Das Jahr 1200 - 1299

alle hier zu sehenden Siegelabdrücke sind in meinem Besitz

Phillip von Schwaben 
1203

Otto IV. von Braunschweig 
1206

Friedrich II. von Hohenstaufen 
1212

Siegelbild
Der König sitzt auf einem reichverzierten romanischen Thron mit seitlich steif ausgestreckten Unterarmen. In der rechten Hand hält er das Lilienzepter, in der linken den Reichsapfel.

 

 

Titel        König

Name     Otto IV. von Braunschweig 1198-1209


Legende   

geboren     1182 Argenton/ Frankreich
gestorben  19. Mai 1218  auf der Harzburg
Grabstätte  Braunschweig, Blasiuskirche


 

Typ                              Königssiegel
Datierung                 1206
Gewicht
Durchmesser          80/85 mm
Stärke
Form                           rund
Material                    Wachs

Titel               König

Name          Friedrich II. von Hohenstaufen


Legende         

geboren   16. Dezember 1194   Jesi/Ancona
gestorben   13. Dezember 1250   Fiorento/Lucera
Grabstätte Palermo Dom

 

Typ                               Abguss Thronsiegel
Datierung               1212
Gewicht
Durchmesser         93 mm
Stärke
Form                           rund
Material                    Wachs   



 

Umschrift           

*PHILIPP DEI GRATIA ROMANORUM REX ET SEMPER AVGUSTUS*

 

Übersetzung       

*Philipp, von Gottes Gnaden König der Römer und a Augustus*

Zusatzinfo

Philipps Aufstieg zum Königtum zählt zu den eigentümlichsten Karrieren des Hochmittelalters. 
Der jüngste Sohn des großen Kaisers Friedrich Barbarossa war zunächst gemäß den Gepflogenheiten der Zeit für den Kirchendienst bestimmt worden. In Köln erhielt Philipp seine Ausbildung zum Kleriker, 1189 war er Propst zu Aachen und 1191 erwählter Bischof von Würzburg. 
Eine steile kirchliche Karriere schien ihm vorgezeichnet.

Doch 1190 ertrank Philipps kaiserlicher Vater Barbarossa auf dem Kreuzzug, und nun war König Heinrich VI. auf die Hilfe seines Bruders angewiesen. Philipp begleitete ihn zunächst auf dem Zug nach Rom zur Kaiserkrönung. 
Bald darauf ließ er sich in den Laienstand zurückversetzen, wurde 1195 mit Tuszien belehnt, trat 1196 die Nachfolge seines Bruders Konrad als Herzog von Schwaben an und heiratete 1197 Irene, eine Tochter des oströmischen Kaisers Isaak II. Angelos.
In kurzer Zeit gebar sie ihm vier Töchter, die schon im zarten Kindesalter eine gewichtige Rolle in der Heiratspolitik der Staufer spielen sollten. Darüber hinaus bedeutet dem schwäbischen Herrschergeschlecht die Ehe Philipps mit der byzantinischen Prinzessin die Erfüllung des lange gehegten Traumes, die beiden Boden des antiken römischen Imperiums entsprossenen Kaiserreiche enger aneinander zu binden.
Als Kaiser Heinrich VI. 1197 im Alter von noch nicht 32 Jahren starb, übernahm Philipp für dessen unmündigen Sohn, seinen Neffen Friedrich II., den späteren Kaiser, die Regentschaft. Gegen Friedrich, der 1198 in Palermo zum sizilischen König gekrönt worden war, wandte sich aber eine Fürstenpartei um den Kölner Erzbischof, die den Welfen Otto auf den Thron im Reich erhob, und im Gegenzug ließ sich Philipp nun von den Anhängern der Staufer wählen. 
So traf es sich, daß Philipp mit der echten Reichskrone, aber vom nicht zuständigen Erzbischof Aimo von Tarentaise am falschen Ort, in Mainz, gekrönt wurde, sein Gegner Otto indessen vom Kölner Erzbischof am rechten Ort, in Aachen, 
der traditionellen Krönungsstadt seit Otto dem Großen, freilich ohne die echte Krone. 

Verfassungsgeschichtlich ist die Doppelwahl von 1198 insofern interessant, als sich hierbei die Entstehung des Kurkollegiums ankündigte und der Papst angesichts der Zerissenheit der Parteien eine eigene Theorie von der Übertragendem gung der Kaiserwürde und vom Kurrecht entwickelte. 
Die folgenden Jahre waren bestimmt von Kämpfen zwischen den Rivalen. Mittels einer geschickten Bündnispolitik und beeinflußt durch die politische Entwicklung in England gewann Philipp jedoch allmählich die Oberhand. 
1205 ließ er sich von dem inzwischen in sein Lager übergewechselten Kölner Erzbischof nochmals in Aachen krönen. Nun fand sich der Gegenkönig zu Verhandlungen bereit, die 1207 in einen Waffenstillstand mündeten, besiegelt mit der Verlobung von Otto mit einer Tochter des Staufers. Diese Verlobung brach offenbar ein älteres Eheversprechen, das dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach gegeben worden war. 
1208 jedenfalls ermordete der in seiner Ehre gekränkte Wittelsbacher den König, als nach zähen Verhandlungen mit dem Papst die Auflösung des Doppelkönigtums durch den Rücktritt und des die Abfindung Welfen schon beschlossene Sache war. 
Mit der Bluttat von Bamberg fanden die Hoffnungen auf Frieden im Reich ein der Ende, die „junge süeze Mann“ der Dichtungen Walters von der Vogelweide allenthalben erweckt hatte.
Die brüderliche Verbundenheit Heinrichs VI. und Philipps von Schwaben spiegelt sich auch in ihren Majestätssiegeln. Sie sind untereinander und mit dem ihres Vaters Friedrich Barbarossa nahezu identisch. 
Nur 10 der Umschrift zeigt sich die jeweilige Individualität. Gerade die Siegel der großen Staufer, der zentralen Herrschergestalten des hohen Mittelalters, lassen in den Bildern jede Individualität vermissen. Es scheint, als ob hier, wie bei den Gemmensiegeln der Karolinger, das Siegelbild den Herrscher als Typus und in seiner ihm unmittelbar von Gott verliehenen Gewalt wiedergibt.
Die Macht der Staufer erscheint als gottgewollte Wirklichkeit und ihre Siegel erinnern an die starre Kaiserikonographie der byzantinischen Kunst.

Zusatzinfo

Otto, der zweite Sohn Herzog Heinrichs des Löwen, wuchs nach dem Tode des Vaters am Hof des englischen Königs Richard Löwenherz auf.
Als Kandidat der Partei des Kölner Erzbischofs Adolf wurde er am 9. Juni 1298 in Köln gegen den Staufer Philipp zum König gewählt, doch konnte sich der Welfe vor der Ermordung Philipps nicht durchsetzen, sondern wurde im Gegenteil sogar beinahe von den angestammten Positionen seines Hauses verdrängt.
Erst angesichts der durch die Bamberger Bluttat 1208 entstandenen Situation sahen

sich zahlreiche Anhänger Philipps veranlasst, auf die Seite Ottos IV. zu wechseln, wozu die Verlobung des Welfen mit der ältesten Tochter seines Rivalen beitrug. Eine erneute Königswahl am 11. November des Jahres in Frankfurt führte zur allgemeinen Anerkennung der Herrschaft Ottos, und auch Papst Innozenz III. schlug sich nun eilig auf die Seite des Welfen.
So konnte Otto im Jahr darauf einen Italienzug unternehmen, der ihm nach längeren Verhandlungen mit Innozenz am 4. Oktober die Kaiserkrone eintrug. Während der Kaiser noch in der Ewigen Stadt weilte, kam es zu Kämpfen mit den Römern, der Papst forderte Otto auf, die Stadt zu verlassen, während dieser die Auseinandersetzungen zum AnlaSS nahm, mit Innozenz zu brechen.
Der Welfe besetzte die Toscana, verlieh zahlreiche italienische Güter an seine Gefolgschaft und drang sogar nach Sizilien in das Reich des jungen Staufers Friedrich II. vor, auf das er in den Verhand- lungen mit dem Papst ausdrücklich verzichtet hatte. Daraufhin exkommunizierte ihn der Papst und eine Nürnberger Bischofssynode erklärte den Kaiser für abgesetzt. Ottos IV. Stern begann endgültig zu sinken, als 1212 seine staufische Gemahlin starb und Friedrich II. 
nach Deutschland kam. In groSSen Scharen lief der süddeutsche Adel nun dem jungen König von Sizilien zu, und zu allem Unglück erlitt Otto IV. in der Schlacht von Bouvines 1214 eine vernichtende Niederlage gegen die Franzosen unter König Philipp II. August. 
Er entfloh zu seinem Königsmacher, dem Erzbischof von Köln, zog sich später nach Braunschweig zurück und starb 1218 auf der Harzburg. Angesichts der allgemeinen Aner- kennung des 1198 gewählten Welfen erst nach der Ermordung Philipps von Schwaben 1208 ist es nicht verwunderlich, daSS kein einziger unbeschädigter Abdruck von seinem Königstypar erhalten ist. Unser Stück hat zwei Fehlstellen in der Umschrift, die aber anhand anderer Abdrücke ergänzt werden können. 
Im Vergleich mit den Siegeln der Kaiser und Könige aus staufischem Hause, namentlich denen seines Rivalen Philipp von Schwaben, zeigen die Stempel Ottos IV. ein deutlich anderes Gepräge. Das Herrscherbild mit den erhobenen Armen und die einfache Thronbank, der die Lehne fehlt, scheinen auf den ersten Blick an vorstaufische Siegel anzuknüpfen. Ottos Mantel wird auf dem vorliegenden Königstypar ebenso wie auf dem Kaisersiegel mitten auf der Brust zusammengehalten; es fällt rechts zunächst über den königlichen Arm mit dem Zepter und ist dann kunstvoll nach links über die Knie geworfen. Dergleichen begegnet bei den alteren deutschen Herrschersiegeln nicht, wohl aber am englischen Königshof, wo Otto IV. aufgewachsen ist. Westliche Einflüsse treten noch ausgeprägter in der Ikonographie des kaiserlichen Typars Ottos IV. entgegen, das vielleicht sogar auf den Britischen Inseln gearbeitet wurde, während das vorliegende Königssiegel einem Kölner Atelier entstammen dürfte, denn stilistisch steht es den hervorragenden Werken westdeutscher Goldschmiedekunst der Zeit, namentlich dem Aachener Karlsschrein nahe.

Siegelbild
Der König thronend im Ornat, auf dem Haupt eine mit Blättern geschmückte Bügelkrone, in seiner rechten Hand das Lilienzepter, in der Linken eine Sphaira mit aufgestecktem Kreuz; 
der prächtig gesäumte Mantel ist vor der Brust geknüpft und fällt in reichlichem Faltenwurf über beide Arme, dann über die Knie des Herrschers und hinter dem Thron herab; darunter trägt er ein gegürtetes Untergewand;
der König sitzt auf einer Thronbank ohne Lehne, deren schwerer Sockel samt den Pfosten und der Sitzbank mit einem Gittermuster verziert ist.

Umschrift                  

*OTTO DEI GRATIA ROMANORVM, REX ET SEMPER AVGVSTVS*

Übersetzung             

*Otto, von Gottes Gnaden König der Römer und allzeit Mehrer des Reiches*

Titel                        König

Siegelführer           Philip von Schwaben                                                                       

Legende       

geboren        1178
gestorben    21.06.1208                         

Grabstätte   Speyer, Dom

 

 

Typ                                Königssiegel

Datierung                  1203
Gewicht
Durchmesser         83 mm
Stärke
Form                           rund
Material                    Wachs

Umschrift                

*FRIDERICVS DEI GRATIA ROMANORVM REX ET SEMPER AVGVSTVS ET REX SICILIE*

Übersetzung           

*Friedrich von Gottes Gnaden der Römer König und allzeit Kaiser und König Siziliens

Zusatzinfo

Friedrich II. war der Sohn Kaiser Heinrichs VI., der die Herrschaft im Reich nach dem Tod seines Vaters Friedrich Barbarossa 1191 angetreten hatte, und seiner Ehefrau Konstanze, Tochter König Rogers II. von Sizilien. 
Schon als Zweijähriger wurde Friedrich zum deutschen König gewählt. 
Doch als sein Vater schon 1197 starb, ließ seine Mutter Konstanze ihn 1198 unter Verzicht auf den deutschen Titel zum König von Sizilien krönen.
Um die damit vakante deutsche Königswürde stritten sich Friedrichs Onkel Philipp von Schwaben und der Welfe Otto IV. Philipps Tod 1208 machte den Weg frei für die Kaiserkrönung Ottos IV.
Indessen führte sein Zerwürfnis mit Papst Innozenz III. zum Kirchenbann 1210 und noch einmal 1211. 
Mit der Unterstützung einer kleinen Gruppe von deutschen Fürsten ließ zuletzt 1211 der Papst den Staufer und sizilischen Thronerben Friedrich II. zum deutschen König wählen. DIES GENÜGTE den süddeutschen Fürsten als Legitimation; sie gingen geschlossen zu Friedrich über. 
1212 erneuerte Friedrich das schon von seinem Großvater her bewährte staufisch-kapetingische (französische) Bündnis gegen die ebensolange bestehende welfisch-englische Koalition. In den folgenden Kämpfen erlitt Otto IV. 1214 in der Schlacht bei Bouvines die entscheidende Niederlage. 
Schon 1220 ließ Friedrich II. seinen Sohn Heinrich (VII.) zum deutschen König wählen, um selbst aus der Hand des Papstes Honorius III. die Kaiserkrone zu empfangen. 
Die Zustimmung der geistlichen Fürsten zur Wahl Heinrichs erkaufte sich Friedrich 1220 mit der „confoederatio, cum principibus eccle- siasticis* und die der weltlichen Fürsten 1231/2 mit dem „statutum in favorem principum'. 
Beide Verträge übertragen den Landesherren wichtige königliche Rechte, die diese de facto zwar bereits ausübten, aber in deren unangefochtenen Besitz sie nun auch de jure kamen. Es waren wichtige Marksteine auf dem Weg zur Herausbildung der fürstlichen Territorialmacht. In der Folgezeit baute Friedrich sein normannisch-sizilisches Reich zu einem modernen Beamtenstaat um.
1228/9 führte er schließlich den lange gelobten Kreuzzug durch. Doch anders als bei den früheren waren diesmal nicht kriegerische sondern- diplomatische Mittel die Wege zum Ziel. In einer günstigen weltpolitischen Konstellation ließ er sich vom ägyptischen Sultan al Kamil Jerusalem und die Grabeskirche übertragen. Als Erbe seiner Gemahlin Isabella von Jerusalem setzte er sich die dortige Königskrone auf. 
Der ihn begleitende Deutschordensmeister Hermann von Salza vermittelte 1230 einen Frieden zwischen Papst Gregor IX. und Friedrich, der 1227 zum ersten Mal gebannt worden war, weil er sein Kreuzzugsversprechen bis dahin nicht eingelöst hatte. Die wieder energischere Politik gegen den Lombardenbund trug dem Kaiser den erneuten Bannstrahl des HI. Stuhles ein. 
Schließlich wurde er sogar beim Konzil von 1245 durch Gregors Nachfolger, Papst Innozenz IV. für abgesetzt erklärt. 
Im gleichen Zuge wählte man als Gegenkönige zunächst Hein- rich Raspe (1246/7), dann Wilhelm von Holland (1247-56). Friedrich starb 1250. Testamentarisch bestimmte er seinen Sohn Konrad IV. als Nachfolger im Reich.
Das Majestätssiegel Friedrichs I. von 1212 ist sein erstes deutsches Siegel. Auf mangelnde Übung des Stempelschneiders deuten die Fortsetzung der Legende im Bildfeld, der unnatürlich wirkende Faltenwurf des Gewandes und  die wieder wie in der Frühzeit des Thronsiegeltypus recht steif erhobenen Unterarme. 
Dieses Siegel war auch nicht lange in Gebrauch. Ein ganz anderer Siegeltyp aber hatte bei Friedrich Premiere: 
das Hofgerichts-Siegel, das den Kaiser nicht mit Zepter und Reichsapfel, sondern mit dem Schwert zeigt. Es wurde eingeführt zugleich mit dem im Mainzer Landfrieden von 1235 beschlossenen Reichshofgericht.

Siegelbild           

Der König sitzt en ace auf einem Thron mit hoher Rückenlehne.
In den starr seit wärts gerichteten Armen hält er das Zepter und den sehr grossen Reichsapfel. 
Das Bild wirkt schematisch und ragt oben und unten in den durch Perlkreis und doppelten schlichten Kreis abgetrennten Umschriften-Rand. Ein Teil der Umschrift     (ET  REX SICILIE) musste aus Platzgründen ins Bildfeld rechts und links des Kaisers gesetzt werden.

Heinrich VII. von Hohenstaufen 1220

Konrad IV. von Hohenstaufen 
1239

Heinrich Raspe 
1246

Titel                       schwäbischer Herzog

Siegelführer     Heinrich VII. von Hohenstaufen                                                      1220 – 1235

 

Legende               

geboren 1211 Sizilien           
gestorben 10.2.1242 Martirano      

Grabstätte Dom in Cosenza


Typ                              Herzogsiegel

Datierung                1216 – 1220

Gewicht

Durchmesser         73 mm

Stärke

Form                          rund

Material                   Wachs

Titel               König

Name           Konrad IV. von Hohenstaufen             1250-1254


Legende     

geboren     25. April 1228  Andria, 

Provinz Bari
gestorben  21. Juni 1254   bei Lavello, 

Provinz Potenza
Grabstätte   Messina, Kathedrale

 

Typ                                     Deutsches Königssiegel
Datierung                     1239
Gewicht
Durchmesser              73 mm
Stärke
Form                               rund          
Material                        Wachs

Titel         König

Name      Heinrich Raspe.  1246-1247

 

Legende

geboren *um 1204

gestorben 16.02.1247 auf der Wartburg

Grabstätte Eisenach, St. Katharinenkloster

 

 

Typ

Datierung.          1246

Gewicht

Durchmesser      86 mm

Stärke

Form                      rund

Material

 

Siegelbild           

Der König thront auf einer verzierten Bank, auf dem Haupt eine Krone mit drei aufgesteckten Lilien, unter der das halblange, gelockte Haar herabfällt, in der Rechten ein kurzes Lilienzepter, in der Linken der Reichsapfel; der Mantel ist über der Brust geknüpft und fällt mit überreichem Faltenwurf auf künstlich geschwungene Art über Arme, Bank und Knie, das Untergewand ist an den Ärmeln gereift und zeigt ebenfalls ausgiebigen Faltenwurf; vor der Thronbank ein plastisch stark hervortretendes Suppedaneum, auf welches der König seine Füße stützt; die lehnenlose Bank ruht auf einer Sockelplatte, gestützt auf gedrechselte oder tordierte Säulchen, die vordere Leiste der Sitzfläche zieren Perlen, die Fläche selbst ist gegittert; um das ganze die Umschrift im doppelten Perlenkranz.

Siegelbild            

Der thronende König mit der Krone auf dem Haupt hält in der ausgestreckten Rechten das Lilienzepter, in der erhobenen Linken den Reichsapfel, das Gewand über dem linken Knie gerafft; die mit Rundbogenfriesen verzierte Thronbank ruht auf Säulen, ihre giebelförmige Rückenlehne halten runde Pfosten mit auf- gesetzten Knöpfen.

Siegelbild

Der Herzog reitet im Galopp nach rechts; auf dem Haupt trägt er einen Topfhelm, über der Brünne einen Mantel; er ist gewappnet mit einem dreieckigen, an den Kanten abgerundeten Schild in der Linken, darauf drei Löwen mit zurückgewandten Köpfen, und führt mit der rechten Hand die dreizipflige Herzogsfahne am Speer, auf der das heraldische Motiv des Schildes wiederholt ist.

Umschrift: † HEINRICVS DEI GRACIA ROMANORVM REX ET SEMP(ER) AVGVSTVS

 

Übersetzung 

Heinrich, von Gottes Gnaden König der Römer und allzeit Mehrer des Reiches

Zusatzinfo

Das deutsche Königssiegel Konrads IV. spiegelt-deutlich den Lebensweg des Staufers, der auf Veranlassung Kaiser Friedrichs II. bereits im jugendlichen Alter von neun Jahren als Nachfolger seines unbotmäSSigen Bruders Heinrich (VII.) zum deutschen König gewählt, indessen nicht gekrönt wurde. Friedrich unterstellte den Knaben zunächst dem Mainzer Erzbischof Siegfried III. und ab 1242 dem Landgrafen (und späteren Gegenkönig) Heinrich Raspe von Thüringen. In der Umschrift heißt Konrad wegen der auf Wunsch des kaiserlichen Vaters unterbliebenen Krönung ausdrücklich nur „erwählter König“, während der meiste Raum auf Friedrichs II. Titulatur verwendet ist.
Konrad hat fast ausschließlich dieses „,KindersiegeL“ gebraucht und dasselbe sogar während seiner kurzen eigenständigen Regierung nach dem Tode des Vaters beibehalten. 
Ein klarer Hinweis auf die überragende Gestalt Friedrichs II., mit dem die Herrschaft der Staufer 1250 recht eigentlich zu Ende ging.
Über das Siegelfeld spannt sich ein Band, das die Umschrift fortsetzt.
Es enthält den Anspruch Konrads auf die Krone des Heiligen Landes, die seit 1229 ebenfalls Friedrich II. trug.
Über die flandrische Mutter Sie war Konrads, die Jerusalemer Erbtochter Isabella, an die Staufer gekommen. 
Eine auswärtige Königstitulatur, nämlich die von Sizilien, hat bereits Friedrich II. auf seinem ersten deutschen Königssiegel 1212 seitlich im Bildfeld vermerkt; nun, unter Konrad IV., wird dies gleichsam zum formal fixierten Bestandteil des Bildes, indem die zusätzliche Beschriftung in ein regelrechtes Band gegossen wird, welches das Feld auf halber Höhe teilt und hinter dem Rücken des Thronenden hindurchläuft. 
Damit und mit der fehlenden Lehne der Thronbank treten auf dem deutschen Königssiegel der späten Stauferzeit Neuerungen entgegen, die freilich mit dem Ende der Staufer wieder verschwinden. 
Nur noch Konrads IV. Sohn und präsumptiver Nachfolger Konradin, der die schwäbische Herzogswürde in einer ähnlichen horizontalen Schriftleiste vermerken ließ, folgte seinen Vorvätern hinsichtlich dieses Brauchs. 
Die Herrschaft König Konrads IV. stand zunächst völlig im Zeichen seines glorreichen Vaters Friedrich, der bekanntlich 1245 vom Konzil in Lyon abgesetzt worden war. Infolgedessen erkor ein Teil der deutschen Fürsten Heinrich Raspe, 
den ehemaligen Reichsverweser und Vormund Konrads, zum König, und nach dessen baldigem Tod fiel die Wahl einer Fürstenkongregation auf den Grafen Wilhelm von Holland. 
Vor allem dieser Gegner hatte sich Konrad als Statthalter des Kaisers in Deutschland zu erwehren. Als Friedrich II. im Dezember 1250 starb, wurde die Lage für den jungen, nördlich der Alpen weilenden Staufer Konrad prekär, denn nun galt es nicht nur um die deutsche, sondern auch um die sizilische Krone zu kämpfen, die der Papst der schwäbischen Dynastie um jeden Preis zu entreißen trachtete. 
Außerdem war es in Sizilien infolge des Todes Kaiser Friedrichs zu Unruhen gekommen. So sah sich Konrad veranlaSSt, im Herbst 1251 nach Italien aufzubrechen, doch fiel er nach beachtlichen Erfolgen bereits 1254 im jugendlichen Alter von 26 Jahren der Malaria zum Opfer. Binnen kurzer Frist sollte die öffentliche Hinrichtung des 1252 geborenen Sohnes Konradin auf dem Marktplatz von Neapel der glanzvollen staufischen Epoche endgültig ein Ende setzen, und auch die mittelalterliche Kaiserkrone ging fürs erste unter, bis die Würde des Imperator romanorum nach gelegentlichen Episoden eine dauerhafte Wiederbelebung im Wahlkaisertum erfahren und zu neuer geschichtlicher Wirkung finden sollte.

UMSCHRIFT
*HENRICVS DEI GRACIA DVX SWEVIE* 

                                 
 

Übersetzung
*Heinrich von Gottes Gnaden Herzog von Schwaben*
 

Zusatzinfo

Der älteste Sohn Friedrichs II. und der Konstanze von Aragon wurde als präsumptiver Erbe Siziliens bereits im Alter von einem Jahr zum König des unteritalienischen Reiches gekrönt, als sein Vater 1212 nach Deutschland zog.
Mit fünf Jahren ernannte ihn der Vater zum Herzog von Schwaben und übertrug Heinrich damit eine Würde, die seit dem Tode des Staufers Philipp vakant und unmittelbar bei dem jeweils die tatsächliche Macht ausübenden König verblieben war. Nachdem die Herzoge von Zähringen, die seit dem Investiturstreit einen guten Teil des alten Schwabens mit dem Rektorat Burgund in einem zweiten Herzogtum vereinigt hatten,

1218 ausgestorben waren, fügte Friedrich II. diesen Würden seines Sohnes noch die des Rektors von Burgund hinzu und ließ ihn schliesslich am 23. April 1220 in Frankfurt auch zum deutschen König wählen. Heinrich blieb in Deutschland, als Friedrich II. 
im gleichen Jahr wieder nach Sizilien aufbrach, und geraume Zeit nach der Aachener Krönung 1222 begann seine eigenständige Herrschaft im Reich. 
Hier stützte sich Heinrich, dem die Geschichtsschreibung ween seines innerhalb der Oberherrschaft seines Vaters sich bewegenden königlichen Waltens keine eigene Ordnungszahl zubilligt (Heinrich VI. ist sein Großvater, Heinrich VII. der Luxemburger Kaiser dieses Namens, 1308-1313), vor allem auf den niederen Adel, die Reichsministerialität und die Städte. 
Das aber brachte die Fürsten gegen in auf, die in 1231 zu Worms zwangen, ire Ansprüche, Rechte und Landesherrschaften mit dem „Statutum in favorem principum“ (,,Erlaß zugunsten der Fürsten“) verbindlich anzuerkennen. Dieses Statuts wegen, das Friedrich II. freilich bestätigen musste, und seiner Ehe wegen überwarf sich Heinrich mit dem Vater. Der Aussöhnung 1232 in Cividale folgte bald eine erneute Entzweiung mit Friedrich I., der nun sogar zu den disziplinarischen Mitteln der Kirche griff und den Sohn vom Papst bannen ließ. Heinrichs offene Rebellion gegen diese Behandlung führte zur Gefangennahme 1235 in Wimpfen. 
Nach mehreren Jahren der Gefangenschaft in Süditalien starb der Staufer. Vielleicht schon seit der Mitte des 11. Jahrhunderts führten die Herzöge von Schwaben Reitersiegel vom Typ des vorliegenden Stücks, das zu den schönsten Beispielen hochmittelalterlicher Fürstensiegel in Süd- westdeutschland zählt und ganz in der Tradition der Typare von Hein- richs Vorgängern steht. 
Freilich muss man einschränkend sagen, dass die ältesten sicher echten Beispiele erst aus dem fortgeschrittenen 12. Jahrhundert überliefert sind. 
Ein Blick auf die Siegel der Herzoge von Zähringen, die neben dem Herzogstitel das Amt des Rektors von Burgund innehatten, lehrt, dass Fürsten dieses Ranges im früheren 12. Jahrhundert durchaus auch Stempel führen konnten, auf denen sie nicht im Harnisch zu Pferd, sondern im Standbild und in unkriegerischer Tracht, jedoch mit den entsprechenden Insignien wie Schwert und Fahne dargestellt waren. Bevor sich Heinrich (VII.) seit Ende 1220 „rex Romanorum“ zu nennen begann, hat er das herzogliche Typar wohl auch als erwählter König noch verwendet. Der Stempel gehört ferner zu den frühen Zeugnissen des staufischen Wappens, das 1220 seine endgültige Form noch nicht gefunden hatte.
 

Umschrift 

*CURADVS DIVI AVGVSTI IMPERATORIS FRIDERICI FILIVS DIE GRATIA ROMANORVM IN REGEM ELECT VS*


Übersetzung

*Konrad, Sohn des göttlichen und erhabenen Kaisers Friedrich, von Gottes Gnaden erwählter König der Römer*


auf dem Schriftband im Bildfeld:
ET HERES JERVSALEMIAE 
(und Erbe Jerusalems)   

Zusatzinfo

Nachdem Papst Innozenz IV. auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen mit Friedrich II. den Staufer auf dem Konzil von Lyon 1245 hatte absetzen lassen, war in Deutschland nicht leicht ein Fürst zu finden, der als König von Gnaden des Papstes und der Kirche gegen den mächtigen Staufer anzutreten gewillt war. Bereits 1241 hatten aber drei bedeutende Wähler, die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, ein Bündnis gegen Friedrich II. geschlossen und waren in der Folge zur kriegerischen Inbesitznahme des staufischen Reichs- und Königsguts geschritten. Sie betrieben nun, nach den Vorgängen von Lyon und der entsprechenden Aufforderung des Papstes, die Wahl eines neuen Königs. In Abwesenheit sämtlicher Laienfürsten des Reichs wählten die rheinisch-lothringischen Erzbischöfe, mehrere Bischöfe und hessisch- thüringische Grafen und Herren am 22. Mai 1246 zu Veitshöchheim bei Würzburg den Thüringer Landgrafen Heinrich Raspe - 

einen Mann, den der meist in Sizilien residierende Friedrich II. wenige Jahre zuvor anstelle des abtrünnigen Mainzer Erzbischofs Siegfried von Eppenstein, dem nunmehr wichtigsten Königsmacher, neben dem Böhmenkönig Wenzel mit dem Amt des Reichsgubernators betraut hatte. Wie der Sinneswandel des Landgrafen vom Stauferanhänger zum, Pfaffenkönig" vor sich ging, verbirgt sich unserem Forschen; nach seinen eigenen Worten fühlte sich Heinrich berufen, die Freiheit der Kirche zu verteidigen. Der Schwager der hl. Elisabeth von Thüringen war freilich we- der am rechten Ort gewählt noch er- langte er je die Krönung in Aachen. Zu dem sogleich nach seiner Wahl einberufenen Reichstag in Frankfurt mußte er sich erst den Weg gegen den staufischen Schwabenherzog Konrad IV. freikämpfen, vor allem mit Hilfe päpstlicher Bestechungsgelder, mit denen er die staufertreuen Grafen zum Abfall bewegte. Wichtigstes Ergebnis des Tages von Frankfurt war die Entsetzung Herzog Konrads von Schwaben, und in den folgenden Monaten gelang es Heinrich Raspe, einige Städte zu erobern, bis er vor Ulm scheiterte. Die Winters- zeit und vielleicht auch die Gesundheit des Königs zwangen ihn zum Rückzug auf die Wartburg, wo er nach einer nur knapp neun Monate währenden Regierung verstarb. Als ungekrönter Gegenkönig wird Heinrich Raspe unter den zahlreichen mittelalterlichen Herrschern dieses Namens nicht mit einer eigenen Ordnungszahl geführt, ähnlich wie der unglückliche Staufer Heinrich, der Sohn Friedrichs II., den der Vater nach einer Empörung absetzen ließ. Das bekannte Wort vom Pfaffenkönig Heinrich Raspe ist Bild geworden auf dem Grabmal Erzbischof Siegfrieds von Mainz (abgebildet in unserer Siegelexpertise), auf welchem der im Jahr 1249 verstorbene Kirchenfürst seinen Seitenfiguren Heinrich und Wilhelm die Königskrone aufs Haupt setzt, oder auch auf der Goldbulle des Thüringers an seiner ersten Urkunde, ausgestellt am Tage nach der Wahl, auf der unter anderem die Häupter der Apostelfürsten Petrus und Paulus eingeprägt sind. Umschrift und Bild Heinrich Raspes lehnen sich eng an die Siegel der 

späten Staufer an. Das gilt sowohl für die Herrschergestalt und den Ornat wie 

auch für den Thron, oder, um einige Einzelheiten zu nennen, für die gedrückte Krone, die Armhaltung, die Bordüren und den Faltenwurf von Mantel und Untergewand; all dies begegnet ganz ähnlich schon bei Heinrich VI., Philipp von Schwaben und Friedrich II. Ferner läßt die Thronbank ebenso Anklänge an die Siegel von Heinrich Raspes Kontrahenten Friedrich II. erkennen wie die gegliederte und verzierte innere Rahmenleiste der Umschrift. Dem gegenüber stehen die Siegelstempel der Nachfolger Heinrich Raspes ganz 

offensichtlich in anderen Traditionen, jedenfalls was ihren Stil und ihre künstlerische Gestaltung betrifft. Während Wilhelm von Holland und Richard von Cornwall ihre Siegel in Ateliers am Niederrhein und in England schneiden ließen, stammt der Stempel Heinrich Raspes wahrscheinlich aus einer hessischen Werkstatt.

Wilhelm von Holland 
1253

Konradin von Hohenstaufen 
1266

Alfons der Weise 
1267

Titel                  König 

Name               Wilhelm von Holland


 

Legende                        

geboren         1227

gestorben     28.01.1256 nähe Alkmaar       

Grabstätte  Middelburg /Abteikirche

                               

 

Typ                              Majestätssiegel

Datierung                1253
Gewicht

Durchmesser          90 mm

Stärke

Form                            rund
Material                     Wachs

Siegelbild            

Auf einem Thron mit kleinen gotischen Stilelementen sitzt der König mit dem Lilienzepter in der rechten und dem Reichsapfel in der erhobenen linken Hand.

Titel                       König
Siegelführer      Konradin von Hohenstaufen


Legende

geboren        25. März 1252 

Burg Wolfstein bei Landshut
gestorben     29.10.1268  Neapel       

Grabstätte    Neapel, Karmeliterkirche


Typ                            Königssiegel

Datierung                 1266

Gewicht

Durchmesser           73 mm 

Stärke

Form                          rund
Material                    Wachs

Titel                         König
Siegelführer      Alfons der Weise von Kastilien

                                  1257-1275


Legende

 

 



 

Typ                    zweites deutsches Königssiegel
Datierung                       1267
Gewicht
Durchmesser                98 mm
Stärke
Form                                  rund
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Zusatzinfo

Die Zeit von 1254 bis 1273 erscheint in der Rückschau als Tiefpunkt andauernden Krise des einer länger deutschen Königtums, die sich schon mit der Doppelwahl von 1198 angekündigt hatte. Man pflegt sie Interregnum, also Zeit zwischen den Reichen, oder mit Friedrich V. Schiller ,die kaiserlose Zeit“ zu nennen. 
Beide Begriffe werden jedoch den historischen Umständen nicht gerecht, denn das Kaisertum endete streng genommen 1245 mit der Absetzung Kaiser Friedrichs II. und fand im Reich erst wieder eine Fortsetzung mit der Krönung Heinrichs VII. im Jahre 1312. 
Andererseits blieb der Königsthron auch während des Interregnums nie längere Zeit vakant, sondern war von 1247 bis 1254 mit Wilhelm von Holland und Konrad IV., von 1257 bis 1273 mit Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien sogar mehrfach besetzt. 
Ohne Zweifel aber ist das sogenannte Interregnum als Zäsur in der Geschichte des Reichs zu betrachten. So endete einerseits die Herrschaft der Staufer, des schwäbischen Herrscherhauses, welches gleichsam das hohe Mittelalter verkörpert, und mit der Wahl Rudolfs von Habsburg zum König 1273 nahm andererseits der Aufstieg eines Hauses seinen Anfang, das die Geschicke Europas über längere Zeiten und in stärkerem Maße bestimmen sollte als die staufischen Kaiser. 
Der Papst wiederum gewann an Einfluß auf die europäische Politik. 
König Wilhelm von Holland beispielsweise mußte sich 1251 in Lyon zur symbolischen Handlung des Steigbügelhaltens beim ,Knecht der Knechte Gottes‘, wie die traditionelle Titulatur des Papstes lautete, bequemen. Aber auch die Städte und die Reichs- fürsten wußten nun die Schwäche der Zentralgewalt im Reich zu ihrem Vorteil zu nutzen. Unter diesen Vorzeichen fand sich nicht leicht ein Kandidat, der den Kampf gegen die Staufer im Dienst der päpstlichen Partei fortzusetzen gewillt war. 
Deshalb gedachte man die deutsche Krone nach dem Tode des ersten sogenannten „Pfaffenkönigs“ Heinrich Raspe Richard von Cornwall oder sogar dem norwegischen König anzutragen. Nur ein Reichsfürst, Heinrich II. von Brabant, war im Gespräch, aber er ließ 1247 vor den Toren Kölns seinen 19jährigen Neffen Wilhelm von Holland wählen. Wilhelm mußte zunächst Aachen erobern, um seine Krönung zu erreichen und konnte sich vor dem Tode Friedrichs II. 1250 nicht durchsetzten, obwohl sich seine Position in Norddeutschland durch die Ehe mit Elisabeth, einer Tochter Herzog Ottos von Braunschweig und eine Nachwahl auf Betreiben der mit dem Herzog verschwägerten Askanier von Sachsen und Brandenburg erheblich verbesserte. 
Erst König Konrads Tod 1254 brachte ihm die bis dahin staufertreuen Reichsstädte zu, und hier zeigte sich nun ein hoffnungvoller Ansatzpunkt für eine Erneuerung des Reiches. 
Im Februar des Jahres hatten Mainz und Worms angesicht der Fried- und Rechtlosigkeit ein „ewiges Bündnis“ zur Selbsthilfe geschlossen. 
Ihm traten zunächst einige weitere rheinische Orte bei, und SO formte sich der auf 10 Jahre vereinbarte Rheinische Bund, zu dem in kürzester Frist rund 70 Städte zwischen Lübeck und Zürich stießen und in der Folge auch mancher geistliche und weltliche Fürst. Vorderstes Ziel des Bundes war die Wahrung des allgemeinen Landfriedens in kaiserloser Zeit. Dieser gewaltigen Bewegung konnte und wollte Wilhelm die königliche Anerkennung nicht versagen. Auf einem Reichstag zu Worms im Februar 1255 sanktionierte er den Bund, eine Reichsreform sozusagen von unten her war in greifbare Nähe gerückt und der König stellte sich an ihre Spitze. 
Doch bei einem Feldzug gegen die Friesen im Januar 1256 brach Wilhelm zu Pferd durch das dünne Eis in einen Sumpf und wurde erschlagen. Nichts fängt wohl die Schwäche des Königtums während des Interregnums besser ein als das umseitig abgebildete Grabmal Erzbischof Siegfrieds III. von Mainz (+ 1249), auf dem Heinrich Raspe und Wilhelm als kleine Seitenfiguren des Kirchenfürsten dargestellt sind, denen Siegfried die Kronen aufsetzt. 
Das Siegel Wilhelms von Holland gehört zu den Majestätssiegeln vom Thronbild-Typus und läßt erste gotische Stilelemente erkennen.

Siegelbild        

Der König thront auf einer Bank ohne Lehne, eine Laubkrone auf dem Haupt, unter der das gelockte    Haar bis auf die Schultern herabfällt. In der angewinkelten rechten Hand hält er ein belaubtes Lilienzepter, in der erhobenen Linken den Reichsapfel.

der königliche Mantel wird rechts über der Brust von einer Agraffe zusammengehalten und ist über die Oberarme nach hinten zurückgeschlagen; er fällt mit reichlichem Faltenwurf auf die Thronbank und die Beine des Königs herab.
unter dem Mantel tritt ein gegürtetes Untergewand entgegen;
die Bank des schlichten Thrones erscheint perspektivisch dargestellt, sie ruht offenbar auf einem Kasten mit Sockel, dessen vorderer Teil dem König als Suppedaneum dient ein Schriftband ist mitten durch das Bildfeld gelegt und verläuft hinter dem Rücken des Königs, 
das Feld waagerecht in zwei Hälften teilend; um das ganze die Umschrift im doppelten Perlenkranz.

Siegelbild                         

Der König thronend en face, mit belaubter Krone auf dem Haupt, unter welcher das halblange gelockte Haar herabfällt;  in der Rechten hält er ein kurzes Zepter, einen Stab mit zwei Kugeln, auf dem ein nimbierter Adler mit ausgebreiteten Schwingen sitzt, in der Linken den Reichsapfel mit aufgestecktem Kreuz; das Obergewand ist über der rechten Schulter geknüpft und wie das Unterkleid an den Säumen mit Borten besetzt, 
beide fallen in reichem und steifem Faltenwurf über die Knie und die Sitzfläche; zwei Säulen auf einer kräftigen Sockelplatte, die auch als Suppedaneum dient, tragen die niedrige Thronbank.

 

Umschrift                

*ALFONSVS DEI GRACIA ROMANORVM REX SEMPER AVGVSTVS*

Übersetzung           

*Alfons von Gottes Gnaden allzeit erhabener König der Römer*

Umschrift

*WILLELMVS DEI GRACIA ROMANORVM REX SEMPER AVGUSTVS*

 

Übersetzung 
*Wilhelm von Gottes Gnaden König der Römer allzeit Augustus*

Umschrift

*CHVNRADUS DEI GRATIA IERVSALEMIAE ET SICILIE REX

und dann quer über das Bildfeld: DVX SWEVIE*


Übersetzung

*Konrad von Gottes Gnaden König von Jerusalem und Sizilien, Herzog von Schwaben*

Zusatzinfo

Alfons Vater Ferdinand III. von Kastilien und Len (1217-1252) war ein bedeutender Herrscher gewesen. 
Er hatte die beiden spanischen Reiche wieder vereint und konnte große Teile Andalusiens von den Mauren zurückerobern. Auch seinem Sohn, der in Spanien von 1252 bis 1282 regierte, waren einige Erfolge in dieser Angelegenheit beschieden.

Er entriß den Mauren Cartagena und Cadiz.
Innenpolitisch freilich hatte Alfons X. mit zahlreichen Aufständen zu kämpfen ein Grund dafür, daß er in den fast zwanzig Jahren deutscher Königswürde niemals den Fuß auf den Boden des Reiches setzte.

Nach dem Tod König Wilhelms von Holland 1257 wählte ein Teil der deutschen Fürsten den Plantagenet Richard von Cornwall, eine andere Partei unter Führung des Erzbischofs von Trier jedoch den König von Kastilien und Len.
Bei der in Frankfurt am 1.4.1257 vorgenommenen Wahl spielte sicherlich auch eine Rolle, daß der (freilich nicht persönlich anwesende) Kandidat Alfons X. mütterlicherseits von den Staufern abstammte.
Über die Mutter Beatrix, eine Tochter Philipps von Schwaben, war er Urenkel Friedrich Barbarossas, und im Bewußtsein seines staufischen Blutes hatte er bereits 1255 mit päpstlicher Unterstützung das Herzogtum Schwaben als Erbteil beansprucht. 
Von Alfons‘ Träumen eines Kaisertums in staufischer Nachfolge kündet ferner, daß er sich im Jahr darauf von den ghibellinischen Pisanern „im Namen des ganzen Reiches“ zum römischen König und Kaiser wählen ließ, bevor es mit Unterstützung Frankreichs zur Kur durch die deutschen Fürsten in Frankfurt kam. Wenn sich der Spanier ebenso wie sein Konkurrent Richard bis zur Krönung Rudolfs von Habsburg 1273, die beider Königtum endgültig erledigte, unablässig aber vergeblich um päpstliche Anerkennung bemühte, So kennzeichnet dies die geringe Bedeutung der letzten Interregnumskönige für das Reich. 
Demgegenüber ragt er in der Reihe der spanischen Herrscher durchaus hervor. Alfons gründete eine Akademie und schuf mit den zahlreichen unter seiner Agide verfaßten wissenschaftlichen und literarischen Werken die Grundlage der modernen kastilischen Schriftsprache. 
In dem Gelehrtenkreis seines Hofes blühten Jurisprudenz, Historie und Astronomie wie sonst nirgends im Europa jener Zeit, und sogar als Lyriker hat sich der kastilische König mit über 400 Marienliedern einen Namen gemacht. 
Als König führte Alfons X. 1257 zunächst ein doppelseitig geprägtes, sogenanntes Münzsiegel, dessen Vorderseite einen Reiter mit Topfhelm, Schild und gezücktem Schwert, die Reversseite hingegen jeweils doppelt die Wappenbilder von Kastilien und Len, Burg und Löwe, zeigt. 
Ein weiterer Stempel vom gleichen Typ ist überliefert; er hat jedoch sowohl im Avers wie auch im Revers statt dem reitenden einen thronenden Herrscher, stellt also offenbar eine Kompromisslösung zwischen der spanischen und der deutschen Siegeltradition dar. Was unser Stück betrifft nach Posse das „dritte Königssiegel“ läßt sich leider zu Datum und Provenienz nichts sagen. Wenn dieser Stempel sich einerseits im ganzen an der offenbar verbindlichen Form des römisch-deutschen Königssiegels, des einseitigen Thronsiegels, orientiert, so fällt es doch in vielen Einzelheiten aus der Tradition heraus. So fehlt ihm beispielsweise die seit dem Anbruch des Interregnums gewöhnlich aufwendig gestaltete Lehne der Thronbank und eigenartig ist auch die Verwendung des Vogelzepters, wie es in der weit zurückliegenden Ottonen- und Salierzeit begegnete.

Zusatzinfo

Konrad oder Konradin der heute gebräuchliche Name ist dem italienischen Diminutiv Corradino nachgebildet wurde 1252 als Sohn des Königs Konrad IV. (1237-1254) und der bayerischen Herzogstochter Elisabeth geboren. 

Da der Vater wegen seiner italienischen Unternehmungen die Gemahlin schon vor der Geburt des Stammhalters in Bayern zurückgelassen hatte und wenig später selbst verstorben war, wuchs Konrad unter der Obhut seiner mütterlichen Verwandtschaft, vor allem seines Grossvaters Otto und seines Onkels Ludwigs des Strengen in Süddeutschland auf. 

Seit der Geburt konnte Konradin den auf seinem Siegel vorangestellten Titel eines Königs von Jerusalem führen, den er über Kaiser Friedrich IT. und Konrad IV. von seiner Grossmutter Isabella aus dem Hause Balduins von Flandern ererbt hatte; in dem flandrischen Königshaus von Jerusalem galt im Gegensatz zum Reich das Erbrecht. 

Zu Konradins Lebzeiten aber war die Königswürde im Heiligen Land schon längst zu einem leeren Titel herabgesunken. 

Auch der zweite Königstitel „,von Sizilien“ war durch den Halbbruder Konrads IV., Manfred okkupiert, der 1255 eine entsprechende Vollmacht des noch im zarten Kindesalter stehenden Konradin erhielt und sich aufgrund einer falschen Nachricht über den angebliche Tod des kleinen Staufers 1258 selbst zum König von Sizilien krönen ließ. Wenn im Bildfeld schließlich die schwäbische Herzogswürde angezeigt iSt, SO war auch dies ein zweifelhafter Titel, denn König Richard hatte zwar nach seiner Wahl die Belehnung Konradins mit Schwaben zugesichert, doch ob diese tatsächlich erfolgte, bleibt zweifelhaft. 
Im Mai 1262 hielt der zehnjährige Konrad zwar einen Hoftag in Ulm, auf welchem er das Herzogtum Schwaben förmlich in Besitz nahm, doch die eigentliche Regierung, wenn man von einer solchen überhaupt sprechen kann, führte der Vor- mund, Bischof Eberhard von Konstanz. 

Als Manfred 1266 in der Schlacht von Benevent fiel und der vom Papst belehnte Karl von Anjou sich endgültig in den Besitz Siziliens setzte, wurde Konradin von den Anhängern der Staufer aufgefordert, sein Erbe zu verteidigen. 

Er machte eine Art Testament und brach Anfang des Jahres 1267 nach Süden auf. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, aber auch einigen Erfolgen wurde das staufische Heer im Norden des sizilianischen Reiches durch eine List von dem Anjou geschlagen, und Konradin fiel durch Verrat auf der Flucht in die Hände des Königs. 
Mitsamt einigen Getreuen liess Karl den letzten Staufer in den letzten Oktobertagen auf der späteren Piazza del mercato zu Neapel enthaupten. 

Der einzige Stempel des Staufers dürfte bald nach dem Tode des Vaters Konrad IV. 1254 entstanden sein, da bereits 1255 in dem Bevollmächtigungsschreiben Konradins für seinen Onkel Manfred ein „sigillum maiestatis nostre“ erwähnt wird. Entsprechende Siegel hängen jedenfalls seit 1258 an Konradins Urkunden. Auf die frühe Entstehung des Typars weist ferner die Tatsache, dass dieses formal wenig an die Stempel von Konradins staufischen Vorvätern und auch nicht an das Siegel Richards von Cornwall (1257-1272) erinnert, sondern in vielen Zügen nach dem Siegel König Wilhelms von Holland (1248-1256) gebildet ist. Diesem entspricht beispielsweise die Haltung der Insignien, die schwere Laubkrone, der Mantel und auch die Thronbank, wenn man von der bei Wilhelm zusätzlich dargestellten, reichverzierten Lehne absieht. Aufgrund der historischen Gegebenheiten wird man den Siegelschneider in Süddeutschland suchen dürfen, der diesen Stempel derber und auch plastischer gestaltete als es der Künstler des Typars König Wilhelms getan hatte.

Richard von Cornwall 
1268

Rudolf I. von Habsburg
1274

Adolf von Nassau
1294

Titel                        König
Siegelführer    Richard von Cornwall   

                                   1257-1272


Legende

geboren     1209
gestorben   2. April 1272   England
Grabstätte  Hayles in Cornwall Kloster

 

Typ                           römisches Königssiegel
Datierung             1268
Gewicht
Durchmesser     94 mm
Stärke
Form                         rund
Material                 Wachs

Siegelbild                     

Der König thronend en face, mit einer belaubten Zackenkrone auf dem Haupt, 
das halblange, gelockte Haar fällt unter dem Diadem herab; in der zum Leib gewandten und auf das Bein gestützten Rechten hält der Herrscher ein Zepter mit Laubwerk, in der ausgestreckten Linken den Reichsapfel mit hochaufragendem Kreuz; der Mantel bildet um den Hals einen Wulst; 
über der rechten Schulter geknüpft, fällt er in reichem Faltenwurf über den linken Arm; 
das von einem Gürtel zusammengehaltene Untergewand ist über dem linken Bein gerafft und fliesst rechts über Kissenwulst und Thronbank, die Manschetten sind mit Perlen oder Steinen besetzt; 
die Füsse stützt der König auf die stark hervorspringende Sockelplatte des reichverzierten Throns, dessen seitlich abgeschrägte Bank auf gebündelten Stäben mit Blattkapitellen ruht, dazwischen ein mit Perlen besätes Gitter; 
hinten auf der Bank eine gerade Lehne oder Balustrade, deren erhöhtes Mittelstück den thronenden König hervorhebt; sie ist gegliedert in Felder und verziert mit hohen Rundbogen zwischen Kreuzblumen und Kreisen, darauf stecken mit Lilien bekrönte Stangen.

 

Titel                        römisch-deutscher König          

Siegelführer       Rudolf I. von Habsburg   

                                    1273-1291

 

Legende

geboren 1.Mai 1218       Limburg im Breisgau gestorben 15. Juli 1291 Speyer 

Grabstätte Dom Speyer


Typ                       Majestätssiegel / 2.Königssiegel

Datierung         1274

Gewicht

Durchmesser   85 mm
Stärke                                                       

Form                     rund

Material              Wachs

Titel                          König     

Siegelführer        Adolf von Nassau 1292-1298

                                    

 

Legende

geboren                um 1250

gestorben             † 2.7.1298 bei Göllheim

Grabstätte: Dom zu Speyer, Kaisergruft


Typ                        Großes Thronsiegel

Datierung          1294

Gewicht

Durchmesser   87 mm
Stärke                                                       

Form                     rund

Material              Wachs

Zusatzinfo

Die beispiellose Absetzung Kaiser Friedrichs II. durch den Papst in Lyon 1245 läutete das Ende der Staufer und das sogenannte Interregnum ein. In das entstandene Machtvakuum stießen nun die miteinander konkurrierenden Fürsten anderer europäischer Spanien Länder wie England, und Frankreich. Sie gingen mit dem Papsttum, das ebenfalls einen beachtlichen Machtzuwachs verbuchen konnte, mit wechselndem Erfolg Bündnisse ein, die unter anderem darauf zielten, die tatsächliche Regierungsgewalt im Reich, freilich unter der Ägide des Papstes, zu gewinnen. Richard, dem Sohn des englischen Königs Johann ohne Land, hatte der Papst 1247 das Lehensreich Sizilien angetragen, nachdem der 1245 wählte Gegenkönig Heinrich Raspe gestorben war, noch ehe er seine Herrschaft stabilisieren konnte. Der Plantagenet lehnte jedoch den Ruf nach Sizilien ab, denn er sah wohl kaum eine Aussicht, sich dort gegen den gebannten Kaiser durchzusetzen.

Als der Papst 1252 angesichts des Italienzugs Konrads IV. sein Angebot wiederholte, schlug es Richard wiederum aus. Der englische Griff nach der sizilischen Krone über den jährigen Plantagenet Edmund war aber dann eine Option, die beim überraschenden Tod König Wilhelms von Holland 1257 Richard schliesslich auf den deutschen Thron verhalf, nicht ohne einen Gegenkönig jedoch, Alfons von Kastilien, den die übrigen Fürsten ein Vierteljahr später erhoben.

Im Unterschied zu dem Spanier hat Richard in seiner Regierungszeit 1257-1272 mehrfach, insgesamt rund vier Jahre auf dem Kontinent geweilt, jedoch ebensowenig wie jener seinen Fuss in das rechtsrheinische Deutschland gesetzt. Unterstützung fand Richard, nachdem der Rheinische Bund infolge der Doppelwahl zerfallen war, vor allem bei den norddeutschen Hansestädten, die traditionell über enge Verbindungen mit England verfügten. Ausserdem konnte sich der König nicht von der Politik auf den Inseln lösen, wo er seinem Bruder Heinrich III. immer wieder zur Hilfe eilen musste. 1264/65 saß er sogar gefangen im Londoner Tower. Auch wenn sich kaum ein Fürst im Reich um den auswärtigen König kümmerte, sieht man von Ottokar ab, der sich von Richard belehnen liess, entschloss sich der Plantagenet, der als einer der reichsten Fürsten seiner Zeit galt und dem Erwerb der deutschen Krone mit viel Geld nachgeholfen hatte, 1260 zu einem Romzug mit dem Ziel, die Kaiserkrone zu erwerben. Der Plan scheiterte jedoch an der politischen Lage in Italien.

Als Graf von Cornwall führte Richard das übliche Reitersiegel. Sein deutsches Königssiegel kann stilistische und ikonographische Anklänge an das zweite englische Königssiegel Heinrichs III., Richards Bruder, von 1259 kaum verleugnen; es dürfte also in einer Werkstätte auf den Inseln entstanden sein. Was den Gebrauch betrifft, hielt sich Richard offensichtlich an die deutschen Sit- ten, denn die englische Übung doppelseitig gestempelter, sogenannter Münzsiegel mit dem thronenden Herrscher auf der einen und dem König zu Pferde auf der anderen Sei- te, was auch bei König Ottokar von Böhmen begegnet, pflegte er nicht. Neben dem Typar Heinrichs III. nahm der Künstler das vermutlich vom Niederrhein stammende Siegel König Wilhelms von Holland, Richards Vorgänger auf dem deutschen Thron, zum Vorbild. Für die Entwicklung des deutschen Herrschersiegels ist ferner bedeutsam der Einfluss des Stempels auf das erste Majestätssiegel Rudolfs von Habsburg, der Richard nachfolgte. Rudolf hat dieses Typar freilich nur ein knappes Jahr verwendet und dann einen neuen, deutlich in anderen Traditionen stehenden Stempel anfertigen lassen.

Siegelbild      

Auf einem breiten Thronsessel mit gotischen Schnitzereien liegt ein Kissen, 
auf dem der König sitzt mit dem Lilienzepter in der rechten Hand und dem Reichsapfel in der
 erhobenen Linken. Der Bildhintergrund ist glatt und unverziert.

Siegelbild                     

Der König mit dem Zepter in der angewinkelten Rechten und dem Reichsapfel in der ausgestreckten Linken trägt auf dem Haupt eine Krone mit aufgesteckten Lilien; er sitzt auf einer Thronbank mit Kissen und breiter, rundbogiger Lehne, zu deren Seiten Filialen aufsteigen; das Gewand fällt in reichem und fließenden Faltenwurf über die Beine und die Bank. 


 

Umschrift

† ADOLFVS DEI GRACIA ROMANORVM REX SEM- PER AVGVSTVS 

 

Übersetzung

Adolf, von Gottes Gnaden König der Römer, allzeit Mehrer des Reiches


 

Umschrift                           

*RICARDUS DEI GRACIA ROMANORVM REX SEMPER AVGVSTUS*

 

Übersetzung                      

*Richard, von Gottes Gnaden König, allzeit Mehrer des Reiches*          

Umschrift           

*RVDOLFVS DEI GRATIA ROMANORVM REX SEMPER AVGVSTVS*

 

Übersetzung      

*Rudolf von Gottes Gnaden König stets  Mehrer des Reiches*

Zusatzinfo

Nach der Schwäche der Zentralgewalt im Reich während des Interregnums fand die Herrschaft König Rudolfs seit 1273 weithin Anerkennung, dem Habsburger blieb jedoch versagt, seinem Haus die königliche Würde auf Dauer zu sichern. Eine wichtige Voraussetzung dafür, die Kaiserkrönung in Rom, hatte Rudolf zwar angestrebt, aber all diese Pläne scheiterten an der Politik und am raschen Wechsel der Päpste. Ein Fortsetzer der Sächsischen Weltchronik hat dieses Manko treffend in die Fuchsfabel gekleidet, die er Rudolf in den Mund legte. Mit dieser Geschichte habe der König den Fürsten, die ihn immer wieder zum Zug nach Rom gedrängt hätten, zu verstehen gegeben, daß er nicht in die „Höhle des Löwen" ", nach Italien, ziehen wolle, denn nur selten seien seine Vorgänger von dort zurückgekehrt. So konnte der Habsburger nicht daran denken, seinen Sohn Albrecht bereits zu Lebzeiten zum König zu designieren oder erheben zu lassen. Nachdem Rudolf am 15. Juli 1291 in Speyer verstorben war, verstrich denn auch fast ein Jahr, ehe ein neuer König gewählt werden konnte. Die Kurfürsten waren sich einig in der Ablehnung des mächtigen Habsburgers Albrecht, allen voran Erzbischof Siegfried von Köln, der in der Schlacht von Worringen eben eine vernichtende Niederlage gegen seine Stadt erlebt und obendrein ein Jahr in Gefangenschaft verbracht hatte. 

Sie sammelten sich schließlich hinter dem Wunschkandidaten des Kölner Erzbischofs, dem Grafen Adolf von Nassau, der ganz im Sinne der Fürsten über keine nennenswerte Haus- macht verfügte. Seine Kandidatur entsprach vor allem den Interessen seines Schwagers und Kampfgefährten Siegfried, denn der gedemütigte Erzbischof versprach sich von König Adolf die Entschädigung der Kölner Kirche und die Wiederherstellung der angestammten bischöflichen Position. Diese Konstellation brachte freilich mit sich, daß Adolf von seinem bischöflichen Verwandten gegen den Habsburger Albrecht und dessen Ansprüche auf die Krone voll ausgespielt werden konnte. Albrecht ließ es jedoch zunächst nicht zu einer Machtprobe kommen, sondern lieferte dem Nassauer bald nach dessen Krönung am 1. Juli 1292 zu Aachen in Hagenau die Reichsinsignien aus, die König Rudolf vor seinem letzten Zug nach Burgund in der Burg Rheinfelden bei Basel zurück-gelassen hatte, und huldigte ihm. Außenpolitisch wie innenpolitisch konnte Adolf während seiner kurzen Regierung kaum Boden gewinnen, sein Handlungsspielraum blieb eng begrenzt. Man hat ihn pointierend als Angestellten auf Widerruf im Interesse Kurkölns bezeichnet, sein Königtum gilt als drastisches Zeugnis für die kurfürstliche Selbstsucht und die Ohnmacht des Wahlkönigtums. Adolfs Versuch schließlich, sich mit Thüringen und Meißen die fehlende Hausmacht zu verschaffen, quittierten die Kurfürsten mit dem unerhörten Plan, den König abzusetzen. So kam der Nassauer am 2. Juli 1298 in der blutigen Schlacht bei Göllheim in der Pfalz ums Leben, wo er sich seinem Konkurrenten Albrecht von Habsburg nach dem bekannten Marsch über die Breisacher Reinbrücke stellte. Mit Albrecht verbindet Adolf nicht nur sein gewaltsamer Tod, sondern auch die letzte Ruhestätte im Kaiserdom zu Speyer, wo zwar beiden kein aufwendiges Grab bereitet, ihre Bestattung aber immerhin von Reichs wegen veranlaßt wurde. Während die Siegelumschrift der seines Vorgängers Rudolf von Habsburg genau entspricht, folgt Adolfs

Bildnis einem völlig anderen Stil. 

Die Herrscherfigur hat an Plastizität und der Thron an Pracht und Größe gewonnen. Daß das Bild des Nassauers mehr gemeinsam hat mit den Siegeln der Interregnumskönige Wilhelm von Holland und Richard von Cornwall als mit Rudolfs Stempeln, dürfte einerseits auf unterschiedliche Anknüpfungspunkte der beiden Herrscher weisen, andererseits aber vor allem zu erklären sein aus den künstlerischen Traditionen der Siegelschneider, denn die letzteren Stücke sind wohl alle am Niederrhein gefertigt. Gemahnt die Figur Rudolfs noch deutlich an seine salischen und staufischen Vorgänger, so weist das Siegel Adolfs schon voraus auf den schönen Stil des 14. Jahrhunderts.

Zusatzinfo

Rudolf war der Sohn Graf Albrechts IV. und von Kaiser Friedrich II. aus der Taufe gehoben. Stets blieb er ein treuer Anhänger der Staufer. In der kaiserlosen Zeit, dem sogenannten Interregnum von 1145, der Absetzung Friedrichs II., bis 1173, ging fast das gesamte Reichsgut an die Reichsfürsten verloren. Den grössten Teil davon, nämlich Österreich, Steier- mark, Kärnten und Krain, eignete sich nach dem Tode des letzten Babenbergers der König von Böhmen und Mähren, Ottokar II., an. Die während des Interregnums gewählten Könige, Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien, besaßen nicht die Macht, dem Zerfall des Reiches und des ewigen Landfriedens Einhalt zu gebieten. 
Um dem entgegenzuwirken und einen starken Partner für einen geplanten neuen Kreuzzug zu erhalten, forderte Papst Gregor X. die Kurfürsten ultimativ auf, einen neuen König zu wählen. Die Wahl fiel nicht auf Ottokar, den mächtigsten, sondern auf Rudolf von Habsburg, von dem die Reichsfürsten glaubten, dass er am wenigsten in der Lage sei, ihre eigene Macht und Unabhängigkeit vom reich zu gefährden.
Indessen forderte dieser gleich nach seiner Wahl die Reichsländer zurück. Die meisten von ihnen hatte König Ottokar in Besitz genommen.
Auf einem Reichstag zu Nürnberg ermächtigten die Reichsfürsten König Rudolf zur Einziehung der Reichslehen. 
Da Ottokar es ablehnte, dem neuen König zu huldigen und einer Vorladung zum Reichstag nicht nachkam, wurde er mit der Reichsacht belegt und ein Reichskrieg gegen ihn beschlossen. 
Vor Wien musste sich der Böhmenkönig ergeben. 
Die Reichslehen Österreich, Kärnten, Steiermark und Kran fielen an Rudolf zurück, mit Böhmen wurde Ottokar wieder neu belehnt. 
Als Ottokar 1278 erneut versuchte, die Lage zu seinen Gunsten zu ändern, musste sich Rudolf der Hilfe der Ungarn versichern, um entscheidenden Widerpart leisten zu können. Diese Hilfe sollte sich entscheidend auswirken.
Auf dem Marchfeld bei Dürnkrut, 40 km nordöstlich von Wien, wurde das Heer Ottokars vernichtend geschlagen, er selbst von persönlichen Feinden ermordet. Damit ging das Grossböhmische Reich zu Ende.
Mit der für das Haus Habsburg konsequenten Haus- und Machtpolitik erheiratete es sich unter Rudolf die Zustimmung für alle seine Pläne. Die eigenen Söhne Albrecht und Rudolf erhielten als Lehen die Österreichischen Stammlande. König Rudolf I. erhob 1290 nach Ermordung seines Schwiegersohnes, König Ladeslaus IV. von Ungarn, erste Ansprüche auf die ungarische Krone. 
Mit seiner zweiten Heirat sicherte sich Rudolf die Rechte auf Burgund. Mit vielen Reichsfürsten war er schliesslich verschwägert, aber die Zustimmung zu seiner Hauspolitik im Süden und Südosten musste er mit Zugeständnissen im Norden des Reiches erkaufen. 
Die dortigen Reichsgüter fielen an die Reichsfürsten. Persönlich ist Rudolf selbst im Norden nie über Wetzlar hinausgekommen. Die Kaiserwürde hat er mehr aus Zufälligkeiten heraus nie erlangt; noch konnte er die Dynastie des Hauses Habsburg begründen, aber die Voraussetzungen dafür hat er geschaffen. Er starb 1291 in Speyer. 
Dort liegt er auch begraben und das Epitaph Rudolfs von Habsburg schmückt das erste Portrait eines deutschen Königs.
Das Siegel steht in der Mitte der Tradition des Thronbildtypus. Der Thron ist reich verziert, aber noch dominiert die Person des Königs. Erst durch die spätere Entwicklung des Thronsessels zum Baldachinthron änderte sich dies. Erstmalig unter Rudolf I. wurde auch ein kleines Siegel, das sogenannte Sekretsiegel (sigillum secretum) in Gebrauch genommen. Das kleine Siegel mit der Abbildung eines Adlers fand als Rücksiegel auf dem Majestätssiegel Verwendung, um die persönliche Mitwirkung des Kaisers zu dokumentieren und dem Siegelmissbrauch Einhalt zu gebieten. Die Bedeutung des Sekretsiegels änderte sich dann im Laufe der Zeit von einem untergeordneten zu einem gleichberechtigten Siegel mit festgelegter Funktion.               

Albrecht von Österreich
1280

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Titel                        König
Siegelführer       Albrecht von Österreich


Legende

geboren               Juli 1255
gestorben            1.Mai 1308.  ermordet
Grabstätte         Windisch /Schweiz

 

Typ                           
Datierung             1280
Gewicht
Durchmesser      
Stärke
Form                         rund
Material                  Bronze

Siegelbild                     

 

 

Titel                               

Siegelführer         

                                    

 

Legende

 


Typ                    

Datierung         

Gewicht

Durchmesser   
Stärke                                                       

Form                     

Material              

Zusatzinfo

Albrecht, V. Graf von Habsburg, war ab 1282 Herzog Albrecht I. von Österreich, von Steiermark und von Krain sowie Herr der Windischen Mark sowie ab 1298 römisch-deutscher König aus dem Haus Habsburg. Auf seine Anordnung hin wurde das Habsburger Urbar begonnen. 


Ehepartnerin: 

Elisabeth von Kärnten, Görz und Tirol (verh. 1274)

 

Kinder:

Friedrich der Schöne, Albrecht II., Rudolf I. Leopold I.

Siegelbild      

 

Umschrift                           

 

 

 

Übersetzung                      

 

Umschrift           

 

 

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