Projekt in Kletzke

Chronik des Ortes

Kletzke wurde unter dem Namen „Klesick“ 1275 erstmals erwähnt. 
Die Ortstruktur wird von einem Sackgassendorf mit Gutsiedlung bestimmt. Der Ort lag im Besitz derer von Quitzow zu Kletzke und wurde als Ritterbesitz genutzt. Reste einer ehemaligen Wasserburg derer von Quitzow, auf einem von Wassergräben umgebenen Hügelgelände mit beträchtigen Überresten starkwandiger Feldsteinmauern sind noch vorhanden. Der Quitzow-Clan unternimmt von der Burg aus seine Raubzüge Nachdem die Herrschaft um 1375 in den Besitz der Ritter von Quitzow gelangt war, nutzten diese die an der Handelsstraße Berlin-Lübeck gelegene Burg seit Ende des 14. Jh. als Startbasis für ihre gefürchteten Raubzüge und blutigen Fehden mit Pommern, Mecklenburg, Sachsen-Lauenburg und dem Erzstift Magdeburg. 
Bereits 1390 wurde das Raubnest von den Herzögen Heinrich von Lüneburg und Erich von Sachsen belagert. Vergeblich, denn der „alte Räuber“ Ritter Kuno von Quitzow Vater der noch dreisteren Söhne Dietrich und Hans, die  Land und Leute in Angst und Schrecken versetzten seinem konnte den Belagerern vor „großen Raubhaus“ Paroli bieten und eine empfindliche Niederlage bereiten. 
Nicht genug damit, fanden die beiden Landpiratensöhne wenig später beim finanzschwachen brandenburgischen Markgrafen Jobst von Mähren landesväterliche Unterstützung, der Ihnen als Gegengeschenk für kräftige Finanzspritzen sogar 1408/09 die Städte Strausberg und Rathenow verpfändete. 
So beherrschten die Quitzows von ihren Burgen aus nicht nur die gesamte Prignitz, sondern auch das Havelland, den Teltow und Barnim und vorübergehend auch Berlin, das vom Markgrafen Jobst im Stich gelassen – mit den Raubrittern einen teuer bezahlten Schutzvertrag abschloß. Es war ein Bündnis mit dem Teufel, bis endlich der Nürnberger Burggraf als Statthalter der Mark Brandenburg 1414 dem Raubritterunwesen ein Ende bereitete. Die Burg wurde eingenommen macht der Quitzow Sippe gebrochen.

Dagegen zeugen von ihren friedlichen Nachfahren aus dem 16./17. Jh. figürliche Grabdenkmäler in der Dorfkirche, einem gotischen Feldsteinbau, die man in der Mitte des Dorfes findet.
Die Kirche ist eine der bedeutendsten Kirchen Anfang des 13 Jahrhunderts der Region.
Sehenswert ist auch die Westfront.

Die Burg blieb bis zum 17.Jahrhundert bewohnt, sie wird 1598 noch als „ aus dem Grunde gemeuert, mitt einen gewölbten Keller, eine Stube und Kammer mit der obersten Schlafkammer“ beschrieben.
Nur spärliche Reste erinnern noch im Prignitzort an die einst mächtige Wasserburg der Herren von Quitzow, die um 1400 als gefürchtete Raubritter einer brandenburgischen Epoche (,, Quitzow Zeit“) ihren Stempel aufdrückten.

Degen hinter dem Altar

Hier hat die Bruderschaft der Askanier einen Stein ins Rollen gebracht!!
Wir entdeckten bei einem Besuch der Kirche in Kletzke, hinter dem Altar eine Schaukasten mit einem von starken Rost angegriffenen Degen.

Prunk-Degen des Achatz von Quitzow († 1605) in Kletzke soll restauriert werden! Die Dorfkirche in Kletzke besitzt eine der reichsten und prunkvollsten manieristischen Kirchenausstattungen der Prignitz. Der Grund dafür ist, dass die berühmte Adelsfamilie von Quitzow hier ihr Patronatsrecht ausübte und für ihr Seelenheil im 16. und frühen 17. Jahrhundert umfangreiche Memorialstiftungen vornahm. Unter den zahlreichen großartigen Grabdenkmälern und Epitaphien befindet sich auch ein unscheinbarer Holzkasten, in dem sich ein alter rostiger Degen befindet. Dieser wurde 1902 bei Instandsetzungsarbeiten in der Kirche in einer Gruft vor dem Altar entdeckt, die dem Ritter Achatz von Quitzow († 1605) gehört. Der Entschlafene – so berichtet es der damalige Pfarrer – hielt in den gekreuzigten Händen den zierlichen Degen, der neben einem Goldring dem Grab entnommen wurde.

Unter,  wie sich herausstellte – konservatorisch ungünstigen Verhältnissen überdauerte der Prunkdegen die letzten Jahrzehnte in seinem Schaukasten hinter dem Altar. Starke sichtbare Korrosion zeugt offenkundig vom stetigen Zerfall. Erstmalig nach über 100 Jahren wurde nun der Quitzow-Degen vom Dipl.-Restaurator Alexander Seifert (Berlin) in Augenschein genommen. Der Experte soll eine Konservierung/Restaurierung vorbereiten, deren Mitfinanzierung durch den Bruderschaft der Askanier e.V. in Aussicht gestellt wurde. 

Der Verein zur Darstellung eins lebendigen Mittelalters unternahm im Oktober diesen Jahres unter Leitung von Dr. Clemens Bergstedt (Burg Ziesar) und Führung von Gordon Thalmann (Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V.) seine Herbstexkursion nach Kletzke und signalisierte eine finanzielle Unterstützung im Rahmen der dringend erforderlichen Konservierungs-/ Restaurierungsarbeiten, die für das kommende Jahr angedacht sind.

Restauratorisches Zustandsgutachten für die Restaurierung und Konservierung des Degen des Herrn von Quitzow in der Kirche von Kletzke/ Prignitz, Brandenburg, Deutschland 

wurde in Auftrag gegeben an Herrn. Dipl. Restaurator (FH) Alexander Seifert aus Berlin

Zustandsbeschreibung vom 16.12.2019

Der Zustand des Degens aus dem 16. Jahrhundert ist in einem alarmierenden Erhaltungszustand. Durch die Lagerung über Jahrhunderte im Grab des Herren von Quitzow kam der Eisendegen mit im Erdreich vorhandenen Chloriden in Verbindung die den heutigen Erhaltungszustand verursacht haben. Derzeit befindet sich der Degen im sogenannten „WEEPING“- Zustand, was bedeutet, dass die eingedrungenen Salze das Material schwitzen lassen, indem auf der durch Korrosion zerstörten und vergrößerten Oberfläche Feuchtigkeit gebunden wird, was die Zerstörung des Materiales unaufhaltsam vorantreibt.

Makroskopische Untersuchungen der bereits gesicherten Fragmente ergaben, vollständige Leder und Holzanhaftungen über der Klinge, die als Rückstände der Scheide identifiziert wurden. Holz wie auch Leder enthalten Gerbsäuren sowie natürliche Chloride die auf lange Zeit ebenfalls zerstörerisch auf Metall einwirken. Auch auf der Parierstange und dem Griffkolben befinden sich organische Reste in Form von Holz und Leder.

Der Zerstörungsprozess befindet sich in einem Turbostadium. Wenn nicht innerhalb kürzester Zeit (weniger als 2 Jahre) Restaurierungs- u. Konservierungsmaßnahmen eingeleitet werden ist der Degen nur noch fragmentarisch vorhanden.
Durch den Verbleib über Jahrhunderte im Grab des Achats v. Quitzow, ist der Degen als archäologisches Objekt anzusehen, auch wenn er nicht in den Bereich der Bodendenkmalpflege fällt.

Als erste Maßnahme ist der Degen umgehend in ein stabiles Klima zu verbringen, detailliert heißt das:

Sofort aus der, großen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzten Kirche entfernen

Verbringen in ein stabiles Klima von möglichst unter 20% Luftfeuchtigkeit und einer konstanten Temperatur von 25°C

Entnahme aus der bisherigen Behausung des Uhrenwandschrankes

Diese Maßnahmen sind umgehend im ersten Quartal 2020 durchzuführen.

Die weiteren anstehenden Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen werden in der folgenden Tabelle aufgeführt und kalkuliert.
Als eine der ersten Maßnahmen ist eine mehrmonatige Entsalzung in einer Natriumsulfidlösung durchzuführen. Hierbei ist zu erwähnen, dass eine Entsalzung bei derartigen Mischmaterialien, Eisen, Buntmetalle (Kupferlegierung), Holz und Leder nicht durchführbar ist, da zu erwarten ist, dass es zu Substanzverlusten kommt, speziell bei den Nichteisenmetallen. Bei dem vorliegenden schlechten Erhaltungszustand ist jedoch eine kontrollierte Entsalzung zwingend notwendig. Kontrolliert bedeutet, dass das Objekt wöchentlich in Augenschein genommen werden muß um die Schädigungen einzudämmen. Bei einer Nichtentsalzung wäre das Objekt nicht zu retten.

Für die bessere Handhabung in der Zukunft schlagen wir eine Präsentation auf einem Plexiglasblock vor. Der Degen wird fest auf dem Block fixiert. Dadurch ist der direkte Kontakt mit dem Degen nicht mehr notwendig, bei zukünftigen Transporten muß nur der Plexiglasblock ertüchtigt werden.

Abb. 1: die helleren Bereiche dokumentieren organische Reste der Degenscheide

Abb. 2: gut erkennbar der akute Bedarf an Restaurierung & Konservierung, im Vordergrund auf der Klinge, organische Reste (hellbraun)

Die Arbeit ist noch nicht ganz fertig! Da kommt noch was.

askanier.berlin zu Besuch in Kletzke

Die Familie von Quitzow

von Clemens Bergstedt und Gordon Thalmann

Die Familie von Quitzow und die Kletzker Doppelmotte

Die ersten urkundlichen Belege von Mitgliedern der Familie von Quitzow datieren allesamt ins letzte Drittel des 13. Jahrhunderts.                               In diesem Zeitraum lassen sich die ersten drei namhaft zu machenden Personen dieser Sippe in unterschiedlichen herrschaftlichen Zusammenhängen nachweisen. 1261 wird ein Dietrich von Quitzow in einer Urkunde des Ratzeburger Domkapitels unter den Zeugen aufgeführt, es ist zugleich der erste Beleg für das Auftreten der Familie. 

1265 erschien Dietrich von Quitzow im Gefolge Heinrichs von Mecklenburg, bei dem er auch noch 1266 und 1271 auftrat. 

Zwischen 1285 und 1321 wird dann Eckhard von Quitzow in verschiedenen mecklenburgischen Urkunden erwähnt. 

Mit Dietrich und Eckhard – vielleicht handelt es sich um Vater und Sohn – haben wirwahrscheinlich die ersten Vertreter der mecklenburgischen Linie der Quitzows vor uns, deren Stammsitz in Groß Voigtshagen (bei Grevesmühlen) lag. 

Diese Linie starb 1545 aus. 

Das zweite Familienmitglied, das 1269 erstmals in einer Urkunde zu fassen ist, hieß Konrad von Quitzow.

Bis 1291 erschien er regelmäßig als Gefolgsmann der Markgrafen von Brandenburg. 

Die dritte Person schließlich war Berthold von Quitzow, der 1271 und 1275 in Urkunden zugunsten des Klosters Stepenitz, einer Gründung der Familie Gans, zusammen mit Johann Gans von Wittenberge unter den Zeugen aufgeführt ist. Ende des 13. Jahrhunderts lassen sich also verschiedene Familienmitglieder in Diensten der Markgrafen von Brandenburg, der Fürsten von Mecklenburg und der Familie Gans nachweisen.

Sie alle nannten sich nach dem nordwestlich von Perleberg gelegenen gleichnamigen Dorf,  bei dem sich eine Burg befand, die allerdings erst im Jahr 1319 erwähnt wird. Der slawische Ortsname bedeutet „Siedlung eines Mannes namens Kwitsch“, er erlaubt jedoch keine Rückschlüsse auf einen im 19. Jahrhundert erwogenen slawischen Ursprung der Familie. 

In der Forschung hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass die Vorfahren der Familie wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Gefolge der Familie Gans in den Perleberger Raum kamen und im Dorf Quitzow ihren Herrschaftssitz errichteten. Zwar verlor die Familie Gans ihre Herrschaft über Perleberg Ende des 13. Jahrhunderts an die Markgrafen von Brandenburg, aber Mitglieder der Familie von Quitzow sind bis zur Mitte des 14. Jahrhundert in Zusammenhängen mit dieser Dynastenfamilie zu belegen. Andere Mitglieder der offensichtlich im 13. Jahrhundert zunehmend wachsenden Sippe suchten, wie schon erwähnt, ihr Auskommen in fürstlichen Diensten. Solcherart Spielräume für eine niederadlige Familie wie die Quitzows wurden im 13. Jahrhundert durch mehrere Faktoren begünstigt: den zunehmenden Verlust der Machtstellung der Familie Gans, das Aufkommen der Markgrafen von Brandenburg und die Grenzlage der Prignitz gegenüber Mecklenburg und dem welfischen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. 

Für die Mobilität einzelner Familienmitglieder spricht auch, dass sie sich in der Uckermark (1308) und in pommerschen Diensten (1321) nachweisen lassen. Die meisten Zeugnisse finden sich im 13. und 14. Jahrhundert in Urkunden der Markgrafen von Brandenburg. Allerdings können die vielen Einzelpersonen, die nicht nur in den markgräflichen, sondern auch in anderen Urkunden bis zum Ende des 14. Jahrhunderts auftauchen, selten in einen genealogischen Zusammenhang gebracht werden. Dennoch zeichnen sich einige Konturen aus dem Quellenmaterial ab. Im 14. Jahrhundert lassen sich mehrere Herrschaftsschwerpunkte fassen. 

Von der Burg Quitzow, die 1319 erwähnt wurde, war bereits die Rede.18 Im Jahre 1373, nachdem die Mark Brandenburg von den Wittelsbachern an die Luxemburger übergegangen war, entstand auf Initiative Kaiser Karls IV. eine Übersicht und kurze Beschreibung der neu gewonnenen Gebiete. Unter den führenden Geschlechtern in der Prignitz wurden auch die Quitzows mit der gleichnamigen Burg aufgeführt. 

Im Jahre 1319, kurz nach dem Tod des letzten handlungsfähigen askanischen Markgrafen Woldemar, verpflichteten sich einige Prignitzer Adlige,  darunter Johannes (Hannes) und Konrad (Coneke) von Quitzow mit ihrer Burg Quitzow, gegenüber Heinrich II. von Mecklenburg, der die politische Vakanz ausnutzte und sich der Prignitz bemächtigte.     

Beide müssen demnach Anteile an der Burg besessen haben. Im Jahr 1343 verkaufte Konrad der Jüngere (junghe Koneke) mit Zustimmung seiner Söhne Zabel und Iwan sowie seiner Verwandten den Kalandsbrüdern im Land Perleberg drei Hufen im Dorf Quitzow. Unter den Bürgen sind neben den Genannten auch Nikolaus (Klaus) und Dietrich (Tidecke) von Quitzow aufgeführt, die als Verwandte ihre Zustimmung gegeben haben dürften.  Die beiden waren Brüder, die noch einen weiteren Bruder namens Konrad (Conekin) hatten.            Die drei Hufen im Dorf Quitzow hatte Konrad (d.J.) seinen Verwandten Konrad und Henning von Quitzow, die auf Bresch saßen, verpfändet, wie wir aus einer Urkunde des Jahres 1349 erfahren. Und diese wiederum hatten besagte drei Hufen an Henning und Johann von Stavenow weiterverpfändet. Da Konrad (d.J.) die drei Hufen verkauft hatte, aber nicht über sie verfügte, übergab der Pfarrer von Quitzow, Gottfried Sauerbier, im Auftrag des Verkäufers den Erlös an Johann von Stavenow – Henning von Stavenow war bereits verstorben – und dessen Vettern. 

Die Quitzows auf Bresch, also Konrad und Henning, versprachen den Kalandsherren, ihnen die drei Hufen aufzulassen, wenn diese es begehrten. 

Ein Gleiches taten Johann von Stavenow und seine Vettern wenige Tage später in einer zweiten Urkunde.  

Die Auflassung seitens der Brescher Quitzows erfolgte 1351.  Um Geld kann es Konrad (d.J.) bei der Abtretung 1343 also nicht gegangen sein, vielmehr zeigt sich hier der Perleberger Kaland als eine für den regionalen Adel attraktive geistliche Gemeinschaft.            Das Fehlen von Männerklöstern in der Prignitz, abgesehen von den Franziskanern in Kyritz, dürfte dabei eine Rolle gespielt haben.      Zurück zu den Besitzanteilen der Familie im Dorf Quitzow. Nikolaus und Dietrich, die Bürgen von 1343, verkauften wenige Jahre später, 1345, Abgaben aus den Dörfern Quitzow, Groß Linde und Lübzow an den Perleberger Bürger Johannes Bubro und dessen Frau, nicht ohne zuvor in Anwesenheit des Markgrafen auf die genannten Einkünfte Verzicht zu leisten.

Damit fassen wir, wenngleich rudimentär, zwei Familienzweige, die in Quitzow über Besitzrechte verfügten. Der eine, repräsentiert durch Konrad (d.J.), saß auf der Burg Quitzow, wie einer Urkunde des Jahres 1351 zu entnehmen ist. Wedigo von Quitzow, der 1379 Besitzanteile in Quitzow für sich reklamierte, könnte der Linie Konrads (d.J.)  zugerechnet werden, denn er erschien 1378 zusammen mit Iwan von Quitzow in einer Urkunde, die im Kirchhof der Katharinenkirche zu Quitzow ausgestellt wurde.  

Iwan ist als Sohn Konrads (d.J.) 1343 belegt, sodass es sich bei dem Iwan des Jahres 1378 entweder um Konrads (d.J.) Sohn oder dessen namensgleichen Enkel gehandelt haben könnte. Über das genealogische Verhältnis Wedigos zu Iwan besagt die Urkunde nichts, aber dass beide in einer in Quitzow ausgestellten Urkunde erscheinen, lässt doch einen herrschaftlichen bzw. besitzrechtlichen Bezug zu diesem Ort vermuten. Der zweite Zweig, vertreten durch Nikolaus und Dietrich, verfügte im Dorf ebenso über Besitzanteile. Mit Konrad (d.J.) auf Quitzow können wir nun einige genealogische Zusammenhänge etwas genauer fassen, denn er hatte zwei Söhne namens Zabel und Iwan. Konrad (d.J.) weist auf einen älteren Konrad, den wir mit einiger Wahrscheinlichkeit im Konrad von 1319 sehen können. In der gleichen Urkunde von 1319 wird auch ein Johannes genannt, ohne dass über das Verwandtschaftsverhältnis der beiden etwas zu erfahren wäre. 

Aber 1345 wird dieser Johannes als Onkel Konrads (d.J.) bezeichnet, was dafür spricht, dass Johannes und Konrad (d.Ä.), denen wir 1319 begegnen, Brüder waren. Und berücksichtigen wir, dass Ende des 13. Jahrhunderts Konrad von Quitzow in den markgräflichen Urkunden

erscheint, wäre es aufgrund der Leitnamen, die innerhalb der Familie weitergegeben wurden, denkbar, dass dieser Konrad ein direkter Vorfahre von Johannes und Konrad (d.Ä.) war. Unter der Annahme, der nach Konrad auftretende Dietrich wäre dessen Sohn, hätten wir hier Vater und Großvater von Johannes und Konrad (d.Ä.) vor uns.  Aber belastbare Belege für diese Hypothese fehlen. Ebenso bleibt es Spekulation, ob der Johannes des Jahres 1319 Vater der beiden Brescher Quitzows, Konrad und Henning, war. 

Der Name Henning findet sich bei den in Diensten der Gans zu Putlitz stehenden Quitzows, sodass es sich bei der Linie Bresch möglicherweise um eine Nebenlinie des „Putlitzer Zweiges“ gehandelt haben könnte. Konrad (d.J.) war deren Onkel, sodass er einen Bruder hatte, den Vater

der beiden Brüder in Bresch, dessen Namen wir nicht kennen. Ein Iwan von Quitzow ist 1364 belegt, 1376 saß er auf Grube. 

Ob Iwan der Sohn Konrads (d.J.), der 1343 erwähnt wird, oder sein gleichnamiger Enkel war, ist schwer zu entscheiden. Iwans Sohn namens Lippold erscheint 1391 in einer Urkunde. Iwan hatte den väterlichen Sitz in Quitzow verlassen und in Grube (nordöstlich von Wilsnack) eine

neue Herrschaft begründet. Am 21. Dezember 1375 wurden die Brüder Nikolaus, Konrad und Dietrich,  die Söhne Dietrichs, und ihr Vetter Klaus, Sohn des Schwarzen Dietrich, mit der Herrschaft Kletzke zur gesamten Hand belehnt. 

Eine Urkunde hat sich darüber nicht erhalten. 

Die Nachricht beruht auf einem Verzeichnis alter Briefschaften, das sich einst in der Kirche von Kletzke befand. 

Die Urkunde wurde in Prag ausgestellt, denn Landesherr war zu  dieser Zeit Karl IV., der sich im Dezember in seiner böhmischen Residenz aufhielt.

Aus dem Kurzregest wird nicht ersichtlich, ob es sich um eine Lehnserneuerung seitens der Luxemburger oder um eine Neubelehnung handelte. Für die erste Variante spricht, dass nicht nur die Söhne Dietrichs, sondern auch der Sohn des Schwarzen Dietrich bedacht werden, was auf gewachsene Herrschaftsverhältnisse deutet. 

Eine Urkunde vom Juli 1376 erwähnt den jungen Dietrich, Sohn Dietrichs auf Kletzke (Junge tideke van quittzow, herdiderikes sone van Clezik).

Die Urkunde bestätigt also den Besitz von Kletzke und Dietrichs Vaterschaft hinsichtlich seines gleichnamigen Sohnes. Dietrich (d.Ä.) erschien 1371 und 1373 in Urkunden des wittelsbachischen Markgrafen Otto Viii. unter den Zeugen. In der Urkunde vom Juli 1376 ist auch einminderjähriges Kind des Schwarzen Dietrich erwähnt, bei dem es sich aber nicht um dessen Sohn Klaus gehandelt haben kann.

Klaus von Quitzow, der im Sommer 1376 als Bürge bei Kaiser Karl IV. erschien, könnte jener mit Kletzke belehnte Klaus gewesen sein. 

1404 besaß er Anteile an Stavenow, denn in diesem Jahr versprach er dem Rat zu Lübeck,  auch mit seiner Burg Stavenow den Ratsherren beizustehen. Ein Jahr später wurde seitens der Mecklenburger die Verpfändung der Burg Stavenow an die Brüder Johann, Lüder und Wipert von Lützow, an Hans von Kruge und Klaus von Quitzow beurkundet.

1384 erwarb Wedigo von Quitzow die Orte Rühstädt, Bälow und Gnevsdorf als Lehen  vom Havelberger Bischof Dietrich. Über die näheren Umstände des Erwerbs ist nichts bekannt, denn wie im Fall von Kletzke hat sich auch hier keine Urkunde erhalten.

Wedigo könnte, wie oben bereits dargelegt wurde, dem auf Quitzow sitzenden Zweig zuzurechnen sein.

Mit Quitzow, Grube, Bresch, Kletzke und Rühstädt treten ab der Mitte des 14. Jahrhunderts Orte hervor, in denen sich in den folgenden Jahrhunderten Herrschaftszentren der Familie etablierten. 

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kamen dann noch Stavenow zunächst als Teilbesitz der Familie und das magdeburgische Sandau – erworben wiederum von den Kletzker Quitzows und ihrem Vetter Klaus sowie dessen Bruder Kuno d.J. – hin- zu. 

Burg und Flecken Lenzen sind 1385 in der Hand von Konrad und seinem Bruder Nikolaus. 

Hans K. Schulze vermutet den Erwerb Lenzens in der Zeit um 1382, 1399 gingen Ort und Burg der Familie wohl wieder verloren. I

n der ersten Fortsetzung der Detmar-Chronik wird zum Februar 1399 von der Eroberung Lenzens durch Markgraf Jobst von Mähren, 

Markgraf Wilhelm von Meißen und anderen berichtet. Die urkundlichen Zeugnisse fehlen allerdings, was die Sache unsicher macht. 

1410 erhielten die Herzögevon Mecklenburg-Stargard Schloss Lenzen.

Für den Erwerb von Herrschaftssitzen wie Kletzke, Rühstädt, Stavenow, Lenzen und Sandau waren größere Geldsummen erforderlich. 

Dass diese von den hohen Lösegeldern stammten, die die Quitzows von ihren auf Raubzügen gemachten Gefangenen erpressten, ist eine bis in die jüngste Zeit immer wieder angeführte Behauptung, der das Geschichtsbild von den Quitzows als Inbegriff der märkischen Raubritter zugrunde liegt.

Für von den Quitzows erhobenes Lösegeld gibt es zwar einzelne Belege, aber ein Zusammenhang mit dem Erwerb obengenannter Schlösser lässt sich nur schwer herstellen. 

1383 wandte sich König Wenzel an die Hauptleute und Städte der Prignitz und der Mark. 

Die askanischen Herzöge von Sachsen-Wittenberg, Wenzel und Albrecht, hätten ihn darüber informiert, dass Kune und Klaus von Quitzow mit ihren Helfern einen Lüneburger Bürger gefangengenommen haben und sich von diesem eine Geldzahlung, die sogenannte Schatzung, loben ließen. 

Ein Teil des Geldes sei bereits gezahlt worden. 

Die Hauptleute und Städte der Prignitz und der Mark sollen die beiden Quitzowbrüder und ihre Helfer darüber informieren, dass die für den Lüneburger Bürger geleisteten Bürgschaften hinfällig seien und die Brüder das Geld zurückzugeben haben. Unabhängig davon, ob diese das taten, ein Jahr später erwarb Wedigo Rühstädt. 

Für eine nähere Verwandtschaft der Brüder Kune und Klaus zu Wedigo finden sich aber keine Hinweise, sodass auch keine Verbindung zwischen dem Lösegeld und dem Erwerb – in diesem Fall von Rühstädt – hergestellt werden kann. Zudem mahnt die simple Überlegung, dass Lösegelder keine einträgliche Einnahmebasis darstellten, weil ein Adliger jederzeit selbst in Gefangenschaft geraten und damit das durch Raub Gewonnene wieder verlieren konnte, zur Vorsicht. 

Das Beispiel des Wedigo von Quitzow illustriert das. Gesetzt den Fall, er hätte Rühstädt  durch Lösegelder erworben, so wäre er wenige Jahre später,  1388, als Gefangener des Herzogs Heinrich von Braunschweig und Lüneburg mit finanziellen Forderungen für seine Freilassung konfrontiert worden – unabhängig davon, wer am Ende für diese aufkommen musste.

Andere Einnahmen könnten aus Söldnerdiensten resultiert haben. 

Zum Ende des 14. Jahrhunderts finden sich Hinweise, dass verschiedene Familienmitglieder für die Städte Lübeck und Lüneburg tätig waren. 

Die Belege sind jedoch nicht ausreichend, damit

allein derartige Erwerbungen zu erklären, denn mit den Solddiensten waren auch Kosten

verbunden. Das heißt, man kann bei den Einnahmen nicht von Gewinnen ausgehen. So wurde 1365 ein Streit zwischen Johann von Quitzow und dem Rat der Stadt Lübeck durch Vermittlung des Herzogs Albrecht von Sachsen-Lauenburg geschlichtet. 

In den  Verhandlungen wurde unter anderem festgelegt, dass der Rat für alle Schäden Johanns aufkommt. 

Damit soll nun keinesfalls behauptet werden, die Quitzows hätten keine zweifelhaften Überfälle unternommen, doch als alleinige Begründung für ihren Aufstieg reichen die Belege für Fehde- und Raubzüge nicht aus, zumal die Quellen auch andere Zusammenhänge zeigen.

Im Jahr 1319 übertrug Markgraf Woldemar dem Kloster Amelungsborn wegen der Schäden, die dessen Hof in Dranse zugefügt wurden, den Reichsgutkomplex Aulosen. Dort waren die Getreuen des Markgrafen, die Brüder Nikolaus, Konrad und Dietrich von Quitzow, mit dem Nießbrauch belehnt. 

Für die stattliche Summe von tausend Mark brandenburgischen Silbers hatten die Brüder dieses Recht dem Kloster verkauft und die Güter dem Markgrafen aufgelassen. Im gleichen Jahr, kurz nach dem Tod Markgraf Woldemars, versprach Fürst Heinrich ii. von Mecklenburg verschiedenen Adligen, unter anderem Johann und Konrad von Quitzow, ihnen wegen der Schulden, die der Askanier bei ihnen hatte, zu helfen. 

1340 beurkundete Markgraf Ludwig, dass er seinen Dienstleuten (officiati) n Kyritz, Nikolaus und Konrad von Quitzow, 263 brandenburgische Denare schuldig sei.

1343 war es wiederum der Wittelsbacher Markgraf, der gegenüber den Brüdern Nikolaus, Konrad und Dietrich von Quitzow mit 350 Mark Silber verschuldet war und ihnen dafür mehrere Lehen in der Altmark übertrug. 

Konrad von Quitzow und seinen Onkel Johann belehnte der Landesherr 1345 im Dorf Wolterslage  (bei Osterburg) mit 7½ Hufen, 

für die der Markgraf drei Jahre lang 60 Mark brandenburgischen Silbers erhielt.

Diese Quellenzeugnisse widersprechen der Behauptung, die Quitzows hätten ihren Aufstieg in erster Linie den Fehden und den daraus resultierenden Lösegeldern zu verdanken.

Die Finanznot der Markgrafen führte zu einer umfänglichen Veräußerung landesherrlicher Rechte, von der auch der zahlungskräftige Adel profitierte. 

Dazu gehörten, wie unsere Beispiele zeigen, zumindest einige Mitglieder der Familie von Quitzow,  die in markgräflichen Diensten standen.   Damit gelang es ihnen schrittweise, ihre wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten auszubauen. 

Eine solche Annahme erklärt auch ihre herausgehobene Stellung in der Prignitz, wie sie die Beschreibung der Mark Brandenburg von 1373 dokumentiert. 

Vor diesem Hintergrund sind die Erwerbungen von Kletzke, Rühstädt, Sandau und Stavenow nicht überraschend, sondern unterstreichen den wirtschaftlich-finanziellen Aufstieg der Familie.

Zum Gefecht bei Kletzke im Jahre 1390

von Clemens Bergstedt und Gordon Thalmann

Über die Auseinandersetzungen vor Kletzke im Jahre 1390 berichten zwei Lübecker 

Quellen: erstens die bis 1395 reichende Fortsetzung der Chronik des Franziskaners 

Detmar von Lübeck und zweitens die Chronik des Dominikaners Hermann Korner. 

Jedoch sind die Nachrichten widersprüchlich und bedürfen daher einer genauen Analyse.

In der ersten Detmar-Fortsetzung, die entweder auf Detmar selbst oder auf einen

unbekannten Verfasser zurückgeht, wird zum Jahr 1390 über drei militärische Ereignisse

berichtet. Die Herzöge Bernhard und Heinrich von Lüneburg zogen mit einem stattlichen

Heer gegen Schnackenburg und Gartow und gewannen die beiden Burgen. 

Danach ging es gegen Salzwedel, wo sie bis nach Stendal hin alles brandschatzten und verheerten.

Dann heißt es wenig später, dass Herzog Erich von Sachsen-Lauenburg und Herzog

Heinrich von Braunschweig-Lüneburg gegen Kletzke gezogen waren und dort alles 

niedergebrannt und zerstört hatten. Zum Jahr 1391 ist noch einmal – so die Interpretation

in der bis heute maßgeblichen Detmar-Edition von 1899 – von Kletzke die Rede: 
Hier nun waren es der Magdeburger Erzbischof und die Herzöge Bernhard und Heinrich von

Braunschweig-Lüneburg, die Kletzke eroberten. Die sogenannte Rufus-Chronik folgt bei

den Nachrichten zu Kletzke der Detmar-Fortsetzung. 

Die Chronik des Hermann Korner berichtet in der ersten Fassung α/A, die zwischen 1416 und 1420 entstand, zum Jahr

1391 dasselbe wie die Detmar-Fortsetzung. 

Da Korner bei der Abfassung seiner ersten Fassung die erste Detmar-Fortsetzung noch nicht kannte, 

hat er, wie Jakob Schwalm schlussfolgerte, bei dieser Nachricht auf eine magdeburgische Quelle zurückgegriffen.

Dasselbe wäre dann auch umgekehrt für die erste Fortsetzung der Detmar-Chronik 

anzunehmen, wenn man der Ansicht von Koppmann folgt, nach der Detmar ab 1395 seine

Aufzeichnungen überarbeitete und fortführte. 

Für Korner ist die Kenntnis einer solchen Quelle durch seine Magdeburger Dienstzeit problemlos zu erklären. 

Bei Detmar kommt man über Spekulationen in Richtung Magdeburg nicht hinaus.

Was Korner in seinen Chronikfassungen B und D, die 1423 und 1435 abgeschlossen

wurden, zum Jahr 1390 berichtet, gleicht sich – bis auf die Teilnahme Herzog Erichs –

mit der ersten Detmar-Fortsetzung. Seinen Ausführungen zu den Hintergründen der

Auseinandersetzungen ist jedoch mit Vorsicht zu begegnen, denn zu den Eigenarten seiner

Arbeitsweise gehörte es, sich bei jeder Überarbeitung seiner Chronica novella immer mehr

von den Vorlagen zu entfernen.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass das, was Korner und die sogenannte Rufus-Chronik

an Nachrichten bringen, in weiten T eilen für den Berichtszeitraum 1387–1397 mit der ersten

Fortsetzung der Detmar-Chronik übereinstimmt. 

Schwalm und Koppmann gingen aufgrund dessen davon aus, dass der ersten Detmar-Fortsetzung, 

der Fassung B und D der Chronica novella und der sogenannten Rufus-Chronik ähnliche ältere Bestände zugrunde lagen.

Auffällig ist der Umstand, dass in zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils ein Feldzug

gegen Kletzke unternommen worden sein soll. Koppmann ging von nur einer militärischen

Unternehmung aus und führte die dann entstehenden chronologischen Unstimmigkeiten

auf Gedächtnisfehler bei Detmar zurück. 

Überzeugend ist diese Erklärung nicht, denn aufgrund der unabhängigen Überlieferung des Zuges 

von 1391 in der Detmar-Fortsetzung und in der Fassung α/A der Chronica novella 

kann man diese Nachricht nicht einfach abtun, zumal Korner direkt auf eine magdeburgische Quelle zurückgriff. 

Zudem müssten bei der Annahme nur eines Zuges auch die unterschiedlichen Angaben 

zu den fürstlichen Anführern plausibel erklärt werden. 

Korner waren die daraus resultierenden Schwierigkeiten möglicherweise aufgefallen, 

denn er glättete seine Darstellung in den beiden späteren Fassungen, indem er die Nachricht 

über den Feldzug von 1391 und die Teilnahme Herzog Erichs am Unternehmen von 1390 wegließ. 

Dadurch fand der Zug gegen Schnackenburg,

Gartow und Salzwedel, den die Brüder Bernhard und Heinrich, Herzöge von Braunschweig-

Lüneburg, anführten, nun seine Fortsetzung und seinen Abschluss vor Kletzke.

Wenn man also von zwei Kriegszügen 1390 und 1391 mit unterschiedlichen Protago-

nisten auszugehen hat, wäre zu erklären, ob Kletzke überhaupt in so kurzer Zeit zweimal

das Ziel einer militärischen Kampagne wurde. 

Die Ereignisse des Jahres 1390 weisen eindeutig auf Kletzke, da diese Veste explizit als Quitzow-Besitz genannt wird und seit 1376 als solcher auch belegt ist.  

Anders verhält es sich bei der Nachricht zum Jahr 1391: 

Hier ist nur von einer Burg Klottze/Clotze die Rede, die als Raubhaus bezeichnet wird. Dem

traditionellen Geschichtsbild von den Quitzows als Inbegriff der märkischen Raubritter

folgend, schien die Lokalisierung Kletzke zweifelsfrei. Doch der Name Klotze weist im

Unterschied zu Kletzeke/Klotzeke auf die Burg Klötze in der Altmark, 
südlich von Salzwedel gelegen. 

Bei dieser Lokalisierung hätten wir es demnach mit einem separaten Zug

des Magdeburger Erzbischofs und der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg zu tun, der

nicht zur Kampagne von 1390 gehörte.

Was spricht nun für die Variante Klötze? Im März 1390 schlossen die Inhaber von

Klötze, Albrecht von Alvensleben und Rudolf von Klöden, einen zwei Jahre geltenden

Dienstvertrag mit den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg, Bernhard und Heinrich,

ab. Dieses Bündnis sollte nicht gegen den Markgrafen von Brandenburg und Albrechts

Vater sowie seine Vettern zu Kalbe (a. d. Milde) gerichtet sein. 

Am 29. Juni 1391 wurde Albrecht, der sich zur Unterscheidung von seinem Vater der Jüngere nannte,

100 als Bürge in einem Vertrag aufgeführt, den Gerhard von Wederden und Friedrich von Alvensleben

wegen der Verpfändung von Schloss und Stadt Calvörde mit Herzog Friedrich von Braun-

schweig-Lüneburg abgeschlossen hatten. 

Nach dem 29. Juni 1391 hatten die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg nicht nur die 

Burg Klötze erobert, sondern auch deren Inhaber, Albrecht von Alvensleben, 

gefangengenommen. Am 16. März 1393 war Albrecht bereits wieder auf freiem Fuß und saß auf Kalbe. 

1396 versetzten die Herzöge Bernhard und Heinrich die Burg Klötze an die von Bartensleben 

und die von Plote, und zwar auch die dem Erzstift gehörende Hälfte, die zu diesem Zeitpunkt an die Herzöge

verpfändet war. Damit dürfte die Eroberung von Klötze auf den Zug des Magdeburger

Erzbischofs Albrecht und der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, Bernhard und 

Heinrich, im Jahr 1391 zurückgehen, der nach dem 29. Juni 1391 stattfand. 

Der Grund lag in den Räubereien, die nach der Detmar-Fortsetzung von Klötze aus – ungeachtet des im

März 1390 abgeschlossenen Vertrages – unternommen wurden.  

Dass sich die Nachrichten der ersten Detmar-Fortsetzung und der ersten Chronik-Fassung 

Hermann Korners über den Zug des Jahres 1391 auf die Burg Klötze beziehen, ist durch die vorgestellten

Quellenzeugnisse sicher.

Damit kommen wir zu den Feldzügen des Jahres 1390. 

Die Unternehmungen der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, Bernhard und Heinrich, 

gegen Schnakenburg und Salzwedel werden durch den Friedensschluss zwischen den genannten 

Herzögen und dem Hauptmann der Altmark, Huner von Königsmark, vom 14. Oktober 1391 bestätigt.

In dem Vertrag wurde festgelegt, dass die Regelung der Fragen um Schnakenburg einem

Schiedsgericht übertragen werden und dass die Bürger von Salzwedel ihre Besitzungen im

Land Lüneburg wie auch die Lüneburger ihre Besitzungen in der Mark behalten sollen.108

Die Unternehmungen gegen Gartow, Schnakenburg und Salzwedel dürften daher einem

gemeinsamen Zug zuzuordnen sein.

Keineswegs sicher ist das bei der Nachricht über Kletzke, denn hier wird nun neben

Herzog Heinrich nicht dessen Bruder Bernhard, sondern Herzog Erich von Sachsen als

Teilnehmer genannt. Ein Irrtum, wie ihn Korner wohl annahm, ist auszuschließen, denn

sonst hätte man einfach mit der Erzählung ohne nochmalige Nennung der Protagonisten

fortfahren können. Demnach haben wir es mit einem gesonderten Unternehmen zu tun,

denn es ist kaum anzunehmen, dass Herzog Bernhard die Truppe verließ und Herzog

Erich an seine Stelle trat. 

Bei Erich handelt es sich wahrscheinlich um den askanischen Herzog Erich IV. von Sachsen-Lauenburg, 

denn sein gleichnamiger Verwandter aus der Bergedorf-Möllner Linie, Erich III., 

war komplett von Lübeck abhängig und nicht in der Lage, in weltliche Auseinandersetzungen einzugreifen. 

Der welfische Herzog Erich stand bis 1401 unter Vormundschaft seines Onkels und scheidet daher ebenso aus. 

Dass Erich IV. als Herr von Lüneburg bezeichnet wird, dürfte entweder auf eine Verwechslung

mit Lauenburg oder auf einen Flüchtigkeitsfehler des Chronisten zurückzuführen sein.

Der Askanier war mit Sophie, einer Schwester der welfischen Herzöge Bernhard und

Heinrich, verheiratet. Dass Erich zu seinen Schwägern politisch einträchtige Beziehungen

unterhielt, zeigt der im Januar 1390 abgeschlossene Bündnisvertrag zwischen Bernhard und

Heinrich auf der einen und Herzog Otto von Braunschweig-Göttingen auf der anderen

Seite, in dem die Brüder unter anderem Erich von den gegenüber Otto eingegangenen

Verpflichtungen ausnahmen. Auch die Beschwerde des Rates der Stadt Lübeck über die

Räubereien der Leute Herzog Heinrichs von Braunschweig-Lüneburg bei den Herzögen

Erich iii. und Erich IV. zeigt, dass man einen gewissen Einfluss der Askanier auf den

Welfen voraussetzte. Diese Beziehungen passen durchaus zu einem gemeinsamen 

militärischen Unternehmen.

Über den konkreten Anlass für den Zug gegen Kletzke kann nur spekuliert werden.

Im Jahre 1389 unternahmen viele Ritter und Knechte aus dem Lüneburger Land und aus

der Prignitz einen Raubzug in die Gegend um Oldesloe. Die durch einen Landfrieden

verbundenen Fürsten, Grafen und Städte (Hamburg und Lübeck) griffen die Plünderer

an und jagten sie bis vor Mölln, wobei sich der Lübecker Vogt besonders hervortat und

viele Gefangene machte. Die Herzöge von Sachsen-Lauenburg werden in diesem 

Zusammenhang nicht erwähnt, sie waren aber in den Landfriedensbund einbezogen. 

Vom erwähnten Raubzug könnte auch das Territorium der Lauenburger Herzöge betroffen

gewesen sein, und es wäre ebenso denkbar, dass jemand von den Kletzker Quitzows zu den

Teilnehmern gehörte. Unter diesen Voraussetzungen, die sich aus den Quellen allerdings

nicht belegen lassen, hätte Herzog Erich einen Grund gehabt, gegen Kletzke zu ziehen

und gegenüber einer der führenden Adelsfamilien der Prignitz ein Zeichen zu setzen,

dass er solche Raubzüge wie den des Jahres 1389 nicht duldet und militärisch verfolgt.

Ähnliche Motive mögen eventuell auch Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg

zur Teilnahme am Zug gegen Kletzke bewogen haben, denn 1382 war Kune von Quitzow

in Streitigkeiten mit dem Lüneburger Land geraten, die aber 1384 offensichtlich schon

geregelt waren. Auch in den Lüneburger Erbfolgestreit scheint der Mitinhaber von

Kletzke involviert gewesen zu sein.  Am 9. Januar 1388 schrieben die Ratsherren der

Stadt Lüneburg an den Bürgermeister und die Ratsherren von Uelzen, 

dass sie Dietrich Springintgut, der Bürgermeister Lüneburgs, über folgenden Plan zur Einnahme Uelzens

unterrichtet habe: Vor dem Tor in Richtung Bodenteich liegt ein trockener Graben, der

durch einen Zaun gesichert ist. Zwischen Zaun und Graben patrouilliert ein Wächter, den

man ergreifen und dann zwingen will, „so Wächter so“ zu rufen, damit in der Stadt niemand

Verdacht schöpft. Unterdessen wird man in die Stadt eindringen. 

Deshalb empfehlen die Lüneburger, den Santersleben um Rat zu fragen, da er als Wächter dort tätig war und die Gegend daher kennt. 

Wegen der Einnahme von Uelzen seien jetzt Kune von Quitzow

und Klaus Möllendorf in Celle. Sie wollen über hundert Bewaffnete zusammenbringen

und, obwohl ihre Freunde sich in Uelzen befänden, nicht von diesem Vorhaben lassen,

denn der Rat von Lüneburg stünde ihren Freunden für den Schaden ein.

Im Januar 1388 rüsteten sich im Lüneburger Erbfolgestreit die verfeindeten Parteien –

der askanische Herzog Wenzel von Sachsen-Wittenberg mit seinen Verbündeten auf der

einen und die welfischen Herzöge Friedrich und Heinrich von Braunschweig-Lüneburg

sowie Otto von Braunschweig-Göttingen sowie deren Helfer auf der anderen Seite – für

die bevorstehenden Auseinandersetzungen, die schließlich am 28. Mai 1388 mit einem

Sieg der welfisch-braunschweigischen Partei endeten. Die Stadt Lüneburg, auf der Seite

Wenzels stehend, bezeichnete die Situation bereits im Januar 1388 als Krieg. Schon seit

Ende 1387 bemühte sich die Stadt, Söldner in Dienst zu nehmen, so beispielsweise Daniel

Priggenitz, der bei Röbel begütet war und auch in Prignitzer Angelegenheiten nachzu-

weisen ist. Im Brief der Lüneburger Ratsherren ist von Freunden Kune von Quitzows

und Klaus Möllendorfs die Rede, für deren Schäden die Stadt Lüneburg einzustehen hatte.

Sie könnten also von ihr in Dienst genommen worden sein, wie es das Beispiel des Daniel

Priggenitz vermuten lässt. Es ist nicht auszuschließen, dass auch Kune von Quitzow zu

dieser Gruppe gehörte; das heißt, er hätte in der Endphase des Lüneburger Erbfolgekrieges

in Diensten der Stadt Lüneburg gestanden. Für diese Möglichkeit spricht der Umstand,

dass Wedigo von Quitzow, der Inhaber von Rühstädt, zu den Gefangenen gehörte, die

sich in der Gewalt der welfischen Partei befanden.

Was nun den Plan Kune von Quitzows und Klaus Möllendorfs anbelangt, Uelzen zu

überfallen und dabei auf die Verpflichtung Lüneburgs zum Schadensausgleich zu setzen,

also den Soldherrn zu schädigen, so haben wir es hier mit einem Verhalten zu tun, das

offensichtlich unabhängig von den politischen Konstellationen zu verstehen ist. Den Auf-

enthalt der beiden in Celle – hier residierte die Mutter Herzog Heinrichs, Katharina, eine

Gegnerin der askanisch-lüneburgischen Partei – kann man wohl nicht als Frontwechsel

interpretieren. Vielmehr scheint es hier um die Mobilisierung eines sozialen Verbundes

gegangen zu sein, mit deren Hilfe man den Unterhalt zu finanzieren hoffte. So ließe

sich die Absicht, Uelzen zu erobern, als eine Aktion verstehen, 

die möglicherweise durch unklare Soldverträge oder offene Forderungen ausgelöst wurde. 

Dementsprechend spräche dieses Beispiel dafür, dass das Handeln unter Sold stehender Adliger dem Fehderecht 

verpflichtet war und politische Loyalitäten davon nicht berührt wurden.

Der Zug Herzog Heinrichs gegen Kletzke im Jahre 1390 könnte nach diesen 

Überlegungen auch dazu gedient haben, alte Rechnungen zu begleichen. Zum einen wäre es

denkbar, dass Kune von Quitzow in Diensten der askanisch-lüneburgischen Partei ge-

standen und damit die Gegner der Welfen unterstützt hatte. Zum anderen hatten sich

die Welfen nach ihrem Sieg im Erbfolgestreit mit der Stadt Lüneburg ausgesöhnt. 

Die für 1388 belegten Aktivitäten Kunes von Quitzow dürfte man aufseiten der Stadt Lüneburg

noch nicht vergessen haben, sodass auch eine solche Motivation für den Zug gegen Kletzke

eine Rolle gespielt haben könnte. Beide Varianten deuten auf eine Vergeltung für die

Unternehmungen Kunes von Quitzow in der Endphase des Lüneburger Erbfolgestreits.

Damit setzte Herzog Heinrich ähnlich wie sein Schwager Erich IV. ein Zeichen gegen den

Prignitzer Adel, insonderheit gegen den mehrfach in und um Lüneburg hervorgetretenen

Kune von Quitzow. Die angeführten Aktivitäten Kunes von Quitzow im Lüneburger

Land sind aber auch die einzigen Indizien, die dafür sprechen, dass sich der Angriff auf

die Burg Kletzke in besonderer Weise gegen Kune gerichtet hätte. Er war zwar Inhaber

von Kletzke, aber eben nicht alleiniger Burgherr. 

Dementsprechend sprach Detmar und ihm folgend Korner auch nur von den Quitzows, 

die Kletzke innehatten.

Die Schlussbemerkung zum Kletzker Unternehmen in der ersten Fortsetzung der

Detmar-Chronik, dass die Quitzows manche Jahre keinen Heerschild besessen hatten,135

verlangt nach einer Erklärung. Keinen Heerschild zu besitzen bedeutete, da dieser Begriff

seit dem 12. Jahrhundert in engem Zusammenhang mit dem Lehnswesen verwendet wur-

de, dass man auf der niedersten Stufe in der Lehnsordnung stand und die Lehnsfähigkeit

zumindest umstritten war. Für die Mark Brandenburg hat Georg Winter eine dreistufige

Schichtung für die den Rittertitel Führenden herausgearbeitet: An erster Stelle standen

die Ministerialen, gefolgt von den gewöhnlichen Adligen (milites), und auf der niedersten

Stufe sah er die niederen Soldritter, sogenannte Einschildige. 

Einzelne Familienmitglieder lassen sich im letzten Viertel des 13. und im ersten Viertel 

des 14. Jahrhunderts als milites belegen, andere in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Knappen. 

Zu den Einschildigen wurden, wie Winter ausführt, diejenigen gezählt, die sich für Söldnerheere 

anwerben ließen. Auf diesen Sachverhalt, der sich für die Quitzows auch belegen lässt, 

spielte der Lübecker Chronist offensichtlich an. Dass zwei Herzöge 1390 gegen die Burg Kletzke

und Umgebung zogen, zeigt, welchen Machtzuwachs die Quitzows im letzten Drittel des

14. Jahrhunderts errungen hatten. Umgekehrt sehen wir die Landesherren in ständigen

Auseinandersetzungen mit dem fehdeführenden Adel, die das ganze Reich durchzogen.

Die Nachrichten aus der ersten Fortsetzung der Detmar-Chronik zum Kampfgeschehen

selbst sind mehr als dürftig, denn es ist lediglich von Brandschatzung in der Umgebung

von Kletzke die Rede. Das Heer dürfte, da der Zug gegen Kletzke wahrscheinlich nicht von

demselben Kontingent, das gegen Gartow und Schnackenburg zog, unternommen wurde,

auch nicht die Größe von 1100 Mann besessen haben, wobei solche Größenangaben ohne-

hin oft zweifelhaft sind. Der Angriff auf die Burg Kletzke führte nicht zu deren Eroberung,

doch von einem Sieg über die herzoglichen Aufgebote kann keine Rede sein. 

Ebenso wenig bietet die Fortsetzung der Detmar-Chronik Anhaltspunkte, die es rechtfertigen, 

die Verteidigung der Kletzker Burg als besondere Leistung hervorzuheben. 

Eine solche Sichtweise stellt eine Rückprojizierung dar, die von der vermeintlichen Vormachtstellung der

Brüder Dietrich und Johann von Quitzow, der Söhne Kunes, in der Mittelmark zwischen

1400 und 1410, der sogenannten Quitzow-Zeit, ausging.  So gedenkt zwar Engelbert

Wusterwitz im ersten Teil seiner Aufzeichnungen, die er im letzten Viertel des Jahres 1410

niederschrieb, Kune als eines „alten reubers oder höfflichen reuters“, 

was als Hervorhebung seiner militärischen Fähigkeiten verstanden werden kann. 

Dass zu diesem Ruf die Verteidigung von Kletzke beigetragen hat, wäre zwar denkbar, aber zwingend ist eine solche Lesart nicht, 

denn ebenso könnte eine solche Auffassung aus der Darstellungsabsicht der

Wusterwitz’schen Aufzeichnungen resultieren.

Auflistung der im 14. Jahrhundert erwähnten Mitglieder der Familie von Quitzow

von Clemens Bergstedt und Gordon Thalmann

Name(n) Jahr der Erwähnung(en)


Nikolaus 1300

Nikolaus und Dietrich 1304

Dietrich   1305, 1306

Johannes 1316, 1324, 1325, 1327

Konrad 1317

Nikolaus, Konrad, Dietrich,

Brüder 1319, 1333, 1336, 1339

Hans und Coneke 1319

Beteker und Henning 1319

Dietrich und Heinrich, Brüder und ihr Onkel Henning 1328

Claus und Hans, Brüder 1332

Dietrich 1333

Nikolaus 1337, 1338, 1340, 1341

Koneke und Dietrich 1337

Nikolaus und Koneke 1338,

Konrad d.J. auf Quitzow und seine Söhne Zabel und Iwan 1343, 1349, 1351, 1364

Koneke, Klaus und Tideke, Brüder 1343

Konrad und sein Onkel Johann 1345

Nikolaus und Dietrich 1345

Kunigunde, Äbtissin von Heiligengrabe (?) gest. 1347

Konrad und Henning,

­Brüder auf Bresch 1349, 1351

Johann 1350, 1354

Cordt 1352

Cuneke 1353

Dietrich 1354

Henneke 1364

Johannes 1365

Klaus und Kone, Brüder 1370, 1382, 1383, 1385, 1388, 1391

Tideke 1371, 1373

Klaus 1376

Iwan auf Grube 1376, 1378

Dietrich und sein Sohn

Dietrich d.J. auf Kletzke 1376 

Wedigo 1376, 1379, 1388

Wedigo und Iwan 1378

Dietrich vor 1381

Kone 1384, 1387, 1388, 1394

Iwan und Kone 1387

Klaus zu Blumenthal 1387

Kune d.Ä. und seine Kinder

Else, Margarethe und Cone 1387

Iwan und sein Sohn Lippold 1391

Heinrich 1395


 

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