertrauter Lehrer.
Im Jahre 1346 wurde Karl als Kandidat des Papstes zum Gegenkönig gegen Ludwig den Bayern gewählt. Zur gleichen Zeit trat er auch die Nachfolge seines Vaters als König von Böhmen an.
Nach Ludwigs des Bayern Tod 1347 fand Karl IV. allgemeine Anerkennung.
Ein schwarzer Punkt in Karls IV. Regierungszeit waren die Judenmassaker während der grossen Pestepidemie 1348 – 1352.
Als Schutzherrn der Juden verfiel dem König bei erbenlosem Tod eines Juden dessen Vermögen, ein äusserst willkommener Beitrag zur Begleichung eigener ner riesiger Schulden. Nur in seinem Stammland Luxemburg verbot er die Pogrome. 1355 wurde Karl IV. in Rom zum Kaiser und zum König von Italien gekrönt.
Als erste Tat nach seiner Rückkehr lies er auf den Reichstagen zu Nürnberg und Metz das bis zum Ende des Reiches 1806 gültige Staatsgrundgesetz, die sogenannte Goldene Bulle, beschließen. Goldene Bulle wurde das Gesetzeswerk nach dem anhängenden goldenen Siegel (Bulle) Karls genannt.
Erstmals wurde darin das Verfahren zur Königswahl schriftlich festgelegt. Endgültig wurden die Kurfürsten (Wahlfürsten) mit Trier, Köln, Böhmen, Pfalz, Sachsen-Wittenberg, Brandenburg und Mainz festgelegt und Mehrheitswahl beschlossen. Die Goldene Bulle gehörte zu den am langsten wirksamen Grundgesetzen überhaupt. Wie schon die Habsburger setzte auch er alle seine Energie in die Förderung seiner Hausmacht. Seine insgesamt vier Ehen brachten ihm die Oberpfalz, Niederlausitz und Schlesien, Brandenburg und das Egerland. 
Seinen Sohn Sigismund verlobte er mit der Tochter König Ludwigs von Ungarn. 
Diese Erwerbungen und die kluge Politik Karls führten zu einer hundertjährigen Herrschaft des Luxemburger Hauses. Seit den Staufern war Karl der erste Herrscher, der sich intensiv um den Norden des Reiches, insbesondere die Förderung der Hanse kümmerte. Sein Hauptinteresse aber lag in Böhmen, und dort bevorzugte er vor allem Prag. Die Stadt wurde Metropole eines Erzbistums und seit 1348 Sitz der ersten Universität. Die Kanzlei Kaiser Karls nahm entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftspache. Unter Kaiser Karl IV. wurde Prag zur „Goldenen Stadt“.
Entgegen dem von ihm selbst eingeführten Reichswahlrecht erkaufte Karl die Wahl seines Sohnes Wenzel zum König und Kaiser. Die Basis der eigenen Machtstellung aber demonstrierte Karl IV. durch die 1377 erfolgte Erbteilung seiner Hausmacht unter seine Söhne: Wenzel erhielt Böhmen und die Lausitz, Siegmund die Mark Brandenburg, Johann das Herzogtum Görlitz, die Neffen Jobst und Prokop Mähren. Karl IV. starb 1378 in der und wurde im Prager Burg Die St. Veitsdom beigesetzt.
späteren Siegel Karls IV. stehen in einer Reihe mit den Siegeln Ludwigs IV. dem Bayern, Heinrichs VII. und Sigismunds, dem letzten Luxemburger.
Eigentümlich ist dabei die kompositorische Ersetzung des Throns durch Wappentiere, bei Ludwig die Löwen, bei den anderen die Adler.
Erstmalig erscheinen bei Karl IV. Wappen im Siegel deutscher Könige und Kaiser. Diese Wappen begannen in fortschreitender Entwicklung bald einen immer größeren Teil des Siegels einzunehmen, bis sie schließlich alles andere verdrängten. Mit den Wappen konnte der König am besten jeden Gebietsanspruch demonstrieren. Wenn auch damit das Künstlerische verschwand, die juristische Klarheit wurde jedenfalls größer, die gewollte Machtdemonstration eindeutiger.

Siegelbild

Siegelbild             
Der Kaiser thront mit Reichsapfel und Lilienzepter in einem Gehäuse (Thron oder Gemäuer, möglicherweise auch das Symbol für die Stadt Prag) Rechts und links das Adler- und Löwenwappen. Hiermit erscheinen erstmalig Wappen auf Siegeln, die das Reich auf der einen Seite, den Luxemburgischen Löwen auf der anderen Seite darstellen.

Umschrift                

*KAROLVS DEI GRACIA ROMANORVM REX SEMPER AVGVSTVS ETBOEMIE REX*

 

Übersetzung           

*Karl von Gottes Gnaden der Römer König und allzeit Kaiser und Böhmens König*

Siegelbild

Zusatzinfo

Zusatzinfo

Wenzel 
1397

Titel                   König
Name                Wenzel von Luxemburg

 


Legende                                                                       geboren            26.02.1361 Nürnberg
gestorben          16.08.1419                                       Schloss Wenzelstein in Böhmen

Grabstätte  Veitsdom Prag
 

 


Typ
Datierung              1395
Gewicht
Durchmesser
Stärke
Form                         rund
Material                  Wachs

Zusatzinfo

Der Sohn Karls IV. und Bruder Sigismunds mit dem Namen des böhmischen Nationalheiligen Wenzel rechnet nicht zu den bedeutenden Herrschern des Mittelalters. Obwohl er sorgfältig erzogen und auf seine Herrschaft vorbereitet war, fehlte es ihm an politischem Geschick und dem nötigen Schuss Glück. 

Schon bei Lebzeiten des Vaters zunächst als Dreijähriger zum böhmischen, 

als Sechzehnjähriger gegen den Willen der Kurie zum deutschen König gewählt und 

am 6. Juli 1376 in Aachen Wenzel von Luxemburg 1361-1419 

gekrönt, folgte Wenzel mit knapp 18 Jahren Karl IV. im Reich nach. 

Das große Schisma war gerade ausgebrochen und verlangte eine entschlossene Politik an der Spitze des Reichs. 

Wenzel schloß sich mit den rheinischen Kurfürsten der römischen Par- tei Papst Urbans VI., dem sogenannten Urbansbund, an, der die Beseitigung des avignonesischen Papsttums unter Clemens VII. auf seine Fahnen geschrieben hatte. Im 100jährigen Streit zwischen Frankreich und England ergriff Wenzel unter dem Einfluß Urbans Partei für Richard II. von England, der seine Schwester Anna heimführte und ein Darlehen für den geplanten Romzug bereitstellte, von dem sich der König die Kaiserkrone versprach. Dieser Zug freilich blieb angesichts der inneren Auseinandersetzungen zwischen Fürsten und Städten im Reich ein Traum. Anfang der 80er Jahre schlossen sich der Rheinische und der Schwäbische Bund zusammen, und nun kam es auch auf Seiten der Fürsten mit Hilfe der Landfriedenspolitik Wenzels zu einem Bündnis. Die unerledigten Probleme führ- ten nicht zuletzt unter dem Eindruck der eidgenössischen Siege über die Habsburger bei Sempach 1386 und Näfels 1388 zum offenen Krieg, in dem Graf Eberhard von Württemberg und Ruprecht von der Pfalz den Städten eine empfindliche Niederlage beibrachten. Der auf sechs Jahre befristete Reichslandfrieden von Eger 1389 gehört zu den wenigen Er- folgen Wenzels, der in den folgen- den Jahren aufgrund seiner katastrophalen Politik immer schneller dem Ende zutrieb. 1394 geriet er in die Gefangenschaft seines Vetters Jobst von Mähren, und 1396 sah er sich veranlaßt, Sigismund, den späteren Kaiser, zum Reichsverweser zu ernennen, um sich wenigstens auf diese Weise der Unterstützung seines eigenen Bruders zu versichern. 

Als Wenzel aufgrund von Schwierigkeiten im Osten gar nicht mehr im Reich er- schien, disponierten die rheinischen Kurfürsten über seinen Thron. 

Bereits 1394 hatten Köln und Kurpfalz eine Kandidatur Richards von Eng- land erwogen, die Weichen für Wenzels Ende wurden aber durch ein Bündnis gestellt, das die um die Krone gebrachten Häuser Wittelsbach und Nassau 1396 gegen die Luxemburger schlossen. 

Am 10. August 1400 traten die Fürsten in Oberlahnstein zusammen und wählten, nachdem Wenzel nicht erschienen war, den Pfalzgrafen Ruprecht zum König. Den Rest seines Lebens verbrachte der Sohn Karls IV. auf dem böhmischen Thron, denn auch nach

dem Tode Ruprechts 1410 konnte er die Krone nicht wiedererlangen, sondern mußte sie seinem Bruder Sigismund überlassen. Den heraufziehenden Hussitensturm vor Augen, verstarb Wenzel 1419. Wenzel führte als Sohn der Anna von Schlesien-Schweidnitz auch den Fürstentitel des Herzogtums und das entsprechende Siegel (den vorliegenden Stempel), 

während er als römisches Königssiegel das Kaisertypar seines Vaters Karl IV. übernahm; lediglich die Umschrift ließ er bei dem Erbstück neu schneiden. Unser schlesischer Stempel gehört zwar auch zum Thronbildtypus, ist aber um einiges kleiner und im einzelnen anders gestaltet als das Majestätssiegel. So haben beispielsweise die königlichen Insignien und die Wappen die Seiten getauscht, und das gesamte Bildfeld ist mit Damast hinterlegt. Die Gestalt des Königs ist schlanker und anders proportioniert Vorbilder finden sich vor allem im fürstlichen und adligen Siegelwesen des Ostens.
 

Siegelbild

Der thronende König trägt auf dem Haupt eine fünfzackige Krone mit alternierend drei und dann wiederum einer Perle, das lange Haar fällt beidseits in Locken herab; in der erhobenen Rechten hält er den Reichsapfel, in der ausgestreckten Linken ein mit Knopf, Perlen und Blättern verziertes Zepter; eine Spange knüpft den Mantel über eng anliegendem Untergewand auf der Brust zusammen, über den Knien ist er gerafft; der Thron ruht auf einem kleinen Rundbogen, zwei Rundstäbe über der verzierten Sockelplatte tragen die Sitzbank mit Kissen und niedriger Lehne, auf deren Seitenwangen Filialen mit Kleeblattförmig angeordneten Perlen; im damaszierten Bildfeld zu beiden Seiten des Thrones Wappenschilde, rechts der böhmische Löwe, links der schlesische Adler. 

Umschrift

*WENCESLAUS DEI GRACIA ROMANORUM REX BOHEMIE REX ET DUX SWIDNICZENSIS*

 

Übersetzung

Wenzel, von Gottes Gnaden König der Römer, König von Böhmen und Herzog von Schweidnitz

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