Dr. Angelika Wöhler-Geske

Dr. Angelika Wöhler-Geske
Dr. Angelika Wöhler-Geske ist Agrarwissenschaftlerin und sie kennt sich mit dem Mittelalter aus. Nicht nur mit der Geschichte, auch mit Kräutern und Rezepten aus der Zeit zwischen dem 5. und 15. Jahrhundert. Wie muss man sich das mittelalterliche Essen vorstellen, von welchen Rahmenbedingungen war es geprägt, und woher kennt man die Originalrezepte? Im Gespräch mit Markus Vahlefeld im Podcast, gibt sie Einblick in eine verschollene Welt und verrät sogar zwei Rezepte zum Nachkochen, die auch heutigen Mündern schmecken dürften.
Leib und Speise

Essen im Mittelalter
Dr. Angelika Wöhler-Geske ist Agrarwissenschaftlerin und kennt sich mit dem Mittelalter aus. Nicht nur mit der Geschichte, auch mit Kräutern und Rezepten aus der Zeit zwischen dem 5. und dem 15. Jahrhundert. Wie muss man sich das mittelalterliche Essen vorstellen, von welchen Rahmenbedingungen war es geprägt, und woher kennt man die Originalrezepte? Im Gespräch mit Markus Vahlefeld gibt sie Einblick in eine verschollene Welt und verrät sogar zwei Rezepte zum Nachkochen, die auch heutigen Mündern schmecken dürften.
Kräuter
Mit der Biologin und Fachfrau für Kräuterkunde Dr. Angelika Wöhler-Geske spricht Markus Vahlefeld über eines der wichtigsten Zutaten in allen Küchen der Welt: Kräuter. Wie sie wurden, was sie sind, und über die Faszination, die sie auch auf spirituelle Menschen ausüben. Denn Kräuter haben eine ganz eigene Magie.
Holunder
Die Kultur Mitteleuropas ist vom Holunder geprägt. Heute fristet er jedoch nur noch ein Schattendasein, weil die Mittelmeerpflanzen ihm den Rang abgelaufen haben. Heutzutage wird Holunder noch zu Limonade oder zu süßem Aufstrich verarbeitet, ansonsten ist er aus der Küche so gut wie verschwunden. Dabei ist er tief verankert in der germanischen Mythologie, die uns noch aus Märchen wie Frau Holle anweht. Mit der Biologin Dr. Angelika Wöhler-Geske spricht Markus Vahlefeld über die Vergangenheit des Holunders, dessen geschmackliche Vielfalt und auch Heilwirkung.
Die Küche im Mittelalter
Das Mittelalter! Eine Zeit, in der die Küche noch weit entfernt von unseren heutigen Standards war. Doch trotz der einfachen Mittel und Zutaten, war das Essen im Mittelalter nicht nur lecker, sondern auch sehr interessant.
Die Küche im Mittelalter
Im Mittelalter gab es keine moderne Küchenausstattung wie wir sie heute kennen. Die Menschen kochten auf offenen Feuern, in einfachen Öfen oder auf primitive Kochstellen. Die Küche war oft ein dunkler, rauchiger Raum, in dem die Familie und die Bediensteten gemeinsam kochten und aßen.
Zutaten und Gerichte
Die Zutaten im Mittelalter waren einfach und oft saisonal. Die Menschen aßen, was sie selbst anbauten oder was sie in den Wäldern und Flüssen finden konnten. Beliebte Zutaten waren:
- Getreide wie Weizen, Roggen und Hafer
- Gemüse wie Karotten, Rüben und Kohl
- Früchte wie Äpfel, Birnen und Kirschen
- Fleisch wie Schweinefleisch, Rindfleisch und Hühnerfleisch
- Fisch aus Flüssen und Seen
Einige beliebte Gerichte im Mittelalter waren:
- Eintopfgerichte wie "Pottage" (ein dicker Eintopf aus Gemüse und Getreide)
- Gebratenes Fleisch wie "Roastbeef" oder "Schweinebraten"
- Fischgerichte wie "Fischsuppe" oder "Gebratener Fisch"
- Süßigkeiten wie "Fruchttorte" oder "Honigkuchen"
Kochen und Zubereitung
Das Kochen im Mittelalter war oft ein langwieriger Prozess. Die Menschen mussten erst die Zutaten sammeln, reinigen und vorbereiten, bevor sie sie kochen konnten. Die Kochmethoden waren einfach und bestanden oft aus:
- Braten über offenen Feuern
- Kochen in einfachen Öfen oder auf primitive Kochstellen
- Dünsten in Dämpfen oder mit Dampf
Tischsitten und Esskultur
Im Mittelalter war das Essen ein wichtiger Teil des täglichen Lebens. Die Menschen aßen oft gemeinsam mit der Familie und den Bediensteten. Die Tischsitten waren einfach und bestanden oft aus:
- Essen mit den Händen
- Trinken aus Holzbechern oder Tonkrügen
- Reden und Lachen während des Essens
Fazit
Das Essen und Kochen im Mittelalter war einfach, aber lecker und interessant. Die Menschen aßen, was sie selbst anbauten oder finden konnten, und kochten es auf primitive Weise. Trotz der einfachen Mittel und Zutaten, war das Essen im Mittelalter ein wichtiger Teil des täglichen Lebens und ein Zeichen von Gastfreundschaft und Gemeinschaft.
Rezepte zum Nachkochen
Nimm gute grüne oder trockene Erbsen, weich sie über Nacht und koch sie in Wasser mit ein wenig Salz. Schlag sie hernach klein mit einem Holzlöffel oder durch ein Tuch. Nimm Zwiebeln, hack sie klein und brat sie in Öl oder Butter, wenn's erlaubt sei. Misch sie unter den Mus, gib Pfeffer und ein wenig Majoran darzu. Lass es nochmals auf dem Feuer, bis es wohl durch ist.
Solch Speis ist gut für den Freitag oder in der heiligen Fastenzeit, und sättiget den Magen wohl.
Nimm ein jung Hühnlein und brich ihm den Hals. Rupf es sauber, nimm aus das Innere und wasch es wohl. Salz es fein und steck es an einen Spiess. Röst es bei sanftem Feuer und bestreich es mit einem Würzwein, darin ist: Pfeffer, Ingwer, Muskatblüt, ein wenig Essig und Honig. Lass es drehen, bis es gar und schön braun sei. Gib darzu gebackene Rüben oder ein feines Brot.
Solch Speise ist den Rittern genehm und soll warm gespeist werden zur rechten Zeit.
Zutaten:
1 ganzes Huhn (ca. 1,2–1,5 kg)
Salz
100 ml Weißwein oder Met
1 EL Honig
1 EL Essig (Wein- oder Apfelessig)
½ TL schwarzer Pfeffer
½ TL Ingwer (gemahlen)
¼ TL Muskatblüte (oder Muskatnuss)
Optional: etwas Zimt
Zubereitung:
Bereite das Huhn vor (rupfen, säubern, ausnehmen, salzen).
Stecke es auf einen Bratspieß oder gib es in den Ofen bei 180 °C.
Mische aus Wein, Honig, Essig und den Gewürzen eine Würzsoße.
Bestreiche das Huhn während des Bratens regelmäßig mit der Soße.
Brate es, bis die Haut goldbraun und knusprig ist (ca. 1–1,5 Stunden).
Gib dazu: geröstete Rüben oder Brot.
Zutaten:
250 g getrocknete Erbsen (grün oder gelb)
Wasser zum Kochen
1 TL Salz
1–2 Zwiebeln
2 EL Öl (Olivenöl oder Butter, wenn nicht gefastet wird)
½ TL schwarzer Pfeffer
1 TL Majoran (getrocknet oder frisch)
Zubereitung:
Weich die Erbsen über Nacht in Wasser ein.
Koche sie am nächsten Tag weich (ca. 45–60 Minuten).
Stampf die Erbsen zu einem Mus oder passiere sie.
Hacke die Zwiebeln fein und brate sie im Öl an.
Misch die Zwiebeln unter das Erbsenmus, würze mit Salz, Pfeffer und Majoran.
Nochmals erwärmen, dann auftragen.
Nimm gute Äpfel, schäl sie und tu sie in einen Topf mit klar Wasser. Sied sie, bis sie weich sein. Drück sie durch ein Tuch oder durch ein Haarsieb. Nimm darzu gestossene Mandeln mit ein wenig Rosenwasser und misch es unter den Mus. Gib auch ein wenig Zucker darzu und Zimt, dass es lieblich schmecke. Lass es auf kleiner Glut kochen, bis es dick sei. Gib es kalt oder warm auf den Tisch.
Dies ist ein feines Gericht für Herren und Damen und dienet wohl zu festlicher Speis.
Zutaten:
5–6 gute Äpfel (z. B. Renetten oder Boskoop)
100 g Mandeln (geschält, ungesalzen)
2 EL Rosenwasser (nach Belieben)
2–3 EL Zucker (oder Honig)
1 TL Zimt
Wasser zum Kochen
Zubereitung:
Nimm die Äpfel, schäl sie und entkern sie. Schneide sie klein und gib sie in einen Topf mit wenig Wasser.
Lass sie kochen, bis sie weich sind. Dann drück sie durch ein Tuch oder pürier sie mit dem Löffel.
Zerstoß die Mandeln fein (oder nimm gemahlene) und misch sie mit etwas Rosenwasser.
Gib Zucker und Zimt zum Apfelmus und rühr die Mandeln darunter.
Lass alles auf kleiner Glut (mittlerer Hitze) einkochen, bis es sämig ist.
Kalt oder warm geben, wie es beliebt.
Hier sind drei mittelalterliche Rezepte, wie man sie in alten Kochbüchern etwa aus dem 13. bis 15. Jahrhundert finden konnte.

Eine von "Peter von den Eichen" erstelltes Speisenblatt
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Fotos © Margit Jahn
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