Archäologie Sommercamp                           Burgruine Kletzke 2024

Unter der Leitung von Gordon Thalmann und Torsten Foersch

Der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Prignitz und Bauforscher Gordon Thalmann wird im Herrenhaus in Kletzke am 11.04.,ab 18:30 Uhr seinen Vortrag „Die Quitzows auf Kletzke / Prignitz. Neue Forschungen über Belagerungen, Burgen und ‚Raubritter‘“ halten. Vortragsort ist der Festsaal im Herrenhaus in 19339 Kletzke, Dorfstraße 60 (schräg gegenüber der Dorfkirche).
In den vergangenen Jahren war Kletzke immer wieder Ziel für bauhistorische und archäologische Untersuchungen, die von der Unteren Denkmalschutzbehörde angeregt und von ihr begleitet wurden. Es gab zudem ein universitäres Grabungsprojekt und verschiedene Feldbegehungen mit den ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern auf dem Schlachtfeld von 1390, die allesamt wertvolle Erkenntnisse zur mittelalterlichen Geschichte des einst bedeutenden Rittersitzes der Familie von Quitzow in Kletzke ergaben. Teilweise haben Gordon Thalmann und Clemens Bergstedt diese jüngsten Untersuchungen im letzten Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte (2024)  in einem sehr zu empfehlenden Aufsatz publiziert. 2024 wurde überdies die Ruine des Renaissanceschlosses, in dem sich noch das Feste Haus der Quitzows verbirgt, im Rahmen des Sommerzeltlagers Junge Archäologen Prignitz – einem Gemeinschaftsprojekt von Kreis- und Rolandstadt Perleberg und Landkreis Prignitz – und mit Unterstützung des heutigen Eigentümers Lutz Lange ausgiebig untersucht (vgl. Abb.), wobei viele interessante Funde gemacht wurden, die wertvolle neue Details zur Baugeschichte dieser sehr großen Schloßanlage offenbarten. Auf all diese archäologischen Befunde im Kontext zur bisher tradierten Bau-, Dorf- und Familiengeschichte geht Gordon Thalmann in dem spannenden Vortrag ein. Bitte melden Sie sich für eine bessere Planung zu dieser Veranstaltung an.

Archäologische Untersuchungsergebnisse

Kletzke, 1307 das erste Mal urkundlich erwähnt, entstand als Reihen- bzw. Straßendorf

mit eigener Kirche während des hochmittelalterlichen Landesausbaus. 

Am südwestlichen Ende des Ortes befindet sich der einstige Adelssitz, der sich ausgehend von einer kleinen

Turmhügelburg mit Vorburg (Doppelmotte) über ein prächtiges Renaissance-

schloss mit Wirtschaftshof zum schlichten Rittergut mit Herrenhaus entwickelte. Im

Rahmen von archäologischen Gelände- und Oberflächenprospektionen konnten im 

Februar/März und im Mai 2023 Funde an der mittelalterlichen Burg und auf dem nahe

gelegenen Heerberg gemacht werden.

Zunächst zu den Funden auf dem Gelände der Doppelmotte: 

Zahlreiche Objekte aus Metall, die zu großen Teilen aus Eisen und zum Teil aus Bunt- oder Edelmetall bestanden,

traten bereits zehn bis zwanzig Zentimeter unter der Geländeoberkante zu Tage. 

Im Rahmen der Begehungen konnten eine frühneuzeitliche und mehrere mittelalterliche Münzen

(Denare und Hohlpfennige) des 14. und 15. Jahrhunderts vornehmlich auf dem höher

gelegenen Plateau der Turmhügelburg gefunden werden. 

Der Datierungszeitraum der Münzen lässt den Schluss zu, dass die Burganlage noch bis weit in das 

15. ­ Jahrhundert genutzt wurde. Bei den mittelalterlichen Militaria, die sich mit einer Ausnahme im

Bereich der tiefer gelegenen Vorburg fanden, handelt es sich um zwei Steigbügel 

unterschiedlicher Form, zwei Trensenfragmente, mehrere Armbrustbolzenspitzen, ein

mögliches Fragment eines Körperpanzers und ein Teilstück einer Schwertklinge. 

Auf dem flachen Plateau der Vorburg konnten ferner Gegenstände des alltäglichen Lebens,

zum Beispiel zahlreiche handgeschmiedete Nägel, mehrere Schnallen und Haken, Messer

und Messerteile (Klingen, Messerplättchen, Griffe) sowie eine Bügelschere aus dem Bo-

den geborgen werden. Für einen gehobenen Lebensstandard sprechen zwei versilberte

Messerscheidenbeschläge. 

Des Weiteren fanden sich noch einige Scherben harter grauer

Irdenware des 13.–15. Jahrhunderts sowie Tierknochenfragmente mit Schnittspuren. Zu

den herausragenden Metallfunden zählen zwei Petschaften (Siegel), die durch Detektor-

begehung entdeckt wurden. Bei dem ersten Siegel, das von der Hügelkuppe

der Hauptburg stammt, handelt es sich um eine ca. vier Zentimeter große Petschaft. Im

umlaufenden Perlenband lässt sich trotz starker partieller Korrosionsspuren der Name

des Siegelführers ✬niCOLAI✬de✬QUitZOW✬ lesen. Das Wappenschild zeigt die

beiden von einem Querbalken geteilten Quitzow-Sterne. Vermutlich handelt es sich ent-

weder um Nikolaus, einen der drei 1375 erwähnten Quitzow-Brüder auf Kletzke, oder

um deren Vetter Klaus, der 1405 auch im Besitz der Burg Stavenow nachzuweisen ist.

Der Umstand, dass Klaus, der Sohn des Schwarzen Dietrich, weder 1375 noch 1404/05

mit dem Namen Nikolaus aufgeführt wurde, spricht allerdings für den Erstgenannten.

Die zweite mittels Metalldetektor gefundene Petschaft ist nur fragmentarisch erhalten.

Das lediglich zwei Zentimeter große Bruchstück gibt weder den vollständigen Namen

noch das Wappen preis. Immerhin ist in der Umschrift der Vorname „ALArt“ zu lesen,

und dieser ungewöhnliche Name lässt sich im 14. und 15. Jahrhundert bei der Prignitzer

Adelsfamilie von Rohr nachweisen.

Aufgrund des umfangreichen Fundaufkommens bei der Oberflächenprospektion fand

unter Leitung von Thomas Schenk im Mai 2023 eine Lehr- und Forschungsgrabung des

Studiengangs „Angewandte Landschafts- und Feldarchäologie“ (ALFA) der Hochschule für

Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) an der Doppelmotte in Kletzke statt. 

Es wurden zwei Grabungsschnitte von je 5 m Länge und 1,50 m Breite angelegt. 

Diese lagen in einer Achse und schnitten, ausgehend vom trennenden Burggraben, der in den historischen

Karten als „Wellgraben“ bezeichnet wird, in die Wallkörper der Haupt- und Vorburg. Die

Wall- bzw. Uferränder der Doppelmotte waren zum umlaufenden Wassergraben hin mit

einer Pfosten-Bohlenkonstruktion aus Eichen- und Eschenholz befestigt. (Abb. 5) Aufgrund

der dendrochronologischen Untersuchung konnte der genaue Errichtungszeitpunkt der

Befestigungskonstruktion ermittelt werden. Die Bauhölzer wurden in den Wintermonaten

der Jahre 1375 und 1376 (d) gefällt.161 Diese Daten passen damit erstaunlich präzise zur

Nachricht der Belehnung der Quitzows mit Kletzke im Jahre 1375. Zum Aufbau von

Gebäudestrukturen auf der Haupt- und Vorburg können dagegen bislang nur wenige

Aussagen getroffen werden, weil die Grabungsschnitte nicht auf die Hügelkuppe und Pla-

teauflächen reichten. Unabhängig davon wurden jedoch ohne einen stratigrafischen Zu-

sammenhang im Hangbereich zahlreiche Dachziegelfragmente vom Typ „Mönch-Nonne“

gefunden. Weiterhin kamen neben der zu erwartenden Gebrauchskeramik zerbrochener

harter Grau- und Kugeltopfware auch Stücke von Holzkohle und verziegeltem Lehm

mit Strohabdrücken zum Vorschein.Dies belegt zumindest für einzelne Gebäude, dass

diese im aufgehenden Gefüge Fachwerkteile mit Stroh-Lehmwickel-Füllungen und eine

Hartziegelbedachung besaßen.

Etwa 800 Meter südlich von der Turmhügelburg in Kletzke befindet sich in Sichtweite

eine natürliche Geländeerhebung. Schon die auf alten Kartenwerken überlieferte Be-

zeichnung „Heerberg“ lässt aufhorchen, umso mehr, wenn man die Ereignisse von 1390

berücksichtigt. Laut lokaler mündlicher Überlieferung soll sich auf dem Heerberg der

Lagerplatz und die Wagenburg des welfisch-askanischen Heeres befunden haben. Dazu

passend wurden neben einem Militaria-Fragment auf den Prospektionsflächen drei Blei-

kugeln unterschiedlicher Kaliber entdeckt. Außerdem fand man bei der systematischen

Detektorprospektion auf dem Heerberg auch hier eine Petschaft, die zudem außerordentlich

gut erhalten ist.  Es handelt sich bei dem Fundstück um ein rund vier Zentimeter   

großes Bronzesiegel in altfranzösischer Form, das umlaufend im Perlenband den Namen des

ehemaligen Siegelführers verrät: „✬HenriCI✬de✬VALkenHAYN✬“, 

also Heinrich von Falkenhayn. Im zentralen Wappenschild befindet sich ein mittelalterlicher Topf- bzw.

Kübelhelm, der beiderseits von vier Reiherfedern flankiert wird. Die Siegelform sowie

die bild- und schrifttypische Darstellungsart sprechen für eine Datierung der Petschaft

in die Jahre um 1400. 

Heinrich von Falkenhayn stammte aus Schlesien und erschien in Urkunden der Städte Goldberg und Hainau 

sowie vor allem gegen Ende des 14. und am Anfang des 15. Jahrhunderts als Urkundenzeuge bei den Herzögen Ruprecht 

und Wenzel von Liegnitz. Eben jener Heinrich von Falkenhayn lässt sich 1410 als Söldner

beim Deutschen Orden nachweisen.  Offenbar hatte er sich mit anderen schlesischen

Rittern der Rotte des Heinz von Ohlau angeschlossen, der am 25. September 1410 mit

110 Spießen (Rittern) in den Dienst des Deutschen Ordens getreten war.  

Da Heinrich von Falkenhayn nach 1410 namentlich nicht mehr in Erscheinung trat und auch in den

überlieferten Gefangenenverzeichnissen fehlt, wäre es denkbar, dass er bei den verlustreichen

Kämpfen um das Ordensland zu Tode kam.

Hinsichtlich der Datierung der Kletzker Fundstücke vom Heerberg gibt eine dort 

entdeckte mittelalterliche Münze weitere Sicherheit. Der gefundene halbe Brandenburger

Denar aus der Regierungszeit der Luxemburger wurde vor 1390 geprägt und war nur

kurze Zeit im Umlauf.  Berücksichtigt man außerdem, dass Heinrich von Falkenhayn

in den Jahren zwischen 1389 und 1396 in seiner Liegnitzer Heimat nicht mehr in den

Urkunden nachzuweisen ist, dann könnte er sich als Söldner im Belagerungsheer befunden

haben und Teilnehmer des Zugs gegen die Quitzows gewesen sein. 

Diese Möglichkeit würde zumindest erklären, dass er seine Petschaft in Kletzke – vielleicht im Rahmen von

Kampfhandlungen – verlor. Die Fundstücke vom Heerberg, und das war in dieser

Deutlichkeit nicht vorherzusehen, lassen sich mit den Ereignissen des Jahres 1390 in einen

Zusammenhang bringen.

 

Ausblick

Die vorgestellten Ergebnisse belegen einmal mehr die Fruchtbarkeit der Zusammenarbeit

von Mediävistik und Archäologie, wie sie in der modernen Burgenforschung schon seit

längerer Zeit betrieben wird. Ausgehend von den schriftlichen Quellen wurde der Verauch unternommen, 

Die ersten Konturen der Familie von Quitzow im 14. Jahrhundert zu erfassen und die Nachrichten 

über das Gefecht des Jahres 1390 in diese Zusammenhänge einzuordnen. 

Hinzu kamen die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen, die die Schriftquellen teilweise erstaunlich genau bestätigten. 

Die Funde fordern nicht nur zu weiteren Untersuchungen, sondern auch zu neuen Interpretationen heraus, bei denen künftig

stärker die Archäologie und nicht mehr so sehr die Mediävistik Ziele und Fragestellungen

bestimmen wird.

 


 

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